Lebensdaten
1784 bis 1859
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Mainberg bei Schonungen (Landkreis Schweinfurt)
Beruf/Funktion
Industrieller ; Chemiker ; Erfinder des Schweinfurter Grün
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119473771 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sattler, Johann Christian Wilhelm
  • Sattler, Wilhelm
  • Sattler, Johann Christian Wilhelm
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Zitierweise

Sattler, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119473771.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gottlieb (1739–1807), Kaufm. f. Kolonialwaren u. Drogen in K., S d. Gottfried (1700–72), Kaufm. in Hann. Münden, u. d. Rosine Christine Hiltemann;| M Caroline (1755–1837), aus Braunschweig. T d. Joachim Andreas Teichmann, Buchhalter b. d. braunschweig. Berghandlung, u. d. Berta Henriette Küster;
    Schweinfurt 1809 Katharina (1789–1861), Zeichnerin. Malerin (s. Fränkische Lebensbilder II, 1922; NDB VI*; AKL), T d. Conrad Geiger (1751–1808), Kunstmaler in Schweinfurt (s. NDB VI), u. d. Johanna Barbara Schöner (1757–1822);
    6 S u. a. Jens (Johann Caspar) (1810–80), Wilhelm (1813–92), Georg Carl Gottlieb (1818–85), übernahmen d. väterl. Geschäft (alle s. Einl.), 7 T u. a. Jacobine Amalie Friederike (* 1822, Philipp Schwarzenberg, 1817–85, Dr. phil., 1837-47 Bes. u. techn. Leiter d. chem. Fabriken in Ringenkuhl b. Großalmerode, emigrierte 1849 in d. Schweiz, dann n. Florenz, seit 1866 Großgrund- u. Bergwerksbes. in Kassel, S d. Ludwig Schwarzenberg, 1787–1857, Advokat, 1835-57 Oberger.anwalt in Kassel, beide 1848/49 Mitgl. d. Frankfurter NV, beide s. Biogr. Hdb. Frankfurter NV);
    E Karl Fichtel (1863–1911), Kaufm. in Schweinfurt.

  • Leben

    Nach der Schulausbildung in Kassel und bei einem Landpfarrer absolvierte S. seit 1799 eine kaufmännische Lehre im Kolonial- und Drogenhandel in Hannoversch Münden und trat 1805 als Geschäftsführer in die Bleiweißfabrik des Johann Georg Gademann (1754–1813) in Niederwerrn ein. 1808 machte er sich im benachbarten Schweinfurt selbständig. Die gemeinsam mit dem Apotheker Friedrich Wilhelm Ruß (1779–1843) erzielten wesentlichen Fortschritte auf dem Gebiet der Mineralfarbenherstellung (u. a. 1814 „Schweinfurter Grün“) und die unter dem Eindruck der Kontinentalsperre betriebene Entwicklung eines Sagosurrogats aus Kartoffeln und dessen Export u. a. nach Frankreich waren entscheidend für den frühen Erfolg der S.schen Unternehmungen. Mit der Errichtung von Fabriken zur Produktion von Tapeten 1822 (Schloß Mainberg) sowie Zucker und Steingut 1829 (Schloß Aschach) erschloß er sich weitere Geschäftsfelder. Zoll- und steuerpolitische Erwägungen spielten eine Rolle beim Aufbau ausländischer Produktionsstätten im preuß. Langensalza und in Prag-Schmichow. Bereits Ende der 1820er Jahre beschäftigte S. in seinen frank. Fabriken mit 400-460 Personen ein gutes Sechstel aller industriellen Arbeiter in Unterfranken. Geschäftlicher Erfolg, staatsbürgerliches und soziales Engagement machen S. zu einem herausragenden Exponenten des frühindustriellen Unternehmertums in Bayern. In seinen öffentlichen Ämtern (1824-46 Mitgl. d. Kollegiums d. Gemeindebevollmächtigten, seit 1840 dessen Vorstand; 1826 Mitgl. d. bayer. Komm. z. Beratung d. neuen Zolltarife, 1829 u. 1842 Landrat. 1845-48 LTabg., Mitgl. d. Polytechn. u. d. Landwirtschaftl. Ver., Mitgl. d. Handelskammer, Wechselger. -Assessor) setzte sich S. – neben der Förderung von Handel und Industrie, von Straßen- und Brücken-, Schul- und Spitalbau – v. a. für den Eisenbahnbau, den Abbau der Zollschranken und die Einführung der Briefmarke ein. Der Freimaurer S. stritt für die Gleichberechtigung aller Staatsbürger und gegen alle Ausnahmegesetze (Judenemanzipation). In der Landtagssession 1847 hatte er den Vorsitz des Ausschusses für Steuerfragen inne. Nach eigener Aussage war er an der Landtagsadresse an Kg. Ludwig I. vom 2.10.1847 beteiligt, in der die Märzforderungen vorweggenommen wurden. Aktiven Anteil an der Revolution 1848/1849 nahm S., im Gegensatz zu seinem Sohn Wilhelm und seinem Schwiegersohn und vertrauten politischen Briefpartner Philipp Schwarzenberg (1817–85) nicht. Das große Engagement seiner Kinder in der religiösen Oppositionsbewegung des Dt.katholizismus hat er geduldet, wenn nicht gefördert. Nach 1848 zog er sich aus den öffentlichen Ämtern zurück. – Goldenes Civil-Verdienst-Ehrenzeichen (1827); Rr.kreuz d. Verdienstordens v. hl. Michael (1840).

  • Werke

    Das alte Schloß Mainberg u. seine Bewohner, 1836, 21854;
    Teilnachlaß:
    StadtA Schweinfurt u. Städt. Slgg. Schweinfurt.

  • Literatur

    L. Bechstein. Kunstfleiß u. Gewerbefleiß, 1860;
    Elsbeth Sattler, in: Fränkische Lebensbilder I, 1919, S. 395-400;
    F. J. Bauer, Bürgerwege u. Bürgerwelten, 1991, S. 19-85;
    A. Brandl, in: U. Müller (Hg.), erinnern, W. S. (1784-1859) u. d. „Schwarze Einser“, 150 J. dt. Briefmarke, 1999, S. 3-32 (P);
    P. Ultsch, Die Eintracht baut e. Haus, in: Schweinfurter Heimatbll. 1966, Nr. 7-15, 1967, Nr. 1-16 (P);
    ders., in: G. Pfeiffer (Hg.), Frank. Lb. IV, 1971, S. 230-42 (P);
    ders., W. S., Der fränk. Farbenpionier, in: R. A. Müller (Hg.), Unternehmer – Arbeitnehmer, Lb. aus d. Frühzeit d. Industrialisierung in Bayern, 21987, S. 328-35 (P).

  • Portraits

    Ölgem. v. G. F. A. Schöner, 1837 (Städt. Slgg. Schweinfurt), Abb. in: Brandl (s. L), S. 24;
    Denkmal v. G. M. Arnold, 1861 (Mainberg, Friedhof), Abb. in: Mainberg, hg. v. Th. Horling u. a., 1994, S. 22.

  • Autor/in

    Uwe Müller
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Uwe, "Sattler, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 445-446 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119473771.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA