Lebensdaten
1555 bis 1625
Geburtsort
Lemgo
Sterbeort
Helmstedt
Beruf/Funktion
Historiker ; neulateinischer Dichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 115833463 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maybaum, Heinrich
  • Meibomius, Heinrich
  • Meibom, Heinrich der Ältere
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Meibom, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115833463.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit 1511 nachweisbarer Osnabrücker Bürgerfam.;
    V Martin (1518–1556/57), Konrektor d. Lateinschule in Lemgo, später Pastor in A., S d. Eberhard (1486–1535), Kaufm. in Osnabrück;
    M Anna ( 1556/57), T d. Ions. Dreyer, Dr. theol., erster ev. Prediger in Herford, später Sup. in Minden, u. d. Anna Koch;
    Wollenbüttel 1585 Sophia (1566–1625), T d. David Böckel (1534–1614), braunschweig. Leibmedikus, u. d. Elisabeth Grapendorf;
    5 K, u. a. Joh. Heinrich ( 1655, s. Gen. 2);
    E Heinrich (s. 2).

  • Leben

    Früh verwaist, erhielt M. seine erste Ausbildung an dem 1559 neu organisierten Gymnasium in Lemgo, später in Minden, und wurde 1574 Hauslehrer der beiden Söhne des Braunschweiger Stadtsuperintendenten Martin Chemnitz, der eine führende Rolle bei der Durchführung der Reformation im Herzogtum spielte. Seit 1577 betrieb M. an der ein Jahr zuvor gegründeten Univ. Helmstedt historische, philologische, philosophische und theologische Studien. 1580 erwarb er den Magistergrad der Philosophie; 1583 wurde er zum Professor der Dichtkunst und der Geschichte ernannt. Er wirkte damit neben Reiner Reineccius (1541–95), der seit 1582 „Professor historiarum conscribendarum“ war, als eigentlicher Universitätslehrer der Geschichte („Professor historiae tradendae“), die im Lehrplan der Universität einen herausragenden Platz einnahm. Viermal war M. Vize-Rektor der Universität, zwölfmal Dekan; einen Ruf nach Wittenberg 1592 lehnte er ab. Er darf als Berater von Hzg. Heinrich Julius von Braunschweig in Universitätsfragen gelten und wurde von diesem auch mit diplomatischen Missionen, u. a. an den Hof Kaiser Rudolfs II., beauftragt.

    Der Nachwelt vor allem als Quelleneditor bekannt, verdankte er seinen frühen Ruhm|bei den Zeitgenossen vor allem seinen poetischen Werken. Sie trugen ihm am 9.7.1590 die Krönung zum „Poeta laureatus“ durch Rudolf II. ein, dem er ein „Carmen de Caesaribus ex Austriaca familia oriundis“ gewidmet hatte. Das von der Literaturwissenschaft noch kaum gesichtete OEuvre umfaßt eine große Anzahl religiöser Gedichte, daneben weltliche Dichtung, überwiegend in Hexametern oder daktylischen Distichen, vor allem zu Vergangenheit und Hausereignissen des Welfengeschlechts, sowie zahllose Gelegenheitsgedichte anläßlich von Heirat, Geburt und Tod im Kreise des Adels und der Honoratioren des Hzgt. Braunschweig-Wolfenbüttel und der Gelehrtenwelt in und außerhalb Helmstedts. Auch die Zeitereignisse allgemein sind Gegenstand eines Teils dieser Gelegenheitsdichtung, der – als Reaktion auf die politische Lage um 1600 – von Reichsbewußtsein, konfessioneller Auseinandersetzung und Kriegsfurcht deutlich geprägt ist. Insgesamt erweist sich M. als herausragender Repräsentant der späthumanistischen Latinität, wie sie unter dem Einfluß des Johannes Caselius an der Univ. Helmstedt zu besonderer Blüte gelangte.

    Bereits im poetischen Werk sind die historischen Bezüge stark ausgeprägt, und der Historiker M. darf als einer der frühen Wegbereiter der großen Quelleneditoren des 17. und 18. Jh. gelten. Als Sammler, Editor und Kommentator schriftlicher Überlieferung hat auch er selbst sich in erster Linie verstanden (Vorrede zur „Walbeckischen Chronik“, 1619). Das wird zunächst in der Art deutlich, wie er das bekannte und vielbenutzte Lehrbuch der Weltgeschichte von Johannes Sleidanus, „De quatuor summis imperiis“, bearbeitete und mit Quellennachweisen versah, um seine Brauchbarkeit für den Universitätsunterricht zu erhöhen (Wittenberg, wohl 1586). Ganz besonders aber bemühte er sich um die Aufspürung und Herausgabe erzählender Quellen, die mit der Geschichte des alten Sachsen – Niedersachsens und Westfalens – und des Welfenhauses zusammenhingen. Sie machen die Hauptmasse des Materials aus, das sein Enkel Heinrich in den „Scriptores rerum Germanicarum Tomi III“ (1688) zusammenfaßte und herausgab, nachdem ein Teil davon bereits zu Lebzeiten M.s in Einzelausgaben erschienen war. Eine große Anzahl der bedeutenden mittelalterlichen Chroniken Nordwestdeutschlands (etwa Gobelinus Person, Levold von Northof, Hermann von Lerbeck, Johann Schiphower, Erwin Ertmann, das Lippiflorium des Justinus von Lippstadt u. a.) verdanken ihm ihre „Editio princeps“. Dem gleichen geographischen Bereich entnahm M. auch die Themen zu Einzelabhandlungen, wie zur Irmensul („Irmensula saxonica“, 1612) oder die acht Chroniken zur Geschichte der Klöster im Umkreis Helmstedts (Riddagshausen, Marienborn, Mariental, Berge bei Magdeburg, Schöningen, Königslutter, Ammensieben und Marienberg; z. T. in dt. Sprache), von denen die letzte offenbar verloren ist. Sie nehmen in seinem historiographischen Werk einen besonderen Platz ein, weil in ihnen trotz aller antiquarischen Stoffülle auch seine Auffassung von Wissenschaft und akademischer Erziehung erkennbar wird. Die mittelalterlichen Klöster galten M. als Bildungsstätten, in denen die Jugend für ihre künftigen Aufgaben in Kirche und Staat erzogen wurde. Im Lauf der Jahrhunderte war, seiner Ansicht nach, dieser Bildungsauftrag mehr und mehr in den Hintergrund getreten, bis die Reformation die Klöster wieder zu ihm zurückführte und sie zu einer Stätte der erudita pietas machte, wie es auch die Univ. Helmstedt nach ihren Statuten zu sein in Anspruch nahm (§ 184). Hier wird die monastische Tradition in humanistischer Tendenz beschrieben und interpretiert.

    M., dessen soziales Lebensgefühl vom bürgerlichen Stolz auf die Herkunft aus der Hansestadt Lemgo und vom Dienst für den fürstlichen Hof geprägt wurde, fand, wie die umfangreiche Korrespondenz belegt, zu seinen Lebzeiten große Resonanz und Anerkennung. Der Dienst für den Landesfürsten jedoch überwog bei weitem: ihm galt die weitaus überwiegende Zahl der poetischen und historiographischen Werke sowie die Teilnahme an publizistischen Kontroversen, etwa um Jean Bodins Werk über den Staat, das 1591 in lat. und 1592 in dt. Sprache erschienen war.

  • Werke

    Eine moderne Bibliogr. fehlt;
    Übersichten b. Jöcher III, Sp. 358 f.;
    Jöcher – Adelung IV, Sp. 1197-99;
    V. Meibom (s. L), S. 13 f.;
    Poemata sacra, Helmstedt 1665;
    d. hs. Nachlaß überwiegend in d. Niedersächs. Landesbibl. Hannover (vgl. K.-H. Weimann, s. L).

  • Literatur

    ADB 21;
    Programme in funere … Henrici Meibomii Poetae et Historici celeberrimi et in Academia Julia Professoris Primarii (Herzog August-Bibliothek Wolfenbüttel 133 Helmst. Drucke [3]);
    J. G. Leuckfeld, M. Heinrich Meybaums Sen. … Chronik d. Closters Marien-Born, 1720, S. 1-16;
    J. N. Frobesius, Bibliotheca Meibomiana, 1742/43;
    V. Meibom, Nachr. üb. d. Fam. v. M., Privatdr. (1881), S. 1-16 (Herzog August-Bibl. Wolfenbüttel Db 4° 366);
    F. Koldewey, Die Gesch. d. klass. Philol. auf d. Univ. Helmstedt, 1895, S. 35-38;
    P. Zimmermann, Album Academiae Helmstadiensis I, 1926, S. 428 f.;
    E. C. Scherer, Gesch. u. KG an d. dt. Universitäten, Ihre Anfänge im Za. d. Humanismus u. ihre Ausbildung zu selbständigen Disziplinen, 1927, S. 60-62, 476-79;
    P. Baumgart u. E. Pitz, Die Statuten d. Univ. Helmstedt, 1963;
    O. Herding, H. M. (1555-1625) u. Reiner Reineccius (1541–95), Eine Stud. z. Historiographie in Westfalen u. Niedersachsen, in: Westfäl. Forschungen 18, 1965, S. 5-22, G. Hölk, Die Gesch.wiss. an d. Univ. Helmstedt seit d. Gründung d. Univ. Göttingen, 1969, S. 12, 210;
    H. Dreitzel, Prot. Aristotelismus u. absoluter Staat, 1970, S. 36, 314 f.;
    K.-H. Weimann, Der Nachlaß M. in Hannover u. Göttingen, in: H.-H. Eulner u. a. (Hrsg.), Med.gesch. in unserer Zeit, Festgabe f. E. Heischkel-Artelt u. W. Artelt z. 65. Geb.tag, 1971, S. 171-87;
    G. Zimmermann, H. M.s Riddagshäuser Klosterchronik 1620, in: Braunschweig. Jb. 56, 1975, S. 7-26;
    G. Zimmermann, Die acht Klosterchron. d. Helmstedter Historikers H. M., in: Jb. f. niedersächs. KG 74, 1976, S. 53-63;
    Chronicon Riddagshusense. H. M.s Chron. d. Klosters Riddagshausen 1145-1620, eingel., übers. u. erl. v. G. Zimmermann, 1983 (dazu H.-H. Ebeling, in: Niedersächs. Jb. f. Landesgesch. 59, 1987, S. 437-39);
    J. Henze, Der Lehrstuhl f. Poesie an d. Univ. Helmstedt bis z. Tode H. M.s d. Ä. ( 1625), e. Unters. z. Rezeption antiker Dichtung im luth. Späthumanismus, 1990.

  • Portraits

    Kupf. nach Zeichnung von J. J. Boissard, in: ders., Icones virorum illustrium III, 1598, S. 118.

  • Autor/in

    Peter Johanek
  • Empfohlene Zitierweise

    Johanek, Peter, "Meibom, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 629-631 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115833463.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Meibom: Heinrich M. (Meibaum, Meybaum), Historiker und lat. Dichter, geb. zu Lemgo 1555, zu Helmstedt 1625. Er wurde 1580 Magister der Phil., erhielt 1583 die Professur der Dichtkunst und 1596 daneben die Professur der Geschichte in Helmstedt. K. Rudolf II. krönte ihn 1590 zu Prag eigenhändig als poeta laureatus. Seine lateinischen Gedichte sind theils geistliche, theils weltliche. Eine Sammlung der erstern gab 1665 sein Enkel Heinrich heraus. Unter seinen weltlichen Gedichten (Parodiae Horatianae, Anacreon latinus, Centones) befinden sich einzelne durch zarte Empfindung und feinen Formensinn ausgezeichnete, z. B. das von Ed. Mörike übertragene, „An den Schlaf“. Seine Thätigkeit als Historiker, größtentheils der niedersächsischen Geschichte zugewendet, bestand vorzugsweise in der Aufsuchung und Veröffentlichung neuer Geschichtsquellen. Das Programm derselben enthält ein Catalogus von 1600. Ein Verzeichniß seiner Publicationen steht vor seinen 1660 durch seinen Enkel Heinrich herausgegebenen Opuscula. Mehrere seiner Arbeiten wurden nach seinem Tode durch seinen Sohn und Enkel, durch Schrader und Leuckfeld herausgegeben. Seine Correspondenz in der königl. Bibliothek zu Hannover.

    • Literatur

      Boissard, Icones. Freher, Theatrum. Biographie von J. G. Leuckfeld. 1720.

  • Autor/in

    v. M.
  • Empfohlene Zitierweise

    M., von, "Meibom, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 187 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115833463.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA