Lebensdaten
vor 1527 - nach 1584
Geburtsort
Grafschaft Bergen im Hennegau (Belgien)
Sterbeort
vermutlich Nürnberg
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 122466705 | OGND | VIAF: 5815065
Namensvarianten
  • Neufchatel, Nicolaus
  • Lucidel, Nicolaus (genannt)
  • Lucidel, Nicolas (genannt)
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Zitierweise

Neufchatel, Nicolas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122466705.html [18.10.2021].

CC0

  • Leben

    N. wird allgemein mit „Colyn van Nieucasteel“ identifiziert, der seit 1539 in der Werkstatt des Malers Pieter Coecke van Aelst in Antwerpen lernte, wo seit 1540 Pieter Bruegheld. Ä. sein Mitschüler war. Später war N. laut Sandrart in Mons tätig. Wohl aufgrund der Verfolgung der Calvinisten in den span. besetzten Niederlanden emigrierte er nach Deutschland, wo er sich in Nürnberg niederließ. 1561 verehrte er dem Rat der Stadt aus Dank für die Aufnahme ein Bildnis des Schreibmeisters Johann Neudörfer (Leihgabe d. Bayer. Staatsgem.slgg. in Nürnberg, German. Nat.mus.). 1563 wurde seine Aufenthaltsgenehmigung um zwei Jahre verlängert, ohne daß er das Bürgerrecht genoß. Am 23.7.1567 vermahnte ihn der Rat, seinen calvin. Glauben nicht in die Öffentlichkeit zu tragen. Bis 1584 finden sich datierte Werke seiner Hand. Mit wenigen Ausnahmen sind sie auf Leinwand gemalt. N. genoß großes Ansehen als Bildnismaler des Nürnberger Patriziats und hervorragender Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wissenschaft. Kaiser Maximilian II. ließ 1566 sich und seine Tochter Anna von ihm porträtieren. Seiner niederländ. Herkunft und Ausbildung entsprechend legte N. in seiner Kunst Wert auf Sachtreue, doch besaß er auch psychologisches Einfühlungsvermögen. Bei seinen Dargestellten verbinden sich Charakter mit Würde, Lebensfülle mit Zurückhaltung. Hervorragende Malerqualitäten erlaubten ihm, beim Kostüm stoffliche Unterscheidungen zu treffen, Schmuck und Stickereien in ihrem Eigenwert wiederzugeben. N. malte seine bürgerlichen Auftraggeber zuweilen in ganzer Figur, so das Ehepaar Hans Heinrich und Margaretha Pilgram, geb. Mertha, 1561 (Budapest, Mus. d. Bild. Künste), auch in Doppelbildnissen, wie das Ehepaar Balthasar und Magdalena Dörrer, geb. Bayer, 1561 (Karlsruhe, Staatl. Kunsthalle) und den genannten Neudörfer mit seinem Sohn – sein bekanntestes Werk. Die Widmungsinschrift auf dem Originalrahmen teilt den Namen des Künstlers mit, der sonst keines seiner Werke signiert hat. Die Mehrzahl der Bildnisse N.s sind solche in halber Figur. Einige wurden in Reproduktionsstichen überliefert. Von den ihm zugeschriebenen Zeichnungen ist keine für ihn gesichert.

  • Werke

    Weitere Bildnisse: Rotbärtiger Herr u. seine Ehefrau;
    Patrizierin (Berlin, Staatl. Museen Preuß. Kulturbes.);
    Unbekannte Dame (Brüssel, Musées royaux dÁrt et d'Histoire);
    Unbekannter Herr u. seine Ehefrau (Budapest, Mus. d. bildenden Künste);
    Weißbärtiger Herr, 1567 (Coburg, Kunstslgg. d. Veste, Leihgabe d. Slg. Georg Schäfer, Schweinfurt);
    Ein Wundarzt (Darmstadt, Hess. Landesmus.);
    Ein Goldschmied, 1580 (Donaueschingen, Fürstl. Fürstenberg. Slgg.);
    Goldschmied Wenzel Jamnitzer (Genf, Musée dÁrt et d'Histoire);
    Der Nürnberger Feldhptm. Hieronymus Koler (Kassel, Staatl. Gem.gal.);
    Goldschmied Hans Lencker u. sein Sohn, 1570 (Kopenhagen, Statens Mus. For Kunst);
    Junge Dame (London, Nat. Gallery);
    Dr. Ulrich Kötzler, 1564;
    Graubärtiger Herr u. seine Ehefrau (München, Bayer. Staatsgem.slgg.);
    Stephan II. u. Ursula Praun, geb. Ayrer, 1568;
    Wolfgang Münzer v. Babenberg (Nürnberg, German. Nat.mus.);
    Paul IV. Tucher, 1564 (Nürnberg, Museen d. Stadt, Tucherschloß);
    Unbekannter Herr, auf Eichenholz (Oldenburg, Landesmus.);
    Nikolaus Gösswein u. seine Ehefrau Katharina, geb. Tucher, 1567 (Prag, Nat.gal.);
    Ein Bildhauer (Stockholm, Ermitage);
    Bildhauer Johann Gregor van der Schardt, auf Holz, 1573 (Triest, Museo Storico del Castello di Miramare);
    Wolfgang Fürleger (Würzburg, Martin-v.-Wagner-Mus.).

  • Literatur

    ADB 23;
    Joachim v. Sandrarts Academie d. Bau-, Bild- u. Mahlerey-Künste v. 1675, hg. v. A. R. Peltzer, 1925, S. 135;
    W. Schmidt, in: Jbb. f. Kunstwiss. 5, 1873, S. 143-46;
    Jb. d. kunsthist. Slgg. d. Allerhöchsten Kaiserhauses, VII, 1888, 2. T., Urkk. u. Regg., S. CXXII, Register 5032;
    Th. Hampe, Nürnberger Ratsverlässe üb. Kunst u. Künstler im Za. d. Spätgotik u. d. Renaissance, 1904, II, Nr. 3987, 4037, 4136;
    A. R. Peltzer, N. N. u. seine Nürnberger Bildnisse, in: Münchner Jb. d. bildenden Kunst, NF III, 1926, S. 187-231 (W-Verz.);
    P.Strieder, Zur Nürnberger Bildniskunst d. 16. Jh., ebd., 3. Folge, VII, 1956, S. 120-37;
    K. Achilles-Syndrom, Die Kunstslg. d. Paulus Praun, Die Inventare v. 1616 u. 1719, 1994;
    A. v. Wurzbach, Niederländ. Künstler-Lex. II, 1910, S. 230, III, Nachträge, 1911;
    ThB;
    Dict. of Art (P).

  • Autor/in

    Kurt Löcher
  • Empfohlene Zitierweise

    Löcher, Kurt, "Neufchatel, Nicolas" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 114-115 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122466705.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Neufchatel: Nicolaus v. N., auch Luchdel genannt, ein wenig bekannter, aber hervorragender Porträtmaler, wurde um das Jahr 1520 in der Grafschaft Bergen im Hennegau geboren, trat 1539 bei dem Maler Pieter Coecke van Aelst (A. D. B. IV, 385) in Antwerpen in die Lehre und ging 1561 nach Nürnberg, wo seine Arbeiten so viel Beifall fanden, daß er sich daselbst niederließ und viele Porträts hervorragender Persönlichkeiten malte. Später ging er nach Prag und starb um 1590. Sandrart, dem wir diese wenigen Nachrichten über N. verdanken, lobt seine Porträts mit Recht wegen ihrer Lebendigkeit, ihres wahren Colorits, ihrer Haltung und guten Technik und in der That sind sie charakteristisch und lebendig aufgefaßt, bestimmt und sicher gezeichnet, sorgfältig modellirt und von leuchtendem Colorit. Gegenwärtig sind nur wenige Bilder dieses Meisters bekannt, zum großen Theil wohl deshalb, weil sie meist andern Malern, wir z. B. dem jüngeren Hans Holbein, zugeschrieben werden. Das bekannteste derselben ist das schöne Bild des berühmten Nürnberger Schreibmeisters Johann Neudörfer und seines Sohnes, jetzt in der Pinakothek zu München.

    • Literatur

      Sandrart, Deutsche Akademie. — Bergau in der Wartburg, Jahrg. VIII, Nr. 3 und in der Zeitschrift für Kunst- und Antiquitäten-Sammler, Bd. II, Nr. 13.

  • Autor/in

    R. B.
  • Empfohlene Zitierweise

    B., R., "Neufchatel, Nicolas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 490 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122466705.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA