Lebensdaten
1635 bis 1713 oder 1712
Geburtsort
Eisenstadt
Sterbeort
Eisenstadt
Beruf/Funktion
Palatin von Ungarn
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119031337 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Esterházy von Galántha, Pál Fürst
  • Esterházy von Galántha, Paul Graf (bis 1687)
  • Esterházy von Galántha, Pál Graf (bis 1687)
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Esterházy von Galántha, Paul Fürst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119031337.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Nikolaus s. (1);
    1) 1655 Ursula (1641–82), T seines B Stephan u. der Elis. Gfn. Thurzo, 2) 1682 Eva (1659–1716), T des Stephan Gf. Tököly de Árva; Schwager Emmerich Gf. Tököly (1656–1705), ungarischer Rebellenführer (s. Wurzbach 45);
    13 S, 5 T aus 1), 7 K aus 2), u. a. Jos. Anton s. Genealogie (2);
    E Nikolaus s. (2).

  • Leben

    E. wurde nach dem Tode seines Vaters durch seinen Bruder Ladislaus in Graz und Großwardein erzogen und 1652, im selben Jahr als Ladislaus gegen die Türken fiel, zum Oberhauptmann der ungarischen Nationalmiliz zu Pápa bestellt. Dieses Amt versah er bis 1661. Während des Türkenkrieges 1664 übernahm er als Generalfeldwachtmeister das Kommando über die „militia“ und zeichnete sich bei Sankt Gotthard sowie bei der Belagerung von Kanizsa und Fünfkirchen aus. 1668 wurde ihm, gleich seinem Vater, das Generalat der Bergstädter Grenze übertragen, das er bis 1688 innehatte. Die Jahre vergingen nun mit Kämpfen gegen die türkischen Streifscharen und die Rebellen unter der Führung seines Schwagers Emmerich Graf Tököly, mit dem er vergeblich zu verhandeln suchte. Auf dem Reichstag zu Ödenburg im Mai 1681 wurde E. zum Palatin bestellt. Im Türkenkrieg von 1683 versuchte er neben der Grenzmiliz auch die allgemeine Insurrektion aufzubieten, allerdings nur mit teilweisem Erfolg. Er mußte nach Innerösterreich ausweichen und nahm sodann am Entsatz von Wien und an der Wiedereroberung Ungarns tatkräftigen Anteil. Auf dem Reichstag von 1687 setzte er sich für das erbliche Sukzessionsrecht des Hauses Habsburg in Ungarn ein. Sein Bestreben, den nationalen Kräften Ungarns beim Wiederaufbau des befreiten Landes einen entsprechenden Einfluß zu sichern, scheiterte zum großen Teil an dem Egoismus der Stände wie an dem Mißtrauen des Wiener Hofes. – E. setzte die Politik seines Vaters fort, indem er unentwegt treu zum Hause Habsburg hielt, und zwar nicht nur nach außen hin gegen die Türken, sondern auch nach innen zum Beispiel gegenüber den Plänen des Nádasdy, Zrinyi und Frangipány. Er brachte dafür in Kriegszeiten nicht unbedeutende Opfer, für die er sich aber durch genaue Verrechnung seiner Kosten und nicht zuletzt durch die Übernahme von Rebellengütern schadlos hielt. Er wurde damit zum eigentlichen Begründer des esterházyschen Besitzstandes. Von großen künstlerischen Interessen (er versuchte sich auch als Maler in der Manier des A. Elsheimer) war er ein großer Sammler, dessen Kunst- und Raritätenkammer eine Berühmtheit wurde. Als Bauherr hat er sich durch den Ausbau des Schlosses in Eisenstadt einen Namen gemacht. Auf literarischem Gebiet|übertrug er die Ideenwelt des mitteleuropäischen Barocks in Vers und Prosa in die magyarische Sprache und wurde auch als Verfasser und Herausgeber lateinischer Traktate und eines Gebetbuches ein Vertreter des durch deutsche Einflüsse inspirierten Barockkatholizismus in Ungarn.

  • Werke

    Litaniae ad Beatam Mariam Virginem, Wien 1689; Az Boldogságos Szüz Mária Szombattya, Tyrnau 1691;
    Via lactea ad coelum ducens, Wien 1691;
    Mennyei Korona, Tyrnau 1698 (vermehrte Ausg. e. 1685 erschienenen ebenfalls v. E. stammenden Slg. marian. Gnadenbilder);
    Speculum Immaculatum, Wien 1698;
    Regina Sanctorum Omnium, Tyrnau 1698; Lyrische Gedichte, hrsg. v. L. Merényi, in: Irodalomtörténeti Közlemények, Budapest 1892.

