Lebensdaten
1860 bis 1941
Geburtsort
Schweidnitz (Schlesien)
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Sprachwissenschaftler ; Veda-Forscher
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118976141 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neisser, Walter

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Neisser, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118976141.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph (1814–90), Dr. med., Sanitätsrat in B., S d. Adolf Benjamin (s. Gen. 1);
    M N. N.;
    B Clemens (* 1861), Dr. med., Sanitätsrat, Prov.obermed.rat, Facharzt f. Psychiatrie, Leiter der Provinzial- Heil- u. Pflegeanstalt in Bunzlau (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1931); – ledig;
    Vt Albert (s. 1); Verwandte Max (s. 3), Hans (s. 4).

  • Leben

    N. studierte 1877/78 in Breslau bei Adolf Friedrich Stenzler, dann in Göttingen bei Theodor Benfey Indologie und schloß das Studium hier 1882 mit einer durch August Fick angeregten Dissertation „Zur vedischen Verballehre“ ab. Danach ließ er sich als Privatgelehrter in Breslau nieder, wo er sich intensiven grammatisch-lexikalischen Forschungen zum Altindoarischen und vornehmlich zur Veda-Philologie widmete. Akribisch und detailfreudig arbeitete N. an einem Rigveda-Wörterbuch, das Hermann Graßmanns Werk von 1873 erneuern sollte, sowie an einem neuen Verzeichnis der altindoarischen Verbalwurzeln, von dem nur die „Probe eines Altindischen Wurzelwörterbuches“ (1902) veröffentlicht wurde. Diese verdeutlicht, wie weit N. durch Hinzufügung der Textbelege der einzelnen Formen über William Dwight Whitneys „Roots“ hinausgelangen wollte. In zwei Heften „Zum Wörterbuch des Ṛgveda“ (1924-30) versuchte N. für die mit Vokal oder Guttural anlautenden Wörter eine kritische Sichtung und Zusammenfassung der Ergebnisse der Rigvedaforschung nach Graßmann in Form eines vor allem sprachvergleichend und semasiologisch orientierten Kommentars und Nachtrags. Seine Studien, die durch eine genauere Feststellung von Wortbedeutungen, Wortgeschichte und Etymologie oft neue Perspektiven eröffneten, zeigen N. als einen jener profunden und richtungsweisenden Vedaforscher, die entscheidend zu dem hohen Ansehen der dt. Indologie beitrugen. Methodologisch wichtig ist sein Aufsatz „Vorvedisches im Veda“ (Btrr. z. Kunde d. indogerman. Sprachen 17, 1891, S. 244-56), der durch die Aufdeckung von Beispielen „vedischer Umdeutung vorvedischen Sprachgutes“, das unverständlich geworden war, in vorliterarische Perioden der Sprachgeschichte zurückgreift. N. ist keiner der „Schulen“ der Vedaforschung zuzurechnen, sondern versuchte sprachwissenschaftliche, religionsgeschichtlich-ritualistische. historische und traditionell-exegetische oder scholiastische Betrachtung miteinander zu vereinen. Im 3. Reich wegen seiner jüd. Herkunft immer stärkerer Verfolgung ausgesetzt, entzog er sich dem drohenden Abtransport in ein KZ durch Selbstmord.

  • Werke

    Weitere W Kleine Schrr., hg. v. R. P. Das, 1980 (W-Verz.).

  • Literatur

    Kürschner, Gel.kal. 1931;
    W. Rau, Bilder 135 dt. Indologen, 1982, S. 74 (P);
    V Stache-Rosen. German Indologists. 21990.

  • Autor/in

    Rüdiger Schmitt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmitt, Rüdiger, "Neisser, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 52 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118976141.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA