Lebensdaten
1564 oder 1565 bis 1625
Geburtsort
München
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Maler ; Freskant ; Zeichner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118858955 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rottenhaimer, Johann
  • Rotenhamer, Johann
  • Rottenhamer, Johann
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Zitierweise

Rottenhammer, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118858955.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Thomas, wohl Bediensteter d. hzgl. Hofstalls in M.;
    M Augustine Thonauer;
    Venedig 1595 oder 1596 Elisabetha de Frabris;
    7 K u. a. Johannes (Hans) (d. J.) ( 1668), seit 1622 in Bamberg nachweisbar (s. ThB), Dominicus, beide Maler, seit 1613 bzw. 1615 in d. Lehre b. ihrem Vater, 1621 Malergerechtigkeit für beide in A.; Verwandte (?) Hans Thonauer (Donauer) d. Ä. (um 1521–96), Hans Thonauer (Donauer) d. J. (um 1569–1644), beide Maler (beide s. ThB).

  • Leben

    Zwischen 1582 und 1588 war R. bei dem Münchener Hofmaler Hans Thonauer (Donauer) d. Ä. in der Lehre; stilistisch prägten ihn Friedrich Sustris, Peter Candid und andere Künstler des späten Manierismus am Hof. 1588 zog R. nach Venedig. 1590/91 ließ er sich in Rom nieder, wo er die Werke der antiken Kunst und der Renaissance studierte, sich den sog. Nord. Romanisten anschloß und zusammen mit Paul Bril (1554–1626) vermutlich Aufträge für malerische Ausstattungen ausführte. Bei seinen kleinformatigen, auf Kupfer gemalten Bildern für die private Andacht und den Kabinettbildern profanen, meist mythologischen oder allegorischen Inhalts arbeitete er teils mit dem ebenfalls in Rom lebenden, auf Landschaften spezialisierten Jan Brueghel d. Ä. zusammen und übernahm dabei den figürlichen Anteil. In den vollständig eigenhändigen Arbeiten verband er die zum Vorbild genommenen, ins kleine Format umgesetzten und selbständig verarbeiteten ital. Motive und Kompositionsschemata mit der niederländ. Ideallandschaft. Für diese auch bei ital. Sammlern begehrte Gattung, ein Spezialgebiet der nord. Künstler, wurde R. bekannt; die durch intime Darstellung, Kolorit und effektvolle Beleuchtung ausgezeichneten Werke der Feinmalerei erwarben auch Ks. Rudolf II. und Hzg. Wilhelm V. von Bayern. Über Bril hatte R. wohl auch Verbindung zu den am Vatikan tätigen Künstlern (Girolamo Muziano), zu Federigo Zuccaro und zur Accademia di San Luca. 1595/96 bis 1606 arbeitete er mit wachsendem Erfolg in Venedig und war Mitglied der ,Fraglia dei Pittori'. Neben den kleinen Gemälden auf Kupfer, von denen es mehrfach Varianten und Repliken, auch Kopien anderer gibt, schuf er seither auch große Altarblätter (u. a. f. d. Münchener Frauenkirche) und Deckenbilder für das Bückeburger Schloß (um 1604/06). Künstlerisch orientierte er sich an Tintoretto, Veronese und Palma il Giovane, verwandelte die Vorbilder und gelangte zu individuellen Lösungen.

    1606 übersiedelte R. wohl wegen der wirtschaftlichen und künstlerischen Bedeutung der Stadt nach Augsburg (1607 Bürgerrecht u. Malergerechtigkeit, 1611 Ratsmitgl.). Aufgrund seiner ital. Schulung und weitreichenden Beziehungen wurde er hier zeitweise der beherrschende Maler, führte v. a. Altarblätter aus (für Augsburger Kirchen, mehrfach mit monumentalen, vielfigurigen Allerheiligen-|Kompositionen), ferner Wand- und Deckengemälde (auch in Freskotechnik; Bückeburg, Münchener Residenz, Fassaden u. Räume Augsburger Patrizierhäuser). Außerdem fertigte er selbständige Zeichnungen sowie Entwürfe für Goldschmiedearbeiten an; die Feinmalerei trat zurück. Mit der Niederlassung in Augsburg vollzog er stilistisch einen Wechsel zu beruhigten, an der Hochrenaissance orientierten Kompositionen, zu größerer Körperlichkeit der Figuren und dunklerer Farbigkeit. An die Stelle manieristischer Züge traten die des frühen Barock. Nach den besonders produktiven Jahren 1610-15 folgte wegen R.s Verschwendung und Krankheit eine Zeit des sozialen Abstiegs, in der es auch an Aufträgen fehlte. Erst in den letzten Jahren arbeitete R. wieder in größerem Umfang (für d. Augsburger Rathaus sowie für Münchener Kirchen u. d. Residenz), bevor er in Armut starb.

  • Werke

    Gesamt-Verz.: H. Schlichtenmaier, Studien zum Werk H. R.s d. Ä. (1564–1625), Maler u. Zeichner, Diss. Tübingen 1983, gedr. 1988, S. 201-490.

  • Literatur

    ADB 29;
    K. van Mander, The Lives of Illustrious Netherlandish and German Painters from the first Edition of the, Schilder-boeck' (1603-1604) …, With an Introduction and Translation ed. by H. Miedema, 1996, I, S. 442 f., P. v. Stetten, Kunst-, Gewerb- u. Handwerksgesch. d. Reichstadt Augsburg, II, 1788, S. 189;
    R. A. Peltzer, in: Jb. d. kunsthist. Slgg. d. Allerhöchsten Ks.hauses 33, 1916, S. 293-365;
    Augsburger Barock, Ausst.kat. Augsburg 1968, S. 131-34, 237-41;
    Zeichnung in Dtld., Ausst.kat. Stuttgart 1979/80, I, S. 240-43;
    K. Ertz, Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625), Die Gem., 1980, S. 499-504 u. ö.;
    Welt im Umbruch, Augsburg zw. Renaissance u. Barock, Ausst.kat. Augsburg, II, 1980, S. 123-28, 266-68;
    Dt. Barockgal., Kat. d. Gem., 21984, S. 202-05;
    Elias Holl u. d. Augsburger Rathaus, Ausst.kat. 1985, S. 84 f., 129, 251 f., 288, 366, 371-73;
    D. Ewing., The Baptism of Christ' by H. R., in: Muse, Annual of the Mus. of Art and Archeology, Univ. of Missouri-Columbia 20, 1986, S. 66-80;
    G. Krämer, R.s ehem. Hochaltarbild d. Augustinerchorherrenstiftskirche Hl. Kreuz, in: Zs. d. hist. Ver. f. Schwaben 80, 1986/87, S. 109-24;
    R. Biedermann, Meisterzeichnungen d. dt. Barock aus d. Bes. d. Städt. Kunstslgg. Augsburg, Ausst.kat. Augsburg 1987, S. 122-25;
    R. Klessmann, Eine unbek. venezian. Venus v. H. R., in: Niederdt. Btrr. z. Kunstgesch. 28, 1989, S. 131-42;
    A. Tacke, Die Gem. d. 17. Jh. im German. Nat.mus., Bestandskat., 1995, S. 203-10;
    Pieter Brueghel d. J. – Jan Brueghel d. Ä., Fläm. Malerei um 1600, Ausst.kat. Essen, Wien, Antwerpen 1997/98, S. 144-48, 260-62;
    ThB;
    Augsburger Stadtlex.

  • Autor/in

    Christoph Bellot
  • Empfohlene Zitierweise

    Bellot, Christoph, "Rottenhammer, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 142-143 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118858955.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rottenhammer: Johann R., Maler, geboren 1564 (nach Sandrart, Stetten vermuthet jedoch später) zu München, war der Sohn des im herzoglichen Hofstalle beschäftigten Thomas R. Im J. 1582 kam er zu dem Maler Hans Donauer in die Lehre, der ihn bis 1590 behielt. Donauer wird als unbedeutend geschildert, hatte jedoch litterarische Verdienste, indem er dem Sandrart Material für seine Malerbiographien lieferte. Mit herzoglich bairischer Unterstützung begab sich R. nach Italien, zufolge Sandrart zuerst nach Rom. Hier studirte er Michelangelo. Seine eigentliche Ausbildung erlangte der Künstler jedoch zu Venedig, wo er lange Zeit blieb und sich an die Tintoretto'sche Kunstweise anschloß. In Italien wurde er auch mit Jan Brueghel bekannt, der in Rottenhammer's Bildern Landschaften, Früchte etc. malte, während R. die Figuren. Noch 1605 war unser Künstler in Venedig. Nach kurzem Aufenthalte in München ließ er sich in Augsburg nieder, wo er 1607 als Meister ins Zunftbuch eingeschrieben wurde. Hier blieb er ansässig, entfaltete eine reiche Thätigkeit, führte jedoch nach Sandrart ein verschwenderisches Leben, so daß er trotz seinem bedeutenden Einkommen in Schulden gerieth, und als er 1623 starb, die Leichenkosten von guten Freunden gedeckt werden mußten.

    R. war das, was man einen geschickten Maler nennt, von wirklicher Vertiefung hatte er keine Spur. Die Kunstweise des Hans von Achen hatte ihn berührt, auch die Niederländer übten Einfluß auf ihn, und er blieb trotz der Tintoretto'schen Einflüsse halb ein nordischer Künstler. Es ist so ein eklektischer Stil in ihm. Seine Figuren tragen den Tintoretto'schen Typus mit den spitzen, kleinen Köpfen, und sie sind ähnlich gezeichnet und bewegt, aber seine Malerei ist glätter, geleckter, auch in großen Bildern, seine Farbenstimmung kühler und bunter, die Hintergründe grün. Seine kleinen, gern auf Kupfer gemalten Bilder zeichnen sich öfter durch eine gewisse, liebenswürdige Feinheit aus, aber Seele haben sie auch nicht viel, die großen dagegen sind ganz äußerlich. „Invention“ besaß er ja, und so ist es ganz erklärlich, warum Sandrart seine al fresco bewirkte Ausmalung des Hopfer'schen Hauses zu Augsburg mit poetischen Fabeln, Historien, Grotesken, Landschaften enthusiastisch preist. Vergleicht man übrigens die Zeit vor 100 Jahren, so ersieht man, wie sehr die Augsburger Kunst, die um 1510 eine selbständige Kraft und Fülle entfaltet hatte, um 1610 in äußerliche Virtuosität versunken war.

    • Literatur

      Gemälde von Rottenhammer kommen häufig vor, da sie jedoch keine selbstständige Bedeutung haben, genügt es, die Aufenthalte zu nennen. Augsburg (darunter das 1620 bemalte Hauptportal im goldenen Saale des Rathhauses), München, Wien, Freising, Paris etc. besitzen Werke von ihm. Gestochen haben nach ihm unter Andern Egidius Sadeler, Johann Sadeler, Raphael Sadeler, Justus Sadeler, Lukas Kilian, Wolf Kilian, D. Custos, Crisp. van de Pas. Lukas Kilian zeichnete sein Bildniß nach dem Leben und ließ es 1626 im Stiche erscheinen.

  • Autor/in

    Wilh. Schmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Wilhelm, "Rottenhammer, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 391-392 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118858955.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA