Lebensdaten
1800 bis 1864
Geburtsort
Kanischa bei Jahring (Untersteiermark)
Sterbeort
Graz
Beruf/Funktion
Theosoph ; Musiker
Konfession
katholisch,theosophisch
Normdaten
GND: 118574280 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lorber, Jakob
  • Lorber, Jacob
  • Lormper, Giakomp

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Lorber, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118574280.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Fam. ist seit d. 17. Jh. in d. gräfl. Herrschaft Mureck nachweisbar;
    V Michael, Landwirt, nebenberufl. Musiker u. Kapellmeister;
    M Maria Tautscher, aus d. gemischtsprachigen (wind.) Gebiet d. Untersteiermark.

  • Leben

    Musikalisch hochbegabt, erhielt L. schon früh Violin-, Klavier- und Orgelunterricht. Seit 1817 wurde er in Marburg an der Drau für das Volksschullehramt ausgebildet. Nach einer Zeit als Hilfslehrer im Saggatal entschloß er sich zum Weiterstudium in Marburg, wo er fünf Gymnasialklassen absolvierte. 1829/30 war er in Graz als Musik- und Zeichenlehrer tätig. Als seine erste Stellenbewerbung als Hauptschullehrer 1830 erfolglos blieb, kehrte er dem Schuldienst den Rücken. L., der anläßlich eines Gastspieles von Paganini in Wien einige Unterrichtsstunden bei diesem genommen hatte und in Graz vom Komponisten Anselm Hüttenbrenner gefördert wurde, trat dort als Konzertgeiger und Solist auf. Später ging er auch auf Konzertreisen. Darüber hinaus hatte L. vielseitige Bildungsinteressen. So betrieb er, wenn auch ohne hinreichende mathematische Vorkenntnisse, umfangreiche astronomische Studien. Er hielt sich in seinen Schriften über Himmelskörper, z. B. „Saturn“ (1841), bewußt in den Grenzen subjektiver Anschauung, mit der er vor allem einen Hinweis auf die Größe und Schönheit des göttlichen Schöpfungswerkes geben wollte. Auf dem Gebiet der Literatur bevorzugte er die Werke von Jakob Böhme, Emanuel Swedenborg und Justinus Kerner. Besonders mit diesem verband ihn der Glaube an die Beseeltheit der Natur. 1840 erhielt L. eine Kapellmeisterstelle in Triest angeboten. Kurz vor Antritt der Reise entsagte er jedoch dieser Wirkungsmöglichkeit, weil ihn eine „innere Stimme“ zur Niederschrift einer Art Neuoffenbarung berufen hatte. Die Erfüllung dieses Dienstes galt ihm nun als eigentliche Lebensaufgabe, wenngleich er weiterhin als Geiger und Musiklehrer tätig war.

    In seinen Schriften stellt L. ein gewaltiges kosmologisches System dar, dessen „Weltkörper“ die Vereinigung von Geistwesen sind, die wie Luzifer, der sich frei gegen Gottes Ordnung entschieden hat, der Eigenliebe verfallen sind und der Erlösung bedürfen. Hauptschauplatz für die allmähliche Rückführung der abgefallenen Geister zu Gott ist die Erde. In Jesus, in dem Gott den Menschen „begreiflich und schaubar“ werden wollte, stellt sich auch der Gegensatz beider Welten vorbildlich dar. Sein Doppelgebot, Gott über alles und den Nächsten wie sich selbst zu lieben, ist die einzig heilbringende Grundwahrheit, das „Reichsgrundgesetz“, durch dessen Befolgung die Rückführung der Geister allein gelingen kann. Diese vollzieht sich über mehrere Stufen im Einzelschicksal wie in der Geschichte der Menschheit. L. selbst bezeichnete seine schriftstellerische Tätigkeit als medial. Durch den Freundeskreis bestätigte Erlebnisberichte lassen die Annahme telepathischer Phänomene zu. L.s Anhänger behaupteten sogar, bei seinen Schriften handle es sich um die Eingebungen außerirdischer Intelligenzen. Zu den Erstherausgebern einzelner Schriften L.s zählten Justinus Kerner sowie der schwäb. Arzt Carl Friedrich Zimpel (1800–75), der Begründer einer paracelsischen Lehren entsprechenden Heilweise. Die Originalschriften L.s wurden aus dem Besitz seines Biographen K. G. v. Leitner von der Steir. Landesbibliothek Joanneum in Graz übernommen. Die 1921 in Bietigheim gegründete „Jakob Lorber-Gesellschaft“ unternahm die Veröffentlichung und Verbreitung der erst postum im Druck erschienenen Werke.

  • Werke

    Weitere W Die große Zeit d. Zeiten, 1848;
    Briefwechsel Jesu mit Abgarus Ukkama v. Edessa, 1851, 41930;
    Erde u. Mond, 1851, 41953;
    Die Haushaltung Gottes, 3 Bde., 1852, 31923-26;
    Die Jugendgesch unseres Herrn, 1869, u. d. T. Die Jugend Jesu, 91959;
    Psalmen u. Gedichte, 1870;
    Die geistige Sonne, 1870, 2 Bde., 51955-56;
    Das große Evangelium Johannis, 5 Bde., 1871-75, 51930-58;
    R. Blum, 2 Bde., 1898, 21929;
    Briefe, 1931.

  • Literatur

    G. Buchner, J. L., s. Leben, 8. Schrr. u. s. Anhänger, 1905;
    K. G. v. Leitner, J. L., 1924;
    ders., J. L., e. Lb., Einl. zu J. L.s Briefen, 1931 (P);
    W. Lutz, Die Gottesbotschaft J. L.s, 1924;
    ders., Die Grundfragen d. Lebens nach J. L., 1930;
    F. Lanz v. Liebenfels, J. L., 1926;
    M. Heimbucher, Der falsche Mystiker J. L. u. d. „Neu-Salems-Schrr.“, 1928;
    Philos. u. Leben 5, 1929;
    H. Heimann, Prophetie u. Geisteskrankheit, 1956, S. 22-25;
    K. Hutten, Seher, Grübler, Enthusiasten, 1960, S. 339-65;
    O. Zluhan, Neue Prophetie, 1960;
    Nagl-Zeidler-Castle III;
    Brümmer;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    LThK;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Valerie Hanus
  • Empfohlene Zitierweise

    Hanus, Valerie, "Lorber, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 163 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118574280.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA