Lebensdaten
1849 bis 1913
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Elektroingenieur
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 119034573 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Slaby, Adolf Carl Heinrich
  • Slaby, Adolf
  • Slaby, Adolf Carl Heinrich
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Zitierweise

Slaby, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119034573.html [08.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus böhm. Fam.;
    V Gustav (1805–97), Buchbindermeister, 1854 Mitgl. d. Vorstands d. Ver. Berliner Buchbindermeister, S d. Joseph (1769–1835), aus Böhmen, Schneidermeister, ließ sich in B. nieder, u. d. Anna Maria Buschen (1776–1854);
    M Caroline Staegmann (1807–1922?);
    5 Geschw;
    Charlottenburg b. Berlin 1882 Julie, T d. August Beringer (1818–81), Apotheker, Chemiker, Betriebsleiter d. Fa. Gebr. Heyl & Co., Fabriken Chemischer Farben in Charlottenburg b. B., u. d. Emilie Bürkle (1829–1909);
    1 S Rudolf (1887–1963), Dr.-Ing., Maschinenbauer, Automobilkonstrukteur, gründete 1919 mit Hermann Beringer in B.-Charlottenburg d. SB-Automobil-Gesellschaft m.b.H., 2 T.

  • Leben

    S. besuchte ein Gymnasium in Berlin, studierte nach dem Abitur 1869–73 an der Gewerbeakademie Berlin Maschinenbau und wurde Lehrer für Mathematik und Mechanik|an der Provinzial-Gewerbeschule Potsdam. 1874 wurde er aufgrund eines Gutachtens von Karl Snell (1806–86) mit der Arbeit „Über die Bewegung eines schweren Punktes auf einer rotierenden Bahn“ in absentia zum Dr. phil. promoviert. 1876 habilitierte er sich an der Gewerbeakademie mit einer Arbeit über Thermodynamik für Theoretische Maschinenlehre. Auf Veranlassung seines Lehrers Franz Reuleaux (1829–1905) wurde S. 1876 als Privatdozent an die Gewerbeakademie (seit 1879 TH) berufen, blieb aber weiterhin Lehrer in Potsdam. Nach dem Besuch der Elektrotechnischen Ausstellung in München im Herbst 1882 hielt S. Vorlesungen zur Elektrotechnik; seit April 1884 leitete er das elektrotechnische Laboratorium, 1886 wurde er zum o. Professor für Theoretische Maschinenlehre und Elektrotechnik ernannt (1912 em.).

    S. gehörte 1879 zu den Mitbegründern des Berliner „Elektrotechnischen Vereins“ und leitete in den 1880er Jahren das ebenfalls neugegründete Fachorgan „Elektrotechnische Zeitschrift“. 1893 gründete er mit Wilhelm v. Siemens (1855–1919) und Emil Rathenau (1838–1915) den „Verein dt. Elektrotechniker“ (VDE), dessen Vorsitz er zusammen mit der Leitung des VDI übernahm. Dadurch erhielt S. Zugang zu Ks. Wilhelm II., dem er regelmäßig über die neuesten technischen Entwicklungen berichten mußte, woraus eine enge Beziehung entstand. Auf Anregung des Kaisers und mit dessen Unterstützung beobachtete S. im Mai 1897 die Versuche Guglielmo Marconis am Bristol-Kanal und nutzt seine Erkenntnisse zur Verbesserung der eigenen Versuchsanordnungen. Ende Juni 1897 sendete S. mit seinem Mitarbeiter Georg Gf. v. Arco-Valley (1869–1940) in Anwesenheit des Kaisers vom Glockenturm der Kirche in Sacrow bei Potsdam den ersten Funkspruch Deutschlands zu der 1,6 km entfernten „Matrosenstation“ an der Glienicker Brücke. Durch Veränderungen der Marconi-Anordnung gelang S. am 7.10.1897 auch eine Übermittlung über 21 km. 1898 entwickelte S. zusammen mit der AEG Rathenaus das System „Slaby-Arco-AEG“. Der Experimentalphysiker Ferdinand Braun (1850–1918) arbeitete ebenfalls an einem System zur Funktelegraphie, wobei er erkannte, daß sich wesentlich bessere Ergebnisse erzielen ließen, wenn Schwing- und Antennenkreis induktiv gekoppelt waren. Auch S. und Marconi übernahmen diesen Ansatz, was zu Patentstreitigkeiten führte, die 1903 durch die Gründung der „Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH“ (seit 1923 Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH) formal beendet wurden. Heute erinnern der von S. geprägte Begriff der „Funkentelegraphie“ und einige abgeleitete Bezeichnungen noch an seine Arbeiten auf diesem Gebiet.

    S.s Bedeutung liegt v. a. in seinen Verdiensten um die akademische Anerkennung des Ingenieurstandes. Er hatte wesentlichen Anteil an der Durchsetzung des Promotionsrechts für technische Hochschulen in Preußen, das der TH Charlottenburg 1899 von Wilhelm II. verliehen, und kurz danach von allen anderen Ländern im Dt. Reich übernommen wurde. Auch die Gleichstellung der Oberrealschulen und Realgymnasien mit den humanistischen Gymnasien 1900 geht wesentlich auf S.s Initiative zurück.

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h.; preuß. Geh. Reg.rat; Grashof-Denkmünze d. VDI (1902); Hon.prof. (Univ. Berlin); Mitgl. d. Ak. d. Bauwesens, d. techn. Deputation f. Gewerbe, Berlin, d. preuß. Herrenhauses (1898) u. d. Vorstands d. Akad. Ver. Hütte (1906–12); Vors. d. VDI (1906–08).

  • Werke

    Calorimetr. Unterss. über d. Kreisprozess d. Gasmaschinen, 1894;
    Die Funkentelegraphie, 1897;
    Die neuesten Fortschritte auf d. Gebiete d. Funkentelegraphie, 1901;
    Autobiogr.:
    Glückl. Stunden, 1908, 51911 u. d. T. Entdeckungsfahrten in d. elektr. Ozean, 61923 bearb. v. O. Nairz, 71926.

  • Literatur

    G. v. Arco, in: Telefunken Zs. 2, 1911, S. 103 f. (P);
    H. Günther, Pioniere d. Radiotechnik, 1926 (P);
    K.-H. Manegold, in: Berlin. Lb. VI, S. 309–24 (P, L);
    W. König, Technikwissenschaften, Die Entstehung d. Elektrotechnik aus Industrie u. Wiss. 1880–1914, 1995, S. 32–42;
    ders., Der Ks. u. sein Ing., Wilhelm II. u. A. S., 2005, S. 53–72;
    Pogg. IV–V;
    BJ 18, Tl.;
    Matschoss, Technik;
    S. v. Weiher, Männer d. Funktechnik, 1983 (P);
    Lex. Elektrotechniker;
    Lex. Naturwiss.

  • Autor/in

    Wolfgang Mathis
  • Empfohlene Zitierweise

    Mathis, Wolfgang, "Slaby, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 494-495 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119034573.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA