Lebensdaten
1458 bis 1541
Geburtsort
Biberbach
Sterbeort
Druisheim bei Donauwörth
Beruf/Funktion
Humanist ; Historiograph ; Domkanoniker in Augsburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119554542 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Marschalk von Pappenheim, Matthäus
  • Pappenheim, Matthäus Marschalk von
  • Marschalk von Pappenheim, Matthäus
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Zitierweise

Pappenheim, Matthäus Marschalk von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119554542.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ulrich (1433–83), 1476 im Dienst Hzg. Ludwigs d. Reichen v. Landshut u. 1480 d. Augsburger Bf. Johann v. Werdenberg;
    M Anna (1433–82), aus d. Geschl. d. Schwabsberg b. Ellwangen; v. 10 Geschw überlebten nur zwei Schw, Margareta, Zisterzienserin in Niederschönenfeld, Ursula ( Anton Stettner v. Haldermannstetten. fränk. Adeliger); Verwandter Gottfried Heinrich Gf. v. (s. 2).

  • Leben

    P. studierte seit 1472 an der Univ. Heidelberg, wo er 1474 den Grad eines Baccalaureus artium erwarb. An der Univ. Ingolstadt wurde er 1475 immatrikuliert. Später studierte er an der Univ. Perugia. Dort wurde er nach einer Bemerkung in einer Handschrift, die aus seinem Besitz stammt (Bamberg, Staatsbibl., Cod. E. VII. 90 = Hist. 15, S. 2), am 26.5.1482 zum Dr. iur. can. promoviert. Ein ihm irrtümlich zugeschriebenes Studium in Paris ist wohl dadurch zu erklären, daß die Ortsbezeichnung „perusinus“ (Augsburg, Bistumsarchiv, Cod. K 80, Vorsatzblatt I r) in „Parisinus“ verlesen wurde. 1492 gelangte P. in den Genuß der Propstei des Stifts St. Gertrud in Augsburg, worauf er 1498 verzichtete. Als Kanoniker am Augsburger Dom ist er erstmals zum 7.10.1493 bezeugt. 1496 wurde er zum Domkustos bestellt. Im selben Jahr erhielt er ein Kanonikat am Stift Ellwangen. Seit dem 8.4.1500 gehörte er der Hl. Geist-Bruderschaft in Rom an. Der begüterte Domherr, der dem Augsburger Bischof Christoph v. Stadion 1521 ein Darleben von 2000 Gulden gewährte, war ein Förderer der Augsburger Dombibliothek, für die er 1524-29 mindestens acht Handschriften (Clm 258, 3721, 3735, 3740, 3787, 3811, 3850, 3888) und einige Drucke auf eigene Kosten erwarb. Mit den Humanisten Konrad Celtis (1459–1508) und Johann Aventinus (1477–1534) sowie dem Ingolstädter Kontroverstheologen Johannes Eck (1486–1543) stand P. in freundschaftlichem Kontakt.

    P, der Mitglied der Sodalitas litteraria Augustana war, der u. a. Konrad Peutinger (1465–1547), die Brüder Bernhard (1459–1523) und Konrad (1482–1547) Adelmann v. Adelmannsfelden sowie der nachmalige Erzbischof von Salzburg Kardinal Matthäus Lang (1468/69-1540) angehörten, beschäftigte sich in seinen eigenständigen Schriften vor allem mit genealogischen Fragen. Eine Schrift „De suprema potestate Papae Vicarii Petri apostoli“ scheint nicht erhalten. In einer umfänglichen Handschrift (Stuttgart, Württ. Landesbibl., Cod. HB V 53), die sicher vor 1505 entstanden ist, stellte er Nachrichten über Augsburger Bischöfe und Domkanoniker sowie Exzerpte aus annalistischen Werken zur Geschichte Augsburgs zusammen. Einige Exzerpte aus Annalen und Chroniken wurden erst lange nach seinem Tod gedruckt. Verfasser des Chronicon Australe antiquum war P. nach W. Stelzer nicht.

  • Quellen

    Qu Die Matrikel d. Univ. Heidelberg v. 1386-1662, bearb. v. G. Toepke, T. 1, 1884., S. 338; Die Matrikel d. Ludwigs-Maximilians-Univ. Ingolstadt-Landshut-München, hg. v. G. Frhr. v. Pölnitz I/1, 1937,|Sp. 55; Die dt. Mitgll. d. Heiliggeist-Bruderschaft zu Rom, veröff. v. K. H. Schäfer, 1913, Nr. 1312.

  • Literatur

    ADB 25;
    F. A. Veith, Bibliotheca Augustana. Alphabetum II. 1786, S. 84-114 (unkrit.);
    P. Braun, Gesch. d. Bischöfe v. Augsburg, III, 1814, S. 597-99;
    A. Ruland, Geschichtl. Nachr. üb. d. ehem. Domstiftsbibl. z. Augsburg, in: Archiv f. d. Gesch. d. Bisthums Augsburg 1, 1856, S. 35, 76 f., 89-91, 97, 103;
    T. Wiedemann. Johann Turmair, gen. Aventinus, 1858, S. 70-72 (W-Verz.);
    O. Leuze, Eine Hs. d. M. M. v. P. zu B., in: Archiv, f. d. Gesch. d. Hochstifts Augsburg 4, 1912-15, S. 433-35;
    Ma. Bibl.kataloge Dtld.s u. d. Schweiz 3/1, bearb. v. P. Ruf, 1932, S. 11;
    B. Kraft, Die Hss. d. Bischöfl. Ordinariatsbibl. in Augsburg, 1934, S. 93;
    A. Haemmerle, Die Canoniker d. hohen Domstiftes z. Augsburg bis z. Saecularisation, 1935, Nr. 43;
    ders., Die Canoniker d. Chorherrenstifte St. Moritz, St. Peter u. St. Gertrud in Augsburg bis z. Saecularisation, 1938, Nr. 24;
    K. Schottenloher, Der Humanist u. Gesch.forscher Dr. M. M. v. P. (1458-1541) als Bücherfreund, in: Das Antiquariat 7, 1951, S. 9 f.;
    E. Mildner, Das Ellwanger Stiftskap. in seiner persönl. Zusammensetzung, Diss. Tübingen 1969, Nr. 134;
    F. Zoepfl, in: Lebensbild(er) Bayerisch Schwaben 19, 1973, S. 15-34 (W-Verz., P);
    Die Hss. d. württ. Landesbibl. Stuttgart, 2. R. 2.2, beschrieben v. W. Irtenkauf u. I. Krekler, 1975, S. 61;
    H. Spilling, Hss. d. Augsburger Humanistenkreises, in: Renaissance- u. Humanistenhss., hg. v.J. Autenrieth, 1988, S. 80;
    W. Stelzer, M. M. v. P.-B., das ihm zugeschriebene Chronicon Australe u. d. Wiener cvp 352, in: MIÖG 104, 1996, S. 324-30.

  • Portraits

    Holzschnitt v. H. Burgkmair d. Ä., 1530, in: Cgm 1292. Abb. b. Zoepfl. s. L.

  • Autor/in

    Georg Kreuzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Kreuzer, Georg, "Pappenheim, Matthäus Marschalk von" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 50-51 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119554542.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pappenheim: Matthäus v. P., zur Biberbachschen Linie seines Geschlechts gehörig, wurde am 1. Juli 1458 geboren. Er wendete sich dem Studium der Wissenschaften zu und erwarb sich in Paris 1482 die Würde eines Doctors beider Rechte. 1492 wurde er Propst bei St. Gertraud in Augsburg, 1494 Canonicus am dortigen Dom und wieder zwei Jahre darauf Canonicus am Stift zu Ellwangen. Ob er hernach noch eine andere kirchliche Stellung eingenommen hat, vielleicht zu seinem Canonicat am Dom zu Augsburg zurückgekehrt ist, läßt sich nicht mit Sicherheit ermitteln; bei seinem Tod erscheint er als canonicus Augustanus. Daß er schon 1499 oder 1511, wie Jöcher behauptet (s. Literatur), der überhaupt über ihn meist Unrichtiges schreibt, gestorben sei, ist falsch. Er starb vielmehr sicher im J. 1541, denn in dem noch anzuführenden Buche über das Herkommen seiner Familie (de origine etc.) heißt es ausdrücklich: „1541 reverendus vir et dominus Matheus Marescalcus in Biberbach j. u. doctor et canonicus. autor hujus libri, obiit in Treusbaim, ubi et sepultus est, die Veneris ante festum Galli“ (Treushaim jetzt Druisheim und Biberbach, beide im bair. Bez.-A. Wertingen im Kreis Schwaben.) Er betrieb mit Vorliebe historische Studien, eine Neigung, der wir eine Anzahl geschichtlicher Schriften verdanken, welche freilich erst nach seinem Tode durch den Druck veröffentlicht wurden. In erster Linie ist hierbei die Geschichte seiner eigenen Familie zu nennen, sie führt den Titel: „De origine et familia illustrium dominorum de Calatin, qui hodie sunt domini a Pappenheim, S. R. Imp. marescalei haereditarii.“ Die Herausgabe dieser Schrift mit einer deutschen Uebersetzung und einem Anhang ließ sein Familiengenosse Johann v. Pappenheim von einem Sachverständigen (hisoriarum studioso) 1554 besorgen, gedruckt wurde sie von Philipp Ulhardt. Die vier zunächst zu nennenden Schriften nahm 1600 Freher in sein Sammelwerk: Germanicarum rerum scriptores auf, nämlich „Chronica Australis“ von 852—1326 in 2 Abtheilungen. Von Bedeutung ist nur der zweite Theil, der eigentlich nur eine Partie des ersten genauer behandelt, unter dem besonderen Titel: „Australis historiae pars plenior“ von 1276—1303. Der Verfasser, der ein flüssiges und correctes Latein schreibt, steht hier ganz auf der Seite der Habsburger, zu vergl. seine Verurtheilung des Königs Adolf v. Nassau. Ferner: „Ex chronica Augustensi antiqua excerptum etc.“|von 973—1104, eine unbedeutende und magere Compilation der Reichsgeschichte jenes Zeitraumes, in welcher er an einzelnen Stellen der Wendenchronik Helmold's (Helmoldi Chronica Slavorum) folgt, ohne sich z. B. dessen feindselige Beurtheilung Heinrichs IV. anzueignen. „Alia pars chronicae monasterii SS. Udalrici et Afrae etc.“ von 1152—1265 enthält nur eine kurze Aneinanderreihung annalistisch geordneter Begebenheiten aus der Stauferzeit. Endlich „Chronica Elwangensis monasterii excerptum etc.“ von 1095—1477, besteht aus dürftigen chronistischen Notizen, die sich auch da nicht erweitern, wo sie das 15. Jahrhundert betreffen. Man steht, daß P. ein Freund geschichtlicher Dinge war und es liebte, Chroniken, die ihm zur Hand kamen, zu „excerpiren“, von einer selbständigen Thätigkeit ist keine Rede. Er verstand es dagegen, gewissenhaft genealogischen oder verwandten Fragen nachzugehen: auf diesem Gebiet lag seine Stärke. Dies beweist schon die angeführte Geschichte seiner eigenen Familie; in dieser Richtung bewegen sich auch die folgenden Schriften: „Tractatus seu historia de origine progressuque baronum de Geroldheim." — „ De antiquitate et initio civitatis episcopatusque Augustensis". — „Genealogiae S. Udalrici, S. Simperti etc.“ — „Calalogi episcoporum, praepositorum, canonicorum August.“ — „Chronik der Truchsesse von Waldburg.“ F. A. Oefele (s. unten Veith) schreibt ihm auch noch die Autorschaft einer Abhandlung zu: „De suprema potestate papae vicarii Petri apostoli.“ Von seinen näheren Lebensumständen ist wenig bekannt; das Wenige, was wir wissen, entnehmen wir seinen Schriften über seine Famille; in dieser machte ihm besonders sein streitsüchtiger Oheim Tristam viel zu schaffen. Im Umgang mit gelehrten und gleichgesinnten Freunden bestand seine Freude. Er gehörte zu dem Augsburger Humanistenkreis, dessen Haupt Konrad Peutinger war. Der Letztere schätzte das Wissen Pappenheim's und zog ihn öfters brieflich über wissenschaftliche Fragen zu Rath. Auch der bekannte Ingolstädter Theologe Dr. Eck schätzte P. und nannte ihn 1515 in einer öffentlichen Rede unter den durch Gelehrsamkeit ausgezeichneten Zeitgenossen. Mit dem bairischen Geschichtsschreiber Aventin stand er in brieflichem Verkehr. Wir besitzen noch einen Brief vom 10. Dec. 1526 (Werke Avent. I, 625), worin P. und Konrad Adelmann von Adelmannsfelden gemeinsam den baierischen Forscher auffordern, die glänzenden Resultate seiner ausgedehnten historischen Studien baldigst zu veröffentlichen.

    • Literatur

      Veith, Bibl. Aug. II. — Jöcher, Allg. Gel.-Lexikon. —
      Freher, Germanicarum rerum scriptores. — Pl. Braun, Gesch. d. Bisch. v. Augsburg.

  • Autor/in

    Wilhelm Vogt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogt, Wilhelm, "Pappenheim, Matthäus Marschalk von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 161-162 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119554542.html#adbcontent

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