  • Literatur

    S. Bubics-L. Merényi, Herczeg E. Pál nádor, Budapest 1895;
    G. Alten, Hdb. f. Heer u. Flotte III, 1911;
    S. Meller, Az E., képtér története, Budapest 1915, S. XIV-XXIII (P);
    A. Mohl, Herczeg E. Pál nádorispán, Sopron 1924;
    B. Baranyai, Az örökös királyság eszméje 1655-1687, in: Károlyi-Emlékkönyv, Budapest 1934;
    E. Csatkai, Emlékezés E. Pál nádorra, 1935;
    A. Angyal, Fürst P. E. (1635-1713), in: Südostdt. F, 1939, S. 339-70.

  • Portraits

    Ölbild (Schloß Grußbach b. Znaim, Phot. in Nat.bibl. Wien);
    Marmorstatue (knieend) (Gruft d. Franziskanerkirche zu Eisenstadt), Abb. in: Österr. Kunsttopogr. 24, 1932, S. 42;
    Stich (zu Pferd) nach 1665; Stich (Brust, oval) Joh. Jak. de Rubeis, formis Romae 1685 (beide Wien, Nat.bibl.).

  • Autor/in

    Johann Christoph Allmayer-Beck
  • Empfohlene Zitierweise

    Allmayer-Beck, Johann Christoph, "Esterházy von Galántha, Paul Fürst" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 662 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119031337.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eszterhazy: Paul E. von Gálántha, Fürst, Palatin von Ungarn, geb. den 8. Sept. 1635 zu Eisenstadt und den 12. März 1712 ebendaselbst. Ein Sohn des 1645 verstorbenen Grafen Nikolaus E. (s. o.), verdiente er sich seine ersten Sporen 1663 an der Seite Niclas Zriny's gegen die Türken, in welchem Feldzuge er ein auf eigene Kosten gebildetes Regiment befehligte und sich in mehreren Treffen, besonders in der Schlacht von St. Gotthard auszeichnete, auch half er Darda Fünfkirchen und Kanisza erobern. Zum Lohne seiner wichtigen Dienste wurde E. nach beendigtem Feldzuge zum General und Commandanten der ungarischen Gebirgsgrenzen ernannt, zog jedoch bald wieder gegen die ungarischen Malcontenten zu Felde und besiegte sie bei Leutschau und Györki. Als die Tökely'schen Unruhen ausgebrochen waren, ernannte ihn der Kaiser zum Palatin, als welcher er vergebens eine Verständigung mit Tökely herbeizuführen trachtete, und als hierauf das große türkische Heer im Anmarsche war, warf er sich — alle Lockungen, die Sache des Kaisers aufzugeben, stolz von sich weisend — in sein festes Schloß Forchtenstein. Von hier drang er später|mitten durch die Feinde nach Linz, schloß sich sodann dem Entsatzheere an und bildete schließlich durch einen Aufruf ein Heer von 20000 Freiwilligen, mit welchen er 1686 Ofen zurückerobern half. In Anerkennung dieser Verdienste wurde E. 1687 vom Kaiser für sich und seine Nachkommen in den Reichsfürstenstand erhoben. 1701, bei dem Einfalle der Rakoczy'schen Schaaren trug er durch sein eben so loyales als energisches Benehmen viel zur Beruhigung des Landes bei, machte sich auch sonst durch gemeinnützige Einrichtungen und Anstalten um sein Vaterland hochverdient.

    • Korrektur

      |Fürst Paul Esterhazy hat sich auch als tüchtiger Musiker bekannt gemacht durch die 1711 erschienene „Harmonia coelestis seu Melodiae Musicae per decursum totius anni adhibendae ad usum musicorum, authore Paulo sacri Rom. imperii principe Estoras de Galanta regni Hungariae Palatino“. Vgl. C. F. Pohl, Joseph Haydn, Bd. I S. 206.

  • Autor/in

    v. Janko.
  • Empfohlene Zitierweise

    Janko, Wilhelm Edler von, "Esterházy von Galántha, Paul Fürst" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 387-388 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119031337.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA