Lebensdaten
1848 – 1927
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Berlin-Charlottenburg
Beruf/Funktion
Literaturhistoriker ; Kritiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116196130 | OGND | VIAF: 45048403
Namensvarianten
  • Karpeles, Aaron (ursprünglich bis 1883)
  • Klaar, Alfred
  • Karpeles, Aaron (ursprünglich bis 1883)
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Zitierweise

Klaar, Alfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116196130.html [20.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Louis Karpeles, Kaufm.;
    M Sara N. N.;
    1) „Baronin v. Bruna“ (?), 2) Paula Eberty (Eberts, 1869--1929), Schauspielerin (s. Kosch, Theater-Lex., unter Klaar);
    1 S, 1 T.

  • Biographie

    K.s erste literarische Arbeiten entstanden schon, als er das Piaristengymnasium seiner Vaterstadt absolvierte. Obwohl er dann, dem Wunsch seiner Eltern folgend, in Prag und Wien neben Germanistik und Philosophie auch einige Semester Jura studierte, lagen seine Interessen doch ausschließlich auf literarischem Gebiet. Zu eigener dichterischer Produktion regten ihn fast immer nur aktuelle Anlässe an; seine verschiedenen Fest-, Scherz- und Lustspiele sowie verstreut abgedruckten Gedichte sind nur als „Gelegenheitsdichtung“ zu werten. Dagegen verfolgte er seine literarkritischen und -historischen Interessen zielstrebig, um literarische Phänomene zu erkennen, zu vermitteln, zu fördern.

    Für den nach seiner Ansicht von Börne geschaffenen „höheren Journalismus“ engagierte sich K. schon in seiner Studienzeit, als er seine erste publizistische Tätigkeit für den deutschen „Tagesboten aus Böhmen“ aufnahm. Als er 1873 Nachfolger Seligmann Hellers im Theaterreferat der „Bohemia“ wurde und gleichzeitig Leitartikler beim „Morgenblatt aus Böhmen“, war der Grundstein zu einer Karriere gelegt, die ihn in den folgenden 25 Jahren in die „Machtstellung eines Geschmacksrichters, eines Wortführers deutscher und liberaler Gesinnung“ erhob. Zur Begründung dieser Position trug nicht nur die umfangreiche publizistische Tätigkeit bei, die K. in den damaligen völkischen Auseinandersetzungen als Vertretung sozialer und geistiger Lebensinteressen der Deutschen begriff, sondern auch die Rolle, die er im Vereinsleben Prags spielte. Nach der Gründung des Vereins deutscher Schriftsteller „Concordia“ 1871 setzte er sich als dessen Vorsitzender besonders für junge Schriftsteller ein (Rilke, Salus), er war aber auch Mitglied des „Deutschen Politischen Vereins“, der „Lesehalle deutscher Studenten in Prag“ sowie des „Verbandes der deutschen Journalisten in Böhmen“ und sorgte für die Gründung eines Theatervereins, aus dessen Mitteln dann das „Neue deutsche Theater“ finanziert werden konnte. Neben dieser vielseitigen publizistischen und öffentlichen Wirksamkeit, die ihn an alle Tagesereignisse in andauernder Teilhabe gebunden hielt, vermochte er noch eine Anzahl literarhistorischer Arbeiten zu veröffentlichen. Er begann mit einer Studie über „Joseph Viktor von Scheffel und seine Stellung in der deutschen Literatur“ (1876) und legte mit „Das moderne Drama, dargestellt in seinen Richtungen|und Hauptvertretern“ (3 Bände, 1883 ff.) die historische Aufarbeitung und Begründung seiner Tageskritiken vor. 1885 übernahm er die Dozentur für deutsche Literaturgeschichte an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag. Im gleichen Jahr veröffentlichte er „König Ottokars Glück und Ende, eine Untersuchung über die Quellen der Grillparzerschen Tragödie“, mit der er 1886 in Leipzig den philosophischen Doktorgrad erwarb. Weitere Arbeiten über Grillparzer trugen ihm den Ruf eines Experten ein: „Franz Grillparzer als Dramatiker“ (1891) und „Grillparzers Leben und Schaffen“ (1903), als Einleitung zur Ausgabe der sämtlichen Werke bei Knaur. 1898 wurde K. außerordentlicher Professor an der Technischen Hochschule Prag. Er blieb bei aller öffentlichen Anerkennung persönlich bescheiden, loyal und nur durch sachliches Engagement bestimmt. Es paßt zu diesem Bild, daß er die glänzende Position aufgab, als er die Schauspielerin Paula Eberty geheiratet hatte, um sich seit Ende 1899 in Berlin zunächst mit der Stellung eines Feuilletonredakteurs der „Berliner Neuesten Nachrichten“ zu begnügen. Zwar wurde er schon 1901 Theaterreferent der „Vossischen Zeitung“ und blieb in dieser Stellung bis 1912, um dann die Leitung der Sonntagsbeilage zu übernehmen, aber „Literaturpapst“ wie in Prag konnte er in Berlin nicht wieder werden. K. sah den Sinn seiner Theaterkritik nicht darin, durch modische Brillanz zu glänzen, war nie verführt, aus subjektiver Willkür zu urteilen, sondern begriff sich als Vermittler zwischen Bühne und Publikum, als Helfer der Schauspieler, als Anwalt echter und werkgetreuer Vermittlung von Kunstwerken. In dieser Haltung hat er die theatergeschichtliche Entwicklung mehr als ein halbes Jahrhundert lang verfolgt, von den Inszenierungen der Meininger an über den Naturalismus, das Reinhardttheater bis zum expressionistischen Stil Leopold Jessners, maßvoll, aber bestimmt im Tadel, kenntnisreich in der Beurteilung und die humane Tradition Fontanes bewahrend, als er bekannte: „Es ist mein Herz, das gern beim Lob verweilt.“

  • Werke

    Weitere W u. a. Biogr.-krit. Einl.: Ludwig Börnes Leben u. Wirken, zu: L. Börnes ges. Schrr. (o. J. [1899-1902]);
    Schauspiel u. Ges., Eine Studie, 1902;
    Wir u. d. Humanität, Gedankengänge u. Anregungen, 1902 (Aufsatzslg.);
    Schiller u. Goethe, 1905;
    Uriel Acosta, Leben u. Bekenntnis e. Freidenkers vor 300 J., 1909;
    Probleme d. modernen Dramatik, 1921;
    Ludw. Fulda, Leben u. Lebenswerk, 1922;
    Spinoza, Sein Leben u. s. Werke, 1926. -
    Hrsg.: K. Gutzkow, Zopf u. Schwert;
    Das Urbild d. Tartüffe;
    Uriel Acosta;
    Der Königsleutnant, 1908.

  • Literatur

    Freundesgrüße an A. K., 1908 (Festschr. z. 60. Geb.tag); Nachrufe:
    M. Jacobs, in: Voss. Ztg., Nr. 260 v. 5.11.1927;
    E. Faktor, in: Börsencourier v. 5.11.1927;
    Dt. Bühnenjb. 40, 1929;
    - R. Antoine, A. Klaar, Theaterkritiker d. Voss. Zeitung(en), philosophisch Dissertation Berlin 1963.

  • Autor/in

    Renate Heuer
  • Zitierweise

    Heuer, Renate, "Klaar, Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 696-697 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116196130.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA