Lebensdaten
1819 bis 1904
Geburtsort
Insterburg (Ostpreußen)
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118931873 | OGND | VIAF: 22940385
Namensvarianten
  • Jordan, Wilhelm
  • Jordan, Carl Friedrich Wilhelm
  • Jordan, Wilh.
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Zitierweise

Jordan, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118931873.html [23.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus ostpreuß. u. pomm. Pfarrerfam.;
    V Karl August (1793–1871), Rektor, seit 1825 Pfarrer in Gumbinnen, 1832 in Ragnit, 1851 hier Sup., S d. Pfarrers Friedrich Wilhelm in Norkitten u. d. Beate Zippel;
    M Eleonore (1801–57), T d. Justizkommissars Karl Joh. Friedrich Goetsch in Treptow/Rega u. d. Henriette Aug. Hedwig Wocke;
    Pillkallen 1844 Emma (1821–92), T d. Emanuel Steinberg (1790–1854), Rittmeister a. D., Kreiskassenrendant in Pillkallen, Dir. d. Salzsteuerverwaltung in Kaukehmen, u. d. Anna Luise Moll;
    1 S, 2 T, u. a. Minka ( Wilhelm Schimmelpfeng, 1841–1913, Kaufm., Gründer d. Auskunftei Schimmelpfeng).

  • Leben

    J. studierte an der Univ. Königsberg zuerst Theologie, dann Philosophie (1842 Promotion zum Dr. phil.). 1844 ließ er sich als freier Schriftsteller und freiheitlicher Publizist in Leipzig nieder, wurde aber bald wegen seiner radikalen politischen Gedichte des Landes Sachsen verwiesen. Er ging nach Bremen und betätigte sich nach der Februarrevolution 1848 als Korrespondent der „Bremer-Zeitung“ in Paris. Im April nach Deutschland zurückgekehrt, agitierte er für die Linke in Berlin, wurde Mitglied des Frankfurter Parlaments und, nachdem er in der Polendebatte deutschnational argumentiert hatte und zur Rechten übergeschwenkt war, im Nov. Ministerialrat in der Marineabteilung des Reichsministeriums für Handel. Nach der Versteigerung der deutschen Flotte 1849 erhielt der 30jährige eine Pension, die es ihm ermöglichte, sich bis zu seinem Lebensende nur seinen dichterischen Interessen zu widmen.

    J. schrieb und übersetzte viel. Manche Werke erlebten zahlreiche Auflagen. Der ehemalige Demokrat wurde in den Jahren um 1870 zum Propagandisten neudeutscher Größe. Sehr populär wurde er als wandernder Rezitator. Er durchzog alle größeren Städte Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, Rußlands und Nordamerikas (bis nach San Francisco), um aus dem Gedächtnis Teile seines berühmt gewordenen Gedichts „Die Nibelungen“ vorzutragen. Überall feierte man ihn|als „den ersten Epiker Deutschlands“. Ganz anders freilich urteilten die zeitgenössischen deutschen Dichter (Auerbach, Fontane, Keller, Storm u. a.) über ihn. Typisch für diese Kritik ist das, was Storm 1879 an Keller schrieb: „Vor Weihnachten hatten wir auf besondere Veranlassung J. hier; er rapsodierte genau 1 ½ Stunden in unserer Aula von Siegfrieds Abschied (zur Jagd) bis inkl. zu seinem Tode; und ich hörte das denn an. Aber, Gott stehe mir in Gnaden bei! Was ist das für elendes Zeug! … Und diesen Kerl nennen Literaturgeschichten den ersten, einen gewaltigen Epiker! Das Gewaltige liegt nur im Stoff; was er dazu getan, ist roh und doch sentimental, breit und kleinlich, und wo er eine Kraft einsetzen soll, da hat er keine; nur einmal schimmerte aus Hagens Lanzenspitze für einen Dreier Poesie.“

  • Werke

    Glocke u. Kanone, 1841 (Gedichte);
    Ird. Phantasien, 1842 (Gedichte);
    Litau. Volkslieder u. Sagen, 1844;
    Ihr träumt, 1845 (Gedichte);
    Schaum, 1846 (Dichtungen);
    Demiurgos, 3 Bde., 1852-54;
    Das Interim, 1855 (Prologszene);
    Die Liebesleugner, 1856 (Lustspiel);
    Die Witwe d. Apis, 1859 (Trauerspiel);
    Shakespeares Gedichte, dt. 1861;
    Tragödien d. Sophokles, dt. 1862;
    Der epische Vers d. Germanen u. s. Stabreim, 1868;
    Die Sigfriedsage (= 1. Hälfte d. Nibelunge), 1868;
    Das Kunstgesetz Homers u. d. Rhapsodik, 1869;
    Durchs Ohr, 1870;
    Strophen u. Stäbe, 1871;
    Arthur Arden, 1873 (Schauspiel);
    Hildebrants Heimkehr (= 2. Hälfte d. Nibelunge), 1874;
    Homers Odyssee, dt. u. erklärt 1876;
    Epische Briefe, 1876;
    Andachten, 1877;
    Die Erfüllung d. Christentums, 1879;
    Sein Zwillingsbruder, 1883 (Lustspiel);
    Tausch enttäuscht, 1884 (Lustspiel);
    Festspiel z. hundertj. Feier d. Brüder J. u. W. Grimm, 1885;
    Die Sebalds, 2 Bde., 1885 (Roman);
    Zwei Wiegen, 2 Bde., 1887 (Roman);
    Die Edda, dt. 1889;
    Feli Dora, 1891;
    Episteln u. Vorträge, 1891;
    Dt. Hiebe, 1891;
    Letzte Lieder, 1892;
    Kaiser Wilhelm I. (Epilog z. Enthüllung s. Standbildes), 1896;
    Liebe, was du lieben darfst, 1897 (Schauspiel);
    Talar u. Harnisch, 1898 (Gedichte).

  • Literatur

    G. R. Roege, Die moderne Nibelungendichtung, 1869;
    K. Schiffner, W. J., 1889 (P);
    C. Weitbrecht, in: Das Literar. Echo 1, 1898;
    F. Mehring, Ein vormärzl. Literat, in: Die neue Zeit 22, 1903/04, Bd. 2, wieder in: ders., Aufss. z. dt. Lit. v. Klopstock bis Weerth, 1961, S. 390 f.;
    H. Spiero, W. J., 1906;
    BJ X;
    M. R. v. Stern, W. J., 21911;
    W. J., 6 Aufsätze z. 100. Wiederkehr s. Geb.tags, hrsg. v. P. Vogt, 1919;
    H. E. Bauer, W. J.s Demiurgos, in: Österr. Bll. f. freies Geistesleben 1, 1924;
    F. Violet, Bild u. Wort b. J., in: Von dt. Sprache u. Art, 1925;
    J. F. Wittkop, J.s Demiurgos, Diss. München 1928;
    P. Scholz, W. J.s Reden in d. Paulskirche, 1929;
    H. Schiel, W. J.s Bemühungen um Dante u. s. Nachdichtungen in Terzinen, in: Dt. Dante Jb. 20, 1938;
    F. Koch, J.s Demiurgos, 1942;
    H. E. Schroeder, Kalliopes Sohn, in: Monatshefte 40, 1948;
    A. Günther, W. J. als Freiheitssänger u. Politiker, Neue Btrr. z. Gesch. s. dichter. Schaffens u. s. pol. Betätigung bis 1849, unter Benutzung s. Nachlasses, Diss. Münster 1951 (ungedr.);
    P. Wentzcke, Ideale u. Irrtümer d. ersten dt. Parlaments, 1959;
    Kosch, Lit.-Lex. - Zur Geneal.:
    E. Grigoleit, Die Ahnen u. Nachkommen d. Dichters W. J., in: Archiv f. Sippenforschung 18, 1941.

  • Autor/in

    Clifford Albrecht Bernd
  • Empfohlene Zitierweise

    Bernd, Clifford Albrecht, "Jordan, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 605-606 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118931873.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA