Lebensdaten
um 1440 bis 1513
Geburtsort
Ravensburg
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Historiograph ; Genealoge ; Chronist ; Geograph
Konfession
-
Normdaten
GND: 119115018 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sunthaym, Ladislaus
  • Sundhaim, Ladislaus
  • Sunthain, Ladislaus
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Zitierweise

Sunthaim, Ladislaus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119115018.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Bürgerfam. in R.;
    V Konrad (?), 1439 Student in W.;
    M N. N.; vermutl. Verwandter Klaus (erw. 1472–91), 1480–85 Stadtammann in R.

  • Leben

    S. begegnet erstmals 1460 in der Wiener Universitätsmatrikel. 1465 Baccalaureus geworden, schlug er in Wien eine Klerikerlaufbahn ein. Er hatte drei Meßpfründen am Stephansdom, bevor er 1504 ein Kanonikat an derselben Kirche erhielt. Seit 1500 erhielt er finanzielle Zuwendungen als Historiograph und „cronickmaister“ Maximilians I.

    Aufgrund seiner fundierten genealogischen Forschungen war S. zunächst der führende Kopf des Gelehrtenkreises, der gemeinsam mit dem Herrscher das singuläre Ruhmes- und Erinnerungswerk Maximilians konzipierte, von dem der „Weißkunig“ und der „Theuerdank“ nur die bekanntesten Werktitel sind. Seit 1505 verdrängte ihn der zu gewagteren genealogischen Konstruktionen bereite Jurist Jakob Mennel (um 1460–1526) aus dieser Position. Zwei große Interessengebiete bestimmten S.s Studien: die landesbeschreibende Geographie und die Genealogie des Adels. Wenn es an Geld und Schreibern nicht fehle, schrieb er 1503 an Matthäus Lang, wolle er sich beeilen, sein Wissen in zwei Büchern zusammenzufassen, das eine vom Adel, das andere von Ländern, Städten, Klöstern und Flüssen.

    S.s Werke liegen v. a. in mehreren Sammelhandschriften vor. Die wohl weitgehend auf ausgedehnten eigenen Reisen fußende Beschreibung oberdt. Regionen (um 1500) in den Stuttgarter Codices hist. 2° 250 und 249 liefern überwiegend nüchterne topographischstatistische Notizen, die aber immer wieder mit reizvollen Beobachtungen angereichert werden. Sie waren für Sebastian Münsters „Kosmographie“ (Erstausgabe 1544) eine wichtige Quelle. Die geographischen Arbeiten S.s, zu denen auch eine auf seine Materialien zurückgehende Beschreibung Österreichs gezählt werden darf, sind zu sehen vor dem Hintergrund der kosmographischethnographischen Darstellungen des Humanismus und des ambitionierten Plans von Konrad Celtis zu einer „Germania illustrata“. Mit dem Poeten Celtis verband S. ein enges, wenn auch nicht immer konfliktfreies Verhältnis.

    Wie Mennel und Matthäus Marschalk v. Pappenheim (1458–1541) kann S. als Pionier der „modernen“ Genealogie gelten. In einer Zeit, die noch keine genealogischen Nachschlagewerke kannte, war es eine große Leistung, Ordnung in die Stammfolgen mitteleurop. Dynastien zu bringen – neben den Habsburgern dokumentieren die Sammelbände beispielsweise auch die Welfen, Wittelsbacher und Württemberger. Bereits die anläßlich der Heiligsprechung des Babenbergerherzogs Leopold 1485 für das Stift Klosterneuburg verfaßte Babenberger-Genealogie „Tabulae Claustroneoburgenses“ (1491 anonym in Basel gedruckt) demonstrieren S.s Kennerschaft im Umgang mit der hochmittelalterlichen Quellenüberlieferung.|S. gehörte zum neuen Typ des „reisenden Historikers“ (F. Eheim), der insbesondere in klösterlichen Bibliotheken und Archiven auf Quellensuche ging. Integriert in die Wiener humanistische Sodalitas, kann S. dennoch nicht als Humanist betrachtet werden, wählt man den programmatischen Bezug auf die Antike als Kriterium. Seine historischen Studien ordnen ihn vielmehr den ausgeprägten retrospektiven Strömungen der Zeit um 1500 zu, wie sie damals nicht nur am dt. Königshof gepflegt wurden, sondern auch im „monastischen Historismus“ reformierter Benediktinerklöster (mit Johannes Trithemius, 1462–1516, an der Spitze) und im Kontext der ritterlichen Altertümern nachspürenden „Ritter-Renaissance“ (z. B. im Wappenbuch des Konrad Grünenberg, vor 1442–um 1494).

  • Werke

    A. F. Oefele, Rerum Boicarum Scriptores, Bd. 2, 1763, S. 557–644;
    K. Uhde, L. Sunthayms geogr. Werk u. seine Rezeption durch Sebastian Münster, 2 T., 1993.

  • Literatur

    ADB 37;
    F. Eheim, L. Sunthaym, Leben u. Werk, Diss. masch. Wien 1949, ders., L. Sunthaym, Ein Historiker aus d. Gelehrtenkreis um Maximilian I., in: MIÖG 67, 1959, S. 54–91;
    R. Perger, Sunthaym-Btrr., in: Adler 10, 1974/76, S. 224–39;
    R. Götz, Wege u. Irrwege frühneuzeitl. Historiographie, 2007, S. 25–32;
    K. Uhde, L. Sunthayms geogr. Werk (s. W);
    K. Graf, Gottfried Wilhelm Leibniz, L. S. u. d. süddt. Welfen-Historiographie, in: Leibniz als Sammler u. Hg. hist. Quellen, hg. v. N. Gädeke (in Vorbereitung);
    Vf.-Lex. MA2;
    Hist. Lex. Wien;
    Killy;
    Repert. Fontium.

  • Autor/in

    Klaus Graf
  • Empfohlene Zitierweise

    Graf, Klaus, "Sunthaim, Ladislaus" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 706-707 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119115018.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Suntheim: Ladislaus v. S., Chronist und Geograph, 1513, entsproßte einem Patriciergeschlecht der oberschwäbischen Reichsstadt Ravensburg. Seine Studien waren ursprünglich der Theologie gewidmet und zwar scheint er sie auf der Universität Wien gemacht zu haben, an welcher er im J. 1460 zum Procurator (Geschäftsführer) der rheinischen (d. h. westdeutschen) Nation gewählt wurde, wodurch wahrscheinlich wird, daß er dort auch magistrirte und Vorlesungen zu halten anfing. Abgesehen von einer mehrjährigen Function als Caplan am Hofe des Herzogs Sigmund in Tirol ( 1496), blieb er auch später in Wien. Gleich nach Sigmund's Tod scheint er dahin zurückgekehrt zu sein; denn noch im selben Jahre finden wir ihn als Meßpriester im Stephansdome amtend. Auch die dortigen gelehrten Kreise zogen ihn an, er wurde Mitglied der unter der geistigen Leitung des Konrad Celtis stehenden Donaugesellschaft, und wenn er auch den Celtis selbst nicht zu seinen verläßlichsten Freunden zählte (Brief v. J. 1503), so war ihm um so mehr der einflußreiche Cuspinian gewogen. 1498 wurde S. von Kaiser Maximilian zum Hofcaplan, und bald darauf auch zum Hofhistoriographen ("Chronikmeister“, „Chronikmacher") ernannt. Der Kaiser hatte großartige Pläne, an deren Verwirklichung S. im Verein mit Johann Stabius und Jakob Manlius (Mennel) arbeiten sollte: die|Geschichte des habsburgischen Hauses sollte auf breitester Grundlage neu aufgerichtet, und zu dem Ende deutsche, französische und italienische Archive durchforscht, Chroniken in weitem Umfang studirt, Monumente, besonders Grabmäler mit ihren Inschriften genau untersucht werden. Maximilian interessirte sich namentlich für die genealogische Seite des Unternehmens, und so erschien ihm S. wohl besonders befähigt zur Mitarbeit, weil er im J. 1491 zu den im Kloster Neuburg aufgestellten Stammtafeln der Babenberger den Text geliefert hatte (freilich unter Zugrundelegung von Ebendorfer's Chronik). Um seiner neuen Aufgabe zu genügen, sammelte S. mit großem Eifer Chroniken; er spricht von fünf Reisen, in welchen er viele Länder und Klöster gesehen und viele Historien zusammengebracht habe. War ja doch z. B. eine der ihm vom Kaiser aufgegebenen Arbeiten das „Zusammenstimmen“ (kritische Vergleichung) der österreichischen, sächsischen und bairischen Chroniken. Seine eigenen Ausarbeitungen waren theils genealogischer, theils geographischer Natur. Eine habsburgische Stammesgeschichte, bis zu einem mythischen Helden aufwärts und bis zur Gegenwart herabgehend, hatte S. schon 1505 fertig; aber der Kaiser fand sie unbrauchbar und veranstaltete (1509) einen Zusammentritt Suntheim's mit Mennel zu gemeinsamer Ausarbeitung eines neuen Stammbaums, welcher aber wieder bei dem kritischen Stabius keiner Billigung begegnete; S. war fortan nicht mehr hierbei betheiligt. Jahre lang (bis mindestens 1511) arbeitete er dagegen an andern Genealogien von fürstlichen Häusern, welche mit dem habsburgischen näher oder entfernter verwandt waren; viele derselben hat Oefele (SS. rer. Boic. 2, 557—644), die der Welfen Leibniz (SS. rer. Brunsvic. 1, 801—806) veröffentlicht. Sie sind freilich ohne die nöthige Kritik geschrieben und fast werthlos. Ein entschieden größeres Verdienst erwarb sich S. dadurch, daß er, was auch mit zum Plane Maximilian's gehörte, die Herrschaftsgebiete der verschiedenen fürstlichen Häuser beschrieb. Diese durchaus deutsch geschriebenen Schilderungen gab er theils den Genealogien der betreffenden Häuser bei, theils vereinigte er sie in einem für sich bestehenden Buche (zwischen 1498 und 1503). In der ersten Gestalt sind sie bei Oefele a. a. O. zu lesen, von der zweiten veröffentlichten größere Proben Franz Pfeiffer (Das Donauthal im Jahrb. f. vaterl. Gesch. S. 275 ff. Wien 1861) und Jul. Hartmann (das ganze jetzige Württemberg in den Württ. Vierteljahrsh. Jahrg. VII, 1884, S. 125 ff.), während das Manuscript sich noch weiter über Vorarlberg und Tirol, die Bodenseegegend, Baden, das Elsaß, Franken u. s. w. verbreitet. Der vielgereiste Mann giebt hier in anspruchsloser Weise die Früchte eigener Anschauung und unmittelbarer Erkundigung, mannichfach belehrend über alte Topographie und Wirthschaftsgeschichte. All diese Arbeiten fanden sich ungedruckt in dem Nachlaß, über welchen S. am 29. Juli 1512 testamentarisch verfügte. Er starb im Laufe des Januar 1513, nachdem er auch das zuletzt (seit 1504) von ihm bekleidete Kanonikat am Stephansdom altershalber hatte aufgeben müssen.

    • Literatur

      Aschbach, Geschichte d. Wiener Univ. II, 577 ff. — Ant. Mayer, Geschichte d. geist. Cultur in Niederösterreich I, 225 ff. —
      Jahrb. d. kunsthist. Sammlungen des Kaiserhauses Bd. 1, 2, 3, 5 (s. die Regg.), 7, wo die Abh. von Laschitzer über die Genealogie Maximilian's I. — Ulmann, Kaiser Maximilian I. Bd. II, 736. 750. 751.

  • Autor/in

    Heyd.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heyd, Wilhelm von, "Sunthaim, Ladislaus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 161-162 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119115018.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA