Lebensdaten
um 1495 bis 1552
Geburtsort
Waischenfeld (Oberfranken)
Sterbeort
Trient
Beruf/Funktion
Bischof von Wien
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11878577X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grau, Friedrich (eigentlich)
  • Grave, Friedrich (eigentlich)
  • Nausea, Friedrich
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Zitierweise

Nausea, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11878577X.html [09.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes Grau, Wagner;
    M Katharina Erhart.

  • Leben

    N.s Geburtsjahr ist nur zu erschließen. 1520 nannte er sich in seiner Schrift „Prudentissima de puero litteris instituendo consilia“ 25jährig, in einem Brief an Papst Julius III. vom März 1551 bezeichnete er sich als fast 60jährig. N. besuchte die Lateinschule in Zwickau und wurde 1514 an der Univ. Leipzig immatrikuliert, wo er auch Baccalaureus und Magister wurde. Danach wirkte er als Lehrer in Bamberg. Im Winter 1518/19 begleitete er den Sohn des Bamberger Hofmeisters Johannes v. Schwarzenberg nach Italien und setzte sein Studium in Pavia und anschließend in Padua fort, wo er 1523 zum Dr. iur. utr. promoviert wurde. Anschließend trat er|als Sekretärin den Dienst des päpstl. Legaten Kardinal Lorenzo Campeggio, den er im Frühjahr 1524 zum Nürnberger Reichstag und zum Regensburger Konvent begleitete. Hier war er beteiligt an der Abfassung der Regensburger Reformordnung vom 7.7.1524 und einer Antwort auf die Gravamina der deutschen Nation (gedr. 1538). Bei einem Besuch in Bretten (1524) versuchte er erfolglos, Philipp Melanchthon zur kath. Kirche zurückzuführen. Nach dem Reichstag begleitete er Campeggio nach Wien und Budapest und kehrte im August nach Italien zurück. Anschließend wurde N. mit Unterstützung von Johannes Cochläus zum Pfarrer von St. Bartholomäus in Frankfurt ernannt, konnte jedoch sein Amt 1526 wegen der reformatorischen Unruhen nicht antreten. Erzbischof Albrecht von Mainz übertrug ihm daher 1526 das Amt eines Dompredigers in Mainz. 1529 erteilte ihm Erzhzg. Ferdinand den Auftrag, die Predigten auf dem Reichstag zu Speyer zu halten. Mehr als 100 seiner Predigten, u. a. über die Sonntagsevangelien, über Heilige und die Muttergottes, die Auslegung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses und zur Fastenzeit wurden gedruckt. 1534 wurde N. in Siena zum Dr. theol. promoviert, im selben Jahr berief ihn Kg. Ferdinand I. zum Hofprediger und kgl. Rat nach Wien. 1538 machte ihn Bischof Johannes Fabri zu seinem Koadjutor. 1540/41 nahm N. an dem Religionsgespräch von Hagenau und Worms teil. In seinem damals erstellten Gutachten betonte er, daß die theologischen Unterscheidungslehren nicht durch Religionsgespräche, sondern nur durch ein allgemeines Konzil entschieden werden könnten. Als Fabri 1541 starb, wurde N. sein Nachfolger in dem durch die Osmanen bedrohten, hochverschuldeten Bistum, in dem der Adel starke prot. Neigungen besaß. Entschieden setzte sich N. für die Reform der Kirche und die Abhaltung eines allgemeinen Konzils ein. Als dieses endlich 1545 in Trient zusammentrat, konnte N. wegen der Kriegsgefahr und aus Geldmangel zunächst nicht dorthin reisen. Er nahm erst an der zweiten Sitzungsperiode seit Dezember 1551 als Bischof und zugleich als Orator Ferdinands I. teil. Bei den Konzilsberatungen meldete er sich mehrfach zu Wort, u. a. zur Eucharistie, zur Gewährung des Laienkelches, zum Bußsakrament, zum Meßopfer, zur Priesterweihe und zur Letzten Ölung. – N. gehört zu den humanistischen Reformbischöfen des 16. Jh. Sein umfangreicher Briefwechsel bezeugt das große Ansehen, das er als Prediger und Theologe bei seinen Zeitgenossen besaß. Sein stetes Bemühen war darauf gerichtet, die Einheit der Kirche zu bewahren und die Stellung des kath. Glaubens in Deutschland zu festigen.|

  • Auszeichnungen

    Notar d. Apostol. Stuhles u. Comes Palatii Lateranensis (1524).

  • Werke

    W-Verz. W. Klaiber (Hrsg.), Kath. Kontroverstheologen u. Reformer d. 16. Jh., 1978, S. 213-19.

  • Quellen

    Qu Acta reformationis catholicae ecclesiam Germaniae concernentia saeculi XVI, hrsg. v. G. Pfeilschifter, I, S. 334 ff., II, S. 547 ff., IV, 353 ff.; Concilium Tridentinum, Diarium, actorum, epistularum, tractatuum nova collectio, IV, V, VI, VII/2, VII/3, VIII, IX, XII, XIII. – Briefe: Zs. f. KGesch. 20, 1900, S. 500 ff., ebd. 21, 1901, S. 537 ff.

  • Literatur

    ADB 23;
    H. Jedin, Die Gesch. d. Konzils v. Trient, I2, 1951, III, 1970;
    ders., Das konziliare Reformprogramm F. N.s, in: HJb. 77, 1958, S. 229-53;
    J. Wodka, Kirche in Österreich, 1959;
    F. J. Kötter, Die Eucharistielehre in d. kath. Katechismen d. 16. Jh., 1968;
    J. Beumer, F. N. u. seine Wirksamkeit in Frankfurt, auf d. Colloquien zu Hagenau u. Worms u. auf d. Trienter Konzil, in: Zs. f. kath. Theol. 94, 1972, S. 29-45;
    H. Immenkötter, F. N. u. d. Augsburger Rel.verhh., in: Festgabe f. E. Iserloh, hrsg. v. R. Bäumer, 1980, S. 467-86;
    G. May, Die dt. Bischöfe angesichts d. Glaubensspaltung d. 16. Jh., 1983, S. 529 f.;
    I. Bezzel, Das humanist. Frühwerk F. N.s, in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens, 1986, S. 217-37;
    A. Sterzl, Ein Waischenfelder in d. Weltkirche, in: Aus d. Gesch. d. Stadt u. Pfarrei Waischenfeld, 1987, S. 9-25;
    G. Ph. Wolf, in: Zs. f. bayer. KGesch. 61, 1992, S. 59-101;
    ders., Cochlaeus u. N., in: Festgabe f. G. Maron, hrsg. v. J. Haustein u. G. Ph. Wolf, 1993, S. 45-58;
    R. Bäumer, in: Dictionnaire de Spiritualité ascétique et mystique, XI, 1982, S. 55-88;
    ders., in: Kath. Theologen d. Ref.zeit, II, 1985, S. 92-103;
    ders., in: Fränk. Lb., 14, 1991, S. 65-83 (P);
    ders., in: Marienlex., IV, 1992, S. 583 f.;
    ders., in: FS f. E. Meuthen, II, hrsg. v. J. Helmrath u. H. Müller, 1994, S. 204 f.;
    PRE;
    Dict. de théologie catholique;
    Enc. Catt.;
    LThK2;
    TRE;
    BBKL;
    Gatz III.

  • Autor/in

    Remigius Bäumer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bäumer, Remigius, "Nausea, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 775 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11878577X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Nausea: Friedrich N., Bischof von Wien (1541—1552), war der Sohn eines Wagners und hieß mit seinem Familiennamen Grau, der im Sinne von Grauen, Gräuel später in Nausea (d. i. Eckel) latinisirt wurde. Er war weder zu Weißenfeld im Würtembergischen, noch wie andere angeben, zu Pleichfeld im Würzburgischen, sondern im Städtchen Waischenfeld (daher Blancicampianus) im Bambergischen geboren. Das Geburtshaus, das im Schwedenkriege 1633 abbrannte, befand sich in der unteren Gasse neben der Kapelle der Heiligen Laurentius und Michael, wo jetzt das Haus Nr. 126 steht. Frühzeitig trat N. in Beziehung zu dem freiherrlich schwarzenbergischen Hause. Des bambergischen Hofmeisters Johann II. von Schwarzenberg und Hohenlandsberg Sohn Paul, den Domherrn von Bamberg, Köln und Würzburg, begleitete N. auf die Universität Leipzig; hier wurde N. selbst 1514 immatriculirt. 1518 begab sich N. mit seinem adeligen Zögling nach Italien, und zwar zunächst nach Pavia,|wo er 1519 sein erstes Werk, Distichen auf die Werke des Lactantius, veröffentlichte, sodann nach Padua, wo er auch nach der Abreise seines jungen Freundes verblieb, da ihn eine längere Krankheit befiel, die ihn indeß nicht hinderte, 1521—1522 eine Ars poetica, das „Syntagma de conficiendis epistolis“, sowie einige andere Werke ähnlichen Inhaltes zu verfassen, welch' letztere indeß nachher zu Wien, im Hause Cuspinians, wo sie für den Druck hinterlegt waren, bei dem großen Brande am 18. August 1525 zu Grunde gingen. Nach seiner Genesung widmete sich N. mit Eifer dem Studium der Rechtswissenschaften, als dessen Frucht gleichfalls mehrere damals im Druck erschienene Schriften zu betrachten sind. Nachdem er sodann (1523) den Doctorgrad der Jurisprudenz erhalten hatte, begab er sich, wie es scheint, nach Siena, um die schon in Deutschland unter der Leitung des Johannes Cochläus begonnenen theologischen Studien fortzusetzen. Allein mitten aus dieser Thätigkeit rief ihn der Cardinal Campegius ab, dem er sich durch seine litterarischen Arbeiten bestens empfohlen hatte und der, als er sich als päpstlicher Legat zur Beilegung des Reformationsstreites nach Deutschland begab, sich ihn zu seinem Secretär und Begleiter ersah. So zog denn N. mit dem Cardinal über die Alpen und wurde von diesem zunächst zu Melanchthon nach Breiten in der Rheinpfalz gesandt, um ihn für Rom zu gewinnen, was freilich nicht gelang, obwol Melanchthon Nausea's irenische Gesinnungen anerkannte. N. kehrte hieraus nach Nürnberg zurück, wo ihn der Cardinal unter anderen beauftragte, die von den Stünden überreichten 100 Beschwerden zu widerlegen, was durch die übrigens erst 1538 zu Köln im Druck erschienene Schrift „Responsa una cum eorundem declarationibus et moderaminibus sacrosanctae sedis apostolicae, ad aliquot inclytae Germaniae nationis adversus illam gravamina“ geschah. N. begleitete sodann den Cardinal nach Regensburg, wo zwischen dem Erzherzog Ferdinand, den Herzögen von Baiern, dem Erzbischof von Salzburg und einer Anzahl süddeutscher Bischöfe (1524) ein katholisches Bündniß zur Durchführung des Wormser Edictes und zur Abschaffung der religiösen Mißbräuche in ihren Landen zu Stande kam, und hierauf nach Wien, wo ihn Campegius zur Belohnung seiner ausgezeichneten Dienste zum päpstlichen Notar und lateranensischen Grafen ernannte. Von Wien aus richtete N. an Erasmus von Rotterdam eine (auch im Druck erschienene) Aufforderung, sich ja nicht durch seine Leibesschwäche, die Unbequemlichkeit der Reise u. dergl. von dem Besuche des Reichstages zu Speier abhalten zu lassen, sowie er noch später (1536) dem großen Humamsten einen warmen Nachruf widmete. Von Wien begab sich Campegius wegen der Türkengefahr nach Ofen und kehrte sodann nach Italien zurück. Hier treffen wir 1525 auch N. an, der sich damals vor die Wahl von drei Pfründen gestellt sah, die ihm von Deutschland aus angetragen wurden, nämlich die Pfarrstelle bei St. Bartholomäus zu Frankfurt, den Dompredigerposten in Mainz und das Suffraganeat zu Würzburg. Nach längerem Schwanken entschied sich N. für Frankfurt, wo er jedoch, da mittlerweile in dieser Stadt die protestantische Lehre Eingang gefunden hatte, sein Amt nicht anzutreten vermochte, so daß er sich vielmehr nach kurzem Verweilen zur Flucht genöthigt sah. Er ging nach Mainz, wo ihm nun das Amt eines Dompredigers übertragen wurde, das ihm die Gelegenheit gewährte, eine vielseitige homiletische Thätigkeit zu entfalten. Da sich seine Predigten vielfach auf die schwebenden Zeitfragen bezogen und da die meisten derselben auch im Druck erschienen, lenkte er die Aufmerksamkeit immer weiterer Kreise auf sich, zuletzt — durch seine Homiliensammlung — jene des römischen Königs Ferdinand, der ihn zu seinem Rath und Hofprediger ersah und ihm in der Folge zur Entlohnung seiner Dienste die Pfarren Asparn (an der Zaya) und Mistelbach verlieh. Bevor N. dieses neue Amt antrat, begab|er sich (1533) nach Rom, wo ihn der Papst von dem nach canonischem Rechte für eine solche Stelle nöthigen Doctorgrade der Theologie dispensirte, den er sich gleichwol (1534) zu Siena erwarb. Da er indeß gewöhnlich nur in der Advent- und Fastenzeit am königlichen Hofe zu Wien, Innsbruck oder Prag als Prediger zu fungiren hatte, hielt er sich auch jetzt während der übrigen Monate des Jahres in Mainz auf, wo er damals sein großes Homilienwerk in's Deutsche übersetzte. 1538 erwählte Bischof Faber von Wien seinen verdienstvollen Freund N. zum Coadjutor. Nur ungern nahm N. die ohne sein Vorwissen erfolgte Berufung an, da das Bisthum Wien, an sich nicht sonderlich reich dotirt, infolge der Türkenkriege und der um sich greifenden protestantischen Lehre in harte Bedrängniß gerathen war. Nur unter der Bedingung, daß ihm die Beibehaltung des Mainzer Canonicates gestattet und daß er der Residenzpflicht für diese und für jede andere Pfründe, die er noch besaß oder erhalten würde, unbeschadet der vollen Einkünfte derselben, enthoben werde, nahm er die Berufung an und übersiedelte nach Wien, da ihn sein neues Amt verpflichtete, an jedem Sonn- und Feiertage vor dem königlichen Hose zu predigen. 1540—1541 wohnte N. im Auftrage König Ferdinands den Religionsgesprächen zu Hagenau und Worms bei, bei denen er, sowie einst zu Breiten, zu vermitteln suchte, und die ihm den Anlaß zur Abfassung einiger Schriften gaben. Als am 21. Mai 1541 Faber starb, folgte ihm N. als Bischof von Wien. In dieser Stellung hat übrigens N. die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht ganz erfüllt. Zum Theil freilich lag die Schuld nicht so sehr an ihm, als an den vorgefundenen Verhältnissen. Er selbst sagt, das Bisthum Wien sei ein ganz eigen Ding: ein bischen befehle der Bischof von Wien, ein bischen der Bischof von Passau, ein bischen die Universität, ein bischen der Decan der theologischen Facultät, ein bischen der Bürgermeister, ein bischen die Geistlichen, die sich bald hinter diesen, bald hinter jenen stecken und dem Bischof trotzen. Hierzu kämen noch die Mönche mit ihren Generälen, Aebten und Pröpsten. Ein jeder Bischof sei ein armer Mann, ein Mann ohne Ansehen, ohne Einfluß, ohne Macht und ohne Mittel. Der Wiener Bischof, heißt es anderswo, habe keine jurisdiction über das Domcapitel, das sich wenig um den Gottesdienst kümmere, dessen weltliche Mitglieder durch unzüchtigen Wandel und ungebührliche Kleidung allgemeines Aergerniß gäben. Der Bischof habe auch nicht den geringsten Einfluß weder auf die gelehrten Anstalten noch auf die Volksschulen; kaum ein oder der andere Geistliche gehe aus den Wiener Schulen hervor, obgleich doch beiläufig 600 Scholaren und Studenten vorhanden seien: daher der Mangel an Priestern. Stets kränkelnd und in seine Bücher sich vergrabend, während er seine Dienstleute schalten und walten ließ, war N. nicht der Mann, um hier energisch durchzugreifen. Wol glänzte er auch in Wien, wie man aus Wolfgang Schmelzl's Lobspruch dieser Stadt ersieht, als Kanzelredner, wol drang der Ruf seiner Beredsamkeit bis nach Schlesien, wohin er sich, nachdem er zuvor auch in Böhmen gepredigt hatte, 1547 mitten in den Kriegsunruhen begab, um zu Breslau und Glogau unter großem Volkzulaufe gegen die um sich greifenden Häresien zu eifern. Auch suchte er in seinem eigenen Sprengel eine Reform des Clerus anzubahnen, sowie er zugleich selbst zur Feder griff, um durch eine Schrift zur Unterweisung der Priesteramtscandidaten an der Universität Wien das theologische Studium wieder zu beleben. Aber er vermochte bei alledem dem zunehmenden Verfalle des Katholicismus, der immer mächtiger anschwellenden protestantischen Bewegung, die, trotz aller Verbote gegen Einfuhr und Verkauf sectischer Bücher und des Besuches auswärtiger Universitäten, auch in Oesterreich eindrang, nicht Einhalt zu thun. Während der Frohnleichnamsprocession 1549 schlug sogar ein fanatischer Bäckergeselle dem Priester — ob N. selbst, ist ungewiß — die|Monstranz aus der Hand. Uebrigens war N. selbst der staatlich angeordneten Büchercensur nicht hold. Sein Ansehen als Bischof schädigte N. auch durch die ärgerlichen Conflicte, in die er über die von ihm angeordnete Verhaftung seines Officials Dr. Martin Angerer und über die Ansprüche gerieth, welche der Erbe eines verstorbenen Chorcaplans von St. Stephan wider ihn erhob. In beiden Füllen entschied König Ferdinand gegen N., der damals nahe daran war, auf sein Bisthum zu verzichten. Auch durch die Thätigkeit der Jesuiten mußte sich N. in seinem eigenen Wirken beengt fühlen. Wenn Ferdinand den Pater Claudius aufforderte, dem Gewirr von Katechismen und Lehrbüchern der Religion einen Inbegriff christlicher Lehre nach der Auffassung der katholischen Kirche entgegenzustellen, so lag in diesem Auftrage streng genommen ein Mißtrauensvotum gegen N., dessen Katechismus — eines seiner Hauptwerke — seit 1543 vorlag. Auch hielt sich N. vielfach außerhalb seines Sprengels auf. 1542 wohnte er als einer der vom Papste einberufenen Consultoren jenen Berathungen bei, welche aus Anlaß der bevorstehenden Eröffnung des Tridentiner Concils in Rom stattfanden. Eben damals trat er mit jenem Katechismus hervor, den er dem Papste Paul III. widmete. Wie er die Concilsaufgabe erfaßte, geht aus den zu München handschriftlich noch erhaltenen „Sylvae synodales“ in 8 Büchern hervor, von denen bis jetzt nur die von N. dem König Ferdinand überreichten Bücher V und VI aus einem Codex der Wiener Hofbibliothek von Th. Wiedemann, Oesterr. Vierteljahrschrift für kathol. Theologie, IV. Jahrg., veröffentlicht worden sind. Besonders bemerkenswerth ist es, daß hier N. unter Festhaltung des katholischen Lehrbegriffes die Gestattung der Laiencommunion empfiehlt und dem Papste in Hinblick auf so manche Aergernisse, die den geistlichen Stand verächtlich machten und den fühlbaren Priestermangel mitbedingten, die Aufhebung des obligatorischen Charakters des Cölibats nahe legt. Auch trat N. 1545 in einer besonderen Schrift für Regensburg als Concilort ein, woneben er indeß auch Köln als solchen gelten ließ. Schon 1542, dann wieder 1545 hatte Ferdinand unfern N. zu seinem Orator auf dem Concil bestimmt. Beide Male unterblieb aber die Reise auf das Concil und dieses selbst wurde bekanntlich 1543 und 1549 suspendirt. Erst als 1551 das Concil wieder eröffnet wurde, erhielten N. und Paul, Bischof von Agram, die Instruction als Vertreter des Königs von Ungarn und Böhmen, Dalmatien und Croatien und des Herzogs von Oesterreich. Am 30. August 1551 traf N. in Trient ein. Am 1. September, in der zwölften Sitzung des Concils, übergab er sein Mandat. Bald nahm er selbst hervorragenden Antheil an den Berathungen des Concils, besonders bezüglich der Eucharistie, wobei er, gleich dem Cardinal von Trient, die Gestattung der Communion sub utraque befürwortete. Noch am 7. Januar hielt N. bei der Verhandlung der Generalcongregation über die häretischen Artikel bezüglich der Messe und des Priesterthums einen längeren Vortrag. Aber schon am 6. Februar 1552 raffte ihn das damals zu Trient herrschende Fieber hinweg. Sein Concilsdiarium kam durch den Würzburger Weihbischof Georg Flach, der einer seiner Testamentsexecutoren war, an den Abt von Weingarten, der es der Benedictinerabtei Kempten schenkte. Eine Abschrift des Tagebuches verehrte der dortige Fürstabt dem Papste Benedict XIV., und diese Copie soll sieb noch gegenwärtig in der vatikanischen Bibliothek befinden. Das Original wanderte bei der Säcularisation in das Dillinger Archivconservatorium und ist seitdem verschollen. Der Leichnam Nausea's wurde nach Wien überführt und in der dortigen Domkirche vor dem damals sogenannten Marcusaltar beigesetzt. An dem Pfeiler bei dem Katharinenaltar befindet sich ein Oelgemälde, welches ihn als Prediger auf der Kanzel inmitten einer gedrängten Zuhörerschaar darstellt (Abbildung bei Ogesser), darunter eine entsprechende Inschrift. Ein schönes|Denkmal hat sich N. selbst in der Pfarrkirche seiner Vaterstadt Waischenfeld errichtet: auf einer großen Steinplatte ist hier N. inmitten zweier Engel, welche ihm das Wappen vorhalten, dargestellt. Das schönste aber hatte ihm schon bei seinem Leben Aleander gesetzt, indem er am 31. Mai 1532 nach Rom berichtete: „Was Cochläus für Sachsen, Eck für das Donauland, Berns für die Schweiz, Faber für das ganze Reich, das ist für die Rheinlande Nausea.“

    Im J. 1546 hatte N. den „Lucubrationum catalogus“ veröffentlicht, in welchem er seine bis dahin erschienenen Werke verzeichnete, wie er sagt, nicht um damit zu prunken, sondern wegen der vielen untergeschobenen Bücher, welche seine Neider und Gegner unter seinem Namen colportirten. Gegenwärtig findet man seine Schriften am vollständigsten aufgezählt bei Jos. Metzner, Friedrich Nausea, Bischof von Wien, Regensburg 1884, wo auch sein Testament abgedruckt ist.

    • Literatur

      Vgl. auch Th. Wiedemann, Gesch. d. Reformation und Gegenreformation im Lande u. d. E., Bd. I u. II. Nausea's Beschwerdeschrift, mitgetheilt von Seb. Brunner in Stud. u. Mittheil. aus d. Benedictiner Ord., III. Jahrg., und (Ogesser) Beschreibung der Metropolitankirche zu St. Stefan in Wien (1779). Eine Medaille auf N. von Augustin Hirsvogel erwähnt Bergmann, Medaillen I, 287.

  • Autor/in

    v. Zeißberg.
  • Empfohlene Zitierweise

    Zeißberg, Heinrich von, "Nausea, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 321-325 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11878577X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA