Lebensdaten
1879 bis 1958
Geburtsort
Luchsingen Kanton Glarus
Sterbeort
Langenthal Kanton Bern
Beruf/Funktion
Keramikindustrieller
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 129429910 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klaesi, Adam

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Zitierweise

Klaesi, Adam, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129429910.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Rudolf (1846–1936), Packermeister in e. Tuchfabrik in Hätzingen, S d. Maurers u. Zimmermanns Rudolf u. d. Maria Magdalena Hefti aus Leuggelbach;
    M Magdalena Böniger aus Nidfurn;
    Vt Jakob (* 1883), Prof. d. Psychiatrie in Bern;
    - Langenthal 1930 Clara (1898–1974), T d. Leinenmanufakturbes. Gottfried Kummer (1867–1918) aus Langenthal u. d. Lina Egger; kinderlos.

  • Leben

    K. wuchs in Luchsingen, einem kleinen Dorf im Glarner Hinterland, auf. Vom Ortspfarrer durch Privatstunden gefördert, absolvierte er in der Wollweberei, in der sein Vater arbeitete, eine kaufmännische Lehre, ging dann nach Neuenburg, um die französische Sprache zu erlernen, und fand schließlich eine Anstellung in einer Leinenmanufaktur in Langenthal, wo er 1898-1909 tätig war. Im Juni 1909 übernahm K. die kaufmännische Leitung der Porzellanfabrik Langenthal, die 1906 von einer Gruppe von Kaufleuten gegründet worden war und 1908 die Produktion aufgenommen hatte, jedoch schon bald in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Die Aufgabe, die sich K. hier stellte, war äußerst schwierig, zumal er von der Porzellantechnik nichts verstand. Die Geldmittel der Firma waren erschöpft; sie beschäftigte an die 140 Personen, hatte aber große Mühe, das Vertrauen der Kundschaft zu gewinnen. 1913 übernahm K. die Gesamtleitung der Firma. In der Person des jungen Sudetendeutschen Friedrich Gareis stand ihm jetzt ein vorzüglicher technischer Leiter zur Seite. 1914 erhielt die Porzellanfabrik Langenthal den Großen Preis der Schweizerischen Landesausstellung in Bern zugesprochen.

    Während des 1. Weltkrieges begann die Schweiz mit der Elektrifizierung der Eisenbahnen, um von ausländischen Kohlenlieferungen unabhängig zu werden. Damit entstand ein großer Bedarf an Porzellanisolatoren. Seit 1919 lieferte Langenthal Isolations-Porzellan. Mit der Erhöhung der Stromstärken und Spannungen wuchsen die Anforderungen an dieses Prozellan. Für die notwendigen Forschungsarbeiten ließ K. ein elektrisches Prüffeld mit Laboratorium einrichten. Große Popularität errang die Langenthaler Fabrik mit künstlerisch gestaltetem Porzellan. K. beschäftigte sich mit der Geschichte der Keramik und griff bei der Gestaltung der Dekors unter anderem auf Trachtenbildchen und auf das Zürcher Porzellan des 18. Jahrhunderts von Schoren bei Kilchberg zurück.

    K.s bedeutendste technische Leistung war die Einführung des elektrischen Tunnelofens. Schon 1927 ließ er einen elektrisch beheizten Durchlauf-Tunnelofen für das Einbrennen von Verzierungen ins Porzellangeschirr errichten, der gut funktionierte. 1937 baute er – wieder mit der Firma Brown, Boveri & Cie – den ersten elektrisch beheizten Großtunnelofen der Welt für das Brennen von Hartporzellan. Das Glühen des Porzellans – der erste Brand – erforderte eine Temperatur von 900-1 000 Grad, das anschließende Hartbrennen jedoch 1 400 Grad. Der erste Brand benötigte die Anwesenheit von Sauerstoff, der zweite aber phasenweise einen Überschuß von Kohlenmonoxyd. Das hierin liegende technische Problem löste Gareis auf einfache Weise durch Beigabe von Holz, das bei Luftmanko Kohlenmonoxyd entstehen läßt. Um die Brenntemperatur von 1 400 Grad anwenden zu können, verwendete man Heizstäbe aus Siliziumcarbid; für den ersten Brand wurden Metallwiderstände aus Chromnickel und Eisen-Chrom-Aluminium|eingesetzt. So wurden Tunnelöfen mit 2 je 100 m langen, aus je 66 Wagen bestehenden Zügen gebaut, die mit automatischer Förderung in 54 bis 56 Stunden den Tunnel durchliefen. Die Porzellanfabrik Langenthal, die selbst 3 solcher Anlagen baute, ließ die Einrichtungen patentieren und vergab mehrfach Lizenzen ins Ausland.

    K. hatte zahlreiche Ämter in der Gemeinde Langenthal sowie in öffentlichen Unternehmungen inne. Er war Mitbegründer (1919) des Verbandes der schweizerischen keramischen Industrie, Als dessen langjähriger Präsident und Ehrenpräsident leitete er 1950 den 2. Internationalen Keramik-Kongreß in Zürich. K. war ein ausgesprochen sozial empfindender Unternehmer. Während aller Stationen seines langen Wirkens legen zahlreiche soziale Initiativen und Maßnahmen Zeugnis ab von dem tiefen Verantwortungsgefühl, welches er stets für seine Mitarbeiter empfand.

  • Literatur

    H. Strahm, 25 J. Porzellan Langenthal, 1931;
    S. Ducret, 50 J. Schweizer. Porzellanfabrik Langenthal, in: Keramik-Freunde d. Schweiz, Mitt.-bl. 34, 1956, S. 20-22;
    A. Kleiner, Der elektr. Brennofen d. Porzellanfabrik Langenthal, in: Bull. d. Schweizer. Elektrotechn. Ver. 1937, Nr. 19;
    H. R. Schmid, in: Schweizer Pioniere d. Wirtsch. u. Technik 12, 1961 (L, P).

  • Autor/in

    Hans Rudolf Schmid
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmid, Hans Rudolf, "Klaesi, Adam" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 699 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129429910.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA