Lebensdaten
1879 bis 1954
Geburtsort
Oberprechtal bei Emmendingen (Baden)
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Politiker ; Reichsminister ; Vizekanzler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118678361 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dietrich, Hermann Robert
  • Dietrich, Hermann
  • Dietrich, Hermann Robert

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Zitierweise

Dietrich, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118678361.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob (1843–1913), Pfarrer, S des Grenzaufsehers Jakob u. der Dorothea Hermann;
    M Elis. (1846–1922), T des Landwirts Joh. Köbele in Lahr u. der Magd. Zeller;
    1) 1916 Elis., T des Zellstoffabrikanten Albert Trick in Kehl u. der Agnes Marquard aus Stuttgart (Hotel Marquard), 2) Berlin 1926 Martha Fick, Wwe des Philos. Ernst Troeltsch ( 1923); 1 Adoptivsohn.

  • Leben

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Straßburg, Basel, Göttingen und Heidelberg wurde D. 1901 Referendar, 1905 Regierungsassessor. Bis 1908 wirkte er als Stadtrechtsrat in Karlsruhe, dann als Bürgermeister in Kehl, 1914-18 als Oberbürgermeister und Vorsitzender der dortigen Kreisversammlung in Konstanz. Seit 1911 war D. Mitglied des badischen Landtages, 1919 der badischen Nationalversammlung. Mit dem Ausbruch der Revolution im November 1918 wurde er als Minister für Reichs- und Auswärtige Angelegenheiten in die neue badische Regierung berufen, der er bis 1920 angehörte. Als Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Deutschen Demokratischen Partei 1919 in die Weimarer Nationalversammlung gewählt, war D. bis zur Auflösung aller nichtnationalsozialistischen Parteien im Sommer 1933 Mitglied der Fraktion der Deutschen Demokratischen Partei (ab 1930 der Deutschen Staatspartei) im Reichstag. Zum Höhepunkt seiner politischen Laufbahn führte ihn 1928 die Berufung in die letzte Regierung der Großen Koalition. Unter Reichskanzler Hermann Müller wirkte D. als Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft (29.6.1928-27.3.1930), unter Reichskanzler Brüning dann zunächst als Reichswirtschaftsminister, anschließend (seit 26.6.1930) als Reichsfinanzminister. Gleichzeitig bekleidete er das Amt des Vizekanzlers.

    Der Sturz Brünings beendete am 2.6.1932 auch D.s Ministertätigkeit. In entschiedener Opposition gegen Papens und dann gegen Hitlers Kanzlerschaft stehend, zog sich D. nach der zwangsweisen Unterbindung weiterer politischer Aktivität 1933 als Rechtsanwalt zurück und lebte auf seinem Bauernhof im Schwarzwald. 1945 gehörte D. zu den Gründern der Freien Demokratischen Partei, stellte sich im Rahmen des Comité Central pour l'Agriculture et le Ravitaillement (Baden-Baden) dem Wiederaufbau zur Verfügung, wirkte 1946/47 als Sonderbevollmächtigter und Vorsitzender des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft in der Zweizonenverwaltung der amerikanischen und britischen Zone und war weiterhin als Rechtsanwalt und in der Wirtschaft Südwestdeutschlands tätig. Zuletzt bekleidete D. das Amt des Präsidenten der neugegründeten Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde in Stuttgart. Als langjähriger Vorsitzender der badischen Demokratischen Partei wie als bedeutender Agrar-, Kommunal- und Verwaltungspolitiker hat D. in den Krisenjahren zu Beginn und besonders am Ende der Weimarer Republik eine wichtige Rolle gespielt. Seine Ministertätigkeit während der Weltwirtschaftskrise stellte ihn in den Mittelpunkt der energischen Bemühungen des Brüning-Kabinetts, mit einer durch Notverordnungen gestützten Sparpolitik den Zusammenbruch der Weimarer Republik zu verhindern. Nach dem Krieg hat sich D. kritisch mit den Erfahrungen seiner Zeit auseinandergesetzt („Auf der Suche nach Deutschland“, 1946) und ist in einer weiteren Schrift mit Vorschlägen zur Neuordnung der Bundesrepublik und zum deutschen Wiederaufbau, besonders auch in der Agrar- und Bauwirtschaft, hervorgetreten („Auf dem Wege zum neuen Staat, Die deutsche Aufgabe“, 1951).

  • Literatur

    Rhdb (P); Nachruf in:
    Das Parlament 4, Nr. 11 (17.3.1954), S. 1. - Qu.:
    Nachlaß im Bundesarchiv Koblenz.

  • Autor/in

    Karl Dietrich Bracher
  • Empfohlene Zitierweise

    Bracher, Karl Dietrich, "Dietrich, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 698 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118678361.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA