Lebensdaten
1809 bis 1881
Geburtsort
Nörten bei Göttingen
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Sprachwissenschaftler ; Orientalist
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 119059347 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Benfey, Theodor
  • Benfay, Theodor
  • Benfey, T.
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Benfey, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119059347.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Isaak, Kaufmann, hervorragender Talmudkenner;
    1840 Fanny Wallenstein;
    1 S, 4 T.

  • Leben

    B. studierte 1824-28 in Göttingen und München klassische Philologie, promovierte 1828 in Göttingen mit seiner Dissertation „De Liguris“ und habilitierte sich 1829 mit der Schrift „Observationes ad Anacreontis fragmenta genuina“. 1832-34 lebte er in Heidelberg und kehrte dann als Privatdozent nach Göttingen zurück. 1848 - in diesem Jahre trat er zum Christentum über - wurde er zum außerordentlichen und 1862 zum ordentlichen Professor in Göttingen ernannt, nachdem ihn die Akademien in Berlin und München sowie das Institut de France bereits zum Mitglied erwählt hatten. Später wurde er noch Mitglied mehrerer anderer Akademien und wissenschaftlicher Gesellschaften.

    Von der klassischen Philologie ausgehend, auf die er sich anfänglich in Lehre und Forschung einstellte, wandte er sich später den orientalischen Sprachen und dem Sanskrit zu, das er sich als Autodidakt angeeignet hatte. Der Bonner indologischen Richtung sich anschließend, vermochte er Sprachwissenschaft und Sanskritforschung in seltener Weise in seiner Person zu vereinigen und auf beiden Gebieten Hervorragendes zu leisten. Mit dem „Griechisches Wurzellexikon“ (1839-42) setzte die Reihe seiner größeren Veröffentlichungen ein; dann folgten sein großer, nahezu einen Quartband füllender Artikel „Indien“ in J. S. Erschs und J. G. Grubers „Allgemeiner Encyklopädie der Wissenschaften und Künste“ (Sec. 2, Th. 17, 1840), seine Untersuchung „Über das Verhältnis der ägyptischen Sprache zum semitischen Sprachstamm“ (1844), „Die persische Keilinschriften mit Übersetzung und Glossar“ (1847) und seine heute noch ganz unentbehrliche Ausgabe „Sāmavedārcikam, Die Hymnen des Sâmaveda herausgegeben, übersetzt und mit Glossar versehen“ (1848). Sehr nützlich sind noch sein zweibändiges „Handbuch der Sanskritsprache“ (1852/53), dessen grammatischer Teil „eine vollständige Darstellung des schwerverständlichen grammatischen Systems Pānini's“ bietet, seine „Kurze Sanskritgrammatik“ (1855), seine „Practical Grammar of Sanskrit Language“ (1863-68) und sein „Sanskrit-English Dictionary“ (1866). Weltruhm erlangte er aber durch seine Übertragung des „Pantschatantra, Fünf Bücher indischer Fabeln, Märchen und Erzählungen“ (1859), in deren erstem Bande er den indischen Ursprung vieler orientalischer und okzidentalischer Märchen sowie die Wege ihrer Wanderung ins Abendland nachwies und so die erste Grundlage für die vergleichende Märchenkunde legte. Auf umfassenden Studien beruht seine geistvolle „Geschichte der Sprachwissenschaft und orientalischen Philologie in Deutschland“ (1869), aber seine „ausführliche Grammatik der vedischen Sprache“ ist unvollendet und unvollendbar geblieben; von ihr erschien nur „Einleitung in die Grammatik der vedischen Sprache, Erste Abhandlung: Der Samhitâ-Text“ (1874). 1862-66 gab er die Vierteljahrsschrift „Orient und Occident“ heraus, jedoch sind die meisten seiner Abhandlungen und Kritiken in den Veröffentlichungen der Göttingischen Gesellschaft der Wissenschaften erschienen. Seine „Kleinen Schriften“ wurden von A. Bezzenberger herausgegeben (1890/92).

  • Literatur

    ADB XLVI;
    F. Müller, Th. B., Academy, July 1881 (Abdr. aus d. Times);
    A. Bezzenberger, in: Btrr. z. Kde. d. indogerman. Sprachen 8, 1884;
    M. Benfey, Th. B., 1909 (vollst. W-Verz.);
    E. Windisch, Gesch. d. Sanskrit-Philol. u. ind. Altertumskde., T. 1, 1917, Kap. XXX;
    Th. B. als Begründer d. vergleichenden Märchenkde., 1931 (anonym, | vollst. W.-Verz.);
    Enc. Americana III, 1947;
    Winkler Prins Enz. III, Amsterdam 1948.

  • Portraits

    in: Kleine Schrr., hrsg. v. A. Bezzenberger, 1890–92;
    Holzschnitt in: LIZ 77, 1881, S. 103.

  • Autor/in

    Willibald Kirfel
  • Empfohlene Zitierweise

    Kirfel, Willibald, "Benfey, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 46 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119059347.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Benfey: Theodor B., geboren am 28. Januar 1809 in Nörten (Hannover) als Sohn eines jüdischen Kaufmanns, am 26. Juni 1881 als ordentlicher Professor in Göttingen, besuchte hier das Gymnasium und studirte seit 1824 daselbst und in München classische Philologie. Im J. 1828 wurde er in Göttingen promovirt und habilitirte sich bald nachher ebenda, wandte sich aber 1830 nach Frankfurt a. M., um seinen Lebensunterhalt durch Stundengeben zu erwerben, und ging 1832 nach Heidelberg, um an der dortigen Universität als Privatdocent einzutreten. 1834 kehrte er indessen in seine Stellung in Göttingen zurück, das er, abgesehen von einigen Reisen, nicht wieder verlassen hat. 1840 verheirathete er sich mit Fanny Wallenstein (ein Sohn, vier Töchter), wurde 1848 außerordentlicher Professor und trat in demselben Jahre zum Christenthum über. Seine Ernennung zum Ordinarius erfolgte vierzehn Jahre später (1862), nachdem er inzwischen Mitglied der Münchener und der Berliner Akademie und des Institut de France geworden war. Später wurde er auch in die Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften, die Wiener und die Pesther Akademie, die Royal Asiatic Society und die American Oriental Society aufgenommen.

    Benfey's Studien und Vorlesungen richteten sich anfangs auf die classischen Sprachen, wandten sich aber allmählich mehr und mehr der orientalischen Philologie, besonders dem Altindischen, und der vergleichenden Sprachwissenschaft zu, und auf diesen Gebieten, denen er sich seit dem Ende der dreißiger Jahre ausschließlich widmete, hat er als Lehrer hervorragendes geleistet, als Forscher und Schriftsteller bahnbrechende und unvergängliche Werke geschaffen. Die Reihe derselben eröffnete das mit dem Volney'schen Preise gekrönte „Griechische Wurzel-Lexikon“ (1839, 1842) und der Artikel „Indien" in Ersch' und Gruber's Encyklopädie (1840). Es folgten zunächst: die Untersuchung „Ueber das Verhältniß der ägyptischen Sprache zum semitischen Sprachstamm" (1844), welche eine ursprüngliche Verwandtschaft jener mit diesem erwies und wichtige ethnographische Gesichtspunkte aufstellte; „Die persischen Keilinschriften mit Uebersetzung und Glossar" (1847) und die außerordentlich schwierige, aber noch heute unentbehrliche und unübertroffene Ausgabe der Hymnen des Sāma-Veda (1848); ferner: das „Handbuch der Sanskritsprache" (I. Vollständige Grammatik, 1852, welche eine vollständige Darstellung des schwerverständlichen grammatischen Systems Pānini's enthält; II. Chrestomathie, 1853); die „Kurze Sanskrit-Grammatik“ (1855) mit einer Fülle höchst werthvoller sprachvergleichender Bemerkungen und Aufstellungen, sowie das vielleicht bedeutendste Werk Benfey's, das zweibändige „Pantschatantram“ (1859). Im zweiten Bande desselben ist eine Uebersetzung dieser Märchensammlung enthalten, im ersten aber der Satz, daß sehr viele orientalische und occidentalische Märchen aus Indien stammen, in großartiger Weise bewiesen und unwiderleglich gezeigt, daß das „Pantschatantram“ selbst eine Hauptquelle dieser Märchen ist, und auf welchen Wegen, durch welche Werke Märchen aus dem Morgenlande in das Abendland gewandert sind.

    In den sechziger Jahren veröffentlichte B. an größeren Werken seine|„Practical Grammar of the Sanskrit Language“ (1863, 1868), sein „Sanskrit English Dictionary“ (1866) und die geistvolle, auf ungeheuren Studien beruhende „Geschichte der Sprachwissenschaft und orientalischen Philologie in Deutschland“ (1869).

    In der Folgezeit ist etwas größeres von B. nicht mehr veröffentlicht. Den größten Theil seiner Kraft nahmen in ihr Studien zu einer ausführlichen Vedengrammatik in Anspruch, die unvollendet und für einen anderen unvollendbar geblieben ist. Außer den erwähnten Werken hat B. eine Fülle von Abhandlungen über Fragen der allgemeinen und der vergleichenden Sprachwissenschaft, der Sanskritphilologie, der vergleichenden Mythologie u. s. w. und von Recensionen verfaßt, die großentheils selbständigen Werth haben. Eine Zeit lang war er auch Herausgeber einer Zeitschrift: „Orient und Occident“ (1862 bis 1866). Die meisten seiner Aufsätze und Kritiken sind in den Veröffentlichungen der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften erschienen.

    • Literatur

      Vgl. den Nekrolog in Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprachen VIII, 234 ff. und Kleine Schriften von Theodor Benfey, herausgegeben von A. Bezzenberger, 2 Bände (Berlin 1890, 1892), mit dem Bildniß Benfey's, seiner Biographie (von seiner Tochter Meta Benlöw) und einem vollständigen Verzeichniß seiner Schriften.

  • Autor/in

    A. Bezzenberger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bezzenburger, A., "Benfey, Theodor" in: Allgemeine Deutsche Biographie 46 (1902), S. 358-359 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119059347.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA