Lebensdaten
1715 bis 1776
Geburtsort
Paris
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Maler ; Radierer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 124165044 | OGND | VIAF: 67392223
Namensvarianten
  • Hutin, Charles
  • Hutin, C.
  • Hutin, Charles François

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Zitierweise

Hutin, Charles, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124165044.html [17.01.2021].

CC0

  • Genealogie

    V François ( 1758), Maler u. Radierer in P.;
    M Anne Auguste ( 1771), Malerin, T d. Malers Charles Hérault (1644–1718);
    Tante-m Marie-Catherine ( Louis de Silvestre, 1760, Hofmaler in D.);
    B Jean-Baptiste (um 1725- n. 1786), Maler u. Radierer, Pierre ( 1763), Bildhauer, Vorzeichner f. Kupferstich u. Radierer (alle s. ThB).

  • Leben

    H. erlernte die Malerei bei François Lemoine, trat als Schüler in die Académie Royale ein und ging 1737 als Pensionär an die Académie de France in Rom. Hier widmete er sich aber vor allem der Bildhauerei unter der Leitung von Sébastian Slodtz. Seine besondere Aufmerksamkeit soll dem Studium der Antiken gegolten haben. 1743 kehrte er nach Paris zurück, wo er 1744 Agrée, 1747 Mitglied der Académie Royale wurde. Für die Aufnahme in die Académie reichte er die Marmorstatuette eines Charon ein, dessen Gipsmodell er 1746 im Salon gezeigt hatte. Diesen Charon stellte er 1767 noch einmal auf der Akademischen Kunstausstellung in Dresden aus, wo er immer noch „sehr bewundert ward“.

    H. war 1748 zusammen mit seinem Bruder Pierre nach Dresden gerufen worden, sicher nicht ohne Vermittlung seines Onkels, des Premier Peintre du Roy Louis de Silvestre, der 1748 Dresden nach 32jährigem Aufenthalt verließ. Anfangs waren die beiden Brüder hier mit Vorzeichnungen für die Kupferstiche des von C. H. v. Heinecken herausgegebenen Galeriewerkes beschäftigt. Die Stiche wurden hauptsächlich von franz. Stechern in Paris ausgeführt. Die Zeichnungen befinden sich im Kupferstichkabinett Dresden. H. zeichnete auch die Vorlagen für die 50 Tafeln des Kupferstichwerkes nach der Bildersammlung des Gf. Brühl „Recueil d’Estampes gravées d’après les tableaux de la Galerie et du cabinet S. E. M. le comte de Brühl“ (1754). 1763 gab er eine Folge von Radierungen eigener Erfindung heraus (Recueil de différents sujets composés et gravés). Die Themen sind teils allegorisch, teils historisch, teils religiös. Die Radierungen zeigen einen für das 18. Jh. typischen Eklektizismus. Von Rembrandt und Guido Reni bis zu Boucher reichen die Vorbilder. Einige der Blätter sind als Reproduktionen nach eigenen Bildern ausgewiesen. 1764 radierte er eine ganze Folge von Fontänen und Grabmälern, darunter den Entwurf eines Grabmals für Louis de Silvestre.

    In Dresden wandte sich H. auch wieder der Malerei zu. 1759 beschickte er den Salon des Louvre mit mehreren Bildern. Sein Deckengemälde für die Hl. Kreuzkapelle der kath. Hofkirche in Dresden wurde, weil schadhaft, 1787 durch eine Arbeit des Joh. Benj. Theil ersetzt. Das Altarbild in dieser Kapelle, eine Kreuzigung, stammt ebenfalls von H. Es ist in der Komposition und in der kräftigen Farbgebung von barocken Vorbildern abhängig. Auch das Altarbild in der Kirche in Altdöbern in der Niederlausitz, 1914 bei einem|Kirchenbrand zerstört, dürfte von ihm gewesen sein. Seine Staffeleigemälde sind von sehr zurückhaltender, jeden kräftigen Klang vermeidender Farbigkeit, manchmal zeichnerisch fein in der Ausführung. Unter den wenigen bekannten Arbeiten überwiegen Werke mit einer oder zwei Figuren, meist Halbfigurenbilder von teils Genre- teils Bildnischarakter. In den Themen vieler Staffeleibilder H.s zeigt sich bürgerlicher Charakter; das gefühlsbetonte Genrebild hat die pompöse Historie und die große Dekoration abgelöst. Der Alltag kommt, wenn auch verklärt und vereinfacht, in die Kunst. Man erkennt in H. den Zeitgenossen von Chardin und Greuze. Damit paßte er sich den veränderten Forderungen an, die nach dem Ende der Ära Augusts III. und des Grafen Brühl (1763) auch in Sachsen an die Kunst gestellt wurden.

    Nach Gründung der neuen Kunstakademie in Dresden am 1.1.1764 wurde H. deren Direktor und Professor für Malerei. Er unterstand dem Generaldirektor Ch. L. v. Hagedorn. H.s wenig geniale Art, seine solide Ausbildung als Zeichner und seine aus dem Nachzeichnen und Kopieren sich ergebende Kenntnis der alten Meister lassen eigentlich vermuten, daß er als akademischer Lehrer ganz an seinem Platz war. Trotzdem war Hagedorn mit seiner Lehrtätigkeit nicht zufrieden.

  • Werke

    Weitere W Gemälde: Bäuerin, in d. Küche Feuer anmachend;
    Bauer mit e. Weinfaß auf e. Karren, letzteres bez. u. dat., 1756 (beide Madrid, Prado);
    Mädchen mit Brief, halbe Figur, 1769 (Dresden, Staatl. Kunstslgg., Gal. Alte Meister);
    Bildniskopf, Kopie nach e. Dresdener Porträt v. van Dyck (ebd.);
    Ménagère Saxonne, ganze Figur (Paris, Louvre), danach Radierung v. J. Camerata, 1769;
    Hagar u. Ismael in d. Wüste (Budapest, Mus. d. Bildenden Künste). -
    Radierungen nach Gem. H.s: C. G. Schultze, L’abatement de la vieillesse, sitzender alter Mann, halbe Figur im Profil, Le sommeil de la vieillesse, sitzende alte Frau, halbe Figur im Profil, beide 1768, bez. C. Hutin pinx. 1767;
    ders., Mädchen mit Hündchen im Arm u. e. sitzenden alten Mann mit gefalteten Händen u. geneigtem Kopf, vor Totenschädel u. Stundenglas, 1770. -
    2 Gem. (Darst. d. Fama) 1861 in Dresden versteigert (vgl. Verz. d. a. d. Vorräthen d. kgl. Gem.-Gal. z. Dresden d. 13.5.1861 … z. versteigernden Ölgem., 1861, Nr. 14 u. 15). -
    Zahlr. Zeichnungen, Kompositionsskizzen u. Studien in Leipzig, Mus. d. bildenden Künste.

  • Literatur

    Verz. in ThB, außerdem:
    K. W. Daßdorf, Beschreibung d. vorzüglichsten Merkwürdigkeiten d. Churfürstl. Residenzstadt Dresden, 1782, S. 608 ff.;
    J. A. Lehninger, Déscription de la ville de Dresde et de ses environs, 1782, S. 137;
    J. Ch. Hasche, Mgz. d. sächs. Gesch. II, 1785, S. 684, IV. 1787. S. 697, 734 ff.;
    J. D. Fiorillo, Gesch. d. zeichnenden Künste: Malerei III, Frankreich, 1805, S. 424;
    J. F. Frhr. v. Racknitz, Skizze e. Gesch. d. Künste, bes. d. Malerei in Sachsen, 1811, S. 59 f.;
    Th. Distel, Die Kreuzigung in d. Hl. Kreuzkapelle d. Dresdener Kath. Hofkirche, in: Dresdner Anz., 1902, Nr. 331;
    G. Servières, Les artistes français à la Cour de Saxe au XVIIIe siècle, in: Gazette des Beaux-Arts, Okt. 1911, S. 340 ff.;
    R. A. Weigert, Documents inédits sur Louis de Silvestre suivis du catalogue de son oeuvre, in: Archives de l’Art français 17, 1931/32, S. 367 ff.

  • Portraits

    Selbstbildnis mit H.s Schüler J. Ch. Klengel, Halbfiguren, beide lesend an e. Tisch, Abb. in: G. Biermann, Dt. Barock u. Rokoko I, 1914;
    Stich v. C. F. Boetius, 1771, nach e. Zeichnung H.s (Dresden, Staatl. Kunstslgg., Kupf.kab.).

  • Autor/in

    Harald Marx
  • Empfohlene Zitierweise

    Marx, Harald, "Hutin, Charles" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 95-96 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124165044.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA