Lebensdaten
erwähnt 1013, gestorben 1029 oder 1030
Sterbeort
Bremen
Beruf/Funktion
Erzbischof von Hamburg-Bremen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 139112456 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Unnonus
  • Unwan
  • Unnonus
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Zitierweise

Unwan, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139112456.html [13.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Dietrich (Thiedrich) ( 995), aus d. Fam. d. Grafen v. Goseck, Gf. in Ostfalen, 982 Pfalzgf. v. Sachsen;
    M N. N., aus d. sächs. Fam. d. „Immedinger“;
    B Siegbert (?), Mönch im Kloster Corvey, Schw (?) N. N. ( Lothar-Udo [Luder-Udo] I, Gf. v. Stade, 994);
    Vt 2. Grades Meinwerk, Bf. v. Paderborn ( 1036, s. NDB 16), Dietrich ( 1014), Gf. im Bm. Lüttich, Cousinen 2. Grades Emma ( 1038, Liudger, Gf. v. Lesum, aus d. Fam. d. Billunger), Glismod ( 1041, ⚭ Adalbert, Mgf. v. Österr., 1055, s. NDB I), Adela (Athela) ( 1024), Kanonisse in Elten.

  • Leben

    U. war Mitglied der Domkapitel von Paderborn sowie wahrscheinlich auch von Hildesheim und gehörte der kgl. Hofkapelle an. Anstelle des von Klerus und Volk einstimmig gewählten Vizedominus Otto wurde er von Kg. Heinrich II. zum Erzbischof von HamburgBremen bestimmt und am 2. 2. 1013 von Ebf. Gero von Magdeburg gesalbt; das Pallium wurde ihm von Papst Benedikt VIII. übersandt. Nach seiner Erhebung zum Erzbischof war U. nur noch selten am kgl. Hof anzutreffen, er trat insgesamt nur dreimal als Intervenient in kgl. Urkunden in Erscheinung; 1019 nahm er in der Königspfalz Goslar an einer Synode teil und 1024 war er bei der Huldigung Kg. Konrads II. in Minden zugegen.

    Eine der wichtigsten Maßnahmen U.s bestand in der Neuordnung der Stiftsgeistlichkeit. Das mönchisch geprägte Domkloster in Bremen wurde auf die Aachener Kanonikerregel von 816 verpflichtet, so daß sich dieses zu einem Domkapitel mit erweitertem Aufgabenkreis (Pastoraltätigkeit, Bistums- und Güterverwaltung, Administration des Kapitelbesitzes) entwickelte. Zur materiellen Absicherung des Domstifts vermachte U. den Stiftsgeistlichen den Hof Baden bei Achim als Grundstock für einen eigenständigen, selbstverwalteten Kapitelbesitz. Eng mit diesem innerkirchlichen Funktionswandel verbunden war die Gründung der St. Veitskirche als erste Pfarrkirche Bremens – erst dadurch konnte der St. Petri Dom seiner Bestimmung als Hochkirche der Diözese vollständig gerecht werden. Gegen mögliche Übergriffe des billung. Sachsenhzg. Bernhard II., der damals gegen Ks. Heinrich II. rebellierte, ließ U. den von seinem Vorgänger Libentius I. ( 4. 1. 1013) in Bremen errichteten Erd- und Palisadenwall um den Dombezirk verstärken. Der Chronist Adam von Bremen datiert die „Erbfeindschaft“ zwischen den Billungern und den brem. Erzbischöfen daher in U.s Zeit.

    Neben Bremen nahm sich U. auch seines zweiten Kathedralsitzes Hamburg in besonderer Weise an und ließ dort Dom und Burg neu errichten. Zugleich etablierte er in Hamburg ein zweites Domkapitel durch die Abordnung von je drei Stiftsgeistlichen aus dem Domstift Bremen sowie den Stiftern Bücken, Ramelsloh und Harsefeld. Hamburg, wo U. oft die Hälfte des Jahres verbrachte, wurde zum Mittelpunkt erzbischöflicher Politik; hier empfing U. unter demonstrativer Zurschaustellung von Luxus, Pracht und Reichtum ausländische „Staatsbesucher“ wie den Dänenkg. Knut d. Gr. oder kooperationswillige Slawenfürsten.

    Erfolge erzielte U. auch in der Skandinavienmission. In Dänemark, das unter Knut d. Gr. vorübergehend unter engl. Einfluß geraten war, konnte die Metropolitanstellung der hamburg.-brem. Kirche in vollem Umfang wieder hergestellt werden; zudem gelang es U. erstmals, die kirchliche Oberhoheit auch über Norwegen und Schweden auszudehnen. Von einer norweg. Gesandtschaft unter Bf. Grimkil wurde U. ausdrücklich um Unterstützung der Mission gebeten, in Schweden ordinierte er den einheimischen Thorgut als ersten Bischof des neu errichteten Bistums Skara. Um Erfolg zu haben, war U. nahezu jedes Mittel recht. So ließ er 1022 Bf. Gerbrand von Roskilde, der vom Erzbischof von Canterbury geweiht worden war, bei seiner Rückkehr aus England in Bremen festnehmen und erst weiterreisen, nachdem er den Suffraganeid geleistet hatte. Zu Knut d. Gr. entwickelte U. in der Folgezeit dann aber ein freundschaftliches Verhältnis, so daß der dän. König sich im Verbrüderungsbuch der brem. Kirche eintragen ließ. 1025 soll U. sogar einen Friedensvertrag zwischen Kg. Knut und Kg. Konrad II. vermittelt haben. Lediglich im slaw. Osten blieb U. nach dem heidnischen Aufstand von 1018 ein Missionserfolg versagt; der von ihm in Oldenburg (Wagrien) eingesetzte Bf. Bernhard ( 1023) zog sich schon bald ins sichere Hildesheim zurück.

    Insgesamt ist U.s Pontifikat eine positive Bilanz zu bescheinigen: Die Ausdehnung der hamburg.-brem. Metropolitangewalt über alle drei nordischen Königreiche verlieh dem Legationsauftrag der Bremer Kirche wichtige neue Impulse. Gleichzeitig hatte der institutionelle Umbau des Domklosters zum Domstift eine strukurelle Angleichung der Bremer Missionskirche an die süd- und westdt. Bistümer zur Folge. Magister Adam, der zeitgenössische Chronist der brem. Kirche, rühmt v. a. die große Freigebigkeit des Erzbischofs, der deshalb bei allen Menschen beliebt gewesen sei.

  • Quellen

    Qu Magister Adam Bremensis, Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum, in: Qu. d. 9. u. 11. Jh. z. Gesch. d. Hamburg. Kirche u. d. Reichs, bearb. v. W. Trillmich, 1961, II, cap. 47–62, S. 284–302; Regg. d. Erzbischöfe v. Bremen, I, bearb. v. O. H. May, 1937, S. 41–46.

  • Literatur

    L ADB 39;
    G. Dehio, Gesch. d. Ebm. Hamburg-Bremen bis z. Ausgang d. Mission, 1, 1877, Nachdr. 1975, S. 148–56, 160–64;
    W. v. Bippen, Gesch. d. Stadt Bremen, 1, 1892, S. 29–33; G. Glaeske, Die Erzbischöfe v. Hamburg-Bremen als Reichsfürsten (937–1258), 1962, S. 33–43;
    W. Seegrün, Das Papsttum u. Skandinavien bis z. Vollendung d. nord. Kirchenorganisation (1164), 1967, S. 48–59; K. Reinecke, Hammaburgensis sive Bremensis, Series episcoporum ecclesiae catholicae occidentalis, Series V: Germania, II, 1984, S. 25 ff.; H.-J. Schulze, Die Erzbischöfe v. Hamburg-Bremen u. d. Grafen v. Stade v. Ausgang d. 10. bis z. Mitte d. 12. Jh., in: ders. u. H.-E. Dannenberg (Hg.), Gesch. d. Landes zw. Elbe u. Weser, II, 1995, S. 52 f. u. 525; H. Schwarzwälder, Die Bischöfe u. Erzbischöfe v. Bremen, Ihre Herkunft u. Amtszeit – ihr Tod u. ihre Gräber, in: Die Gräber im Bremer St. Petri Dom, Bll. d. „Maus“, 16. H., Dez. 1996, S. 15 f.; D. Hägermann, U. Weidinger u. K. Elmshäuser, Brem. KGesch. im MA, 2012, S. 79–86 u. 510 (P);
    BBKL 22;
    LexMA; Hamburg. Biogr. II (L)

  • Autor/in

    Ulrich Weidinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Weidinger, Ulrich, "Unwan" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 658-659 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139112456.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Unwan, Erzbischof von Hamburg-Bremen, 1013—1030. Er entstammte dem reich begüterten Hause der Immedinger, hatte in der kgl. Capelle seine Ausbildung erhalten und wurde nach des Erzbischofs Liawizo Tode von Heinrich II. zum Erzbischof ernannt gegen Abtretung, wie es heißt, eines Drittels seiner Eigengüter an den Kaiser. In der Geschichte der hamburgbremischen Kirche nimmt er eine hervorragende Stellung ein. Ihm zuerst gelang die Ausdehnung der Metropolitangewalt über die drei nordischen Reiche, wobei ebenso, wie bei seiner Erhebung zum Erzbischof, die großen materiellen Mittel, über die er verfügte, eine bedeutende Rolle gespielt haben. Die Lust der wilden Könige des Nordens an seinen Geschenken nennt Meister Adam ausdrücklich als das Mittel, durch das er sie sich zu Willen machte. So vermochte er Knut den Großen von Dänemark und den heiligen Olaf von Norwegen, unter|Verdrängung des in den beiden Reichen vorwaltenden Einflusses der englischen Mission, zur Anerkennung der der hamburgischen Kirche durch päpstliche Verleihung zustehenden Rechte zu bewegen, und in Schweden unter dem Schutze Olaf Schoßkönigs wieder eine regelmüßige Kirchengewalt einzusetzen. Mit König Knut hatte er besonders nahe Beziehungen, die seitens des Königs einen eigenthümlichen Ausdruck dadurch fanden, daß er sich selbst nebst seiner Gemahlin und seinem Sohne in die Bruderschaft der bremischen Kirche aufnehmen ließ. Auch persönlich hat U. mit Knut in Hamburg verkehrt und hier wahrscheinlich im J. 1024 den für die nordische Politik des deutschen Reichs und für die Stellung des hamburgischen Erzstifts wichtigen Vertrag eingeleitet, der, gegen die Abtretung der Mark zwischen Eider und Schlei an Dänemark, an die Stelle hundertjähriger Fehden ein Freundschaftsbündniß der beiden Reiche setzte.

    Bei der Sicherheit des Nordens konnte U. das seit dem Ende der Regierung Adeldag's, das heißt seit etwa dreißig Jahren, in Trümmern liegende Hamburg wieder aufrichten. Er hat dort oft Residenz gehalten, bisweilen gemeinsam mit Herzog Bernhard II. Mit diesem verstand der Erzbischof im ganzen ein freundliches Verhältniß aufrechtzuhalten, trotz der zwischen dem Hause der Billunger und dem der Immedinger herrschenden Eifersucht und trotz des politischen Gegensatzes, der zwischen dem Sachsenherzog und der nach Erweiterung ihrer weltlichen Macht strebenden Kirche im Entstehen begriffen war. Nur einmal, im J. 1019, ist es, so viel wir wissen, zu einem ernsten Zwiespalt zwischen beiden gekommen, als Bernhard die Waffen gegen den Kaiser erhob und auch Bremen bedrohte. U. hatte indeß die Befestigung Bremens so verstärkt, daß ein Angriff auf die Stadt unterblieb. Und ehe es dann zur Waffenentscheidung zwischen Kaiser und Herzog kam, gelang es dem Erzbischof einen Ausgleich zu treffen. Freilich mußte er die Ruhe durch die Abtretung einiger Lehngüter an den Herzog erkaufen.

    Der veränderten Stellung, die U. seinem Erzstifte durch die Ausbreitung der kirchlichen Gewalt über den Norden gab, entsprach die Neuordnung des bremischen Domcapitels. Er schied das mönchische Element aus, das von den Zeiten des vorherrschenden Einflusses von Corvey auf das Erzbisthum bisher im Capitel eine namhafte Rolle gespielt hatte. So legte U. den Grund zur Ausgestaltung des Capitels zu einer bischöflichen Regierungsbehörde. Von ähnlicher Bedeutung war es, daß U. den Bremer Dom zur wahren Kathedrale des Stifts erhob, indem er neben ihm eine Pfarrkirche für die Stadt Bremen erbaute. Auch durch andere Kirchenbauten hat U. sich hervorgethan. In Bremen ließ er die eingeäscherte Willehadicapelle wieder herstellen, in Hamburg einen neuen Dom aufführen, und noch an anderen Orten seiner Diöcese, wo er noch Reste heidnischen Cultus fand, Kirchen errichten. Die einzigen Ueberreste von all diesen Bauten finden sich in der heutigen Liebfrauenkirche in Bremen, die diesen Namen erst nach einem Umbau am Ende des 12. Jahrhunderts erhalten hat an Stelle des Namens des Corveyer Schutzpatrons, St. Veit, dem U. sie in Erinnerung an die Verdienste des Klosters um sein Stift gewidmet hatte. Gestorben ist U. am 27. Januar 1030 und neben seinen Vorgängern im Dom zu Bremen bestattet.

    • Literatur

      Adam II c. 45—60. — Dehio, Gesch. des Erzbisth. Hamburg-Bremen I, 149 ff. — von Bippen, Gesch. der Stadt Bremen I, 30 ff.

  • Autor/in

    v. Bippen.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bippen, Wilhelm von, "Unwan" in: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895), S. 323-324 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139112456.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA