Lebensdaten
1845 bis 1927
Geburtsort
Jauernig-Johannesberg (Javornik, Österreichisch Schlesien)
Sterbeort
Volosca (Volosko, Istrien)
Beruf/Funktion
Finanzwissenschaftler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118794760 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sax, Emil

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Zitierweise

Sax, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118794760.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., fürstbfl. breslau. Landrechts- u. Kriminalrat;
    M N. N.

  • Leben

    S. studierte 1862-66 in Wien Rechtswissenschaften (Dr. iur. 1868). Neben beruflichen Stationen als Sekretär der Österr. Kommission bei der Pariser Weltausstellung (1867), Konzipist bei der Wiener Handels- und Gewerbekammer (1870–73) und Sekretär bei der Direktion der K. Ferdinandsnordbahn (1874–79) war er seit 1870 Privatdozent für Nationalökonomie am Polytechnischen Institut in Wien und habilitierte sich 1874 an der Univ. Wien für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft (a. o. Prof. 1879). 1880 wurde er o. Professor der Politischen Ökonomie an der Dt. Univ. Prag (Dekan 1888/89, Rektor 1892/93). 1893 trat er krankheitshalber in den Ruhestand. 1879-85 war er Reichsratsabgeordneter der Dt.-liberalen Partei.

    S. wird zur zweiten Generation der Österr. Schule der Nationalökonomie gezählt. Er teilte deren werttheoretischen Ansatz, entwickelte aber eigenständige Gedanken zur individualistischen Handlungstheorie und forschte zu angewandten Bereichen der Wirtschaftslehre wie der Wohnungsfrage und dem Verkehrswesen. Insbesondere löste S. die Wertbetrachtung der Individuen aus ihrem rein rationalistischen Kontext: Individuen handeln nach seiner Auffassung zwischen den Polen von Individualismus und Kollektivismus. Ähnlich der engl. Sozialphilosophie betonte S., daß die Institutionen Staat, Kirche und Nation dem individuellen, aber nicht absichtsvollen Handeln entspringen.

    Den Dimensionen Individualismus und Kollektivismus entspricht, wie er in seiner „Grundlegung der theoretischen Staatswirthschaft“ (1887) ausführte, die Gegenüberstellung von Privatwirtschaft und Gemeinwirtschaft. Für S. gab es keine entwickelte Wirtschaft ohne Staat. Auch die Besteuerung resultiert für S. aus einem wertenden Ausgleich zwischen individuellem und kollektivem Lebensbereich. In seinen Publikationen über die Steuerlehre, v. a. in der Arbeit „Die Progressivsteuer“ (in: Zs. f. Volkswirtsch. u. Soz.pol. 1, 1892, S. 43-101) und in seiner „Wertungstheorie der Steuer“ (ebd., NS 4, 1924, S. 191-240) hielt er fest, daß öffentliche Güter im engeren Sinn, ebenso wie die Steuern, durch einen kollektiven Bewertungsprozeß festgelegt werden. Er übertrug damit Argumente des „Wertgesetzes“ der österr. Schule der Nationalökonomie in den öffentlichen Bereich, begründete aber die progressive Steuer durch ihre Einordnung in eine Bedürfnispyramide (wie später Abraham Maslow).

    Mit den Untersuchungen von S. zur Wohnungsfrage setzte sich auch Friedrich Engels kritisch auseinander. Von großer Nachhaltigkeit, weil von systematischer Verflechtung theoretischer, deskriptiver und politischer Elemente, war seine Darstellung der „Verkehrsmittel in Volks- und Staatswirtschaft“ (1878/79, 3 Bde., 21918-22); gerade derart angewandte Bereiche der Ökonomie blieben im Sinne von S. wirklichkeitsnäher als die modelltheoretischen Abstraktionen der wirtschaftswissenschaftlichen Hauptströmung.

  • Werke

    Weitere W Die Wohnungszustände d. arbeitenden Classen u. ihre Reform, 1869;
    Das Wesen u. d. Aufgaben d. Nat.ök., Ein Btr. zu d. Grundproblemen dieser Wiss., 1884;
    Die neuesten Fortschritte d. nat.ök. Theorie, 1889;
    Der Kapitalzins, Krit. Studien, 1916.

  • Literatur

    F. Engels, Zur Wohnungsfrage, in: Der Volksstaat, 1872, Nr. 51-53, 103 f., 1873, Nr. 2 f., 12 f., 15 f., 21887, Nachdr. in: K. Marx u. F. Engels, Werke|18, 1962, 51973, S. 213-87;
    E. v. Beckerath, Lynkeus, 1962, S. 27-38, O. Schraut, E. S., Leben, Persönlichkeit u. Werk in moderner Sicht, Diss. Erlangen 1966;
    R. Neck, E. S.s Contribution to Public Economics, in: Journal of Economic Studies 16/2, 1989, S. 23-46;
    M. Prisching, in: Elgar Companion to Law and Economics, 1999, S. 435-44;
    A. Hinrichsen. Das lit. Dtld., 21891;
    Wurzbach: F. Jaksch, Lex. sudetendt. Schriftst. u. ihrer Werke f. d. J. 1900-1929, 1929;
    ÖBL;
    Biogr. Lex. Böhmen.

  • Autor/in

    Manfred Prisching
  • Empfohlene Zitierweise

    Prisching, Manfred, "Sax, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 479-480 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118794760.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA