Lebensdaten
1717 bis 1806
Geburtsort
Costewitz bei Pegau
Sterbeort
Kopenhagen
Beruf/Funktion
hannoverisch-hessischer Offizier ; dänisch-norwegischer General ; Minister
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 136217966 | OGND | VIAF: 80601155
Namensvarianten
  • Huth, Heinrich Wilhelm (bis 1776)
  • Huth, Wilhelm (bis 1776)
  • Huth, Wilhelm von
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Huth, Heinrich Wilhelm von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136217966.html [02.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Salomon (1660–1749), Sekr. d. Hzgn. v. Sachsen-Zeitz, dann Gutsbes.;
    M Cath. Maria v. Lüschwitz ( 1747);
    B Aug. Adolph H. (1714-68), Kriegsrat in Kassel;
    - Hanau 1745 Charl. Sophie ( 1795), T d. Joh. Phil. Wagner u. d. Joh. Maria Osterloh; 1 Adoptiv-S.

  • Leben

    Nach Mathematikstudium in Leipzig trat H. 1739 als Bombardier in das hessen-kassel.|Artillerie-Corps ein. Er nahm an den Feldzügen 1742-45 und 1757-62 teil, seit 1758 als Oberstleutnant und Kommandeur des Corps. Er stand bei Landgf. Wilhelm VIII. als Ingenieur und Organisator in Ansehen, fiel aber beim Nachfolger in Ungnade, als 1761 bei Bombardierung des von den Franzosen besetzten Kassel zivile Schäden entstanden. Nach hannov. Dienst April 1762-Febr.1763 als Generalmajor und Chef des Ingenieur-Corps engagierte ihn der Erbprinz von Hessen-Kassel (Wilhelm IX.) als Kommandanten von Hanau sowie als militärischen Facherzieher seiner jüngeren Brüder. Von diesen ging Prinz Carl 1765 in dän. Dienst, als Grand Maitre d’Artillerie, und zog H. 1766 als Generalleutnant und Kommandeur der Artillerie nach (Rr. d. Danebrog-Ordens u. Generaldirektor des gesamten Bauwesens). 1767 fiel H. aber beim Minister St. Germain in Ungnade, so daß er nach Hanau zurückkehrte. – 1771 rief Struensee ihn zurück nach Kopenhagen als Chef der Artillerie und des Ingenieur-Corps. Festungswerke und Zeughäuser, Chausseen und Landesvermessung bezeugen seine Tätigkeit; er hob die Artillerie, gründete deren Spezialschule und gab ihr langwirkende taktische Vorschriften. Als kommandierender General in Norwegen 1772/74 beugte er durch geschickte Maßnahmen einem schwed. Angriff auf dieses – damals dän. – Land vor. 1783 wurde er Ritter des Elefanten-Ordens sowie als Lehrer und Anhänger des Kronprinzen Friedrich (VI.) nach der Hofrevolution von 1784 auch Staatsminister.

    Von Charakter muß er angenehm gewesen sein: da er von Statur offenbar klein war, spricht Landgf. Wilhelm VIII. von ihm als seinem „lieben kleinen H.“, und Kg. Friedrich II. von Preußen empfahl ihn 1765 dem dän. König: „Ein kleiner H., aber ein großer Kopf.“

  • Literatur

    ADB 50;
    W. H. F. Abrahamson, Gesch. d. kgl. Artillerieschule in Kopenhagen, 1780, bes. S. 74 ff.;
    W. Has, Gesch. d. 1. Kurhess. Feldartillerie-Regiments Nr. 11 u. s. Stammtruppen, 1913, S. 641 ff.;
    Dansk Leks (L).

  • Autor/in

    Hans Bleckwenn
  • Empfohlene Zitierweise

    Bleckwenn, Hans, "Huth, Heinrich Wilhelm von" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 94 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136217966.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Huth: Heinrich Wilhelm von H. wurde am 17. August 1712 (1717?) im „Rothen Hause“ vor Costewitz (unweit Pegau) geboren. Seine Eltern waren: Kammersecretär bei der Herzogin zu Sachsen-Zeitz, Gutsbesitzer Salomon H. (geboren am 22. Juli 1660, am 27. October 1748) und Catharina Maria geb. von Lüschwitz ( am 29. März 1747). Auf dem Gymnasium zu Schleusingen wurde er erzogen, und studirte später, namentlich Mathematik, an der Leipziger Universität. Von dort trat er in hessischen Kriegsdienst und|war 1745 Hauptmann bei der Artillerie, 1759 Oberst, und machte von 1742 bis 1762 alle Feldzüge dieser Truppen mit. Im siebenjährigen Kriege wurde er Generalmajor in kurhannöverischen Diensten, nämlich als Chef des Ingenieurcorps, mit der ausdrücklichen Bedingung, daß er die Belagerungen, die diese Truppen vornehmen würden, commandiren wolle, sowie auch Commandant in den hannöverschen Festungen zu sein, die der Feind belagerte. Im letztgenannten Kriege wohnte H. 17 Bataillen, außer vielen Attacken und Belagerungen bei, welche alle in einem geistlichen Buche, unter seiner nachgelassenen Buchsammlung, verzeichnet sind. Er war aber so glücklich, nie erheblich verwundet zu werden.

    Wie aus einem Anerkennungsschreiben des Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg hervorgeht, trug H. durch sein glorreiches Eingreifen mit seiner Artillerie hauptsächlich zum Siege von Thonhausen bei, und als Belohnung für seine Bravour erhielt er vom Herzoge 4000 Rthlr., welche er aber unter seine Krieger vertheilte, mit der Bemerkung, daß sie es seien, welche das Geld verdient hätten. Als der Herzog diesen edlen Zug erfuhr, schenkte er H. eine massive goldene „Tabatière“ mit Inschrift. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges trat H. wieder in hessischen Dienst und wurde Commandant in Hanau, wo er auch den jungen Prinzen von Hessen Unterricht in der Kriegskunst ertheilte, und mit den jüngsten Prinzen eine militärische Reise durch Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Franken machte, wobei der nachmalige General v. Binzer (geb. 1746, 1811) als Begleiter folgte, um sich ebenfalls unter Huth's Leitung auszubilden. Mit dem Prinzen Karl von Hessen-Cassel stand H. im besonderen freundschaftlichen Verhältniß, bis an sein Ende, und in seinen „Denkwürdigkeiten“ erwähnt Prinz Karl seines alten Mentors mit größter Liebe und Hochachtung, und nennt ihn einen Artillerieofficier ersten Ranges, welche Bezeichnung sich auch durch seine großen Verdienste in Dänemark und Norwegen bestätigte. Unter dem landgräflichen Geheimen Staatsminister Jacob Friedrich Weitz, Frhrn. v. Eschen, Erbauer des berühmten „Wilhelmsthal“ bei Cassel (Kreis Hofgeismar), bildete H. sich zum Ingenieur aus, und als er nach Dänemark berufen wurde (1765), geschah dieses in der vereinten Eigenschaft als Chef des Artillerie- und des Ingenieurcorps. Am 26. Februar 1766 wurde er Generallieutenant und erhielt am 4. Juli 1766 das Großkreuz vom Danebrog (Friedrich der Große empfahl H. dem dän. König mit den Worten: „Ein kleiner Huth, aber ein großer Kopf"). H. veränderte die Organisation der ihm anvertrauten Zweige der Armee, und administrirte beide Corps auf eine Weise, die ihm den Dank seiner Zeitgenossen sowie seines Königs zuwendete, und sein Nachruhm lebt noch fort und wird in Dänemark fortleben solange Artillerie und Ingenieurwesen daselbst existiren.

    Die von H. errichtete Artillerieschule, deren Plan am 22. April 1772 approbirt wurde, bildete in mehr als 50 Jahren tüchtige Officiere heran, bis dieselbe von der „Hochschule“ abgelöst wurde. H. verbesserte sowol in Dänemark als in Norwegen die Festungen und Festungswerke, legte Chausseen und Landstraßen sowie Alleen in und um Kopenhagen an, ließ die Zeughäuser mit allen nothwendigen Gegenständen und Lebensmitteln füllen, und errichtete ein Geschützsystem, das größtentheils noch 1858 im Gebrauch war, und damit seine Tüchtigkeit erprobt hat. In Norwegen errichtete er die noch bestehende „Militärische geographische Aufmessung“ mit Kartenaufnahme des Landes, und ordnete in beiden Reichen die Avancementsverhältnisse auf neue und bessere Art. Auch bemühte er sich, die fürchterliche und unmenschliche „Spießruthen"-Strafe in der Armee abzuschaffen, das aber gelang ihm freilich nicht, trotz aller Anstrengungen. H. errichtete 1775 innerhalb der|Artillerie einen Fond für die wissenschaftliche Ausbildung der jungen Officiere, und wurde am 17. Januar 1772 zum General der Infanterie ernannt. Er war in verschiedenen Zeitperioden höchstcommandirender General in Norwegen, z. B. 1772 und 1774 sowie 1788. Er war als warmer und treuer Anhänger des Kronprinzen Friedrich (später Friedrich VI., dessen Lehrer in der Kriegskunst er auch war) wirksamer Theilnehmer an der Hofrevolution 1784, und wurde Staatsminister vom 14. April d. J. bis an sein Ende. — Ritter vom Elephanten, 9. December 1783. „Symbolum Recte faciendo neminem timeas“. Wurde am 25. Januar 1776 naturalisirt und in den dänischen Adel aufgenommen. General v. H. war vermählt mit Charlotte Wilhelmine geb. Wagner und hinterließ einen Sohn, Hauptmann, und eine Tochter, vermählt mit Kammerherrn Reichsgraf C. F. E. v. Rantzow (Rantzau).

    H. war ein bescheidener und gerechter Mann, aber von einem cholerischen Temperament, und nichts brachte ihn so in Harnisch als begangene Ungerechtigkeiten; er schonte dann keinen, er sei hoch oder gering, aber sein Zorn war wie eine hell auflodernde Flamme, — ein freundliches Wort, ein Lächeln machte ihn wieder gut und mild. Er sprach außer seiner Muttersprache noch Französisch und verstand Lateinisch, aber Dänisch lernte er nie recht, weil damals noch alles in deutscher Sprache verhandelt wurde. H. stand in freundschaftlichem Verhältniß zu den meisten hervorragenden Personen seiner Zeit als: Bernstorff, Schimmelmann, Peymann, Reventlow, Classen, v. Essen, Gedde u. s. w., des Prinzen Karl nicht zu vergessen, und während des Schloßbrandes wohnte der Kronprinz Friedrich eine Zeitlang bei H. auf dem sogenannten „Gießhause“.

    H. starb am 6./7. Mai 1806, Nachts 2½ Uhr und wurde am 20. Mai, nach eigenem Wunsche ohne Militärhonneur in dem Familienbegräbniß in der hiesigen deutschen „St. Petrikirche“ beigesetzt, aber dessen ungeachtet hatte sich ein freiwilliges Gefolge von über 500 Personen, Officiere aller Waffengattungen, eingefunden, und der Kronprinz befahl der dänischen und norwegischen Armee eine achttägige Trauer über den Verschiedenen anzulegen.

  • Autor/in

    v. Huth.
  • Empfohlene Zitierweise

    Huth, von, "Huth, Heinrich Wilhelm von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 520-522 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136217966.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA