Lebensdaten
1766 bis 1853
Geburtsort
Mannheim
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118723928 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kobell, Wilhelm (bis 1818)
  • Kobell, Wilhelm von
  • Kobell, Wilhelm (bis 1818)
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Zitierweise

Kobell, Wilhelm von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723928.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand (s. 1);
    Ov Franz (s. 2);
    - München 1797 Anna (1775–1839), T d. Sebastian Ludwig Edler v. Krempelhuber (1739–1818), bayer. Landesdirektionsrat, u. d. Maria Anna Benigna Staffelberger;
    2 S, 3 T, u. a. Sebastian (1801–75), Gen.sekr. d. bayer. Staatsrats, Henriette Maximiliane (⚭ Christoph Maria Schmitz, Insp. d. Porzellanmanufaktur in Nymphenburg, Oberberg- u. Salinenrat);
    N Franz (s. 3);
    E Ludwig (1840–1907), Reg.präs. v. Unterfranken seit 1901 (s. Schärl).

  • Leben

    Die Ausbildung K.s in der Zeichenkunst übernimmt lange Zeit hindurch der Vater, in der Mannheimer Zeichenakademie sind dann Franz Anton von Leydensdorf und Egid Verhelst seine Lehrer. Bei letzterem erlernte er die später wichtige Griffeltechnik. Bereits das Frühwerk ist von einer schöpferischen und eigenwilligen Auffassung geprägt. Schon in der beginnenden Akademie-Zeit 1793 dürfte K. neben den Anregungen der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts ebenso die des 18. Jahrhunderts, aber auch die zeitgenössische Kunst, insbesondere diejenige Englands, kennengelernt haben. Er beginnt vor allem mit druckgraphischen Versuchen, darunter Aquatinta-Kopien nach holländischen Gemälden des 17. Jahrhunderts in der Mannheimer Galerie. Die Entwicklung seiner zeichnerischen Handschrift, die in der Griffelführung Strichlagen des Kupferstichs in die Zeichnung übersetzt, deutet schon früh an, daß K. zu den bedeutendsten Künstlern des ausgehenden 18. Jahrhunderts gehören wird.

    Wichtig für ihn sind auch die frühen Reisen. Bei einem Aufenthalt in Trier 1787 kopiert er nach Originalen von C. P. Berchem und Ph. Wouwerman. 1789 studierte er in München besonders die holländischen Meister des 17. Jahrhunderts. Die Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn wird seit 1789 enger; es entstehen Ölgemälde, die sich mit der Umgebung des Aschaffenburger Schlosses (Aschaffenburger Zyklus), aber auch mit allgemeinen Landschaftsprospekten befassen. 1790 erwirbt Kurfürst Karl Theodor zwei Landschaftsbilder und gewährt ihm im nächsten Jahr 400 Gulden für Reisen nach England und Italien, die K. jedoch nicht antreten kann.

    Durch die frühen Erfolge bestärkt und dank intensiver Studien gelingt es K., die von den Holländern inspirierte Landschaftsmalerei mit seiner spezifischen Auffassung zu vereinen. Die Aufhellung der Bildräume nimmt zu, ein klares kühles Licht bestimmt die Komposition. K. zeichnet sehr häufig in freier Natur. Die malerischen Gegenden im Salzburger Land und in Oberbayern bestimmen seine nun einsetzende „Tonmalerei“. Die neue Auffassung wird von dem kunstsinnigen Staatsrat Emmerich Joseph von Dalberg gefördert. Aber auch der Kurfürst stärkt durch Lob das Selbstbewußtsein K.s; seit 1792 gewährt er ihm eine jährliche Pension von 500 Gulden mit der Auflage, jedes Jahr ein Bild an die kurfürstlich Galerie abzuliefern. 1792 geht K. wieder auf Reisen, im November ist er in Homburg vor der Höhe. Die Konturen werden zarter, die Brauntiefe kontinuierlicher, die Farben toniger.

    Im August 1793 übersiedelt K. mit seinem Bruder Egid nach München. Die reiche Mitgift seiner Frau ermöglicht ihm hier ein gesichertes Leben, die Sommermonate verbringt er auf dem Landsitz seines Schwiegervaters bei Dietramszell. Er durchwandert die Gegend zwischen Schondorf, Tegernsee und Starnbergersee und wird ein genauer Schilderer der oberbayerischen Hochebene. Er malt insbesondere Bauernstücke, Soldatenschilderungen sowie Jagddarstellungen. Der Kunstverleger Domenico Artaria gehört zu den|ersten, die die Bedeutung K.s erkennen. Johann Friedrich Frauenholz schließt sich als Auftraggeber beziehungsweise Vermittler an. Um 1800 beginnt K., großflächige Aquarelle mit weiten Räumen zu malen. Zahlreiche Zeichnungen nach seinen Kindern führen zu einem Familienzyklus, der beweglicher und psychologisch eindringlicher ist als ein früherer aus den 90er Jahren. Im Februar 1807 stellt K. den sogenannten Berthier-Zyklus in seinem Haus in München aus. 1808 bestellt Kronprinz Ludwig einen großen Schlachtenbilder-Zyklus, beginnend mit der „Belagerung von Kosel“. 10 Jahre später schließt er diesen Zyklus mit den Gemälden der Schlachten von Brienne und von Bar-sur-Aube ab. Seine Soldatenstücke stoßen auf lebhaftes Interesse. K. will jedoch trotz der Anregungen durch die aktuellen Zeitumstände nicht Uniformzeichner bleiben. 1808 wird K. Mitglied des Kunstkomitees der Akademie der Bildenden Künste und 1814 Professor für das Fach Landschaftsmalerei; 1826 tritt er in den Ruhestand. Im Februar 1839 findet eine Ausstellung seiner Gemälde im Schloß Schleißheim statt. In seinen letzten Lebensjahren zeichnet K. vor allem Skizzen der Vorgebirgslandschaft und wandelt sie im Atelier zu kleinen Gemälden um.

    Das Frühwerk (circa 1785–1800) ist dadurch gekennzeichnet, daß K. die Genre- und Landschaftsmalerei sowie das Militärstück bearbeitet. Die Auffassung der niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts wird übernommen, das Freilicht wird jedoch zu einer bestimmten, sehr eindrucksvollen Wirkung geführt, indem ein Hintergrundlicht und eine von vorn oder von der Seite wirksam werdende Beleuchtung in den Bildraum gebracht werden. Die Farben sind dadurch oft leuchtend und bunt, der blaue Himmel wird bevorzugt, die Gelb- und Ocker-Töne des Vordergrundes stehen zumeist in einem koloristischen Verbund.

    In der beginnenden reifen Zeit (circa 1800–25) versuchte K., die Komposition ruhiger zu gestalten. Eine übertriebene Kargheit dient allein der Richtigkeit des Erscheinungsbildes, dunkle Konturierung wird in den malerischen Ablauf einbezogen, die Eigenexistenz der Gestalt dadurch den Begegnungsbildern erhalten. Die Bilder in der weiten Münchner Ebene oder in der bayerischen Hochebene sind dafür typisch. Die besondere Art der Landschaftskomposition führt dann zum Schlachtenbild. In den 7 Schlachtenbildern des Berthier-Zyklus sind die vertikalen und horizontalen Linien betont. Eine braune Schattenfarbe bestimmt die Komposition, sie verbindet die Heeresmassen mit der Einzelfigur und mit der Umgebung. K.s differenzierte Zeichenkunst zeigt sich besonders in den Skizzen zu diesem Zyklus und bleibt – mit Abwandlungen – bis in das Spätwerk gültig. 1808-15 folgt ein großer Schlachtenbildzyklus, der in sich eine bedeutsame Entwicklung durch koloristische Steigerungen und eine kompositorische Ordnung zum Monumentalen erfährt. Bei der „Belagerung von Kosel“ (1808) herrscht noch – ähnlich wie in den Aquarellen um 1800 – eine tonige Stufung der Luftschichten vor, wogegen in den letzten großen Schlachtenbildern des Zyklus – zum Beispiel in der „Schlacht bei Bar-sur-Aube“ (1815) – die kühlen, geglätteten Farben der Luftschichten mit den geradlinig aufziehenden Regimentern zu einer stimmungsmäßigen Einheit verbunden werden.

    Nach Abschluß des großen Schlachtenzyklus entwickelt K. die Heimatbilder, die Jagdstücke und weiterhin die bereicherten Begegnungsbilder: Bauern auf einer hügeligen Kuppe, die Betrachtung der Strecke des erlegten Jagdgetieres, große, gelängte Figuren mit ebenso gedehnten Schatten in blankgeputzten Landschaften vor tiefer Landschaftssilhouette. Die Gestalten werden kompakter, und die Zeichenkunst in ihrer abschildernden Form nimmt ständig zu. Die Heimatbilder werden in enge Regionen geteilt; um das Schloß Emmingen, am Tegernsee, am Ammersee und am Starnbergersee sind immer wieder ähnliche Kompositionen nachweisbar, jedoch von einer gewissen Bewegungsstarre, die auch dem Landschaftsgeschehen entspricht.

    Die Heimatbilder der Spätzeit (circa 1830–50) werden in den 30er Jahren abwechslungsreicher; die hochaufgerichteten Bauern mit Schafen, Kühen oder Ziegen im Vordergrund bilden die maßgeblichen Staffagefiguren. Neben dieser Betonung der Staffage in den 30er Jahren tritt im Spätwerk um 1840 eine Rückbesinnung auf die holländische Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts ein. Bewegte Einzelfiguren und Gruppen werden ausschnitthaft der Heimatlandschaft eingefügt. Die Verdichtung der Figuren und Objekte vor fast gläsern wirkender Atmosphäre ist charakteristisch für die Bilder aus den 40er Jahren, die im Format wesentlich kleiner werden. Das Miniatur-Aquarell mit filigran gezeichneten bewegten Gestalten gewinnt an Bedeutung, die Studien in kleinen Skizzenbüchern werden reicher: Stenogramme der erwanderten Landschaft. Das Alterswerk nimmt die miniaturhafte Schilderung noch stärker auf: Es sind die Nachmittage, die Abende mit langgezogenen Schatten, die – gleichsam als Erinnerungsbilder – verklärend an die frühe und|die reife Zeit erinnern. Vielfältige kleine Staffagen werden mit bunten Tupfen und hellem Licht zusammengefaßt. K. gehört innerhalb der Münchner Malerschule zu jenen Künstlern, die die illusionäre Auffassung der deutschen Zentral-Romantik umgehen, um ihr Schaffen in eine biedermeierliche Gegenwärtigkeit zu lenken.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Wiener u. Berliner Ak.

  • Werke

    in allen bedeutenden dt. Galerien, vor allem in München (Neue Pinakothek, Residenz, Städt. Gal., Stadtmus.), Berlin (Nat.gal.), Frankfurt (Städelsches Kunstinst.), Hamburg (Kunsthalle), Innsbruck (Mus. Ferdinandeum), Kassel (Staatl. Gem.gal.), Stuttgart (Staatsgal.), Winterthur (Stiftung Oskar Reinhart).

  • Literatur

    ADB 16;
    W. Lessing, W. v. K., 1923, 21966 (P);
    Gedächtnis-Ausstellung W. v. K., München u. Mannheim 1966, 1966;
    S. Wichmann, W. v. K., Monogr. u. krit. Verz. d. Werke, 1970 (P);
    ders., Erster Nachtrag z. Werkkat. W. K., 1973;
    ders., Zweiter Nachtrag z. Werkkat. W. K., 1973 f.;
    M. Goedl-Roth, W. v. K., Druckgraphik, Stud. z. Radierung u. Aquatinta mit krit. Verz., 1974;
    ThB;
    Kindlers Malerei Lex. III.

  • Autor/in

    Siegfried Wichmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Wichmann, Siegfried, "Kobell, Wilhelm von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 240-242 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723928.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kobell: Wilhelm v. K., Maler und Radirer, geb. am 6. April 1766 zu Mannheim, am 10. Juni 1855 zu München. Zweiter Sohn des Ferdinand, älterer Bruder des Aegid und Neffe des Franz K. (s. diese). Des Vaters Beruf und angeborenes Talent erweckten bei K. schon frühzeitig den Wunsch Maler zu werden. Er besuchte unter Anleitung seines Vaters die Mannheimer Akademie und studirte dort wie in Düsseldorf die alten Meister, namentlich die Niederländer des 17. Jahrhunderts. Unter diesen sprach ihn besonders Wouvermann an, nach dem er sich bildete und den er theils copirte, theils frei nachahmte, ohne jedoch dadurch an seiner Eigenart Schaden zu leiden. 1778 ging er mit kurfürstlicher Unterstützung nach Rom, arbeitete dort in einer Privatakademie und kam mit dem Zeugnisse der Reise in die Heimath, wo ihn Karl Theodor zum Cabinetsmaler ernannte. Als sein Vater Ferdinand 1793 den Mannheimer Aufenthalt mit München vertauschte, folgte ihm K. dorthin, und nahm gleichfalls München zu seinem ständigen Wohnsitz. Anfänglich wählte K. Landschaften, ländliche Scenen und Thierstücke zu Vorwürfen; allein bald versuchte er sich auch im Schlachtenfache. Die damalige kriegerische Zeit bot reichlichen Stoff, und da seine Leistungen ansprachen, fehlte es nicht an Aufträgen. Die ersten Schlachtenbilder, welche aus Kobell's Wertstätte hervorgingen, waren 6 große Tafeln, die er für den französischen Marschall Berthier, Prinzen von Neufchatel fertigte. Unter diesen befanden sich die Einnahme von Ulm, jene von Braunau, das Treffen bei Günzburg, der Einzug der bairisch-französischen Truppen in München am 12. Octbr. 1805. Er stellte drei derselben im Januar 1807 zu München öffentlich aus, und erntete vielen Beifall. Hierdurch aufgemuntert, malte er eine Reihe von Bildern, welche die Verherrlichung der baierischen Waffen in den Kriegsjahren 1805—15 bezwecken. 1808 malte er für König Max I. den dritten Tag der Schlacht bei Hanau (31. Octbr. 1813), an dem sich die baierische Armee unter Wrede's Führung hervorthat. Wrede, der an diesem Tage verwundet wurde, befindet sich in der Mitte des Bildes aus dem Generalstabe hervorreitend (Neue Pinakothek Nr. 30). 1809 und 1810 reiste K. nach Wien und Paris um genauere Studien für seine Schlachtenbilder zu machen, und fertigte im Auftrage des Kronprinzen Ludwig 1809 3 Gemälde: die Schlachten bei Abensberg, Landshut und Eckmühl darstellend. Ferner sind von seiner Hand: „Die Belagerung von Kosel“ (1806), „Die Erstürmung von Glatz“ (1807), „Der von Baiern zurückgeschlagene russische Angriff bei Poplawi“ (1807), „Das Treffen bei Bar sur Aube“ (1814). Leider hat das erste dieser Bilder, welche in der Schleißheimer Gallerte ausgestellt sind, fast bis zur Unkenntlichkeit nachgedunkelt. Eine größere Bestellung von Schlachtenbildern für den Herzog Eugen von Leuchtenberg wurde durch den frühen Tod dieses Prinzen rückgängig. Als weitere kriegerische Darstellungen Kobell's sind noch zu erwähnen: „Das Treffen bei Polozk“ ((1812, „Die Belagerung von Breslau“, „Die Uebergabe von Brieg in Schlesien“, dann die Wandgemälde, womit er neben Heß, Heydeck und Monten den Bankettsaal im Königsbaue der Münchener Residenz geschmückt hat. K. hat auf seinen Schlachtenbildern zahlreiche Porträts berühmter Personen angebracht, wodurch dieselben noch ein besonderes Interesse gewinnen; auch malte er fleißig Landschaften und Thierstücke, welche in seiner Blüthezeit eifrig gesucht wurden, und von denen eine stattliche Zahl öffentliche Sammlungen ziert, so die fürstlich heching'sche Gallerte in Schlesien: „Aufbruch zur Jagd“, ein vorzügliches Bild, welches zu den besten des Meisters zählt; — Bamberg: Felslandschaft mit Wasserfall und Staffage im Vordergrunde; Weimar: „Jagdzug von Cavalieren an einem bairischen See"; — Schleißheim (frühere Münchener Staatssammlung): „Fuhrmann im Gespräche mit einer Bäuerin"; „Herr und Dame einen Kahn besteigend"; „Zwei|galopirende Reiter"; — Innsbruck (Ferdinandeum): „Landschaft mit Staffage"; — Darmstadt: „Gebirgslandschaft mit Thiergruppe"; „Kleines Pferdestück; — Frankfurt a. M. (Städel'sches Institut): „Herde, vorn ein Hirtenknabe“. — K. gehört mit Wagenbauer, Dillis und Dorner zu den Altmeistern und Chorführern der Münchener Landschaftsschule. Seine correct gezeichneten Landschaften sind mit vieler Sorgfalt und Wärme behandelt, dagegen haben seine Schlachtenbilder bisweilen etwas akademisches und gelangen nur selten zu jener lebensvollen Unmittelbarkeit, die uns bei neueren Meistern, bei Adam, Bleibtreu, Camphausen u. A. fesselt. Wie in der Wahl der Stoffe, so entwickelte K. auch in der künstlerischen Darstellung eine große Vielseitigkeit. Er malte in Oel und Aquarell, er handhabte den Stichel wie die Nadel, er lieferte Handzeichnungen und Aquatinta-Blätter. Namentlich durch diese letzteren — (Radirungen in getuschter Manier), in denen er berühmte Gemälde namhafter Niederländer reproducirte, hat er seinen Ruf als Stecher begründet, da er die großen technischen Schwierigkeiten der Herstellung in vollendeter Weise zu überwinden und überdieß den eigenthümlichen Charakter jedes Meisters ganz getreu wieder zu geben verstand. Kobell's Werk umfaßt 60 Aquatinta-Blätter und 64 Radirungen (darunter 53 Originalien); leicht und fein gearbeitet haben letztere meist ländliche Scenen mit und ohne Staffage zum Gegenstand. Zu diesen gehören auch 7 sehr niedliche Blätter „Ansichten um München“ und „Das Pferderennen auf der Theresienwiese“ (1810), eines der Hauptblätter des Künstlers, das mit großer Sorgfalt ausgeführt ist. Die Aquatinta-Blätter bestehen in treuen Wiedergaben nach Gemälden von Wouvermann, Roos, Bergham, Wynants und andern holländischen Meistern. Dr. Andresen hat in seinem Werke „Die deutschen Maler-Radirer“, Bd. I, S. 118—161 sämmtliche Blätter (164) sehr genau und eingehend beschrieben. — Unserm Meister war ein ruhiges, glückliches Leben beschieden; für seine Leistungen sind ihm mehrfach äußere Anerkennung und Auszeichnung zu Theil geworden. So übersandte ihm die Berliner Kunstakademie am 20. Octbr. 1791 das Aufnahmsdiplom; 1808 ernannte ihn die Wiener Akademie zu ihrem Ehrenmitgliede; unterm 13. April desselben Jahres wurde er Professor für Landschaftsmalerei an der Münchener Akademie; 1815 erhielt er das hochgeschätzte Ritterkreuz des bairischen Civilverdienstordens und am 3. October 1833 wurde er von dem ihm besonders geneigten Monarchen, Ludwig I., in den erblichen Adelstand Baierns erhoben. K., ein hagerer, hochgewachsener Mann mit blassem, freundlichen Gesicht, erreichte bei ungetrübter geistiger und körperlicher Gesundheit das hohe Alter von 87 Jahren und 3 Monaten. Trotzdem ruhten in den letzten Lebensjahren Palette und Grabstichel, wol in der richtigen Erkenntniß, daß ihm doch die Vollkraft zu künstlerischem Schaffen mangele. In diesen letzteren Jahren verließ er auch selten seine an der Neuhauser-Straße gelegene Wohnung (nun Café Probst Nr. 45), doch empfing er gerne von Bekannten und befreundeten Künstlern Besuche, womit ihn auch König Ludwig I. wiederholt beehrte. Seine Lieblingsbeschäftigung bestand damals in Colorirung kleiner Bildchen, wie z. B. „Die tränkende Heerde“, „Der Fischer zu 3 verschiedenen Tageszeiten“ u. A., welche er zu diesem Zwecke besonders fertigte. Es ist geradezu staunenswerth, daß der fast 90jährige Greis das scharfe Auge und die sichere Hand besaß, um so winzige Blätter mit solcher Klarheit und Feinheit in Farbe zu setzen. In früherer Zeit zählte Napoleon Neureuther zu Kobell's Schülern, der später unter Cornelius arbeitete, und in den bekannten „Dichter-Illustrationen“ eine bisher nicht gepflegte Kunstrichtung anbahnte. — Kobell's jüngerer Sohn, Sebastian v. K., war Generalsecretär des baierischen Staatsraths und versah diesen Posten 40 Jahre mit voller Hingebung.

    • Literatur

      Andresen a. a. O. — Münchner Kunstvereins-Bericht, Jahrg. 1855. S. 48. Jahrg. 1856. S. 53. —
      Söltl, Die bildende Kunst in Bayern. —
      Nagler, Bd. 7, S. 100. —
      Huber und Rost, Handbuch für Kunstliebhaber, Bd. II, S. 250. —
      Meusel, Mus. für Künstler etc., St. 15. S. 120 bis 125. — Mannlich, Verzeichniß der Münchner Gemälde-Sammlung, Bd. I, S. 237. Bd. II, Nr. 289. 296. 368.

  • Autor/in

    Eisenhart.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eisenhart, August Ritter von, "Kobell, Wilhelm von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 357-359 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723928.html#adbcontent

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