Lebensdaten
1902 bis 1968
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118586653 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nay, Ernst Wilhelm
  • Nay, E. W.
  • Nay, Ernst W.
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Zitierweise

Nay, Ernst Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118586653.html [11.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann Johannes (um 1862–1914 ⚔). Reg.rat, Vortragender Rat im Reichsschatzamt in B., S d. Gustav Emil (1832–1921), aus Zanow (Pommern), Beamter d. Zollverw. in B., u. d. Auguste Karoline Wilhelmine Krause (1837–1904), aus Stolp (Pommern);
    M Elisabeth Johanna (1877–1934, s. W), T d. Landger.präs. N. N. Westphal, Grundbes. in d. Magdeburger Börde;
    Ov Gottfried (1878–1959), Sup. in Muskau/Neiße (s. NDB 17*);– 1) Berlin 1932 ( 1949) Helene (Elly) Kirchner (* 1901), aus B. (s. L), 2) Hofheim (Taunus) 1949 Elisabeth (* 1927, 2] Christoph Scheibler, s. L), aus München, Gehilfin Günther Frankes, T d. Hans Kerschbaumer (1881–1955), aus Rosenheim, u. d. Elsa Gerlinger (1897–1963), aus München; kinderlos; Stief-S d. 2. Ehefrau Aurel Scheibler (* 1960), Kunsthist. u. Galerist in K., Bearb. d. Werkverz. zu N.s Ölgemälden (s. L);
    N Joe (s. 2); Cousine Elisabeth (Elle) (1909–92, Klaus-Andreas Moering, 1915–45, Maler, s. NDB 17), Schriftst. (s. Kosch, Lit.-Lex.3).

  • Leben

    Aufgewachsen in einem streng prot. Elternhaus, besuchte N. seit 1912 das Humanistische Gymnasium in Berlin, bis sein Vater 1914 als Hauptmann in Belgien fiel. 1915 bezog er das Internat Schulpforta, wo er 1921 das Abitur ablegte. Nach Jahren beruflicher Klärung, in denen er u. a. am Abendakt der Berliner Kunstgewerbeschule teilnahm, zeigte er seine Arbeiten Carl Hofer, der ihm 1925-28 ein Stipendium in seiner Malklasse an der Berliner Akademie verschaffte. Erste Bildnisse wurden in Akademie-Ausstellungen gezeigt; 1927 berichtete Paul Westheim in „Das Kunstblatt“ über N.s Malerei. Die Begegnung mit der Malerei Poussins 1928 in Paris bestätigte N. in seiner Auffassung von der elementaren Bedeutung der Farbe für die eigene Kunst. 1930 kaufte die Nationalgalerie in Berlin ein auf Bornholm entstandenes Strandbild. Im folgenden Jahr erhielt N. die Prämie des Staatspreises der Preuß. Akademie der Künste, verbunden mit einem neunmonatigen Stipendium für die Villa Massimo in Rom. Die Begegnung mit Rom blieb jedoch für sein künstlerisches Schaffen ohne Bedeutung. Auf der Rückreise lernte N. in München den Kunsthändler Günther Franke (1900–76) kennen, der sich über viele Jahre nachhaltig für die Anerkennung seiner Kunst einsetzte. Nach Berlin zurückgekehrt, schloß N. Freundschaft mit den Kunsthistorikern Erich Meyer (1897–1967) und Alfred Hentzen (1913–85). Carl Georg Heise (1890–1979), damals Museumsdirektor in Lübeck, vermittelte N. 1937, als die Arbeitsbedingungen für moderne Künstler in Deutschland immer schwieriger wurden, eine Einladung von Edvard Munch in dessen Atelier bei Oslo. Anschließend verbrachte N. – wie auch im folgenden Jahr – mehrere Monate auf den Lofoten. Das nordische Licht, die herbe, kristalline Landschaft und das Erlebnis des Eismeers schlugen sich in einer Folge wichtiger Bilder nieder. 1937 wurden zwei seiner Bilderaus Museumsbesitz in Berlin und Lübeck in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt; zehn weitere aus Museumsbesitz wurden beschlagnahmt, er selbst mit Ausstollungsverbot belegt. 1940 zum Kriegsdienst eingezogen, war N. als Kartenzeichner in Frankreich eingesetzt, was ihm Zeit zum Malen verschaffte. Dabei verarbeitete er nicht die Erlebnisse des Krieges, vielmehr sah er im Krieg ein Bild für den Untergang alter Kunstvorstellungen und für die unter Opfern und existentiellen Nöten neu entstehende Kunst. Seine Malerei wollte einen imaginären Raum, der als vierte Dimension die Zeit einschließen sollte, in die Bildfläche projizieren. Die Idee des Raumes manifestiert sich in der Farbe; außerdem zeigen die Bilder urtypische, mythische Bindungen des Menschen an Raum und Zeit, worauf ihre Titel mit Motiven aus der griech. Antike verweisen.

    Nach seiner Entlassung aus amerik. Gefangenschaft im Mai 1945 zog N. nach Hofheim, da sein Berliner Atelier zerstört war, und er in Berlin kein für seine Arbeit günstiges Umfeld sah. Unmittelbar nach dem Krieg zeigten mehrere Galerien N.s Arbeiten, 1948 beteiligte er sich an der Biennale in Venedig. 1951 zog er nach Köln, wo er bis zu seinem Tode wohnte. 1952 zeigte das Haus am Waldsee in Berlin eine umfangreiche Retrospektive zu seinem 50. Geburtstag. Als Gastdozent leitete N. 1953 an der Landeskunstschule in Hamburg einen Kurs zum Thema „Vom Gestaltwert der Farbe“. Seine Überlegungen, wonach Farben nicht nur in optische, sondern auch in geistige Beziehung zueinander treten und dadurch „Gestaltwert“ erhalten, publizierte er 1955 in einem Buch gleichen Titels. In seiner Malerei verzichtete er auf gegenständliche Reminiszenzen und reduzierte seit 1955 seine Farbflächen zu Scheiben. Diese „Scheibenbilder“ brachten N. auch international Anerkennung. Zugleich bezog er in dem zu dieser Zeit erbittert geführten Streit um die Frage, ob der abstrakten oder der gegenständlichen Malerei die Zukunft gehöre, eine klare Position. Im selben Jahr wurden seine Bilder erstmals in den Vereinigten Staaten und auf der Documenta I in Kassel gezeigt. Es folgten 1956 eine Einzelausstellung im Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig, Beteiligungen an internationalen Ausstellungen moderner deutscher Kunst und 1959 an der Documenta II. Für die Documenta III 1964 modifizierte N. seine Scheibenbilder, indem er die Farbflächen auflöste und Scheiben übereinander schichtete, wodurch an Augen erinnernde Formen entstanden. Ein eigener Saal war drei sehr großen Bildern N.s gewidmet, die schräg unter der Decke hingen. Es war der Versuch der Gestaltung eines Raumes allein mit Hilfe der Farbe. Diese bevorzugte Präsentation eröffnete eine heftige öffentliche Diskussion. Seit 1965 trat eine klärende Vereinfachung in seiner Malerei ein, die Abstufungen der Fnrbflächen wichen reinen, häufig gereihten, zeichenhaft ornamentalen Formen, die flächig aufgetragenen Farben wurden auf die Grundfarben reduziert.|

  • Auszeichnungen

    Goldmedaille d. Prix Lissone, Lissone (1953); Lichtwark-Preis, Hamburg (1955); Mitgl. d. Ak. d. Künste Berlin (1956); Preis d. Solomon R. Guggenheim Foundation f. Dtld., New York (1960); Berliner Kunstpreis (1964); Gr. BVK (1967).

  • Werke

    W-Verz.: K. Gabler, E. W. N., Die Druckgraphik 1923-1968, Einf. u. Werkkat., 1975;
    A. Scheibler, E. W. N., Werkverz. d. Ölgem., 2 Bde., 1990 (mit Texten v. E. Nay-Scheibler; Verz. d. Schrr u. Ausst., Bibliogr., P).
    - Korr.: Archiv f. bildende Kunst, Gerrnan. Nat.mus. Nürnberg.

  • Ausstellungen

    Ausst.kat.: Kestner-Ges. Hannover, mit Text v. A. Hentzen, 1950 u. 1955; W. Baumeister – E. W. N., Kunsthalle Basel, mit Text v. A. Rüdlinger, 1960; Mus. Folkwang Essen, mit Texten v. N.s Freunden z. seinem 60. Geb.tag, 1962; I. Internationale d. Zeichnung, Darmstadt, mit e. Sonderausst. v. N.s Zeichnungen u. Aquarellen, mit Text v. W. Haftmann, 1964; Westfäl. Kunstver. Münster, mit Texten v. D. Honisch u. M. Imdahl, 1964; Retrospektive, Württ. Kunstver. Stuttgart, Ak. d. Künste Berlin, Städt, Kunsthalle Mannheim, Mus. d. 20. Jh. Wien, mit Texten v. W. Haftmann, H. Fuchs u. E. W. N., 1966/67; E. W. N. 1902-1968, Bilder u. Dokumente, German. Nat.mus. Nürnberg, München 1980; S. Gohr, E. W. N., Zeichnungen, Städt. Mus. Leverkusen, 1981; E. W. N., 1902-1968, Bilder kommen aus Bildern, Kunstmus. Krefeld, 1985; E. W. N., Retrospektive, A retrospective, Köln, Basel, Edinburgh, Köln 1990; E. W. N., Die Hofheimer J., 1945–1951, 1994 (dazu Rez. v. D. Schmidt, in: SZ v. 19./20.3.1994); Ausst.kat. Amsterdam/Dresden/Duisburg 1998.

  • Literatur

    E. W. N., Aquarelle, 1956;
    W. Haftmann, E. W. N., 1960 (erw. Neuausg. 1991);
    F. Usinger, E. W. N., 1961;
    E. W. N., Akkord in Rot u. Blau 1958, mit e. Einf. v. Max Imdahl, 1962;
    J. Cassou, N., 1969 (P);
    Elly Nay, Ein strahlendes Weiß, Meine Zeit mit E. W. N., 1984 (P);
    ThB;
    Vollmer;
    KML;
    Nassau. Biogr.;
    Dict. of Art.

  • Autor/in

    Hermann Maué
  • Empfohlene Zitierweise

    Maué, Hermann, "Nay, Ernst Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 6 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118586653.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA