Lebensdaten
1897 bis 1959
Geburtsort
Jena
Sterbeort
Sorengo (Schweiz)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; kommunistischer Funktionär
Konfession
gottgläubig
Normdaten
GND: 118710087 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Held, Kurt (Pseudonym)
  • Klaeber, Kurt
  • Held, Kurt (Pseudonym)
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Zitierweise

Klaeber, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118710087.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Werkmeister in Fa. Zeiss;
    M N. N.;
    Düsseldorf 1924 Lisa Tetzner (1894–1963), Schriftstellerin (Kinder- u. Jugendbücher, s. Kosch, Lit.-Lex.), Arzt-T; kinderlos (?).

  • Leben

    K. besuchte bis zu seinem 14. Lebensjahr das Gymnasium, erlernte dann das Schlosserhandwerk und arbeitete als Mechaniker. Er zog als ‚Wandervogel' durch Deutschland und mehrere Länder Europas und war 1914-18 Soldat. Als Mitglied des Spartakusbundes und später der KPD beteiligte er sich 1918/19 an bewaffneten Kämpfen in Halle/Saale, Hamburg und Berlin sowie, während des Kapp-Putsches, im Ruhrgebiet. 1919/20 zog er als Buchverkäufer durch Thüringen; zu dieser Zeit gehörte er zum Jenenser „Sera“-Kreis um den Verleger E. Diederichs. 1923 bereiste K. für ein knappes Jahr die USA. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Bergmann im Ruhrgebiet und war zeitweilig Redakteur und Leiter der Arbeiterhochschule Bochum. Spätestens seit 1927 zählte K. als ehemaliger sogenannter Arbeiterkorrespondent zu den führenden Vertretern der kommunistischen Literaturbewegung. Er gründete 1927 mit J. R. Becher die Proletarische Feuilleton-Korrespondenz, war Lektor des Internationalen Arbeiter-Verlages der KPD, gehörte 1928 zu den Gründungsmitgliedern des Bundes Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller (BPRS), war 1929-32 Mitherausgeber und Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Die Linkskurve“ und Mitglied im Schutzverband Deutscher Schriftsteller (SDS). 1930 bereiste K. die Sowjetunion. Becher, Brecht, Feuchtwanger und L. Frank zählten zu seinen Freunden. 1933 war er kurze Zeit verhaftet, seine Bücher wurden verboten. K. emigrierte über die Tschechoslowakei nach Carona/Schweiz, wo er seit 1924 einen zweiten Wohnsitz hatte; 1938 trat er aus der KPD aus. 1948 wurde er Schweizer Staatsbürger. Unter Pseudonym publizierte er seit 1941 zahlreiche populär gewordene sozialkritische Kinder- und Jugendbücher.

    Während K.s erster bei Diederichs erschienener Gedichtband „Neue Saat“ (1919) mit seinen utopischen Verbrüderungs- und Welterneuerungstopoi noch der sogenannten Arbeiterdichtung und dem Expressionismus nahestand, gehören die 3 Prosa- und Gedichtsammlungen des Jahres 1925 („Barrikaden an der Ruhr“; „Revolutionäre“; „Empörer! Empor!“) neben den Werken A. Daudistels, Th. Pliviers und A. Scharrers zu den ersten Manifestationen der sogenannten proletarisch-revolutionären Literatur. Ihr Charakteristikum ist die Dämonisierung und Idealisierung spontaner Massenaktionen und revolutionärer Gewalt. Der 1927 erschienene Roman „Passagiere der III. Klasse“, der auf eine Fabel im engeren Sinne verzichtet und statt dessen die Gespräche und Handlungen von 16 Passagieren während einer Amerikareise quasi dokumentarisch notiert, ist eine Aufforderung zur Vereinigung aller Erniedrigten im Zeichen allgemeiner Brüderlichkeit jenseits der bestehenden Arbeiterorganisationen. Diese Züge des K.schen Werkes erklären, warum seine Texte von politisch konträren Verlagen beziehungsweise Zeitschriften der Linken (zum Beispiel „Der Syndikalist“, „Die Rote Fahne“, „Der Kulturwille“) gedruckt oder positiv rezensiert wurden. K.s spätere Entfernung von der KPD und seine damit einhergehende Wandlung vom Arbeiterschriftsteller zum Jugendbuchautor (Die rote Zora und ihre Bande,|1941) sind biographisch noch nicht genügend erhellt.

  • Werke

    Weitere W u. a. Der Weg in d. Freiheit (autobiogr. Notiz), in: Proletar. Heimstunden, 1925, H. 5, S. 157-59;
    Die Toten v. Pabjanice (Erzz.), 1936;
    Autobiographie, in: Internat. Lit. 8, 1938, H. 6, S. 156. -
    Unter Ps.: Der Trommler v. Faido (Jugendroman), 2 Bde., 1946;
    Matthias u. s. Freunde, Schicksale e. Verdingknaben (Jugenderz.), 1950;
    Alles f. zwanzig Rappen, Erlebnisse e. kleinen Ausreißers (Jugenderz.), 1951;
    Guiseppe u. Maria (Romanfolge), 4 Bde., 1955/56. -
    Veröff. dt. sozialist. Schriftsteller in d. revolutionären u. demokrat. Presse 1918–45, Bibliogr., bearb. v. E. Zenker, 1969, S. 291-98. -
    Hrsg.: Der Krieg, Das erste Volksbuch v. großen Krieg, 1929. -
    Mithrsg.: Kampfgenosse, Ein Buch f. d. proletar. Jugend, 1928.

  • Literatur

    Internat. Bibliogr. z. Gesch. d. dt. Lit., T. II, 2, 1972, S. 372 f.;
    L. Tetzner-Kläber, Das war Kurt Held, Vierzig J. Leben mit ihm, 1961 (mehrere P), darin S. 105-18;
    W. Humm, Erinnerungen an Kurt Held;
    H. Alfken, K. K. z. Gedächtnis, in: Jugendlit. 7, 1961;
    W. Köpping, in: Gewerkschaftl. Rdsch. 16, 1963;
    G. Rudloff, K. K.-Held u. s. Jugendbuch „Die rote Zora u. ihre Bande“, in: Wiss. Zs. d. Univ. Halle 10, 1962, H. 4, S. 1007-12;
    A. Klein, Im Auftrag ihrer Klasse, Weg u. Leistung d. dt. Arbeiterschriftsteller 1918–33, 1972, S. 290-308, 693-98 (Dokumente);
    W. Fähnders, u. M. Rector, Linksradikalismus u. Lit., Unterss. z. Gesch. d. sozialist. Lit. in d. Weimarer Republik, II, 1974, S. 172-96;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1936–70, 1973;
    Lex. sozialist. dt. Lit., 1963, S. 290-92;
    Lex. dt.sprachiger Schriftsteller, Von d. Anfängen b. z. Gegenwart II, 1974, S. 465 f.

  • Autor/in

    Wolfgang Emmerich
  • Empfohlene Zitierweise

    Emmerich, Wolfgang, "Klaeber, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 698 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118710087.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA