Lebensdaten
1825 bis 1888
Geburtsort
Essen
Sterbeort
Düsseldorf-Grafenberg
Beruf/Funktion
Großindustrieller
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 136138683 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grillo, Heinrich Friedrich
  • Grillo, Fritz
  • Grillo, Friedrich
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Zitierweise

Grillo, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136138683.html [21.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    Graubündener Fam., kam über Halberstadt nach E.;
    V Wilhelm (1793–1827), Begründer e. Handlung f. Eisenwaren, Tuche, Jagdflinten u. Munition in E., S d. Joh. Jeremias (1770–1836), Kaufhändler, Gewerke u. Stadtrat in E., u. d. Wilhelmine Hülsewitt;
    M Gertrud (1798–1839), T d. Theodor Funke, Gildemeister d. Bäcker, Schöffe in E., u. d. Kaufhändlers-T Elisabeth Bröker;
    Ur-Gvv Franz Gg. (1741–1824), Salzkontrolleur u. -spediteur auf d. Kgl. Salzwerk Königsborn b. Unna;
    B Wilhelm (s. 2), August (1823–97), Eisenwarenhändler u. Bergwerksbes. in Mülheim/Ruhr;
    Schw Henriette ( Moritz Tigler, 1814–75, Gründer d. Maschinenfabrik M. Tigler in Ruhrort u. Meiderich);
    - Essen 1850 Wilhelmine (1829–1904), T d. Theodor v. Born, Beamter am Bergamt in E.; kinderlos.

  • Leben

    G. ging nach Besuch des Gymnasiums in die kaufmännische Lehre, trat mit 23 Jahren in die väterliche Eisenhandlung ein und übernahm sie. Über den durch seine Herkunft gewiesenen Kreis wuchs er um die Mitte der 1850er Jahre hinaus und schritt zur Gründung neuer Unternehmungen. Es war die Zeit, in der sich der Landstrich zwischen Ruhr, Rhein und Lippe zum größten deutschen Industriegebiet zu wandeln begann. Die von G. geschaffenen Kohlenzechen erstreckten sich schließlich in breiter Front von Duisburg bis jenseits Dortmund. Er war Mitbegründer, Gewerke oder Beteiligter bei mehr als 20 Gewerkschaften und Aktiengesellschaften des aufstrebenden Bergbaus an Ruhr und Emscher. In den 50er Jahren war er wesentlich beteiligt an der Gründung der Bergwerksgesellschaft Neuessen, des Magdeburger Bergwerksvereins bei Wanne, der Zechen Hercules bei Essen, Zentrum bei Wattenscheid und Caroline bei Holzwickede. 1863 begründete er einen seiner erfolgreichsten Bergbaubetriebe, die Zeche Consolidation bei Schalke, und stieß damit in industrielles Neuland bis an die Emscher vor. Mit der 1868 entstandenen Gewerkschaft Graf Bismarck setzte er diese Richtung fort. In der Gründerperiode der 70er Jahre verdankten seiner Initiative ihre Entstehung der Essener Bergwerksverein König Wilhelm, Gewerkschaft Unser Fritz bei Wanne, Gewerkschaft Monopol in Kamen, Gewerkschaft Victor bei Rauxel. G. erwarb 1873 Saline und Bad Königsborn für die von ihm begründete Gewerkschaft Königsborn, die 1880 die Kohlenförderung aufnahm. Er vereinigte damit Salz und Kohle in einem Unternehmen. Entscheidend wirkte er mit bei der Gründung und Erweiterung der Gelsenkirchener Bergwerks AG und gewann Emil Kirdorf für das Werk. Seine Tätigkeit nach der Gründerkrise erstreckte sich auf Sanierung und Konsolidierung unrentabel gewordener Zechen und die Schaffung leistungsfähiger Großbetriebe. Seit Mitte der 1860er Jahre wandte sich G. auch der Errichtung von Eisenwerken und anderen Unternehmungen zu, solchen der Stahlverfeinerung sowie chemischen Fabriken, Glaswerken, Gas- und Wasserwerken und Bankinstituten. Den Schwerpunkt seiner Hüttenwerke verlegte er in den Ort Schalke bei Gelsenkirchen, einem zuvor bescheidenen Bauerndorf. 1866 entstand das Blechwalzwerk Grillo, Funke & Co., 1869 die Draht- und Hanfseilerei von Wilhelm Heinrich Grillo. Weitere Unternehmen folgten, bevor G. 1872 sein bedeutendstes Schalker Werk, den „Schalker Gruben- und Hüttenverein“, errichtete. Zusammen mit der Diskontogesellschaft Berlin und bekannten Gründerunternehmern war G. wesentlich daran beteiligt, aus der Hütte Neuschottland bei Steele, der Henrichshütte bei Hattingen und der Dortmunder Hütte die „Dortmunder Union“ zu begründen, die mit 12 400 Arbeitskräften eines der größten Unternehmen der damaligen Zeit war. G. war ferner Initiator oder Mitbegründer der „Aktiengesellschaft für chemische Industrie“, Schalke, der „Schalker Glas- und Spiegelmanufaktur“ und der Essener Creditanstalt sowie Gründungsmitglied des Bergbauvereins. Seine ungewöhnlichen Erfolge verdankte G. seinem Weitblick, seiner unbändigen Energie, seinen kombinatorischen Fähigkeiten und seiner rastlosen Arbeit. Er gehörte den Grubenvorständen zahlreicher Zechen und den Aufsichtsräten der auf seine Initiative zurückgehenden Aktiengesellschaften an. Aber so intensiv zeitweise sein Interesse für die von ihm gegründeten Unternehmungen war, so fehlte ihm doch jene innere Verbundenheit mit ihnen, die das Lebenswerk anderer Wirtschaftsführer des Reviers kennzeichnet, wie zum Beispiel Alfred Krupp oder August Thyssen. Dies haben schon die Zeitgenossen an G. als charakteristisch empfunden, „daß seine kaufmännische Veranlagung ihn veranlaßte, sich kalten Blutes von den Kindern seines Schöpfertriebes zu trennen, ja, daß derartige Transaktionen einen hohen Reiz für ihn besaßen“. Die Mehrzahl seiner Werke hat indessen über seinen Tod hinaus, wenn auch unter anderen Namen und in neuen Verbindungen, Bestand behalten.

  • Autor/in

    Barbara Gerstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerstein, Barbara, "Grillo, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 68-69 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136138683.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA