Dates of Life
1725 bis 1782
Place of birth
Halle/Saale
Place of death
Altona bei Hamburg
Occupation
Dichterin
Religious Denomination
evangelisch
Authority Data
GND: 118763830 | OGND | VIAF: 209850749
Alternate Names
  • Unzer, Charlotte (verheiratete)
  • Unzer, Johanna Charlotte
  • Unzerin, Charlotte
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Relations

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Citation

Unzer, Johanne Charlotte, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118763830.html [23.09.2020].

CC0

  • Genealogy

    V Johann Gotthilf Ziegler (1688–1747), aus Leubnitz b. Dresden, Komp., Organist in H. (s. ADB 45; BMLO), S d. Daniel Z. (* 1630), Schulmeister, Organist;
    M Anna Elisabeth(a) Krüger ((1699–1751), T e. Uhrmachers;
    Om Johann Gottlob Krüger (1715–59), Arzt, Naturforscher, Prof. f. Med. u. Philos. in Helmstedt (s. ADB 17; BLÄ);
    1 B, 2 Schw u. a. Johanne Christiane Ziegler (* v. 1725, Christian Ernst Berth, 1740, Lehrer am Gymn. in Halle/Saale, Kantor an d. Moritzkirche ebd., s. Jöcher-Adelung);
    Halle/Saale 1750/51 Johann August Unzer (1727–99), aus Halle/Saale, Arzt, Schriftst., 1759–64 Hg. d. Wschr. „Der Arzt“ (s. ADB 39; Pogg. II;|BLÄ; Killy; Biogr. Lex. Schleswig-Holstein VI; Hamburg. Biogr. I), S d. Johann Christoph U., aus Magdeburg, Perückenmachermeister, u. d. Anna Justina N. N.;
    2 K (beide früh †); Schwager Johann Christoph Unzer d. Ä. (um 1707–71), Dr. med., Leibarzt d. Christian Ernst, Gf. zu Stolberg-Wernigerode, HR;
    N Gotthilf Christian Berth, Verl. in Rinteln;
    N d. Ehemanns Johann Christoph Unzer d. J. (1747–1809), Med., Dichter, Bühnenautor, Journ. (s. ADB 39; BLÄ; Biogr. Lex. Schleswig-Holstein VI; Killy; Demokrat. Wege), Ludwig August Unzer (1748–74), Dichter (s. ADB 39; Killy);
    Vt Christian Gottlieb Ziegler (1702-n. 1731), Komp., Organist in Quedlinburg.

  • Life

    Über U.s Jugendzeit ist wenig bekannt. Etwa 25jährig verheiratete sie sich mit dem Arzt und Schriftsteller Johann August Unzer, einem Schüler ihres Onkels Johann Gottlob Krüger. 1750 zog das Ehepaar über Hamburg nach Altona, wo Unzer sich als Arzt niederließ und beide Anschluß an eine Gruppe junger Leute mit ähnlichen literarischen Interessen fanden, darunter der Ilias-Übersetzer Michael Dietrich Blohm (1726–66).

    Auf Empfehlung Krügers druckte der Verleger Carl Hermann Hemmerde (1708–82), der bis dahin keine Frauenliteratur veröffentlicht hatte, U.s erstes Buch: Bei dem „Grundriß einer Weltweißheit für das Frauenzimmer“ (1751 noch unter ihrem Geburtsnamen, 2 1767 mit e. Vorrede v. J. G. Krüger, P, Nachdr. 1995, P) half vermutlich U.s Ehemann bei der Bearbeitung von Christian Wolffs „Logica“, des von Alexander Gottlieb Baumgartens „Metaphysica“ entlehnten Stoffes und der umfangreichen Behandlung der Psychologie. Auch die Fortsetzung, der „Grundriß einer natürlichen Historie und eigentlichen Naturlehre für das Frauenzimmer“ (1751, 2 1767), der auf Linnés „Systema naturae“ ( 3 1740) und Krügers „Naturlehre“ (1740) fußte, wurde wahrscheinlich von ihm mit entworfen. Obwohl der „Grundriß“ vornehmlich im Zeichen aufklärerischen Halleschen Gedankenguts entstand, zeigt er auch den Einfluß Gottscheds, der schon 1725 für eine „teutsche Frauenzimmerbibliothek“ plädiert hatte und dessen „Gespräche von mehr als einer Welt zwischen einem Frauenzimmer und einem Gelehrten“ (1726) U. mehrfach ihren Leserinnen empfahl.

    Berühmt wurde U. durch ihren „Versuch in Scherzgedichten“ (1751 mit 29 Gedichten, 2 1753 mit 58, 3 1766, P), der viele Gedichte in der Manier Johann Wilhelm Ludwig Gleims enthält; die neuen Gedichte der 2. Auflage lassen auch den Einfluß Christian Ludwig v. Hagedorns erkennen. Das Büchlein wurde ein Verkaufserfolg, obwohl U. den Hohn Christoph Martin Wielands erntete, der sie als „anakreontisches Mädchen“ (Brief vom 18. 4. 1752 an J. H. Schinz) bezeichnete, das nur seichtes Zeug produziere. 1753 ernannte sie Krüger, inzwischen Prorektor der Univ. Helmstedt und Hofpfalzgraf, zur ksl. gekrönten Dichterin und vermittelte ihr Ehrenmitgliedschaften in den Dt. Gesellschaften in Helmstedt und Göttingen. In seinem „Dichterkranz“ (1753) findet sich neben dem Text ihres Dichterdiploms auch U.s Dankesrede, die Ode „Der Nachruhm“. Ihre zweite Gedichtsammlung, „Versuch in sittlichen und zärtlichen Gedichten“ (1754, P, 2 1766) umfaßt 42 Stücke mit „sittlichen“ („die Pflichten gegen Gott, gegen sich selbst und gegen andre“) und „zärtlichen“ Themen („eine sanfte traurende und eine lächelnde Zärtlichkeit“). Ein letzter Band mit Texten U.s und ihres Mannes, „Fortgesetzte Versuche in sittlichen und zärtlichen Gedichten“, erschien 1766 im Verlag ihres Neffen G. C. Berth. In den darin enthaltenen, meist schon älteren Gedichten U.s berichtet diese von ihren Pflichten als Frau und Mutter. Nach 1766 dichtete U. nur noch selten, meist Neujahrswünsche und Gelegenheitsgedichte.

    Obwohl Krüger U.s Gedichte lobte, meinte U. selbst in „Der Nachruhm“, sie habe damit nur ihr Leben „versüßen“ wollen. In ihrem Werk kommen ihr selbstsicheres Wesen und ihre positive Weltsicht zum Ausdruck. Als „Frauenzimmer“ fühlte sie sich jedoch den gängigen Vorstellungen des Schicklichen unterworfen. Im Vorwort zum „Versuch in Scherzgedichten“ heißt es: „Eine Mannsperson hat die Freyheit, von Liebe und Weine zu scherzen, ohne befürchten zu dürfen, daß man es ihr übel auslegen werde. Unser Geschlecht ist hierinnen weit mehr eingeschränkt.“ Obwohl U. zu Lebzeiten v. a. wegen ihrer anmutigen Gedichte in gewissen Kreisen große Aufmerksamkeit auf sich zog, geriet sie bald weitgehend in Vergessenheit und wurde erst in neuerer Zeit wiederentdeckt.

  • Awards

    A C.-U.-Str., Halle; U.-Str., Hamburg-Altona (seit 1867).

  • Literature

    L ADB 39;
    P. Zimmermann, Dichterkrönungen auf d. Univ. Helmstedt, in: Braunschweig. Mag. 20, 1914, S. 133–40;
    P. Th. Hoffmann, Eine Altonaer Dichterin v. Wein, Weib u. Gesang, J. C. U., in: Altonaer Stadtkal. 15, 1927, S. 31–35;
    Th. Gehring, J. C. U.-Ziegler, 1725–1782, Ein Ausschnitt aus d. lit. Leben in Halle, Göttingen u. Altona, 1973;
    E. Stolze, in: Hallenserinnen, Biogr. Skizzen, 1995, S. 9–13;
    J. L. Flood, Neglected Heroines? Women Poets Laureate in the Holy Roman Empire, in: Bull. of the John Rylands Univ. Library Manchester 84,3, 2002, S. 25–47;
    ders., Poets Laureate in the Holy Roman Empire, Bd. 4, 2006, S. 2143–45;
    M. Pantenius, Weltweise, auch anakreont. Mädchen, J. C. ZieglerU. (1725–1782), Philosophin u. Poetin, 2006;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L);
    Biogr. Lex. Schleswig-Holstein VI (P);
    Hamburg. Biogr. IV (P); Philosophinnen-Lex.

  • Portraits

    P Kupf. v. G. A. Gründler (Berlin Staatsbibl. Preuß. Kulturbes., Hss.abt., Inventar-Nr. Slg. Hansen, Bd. 22, Nr. 44; Leipzig, Univ.bibl., Porträtstichslg. Inventar-Nr. 59/108; P. Mortzfeld, Kat. d. graph. Porträts in d. Hzg. August Bibl. Wolfenbüttel 1500–1800, Nr. A 28316) u. v. J. Ch. G. Fritsch, in: Grundriß d. Weltweißheit, 21767, Versuch in Scherzgedichten, 31766 u. Versuch in sittl. u. zärtl. Gedichten, 1754.

  • Author

    John L. Flood
  • Citation

    Flood, John L., "Unzer, Johanne Charlotte" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 659-661 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118763830.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Life

    Unzer: Johanne Charlotte Unzerin, geborne Zieglerin, durch popular-philosophische und poetische Arbeiten bekannt, wurde am 27. November 1725 zu Halle a. d. Saale geboren, die Tochter des wegen seiner Compositionen und seiner musikalischen Schriftstellerei geschätzten Organisten der Ulrichskirche Joh. Gotthilf Ziegler. Hatte der Vater Dank seinen Beziehungen zu Aug. Herm. Francke eher einer pietistischen Richtung angehört, so huldigt die Tochter, die seit seinem Tode 1747 offenbar vorzugsweise unter dem Einfluß ihres mütterlichen Oheims, des Philosophen und Mediciners Joh. Gottl. Krüger (s. A. D. B. XVII, 231) stand, durchaus der moderneren halleschen Normalweltweisheit der Wolfs, Baumgarten und Meier. Davon zeugt ihr 'Grundriß einer Weltweißheit für das Frauenzimmer' (Halle 1751, 2. Ausg. 1767), den der schnell erwärmte Ohm fast wider ihren Willen drucken ließ und mit witzelnden oder skeptischen Anmerkungen begleitete, nicht unähnlich in der Wirkung Wieland's Zuthaten zu dem Erstlingswerk seiner Jugendgeliebten. Das Buch ist von einer ausgeprägten Frauenzimmerlichkeit. Bei jeder geschlossenen Gedankenreihe wirds der Verfasserin unbehaglich; die 'mathematische' Methode Wolff's, überhaupt das abstracte Denken, überläßt sie getrost 'den allerdüstersten|Männern'; sie greift statt zu strengen Beweisen lieber zu hübschen Geschichten aus dem Spectator oder zu Versen Halle's und Gellert's, die sie verwegen genug anwendet: muß doch gar ein Liebesgedicht Haller's herhalten, um den Nutzen der Einsamkeit — aber nicht für die Liebe, sondern für das Studiren zu beweisen. Griechisch und Latein kann sie nicht; Baumgarten's Metaphysik hat ihr ein guter Freund übersetzt; den Ixion verwechselt sie mit dem Prometheus, und der Gründer der stoischen Lehre heißt ihr einfach Stoa. Diese harmlose Unwissenheit hindert sie nicht, über Plato's Ideenlehre, über den Gottesleugner Spinoza, ja selbst über Leibnizens prästabilirte Harmonie und seine Monaden, die sie sich als 'kleine Insecten' veranschaulicht, kritisch oder scherzend sich aufzuhalten. Aber solche Unbescheidenheit steht ihr, eben weil sie naiv frauenzimmerlich auftritt. Ungern nimmt sie in Streitfragen Partei, und immer ist sie dann auf der Seite der Nüchternheit. Wie allerliebst weiblich aber, wenn sie sich bei der Frage über das Verhältniß von Körper und Seele auf Seite der Harmonisten stellt hegen die Influxionisten und Occasionalisten, weil jene immer noch ein bischen Recht behalten würden, auch wenn eine der anderen Parteien ganz Recht hätte. Dennoch würde sie anders geurtheilt haben, wenn sie gewuht hätte, daß ihr 'Damis' wenige Jahre vorher die Sache der Influxionisten verfochten hatte. Von eigenen Gedanken ist natürlich nicht die Rede; an groben, auch logischen Schnitzern fehlts nicht. Aber das Ganze plaudert so unschuldig fröhlich dahin, daß mans sich gern gefallen läßt. Leider machte der Erfolg unserer gelehrten Freundin den Kamm schwellen. In ihrem 'Grundriß einer Natürlichen Historie und eigentlichen Naturlehre für das Frauenzimmer' (Halle 1751), den sie nun schon ohne Onkel Krüger's Hilfe herausgibt, will sie bereits eine Lehrerin ihres Geschlechts werden, will sie 'Neutonianerinnen' heranbilden, will sie den Männern das Zugeständniß abnöthigen, daß es auch unter den Frauen „Erfinderinnen neuer Wahrheiten' gebe. Eine curiose Zumuthung das bei einem Buche, das zuerst nach 'des Linnäus' Eintheilung einigen aus merkwürdigen Reisebeschreibungen und aus Brocket Gedichten ausstaffirten Notizenkram über die drei Naturreiche zum besten gibt und dann Krüger's 'Naturlehre' munter excerpirt. Originell ist nur, daß die U. auf Beschreibungen von Pflanzen im einzelnen verzichtet, weil ihr dabei zu viel lateinische Namen vorkommen, daß sie dann aber mit einigen besonders interessanten Pflanzen eine Ausnahme macht, deren erste der — Caffeebaum ist.

    Aber nicht 'Caffee' sollte man ihr auf den Leichenstein schreiben, sondern:

    Wein! Wein! Wein! Wein! Wein! Wein! Wein! Wein! Das soll auf meinem Leichenstein So vielmahl stehn, als Platz dazu wird seyn.

    Die U. hält es nämlich auch für ihr Menschenrecht, gleich den Männern von Wein und Liebe zu singen, weil ja doch 'kein vernünftiger Leser in einer scherzhaften Ode die Sprache des Herzens, sondern vielmehr des Witzes und der Scharfsinnigkeit sucht'. Komischer ist die innere Unwahrheit der Anakreontik selten zu Tage getreten als bei diesem gleichheitssüchtigen Frauenzimmer. Der Hällische Genius loci spukt auch in dieser Lust an anakreontischen Tändeleien und Dreiquersingerzeilen. Sie befehdet Gleim grollend, weil er alle Mädchen für Puppen erklärt hat, und lehrt ihre Leserinnen die 'Frauenzimmerwissenschaft', mit den grauen Puppen, den alten Männern spielen, 'ihre kalten Glieder wärmen', ja sie lehrt: 'Lernet mit den Männern zechen!' Trotz Mylius und Lessing scherzt sie über die Mondbürger. Den finstern Algebraicus, den sie Onkel Krüger zu Liebe später in einen Metaphysicus verwandelt, läßt sie von Phillis bekehren und sich hängen. Den Sharon will sie, ebenso wie den hochwürdigen Krüger, unter den Tisch trinken und dann, uns die Unsterblichkeit zu sichern, ins Land der Lappen|entführen. So läppisch scherzt sie beständig: ihr Witz ist sehr fade. Und ihre Geschmacklosigkeit verirrt sich bis zur Rohheit, so in dem abscheulichen Gedicht 'An die Mütter'. Dennoch hatte ihr 'Versuch in Scherzgedichten' (Halle 1751) Erfolg, er erlebt 1753 bereits eine zweite, stark vermehrte und von manchen häßlichen Auswüchsen befreite Auflage, der 1766 eine dritte gefolgt ist. Johann Gottlob Krüger aber, stolz auf den Ruhm seiner gelehrten Nichte, setzt ihr als Vicerector der Universität Helmstedt und Comes palatinus Caesareus am 2. Mai 1753 den Dichterlorbeer auf; schon vorher hat die Deutsche Gesellschaft zu Helmstedt sie zum Ehrenmitglied gemacht und ihre Collegin zu Göttingen spendet ihr die gleiche, nicht eben rare Auszeichnung am 5. Mai d. J.

    Damals aber hatte bereits ihr 'Damis' seine Phillis heimgeführt, noch rechtzeitig um sie vor der Lächerlichkeit zu retten, der sie entgegensteuerte. Sie war, eben auch der Mutter beraubt, dem geliebten Manne, dem trefflichen Arzte Joh. Aug. U. 1751 nach Hamburg, dann nach Altona gefolgt und hat mit ihm in dauerndstem Eheglück gelebt, das auch durch schwere Krankheit und durch den Verlust lieber Kinder nur vorübergehend getrübt wurde. Die Ehe entzieht sie der Poesie nicht sofort. Wärmere und ächtere Töne in der 2. Aufl. der 'Scherzgedichte' verrathen, daß ihrer Poesie 'die Sprache des Herzens' trotz der Vorrede nicht mehr ganz fremd ist. In der Heimath des großen Brockes steigert sich ihr Natursinn. Mit Leyding und Löwen nimmt sie anfänglich an den 'Hamburgischen Beyträgen zu den Werken des Witzes und der Sittenlehre' (Hamburg 1753—54) Theil; auch an dem Wochenblatt 'Der Christ bey den Gräbern' wirkt sie mit. Aber von den Scherzgedichten hat sie sich jetzt zu einem 'Versuch in sittlichen und zärtlichen Gedichten' erhoben (Halle 1754, 2. Aufl. 1766, 'Fortgesetzte Versuche in sittlichen und zärtlichen Gedichten' Rinteln 1766). Ihre 'sittlichen' Gedichte, die trotz Lissabon die beste der Welten lehren, die sich im Rahmen des rationalistisch zugestutzten Gottesglaubens und der aufgeklärten Glückseligkeitsphilosophie überlegend ergehen, sind prosaisch und ohne jeden eignen Gedanken. Aber aus ihren 'zärtlichen' Gedichten, die den Wahn vom Ehstand beschämen wollen, 'daß er das Gift der Liebe sey', spricht so wahrhafte Empfindung, daß sie wirken in all ihrer nüchtern stammelnden Steifheit. Bald rühmt sie ihren Damis am Clavier, bald führt sie mit ihm parodirend Hor. Od. III, 9 auf, bald quält sie die Angst, er könnte vor ihr sterben: in dem aus dieser Stimmung erwachsenen melancholischen Gedicht 'Ahndungen' gemahnt doch immerhin manches an Klopstock's Ode 'An Ebert', so fern sonst der Messiasdichter den poetischen Kreisen der U. steht, deren dichterischen Horizont ihr Leben lang Canitz und Günther, Richey und Hagedorn, Haller und Geliert, höchstens Pyra und Lange beherrschen. Das ehrlich tiefe Gefühl der liebenden Frau macht manche Albernheit der bildungsbeflissenen jungen Dame gut.

    Die U. hatte die Freude, in den siebziger Jahren an einem Neffen ihres Mannes, dem jungen Joh. Christ. U. (s. u.), einen guten Freund zu gewinnen, der sich von ihr zu erfolgreichen poetischen Versuchen anregen ließ und die werthe Tante zu Namens- und Geburtstagen aus herzlicher Verehrung feierte. Sie selbst hat damals höchstens noch für den Bedarf des Augenblicks gereimt, Stammbuchverse (Arch. f. Litteraturgesch. XI, 326) u. ähnl. Ihr ephemerer Ruhm war vorbei, und es ist nicht die Fülle ihrer geistigen Reize, der sie noch 1771 eine spaßende Erwähnung Wieland's (Neuer Amadis I, 4) verdankt. Sie starb am 29. Januar 1782 in Altona. Ihr Porträt (von Gründler und von J. C. G. Fritsch) ist ihren Werken zuweilen beigegeben.

    • Literature

      Dreyhaupt, Beschreibung des Saalkreises (Halle 1773). II, 769. — Meusel, Lexikon der 1750—1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller XIV, 210. — Joh. Gottl. Krüger's Dichterkranz ertheilet Frauen Johanne Charlotte|Unzerin. (Halle 1753). —
      Redlich in der 'Wierteljahrschr. f. Litteraturgeschichte' II, 280. — Fördernde Nachweisungen verdanke ich K. Burdach in Halle.

  • Author

    Roethe.
  • Citation

    Roethe, Gustav, "Unzer, Johanne Charlotte" in: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895), S. 331-334 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118763830.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA