Lebensdaten
1896 bis 1966
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Professor für Verwaltungsrecht in Berlin und Köln
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 118740229 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Peters, Hans Carl Maria Alfons
  • Peters, Hans
  • Peters, Hans Carl Maria Alfons

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Peters, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118740229.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1867–1938), Dr. phil., Gymnasialdir., Vizepräs. im Provinzialschulkollegium Münster, stellv. Univ.kurator ebd., S d. Johannes Caspar (1836–1909), aus Allendorf (Westfalen), Gymnasialprof.Gymnasialprofessor, Abg. d. Zentrumspartei im Preuß. Abg.-haus (s. BJ 14, Tl.), u. d. Maria Fleran (1837–1896);
    M Clara (1874–1960), T d. Carl Pannes (1832–96), Apotheker in Breslau, u. d. Emma Gebauer (1836–1929);
    B Karl (s. 2);
    Schw Maria (1900–88, Erich Molitor, 1886–1963, ordentlich Professor(in) f. Dt. Rechtsgesch., Bürgerl. Recht, Handels-, Wirtsch.- u. Arbeitsrecht in Mainz, s. NDB 17);
    Münster 1923 Margarete (1891–1957), T d. Franz Biagini, Baumeister in Hannover, u. d. Johanna Hering; kinderlos.

  • Leben

    P. studierte in Münster, Wien und Berlin Rechtswissenschaften und wurde 1921 in Münster mit einer bei Ernst Heinrich Rosenfeld entstandenen Dissertation zum Verwaltungsstrafrecht promoviert. 1923-25 arbeitete er in der Kommunalabteilung des preuß. Innenministeriums. 1925 habilitierte er sich an der Univ. Breslau mit der bei Hans Helfritz entstandenen Schrift „Grenzen der kommunalen Selbstverwaltung in Preußen, Ein Beitrag zur Lehre vom Verhältnis der Gemeinden zu Staat und Reich“ (1926). 1925-28 als Assessor in der Regierung in Breslau, verwaltete er kurzzeitig kommissarisch den Landkreis Westpriegnitz. 1928 wechselte P. ins preuß. Kultusministerium, wo er bis 1933 blieb, Generalreferent für die Universitäten war und unter Werner Richter (1887–1960) an den Hochschulreformplänen jener Jahre mitarbeitete. Diese Tätigkeit und seine Begegnung mit Carl Heinrich Becker (1876–1933) und Adolf Grimme (1889–1963) weckten P.s kulturpolitisches Engagement in Recht und Politik. 1928 wurde er beamteter ao. Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Univ. Berlin, 1932-49 war er Honorarprofessor an der TH Berlin. Der Berufung auf ein Ordinariat stand seine „politische Unzuverlässigkeit“ entgegen. Erst 1946 wurde P. o. Professor an der Humboldt-Univ. Berlin. 1949 nahm er einen Ruf nach Köln an (Dekan 1950/51, Rektor 1964/65); weitere Rufe lehnte er ab.

    Sein „Lehrbuch der Verwaltung“ (1949) brach aus den traditionellen Grenzen des Verwaltungsrechts aus, stellte die Verwaltung in ihren mannigfaltigen Aspekten, auch den soziologischen, psychologischen, ökonomischen, dar und begründete die interdisziplinär-„verwaltungswissenschaftliche“ Methode, die nach 1945 die vorwiegend rechtswissenschaftliche Durchdringung und Darstellung der Verwaltung ergänzte. Sein zeitlebens ausgeprägtes wissenschaftliches und praktisches Interesse an der gemeindlichen Selbstverwaltung schlug sich u. a. nieder in der Herausgabe des dreibändigen Werkes „Handbuch der kommunalen Wissenschaft und Praxis“ (1956-59) und ließ sie als ein Grundprinzip des öffentlichen Lebens und|der Demokratie in Deutschland deutlich werden.

    P. war ein „politischer Professor“. Seit 1923 Mitglied der Zentrumspartei, gehörte er von März bis Oktober 1933 dem preuß. Landtag an. 1940-44 arbeitete er mit im „Kreisauer Kreis“, ausgehend von einer alten Beziehung zu Helmuth James Gf. v. Moltke (1907–45); er wurde als Fachmann für Kultur-, Kirchen- und Verwaltungsfragen herangezogen. Er nahm an der 1. und 2. Tagung in Kreisau teil, erarbeitete das Kulturprogramm der Widerstandsgruppe und stellte Kontakte zwischen Moltke und dem kath. Bischof von Berlin, Konrad Gf. v. Preysing (1880–1950), her. 1945 gehörte P. zu den Mitbegründern der Hamburger CDU. 1946-48 war er Mitglied der Gesamt-Berliner Stadtverordnetenversammlung, 1952-61 Ratsmitglied der Stadt Köln, dort besonders kulturpolitischer Sprecher. 1951 bemühte sich die CDU-Fraktion des Deutschen Bundestages vergeblich, P. für eine Kandidatur als Richter des Bundesverfassungsgerichts zu gewinnen. Am 17.6.1963 hielt er im Bundestag die Gedenkrede zur zehnjährigen Wiederkehr des Volksaufstandes in Ost-Berlin.

    P.s bedeutendste wissenschaftsorganisatorische Leistung ist der Wiederaufbau der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im kath. Deutschland nach dem Krieg. Vorstandsmitglied seit 1933, wurde P. 1940 in einer Zeit größter Bedrängnis zum Präsidenten gewählt. Er konnte das 1941 von der Gestapo verfügte Verbot der Gesellschaft nicht aufhalten. Sie wurde 1949 wieder gegründet, P. in seinem Amt bestätigt. Er vollzog die Erweiterung des ausschließlich kath. Umfeldes der Görres-Gesellschaft und gab ihr das noch heute gültige Gesicht. Der Unterhalt von Auslandsinstituten, die Nachwuchsförderung, die Herausgabe zahlreicher Zeitschriften und Schriftenreihen sowie des renommierten „Staatslexikons“ machen die Görres-Gesellschaft zu einer der bedeutendsten privaten Wissenschaftsgesellschaften in Deutschland und Europa. P. wurzelte im kath. Glauben. Seine kämpferische und stets nachdrücklich bekannte Religiosität brachte ihn in Gegensatz zum Nationalsozialismus und prägte seine Grundauffassung von Staat und Verfassung.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Löwen 1962); Mitgl. d. Kuratoriums d. Fritz-Thyssen-Stiftung (wiss. Beirat 1960–66) sowie zahlr. Sachverständigenkomm. d. Bundes u. d. Landes Nordrhein-Westfalen; Kurator d. Stiftung Volkswagenwerk (1962–66).

  • Werke

    Weitere W Zentralisation u. Dezentralisation, 1928;
    Der totale Staat u. d. Kirche, in: E. Kleineidam u. O. Kiß (Hg.), Die Kirche in d. Zeitenwende, 1935, S. 3 ff.;
    Zw. Gestern u. Morgen, 1946;
    Das Recht auf freie Entfaltung d. Persönlichkeit in der höchstrichterl. Rechtsprechung, 1963;
    Die Verw. als eigenständige Staatsgewalt, 1965. |

  • Nachlaß

    Nachlaß BA Koblenz (NL 220).

  • Literatur

    H. Conrad u. a. (Hg.), Gedächtnisschr. H. P., 1967 (W-Verz., P);
    U. Karpen, in: Die Öff. Verw., 1996, S. 776-82;
    ders. u. A. Schott (Hg.), Der Kreisauer Kreis, Zu d. vfg.pol. Vorstellungen v. Männern d. Widerstands um Helmuth James Gf. v. Moltke, 1996;
    L. v. Trott zu Solz, H. P. u. d. Kreisauer Kreis, Staatslehre im Widerstand, 1997;
    P. Mikat, in: Staatslex. IV, 71988;
    Schumacher, M. d. L.

  • Autor/in

    Ulrich Karpen
  • Empfohlene Zitierweise

    Karpen, Ulrich, "Peters, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 240-241 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118740229.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA