Lebensdaten
1892 bis 1953
Geburtsort
Aachen
Sterbeort
Jerusalem
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Literaturwissenschaftler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118619101 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Strauß, Ludwig
  • Strauss, Arieh
  • Quentin, Franz
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Zitierweise

Strauss, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118619101.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Emanuel (1858–1921, Kaufm. in A.;
    M Henriette Lorsch (1857–1936), beide aus hess. Landjudenfam.;
    1 B Max (1887–1956, Übers. v. Werken S. Agnons, 1 Schw Aenne Frankenberg (1889–1939;
    1) 1919 1923 Riwka Kaufmann, Bildhauerin, T e. Kaufm., 2) 1925 Eva (Chawa) (1901–92, 2] Hans Steinitz, 1902–86, Arzt, emigrierte 1933 n. Palästina, B d. Wolfgang Steinitz, 1905–67, Prof. f. Finnougristik an d. Humboldt-Univ. Berlin, Sprachwiss., 1951 Mitgl., 1954–63 Vizepräs. d. Dt. Ak. d. Wiss. zu Berlin, 1953–67 Dir. d. Inst. f. dt. Volkskde., s. NDB 25), T d. Martin Buber (1878–1965, Schriftst., Rel.philos., u. d. Paula Winkler (Ps. Georg Munk) (1877–1958), Schriftst.;
    2 S Emanuel (1926–2007, Gewerbelehrer in J., Michael (* 1931), Hochschullehrer in Haifa; Schwager Julius Kaufmann (1887–1955, Fritz Mordechai Kaufmann (1888–1921, Freitod), zionist. Schriftst., beide gründeten 1913 in Berlin d. Zs. „Die Freistatt“ (s. Enc. Jud. 22007; W).

  • Leben

    |Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Aachen nahm S. 1913 ein Studium der Neueren Philologie in Berlin auf, das er 1914 in München fortsetzte. Noch im selben Jahr zum Kriegsdienst einberufen, kehrte S. 1916 nach einer Verschüttung schwer traumatisiert nach Berlin zurück, brach sein Studium ab und lebte seit 1919 als freier Schriftsteller zunächst in Berlin (Lektor beim Welt-Verlag 1919/20), seit 1925 in Düsseldorf (Dramaturg am Schauspielhaus 1925/26). Politisch engagierte er sich seit 1918 als Mitglied der linkssozialistischen Arbeiterpartei Hapoël Hazaïr, deren Zielen er lebenslang treu blieb. Bereits seit 1908 trat S. als Lyriker, Novellist und Übersetzer aus dem Jiddischen sowie als Journalist in jüd. Zeitschriften hervor. Geprägt durch die Dialogphilosophie seines späteren Schwiegervaters Martin Buber, den er 1913 kennenlernte, und durch die sozialpolitischen Vorstellungen Gustav Landauers (1870–1919), engagierte sich S. mit seinem Freund und Schwager Fritz Mordechai Kaufmann in der jüd. Jugendbewegung und in kulturzionistischen Kreisen.

    S.s intensive Auseinandersetzung mit dem Werk Friedrich Hölderlins zeigt seine Dissertation „Hölderlins Anteil an Schellings frühem Systemprogramm“ (gedr. in: DVjS 5, 1930, S. 679–734), mit der er 1928/29 bei Franz Schultz (1877–1950) in Frankfurt/M. zum Dr. phil. promoviert wurde. 1929 habilitierte sich S. mit der Schrift „Das Problem der Gemeinschaft in Hölderlins ,Hyperion`“ (gedr. 1933) an der TH Aachen, wo er bis zum Lehrverbot durch die Nationalsozialisten 1934 als Leiter des Dt. Instituts tätig war. 1935 emigrierte S. mit seiner Familie nach Palästina und lebte zunächst im Kibbuz Hasorea und seit 1938 als Erzieher im Jugenddorf Ben Shemen, bevor er 1949 krankheitsbedingt nach Jerusalem übersiedelte. Hier war er bis zu seinem Tod Dozent für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Hebr. Universität.

    Bekanntheit erlangte S. gleichermaßen als Wissenschaftler und Hölderlin-Experte sowie als Dichter in der Tradition der klassischen Moderne. Frühe Gedichte lassen eine Nähe zum George-Kreis erkennen, von dem sich S. nach 1918 distanzierte. Zwei Reisen nach Palästina 1924 und 1934 bilden den autobiographischen Hintergrund des Gedichtzyklus „Land Israel“ (1935, neu hg. u. mit e. Nachw. versehen v. H. O. Horch, 1991), in dem S. ein lyrisches Bild seiner möglichen neuen Heimat Israel entwirft. Nach seiner Emigration publizierte S. auch hebr. Lyrik (Šāʾōt wa-dōr, Šı̄rı̄m, Stunde u. Epoche, Gedichte, 1951). Wenngleich ihn die Unbedingtheit seines ethischen und ästhetischen Engagements mit dem Expressionismus verband, entwickelte S. einen eigenständigen, auf Maß und Harmonie gerichteten Stil. Nach seinem Tod zunächst vergessen, wurde S. in den 1980er Jahren wiederentdeckt. Sein Werk gilt heute als beispielhaft für eine Verbindung jüd. und dt. Aspekte zu einer dt.jüd. Literatur im 20. Jh.

  • Auszeichnungen

    A L.-S.-Professur f. dt.-jüd. Lit.gesch. (RWTH Aachen seit 1992).

  • Werke

    Sonnenhymnus, 1911;
    Die Flut, Das Jahr, Der Weg, Gedichte 1916–1919, 1921;
    Das Ufer, Gedichte, 1922;
    F. M. Kaufmann, Gesammelte Schrr., 1923 (Hg.);
    Tiberius, Ein Drama, 1924;
    Der Reiter, Novelle, 1929;
    Die Zauberdrachenschnur, Märchen f. Kinder, 1932 (Privatdr.), 1936;
    Nachtwache, Gedichte 1919–1933, 1933;
    Kl. Nachtwachen, Sprüche in Versen, 1937;
    Fahrt u. Erfahrung, Geschichten u. Aufzeichnungen, hg. v. W. Kraft, 1959;
    Briefwechsel Martin Buber – L. S. 1913–1953, hg. v. T. Rübner u. D. Mach, 1990;
    Werkausgg.:
    Dichtungen u. Schrr., hg. v. W. Kraft, 1963;
    Ges. Werke in 4 Bdn., hg. v. H. O. Horch u. T. Rübner, 1998–2001;
    Bibliogr.:
    R. Bulang u. H. Erlemann, in: L. S. 1892–1992, hg. v. H. O. Horch (s. L),S. 311–56;
    Nachlaß:
    Nat. Library Jerusalem;
    Ak. d. Künste, Berlin: DLA Marbach.

  • Literatur

    R. Faber, Von Aachen nach Jerusalem – und nicht wieder zurück, Zum 100. Geb.tag v. L. S., in: Zs. f. Rel.- u. Geistesgesch. 45, 1993, S. 152–67;
    L. S. 1892–1992, Btrr. zu seinem Leben u. Werk, hg. v. H. O. Horch, 1995 (W);
    H. O. Horch, Dt. Lit., Jüd. Lit., Weltlit., L. S. als Lit.wiss., in: Jüd. Intellektuelle u. d. Philol. in Dtld. 1871–1933, hg. v. W. Barner u. Ch. König, 2001, S. 285–98;
    K. Rückwald, Zionismus, Sozialismus, Universalismus, L. S., Stud. zu Leben u. Werk v. 1906 bis 1935, 2009;
    Aachener machen Gesch. I, 1997, S. 146–69 (P),III, 2002, S. 268–91 (P);
    Metzler Lex. dt.-jüd. Lit.;
    Rhein. Lb. IV, 1970, S. 273–99 (P);
    BHdE II;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Killy;
    Killy2;
    Internat. Germanistenlex. (W, L).

  • Autor/in

    Hans Otto Horch
  • Empfohlene Zitierweise

    Horch, Hans Otto, "Strauss, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 25 513-514 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118619101.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA