Lebensdaten
1846 bis 1895
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
Techniker ; Industrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118836951 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schuckert, Johann Sigmund
  • Schuckert, Sigmund
  • Schuckert, Johann Sigmund
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Zitierweise

Schuckert, Sigmund, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118836951.html [18.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Bartholomäus (1798–1879), Büttnermeister in N.;
    M Barbara Koch (1806–73), T e. Schuhmachermeisters aus Uttenreuth b. Erlangen;
    2 B, 2 Schw;
    Nürnberg 1885 Maria Sophia (1857–1946), T d. Wilhelm Giesin, Glasermeister in Emmendingen (Schwarzwald), u. d. Johanna Hensolt; kinderlos.

  • Leben

    S. besuchte 1853-60 die Knabenvolksschule zu St. Lorenz in Nürnberg, wo der Oberlehrer Johann Friedrich Bauer sein technisches Interesse weckte und seine Ausbildung zum Feinmechaniker in der mechanischen Werkstätte von Friedrich Heller veranlaßte. Mit einem vorzüglichen Lehrzeugnis begab sich S. 1864 auf eine zweijährige Wanderschaft nach München, Stuttgart, Hannover und Hamburg. Zuletzt arbeitete er noch zwei Monate bei Siemens in Berlin, ehe er nach Nürnberg zurückkehrte und als Werkführer in das mechanisch-optische Geschäft von Albert Krage eintrat. 1869 reiste er in der Absicht, auszuwandern, in die USA und arbeitete in New York, Baltimore und Cincinnati sowie in Newark in der Telegraphenfabrik von Thomas Alva Edison, kehrte jedoch im Mai 1873 nach Europa zurück, um die Weltausstellung in Wien zu besuchen. Dort sah er erstmals elektrische Dynamomaschinen und erkannte sofort deren technische und wirtschaftliche Möglichkeiten. 1873 gründete S. in Nürnberg eine kleine Mechanikerwerkstatt in dem städt. Industriegebäude „Schwabenmühle“ an der Pegnitz. Dort führte er Reparaturen aus, baute aber schon im selben Jahr eine erste dynamoelektrische Maschine, die 18 Jahre störungsfrei lief.

    Einfallsreichtum, Fleiß, Genauigkeit und Sorgfalt bestimmten in der Folge sein Handeln; in dem rasch wachsenden Betrieb stellte S. neben Dynamomaschinen und Elektromotoren selbstregulierende Kohlebogenlampen, elektrische Stromzähler, Spannungs- und Strommesser, Schaltgeräte und Beleuchtungsrequisiten, elektrische Schiffsscheinwerfer, elektrische Lokal- und Werksbahnen sowie komplette Elektrizitätswerke her. Bereits 1879 war die Firma Schuckert in angemietete Räume der Meßthalerschen Maschinenfabrik umgezogen, damit das erweiterte Produktionsangebot bewältigt werden konnte. Auf Industrieausstellungen in Nürnberg, München, Frankfurt/M. wurden S.s Produkte mit Ehrenpreisen, Gold- und Silbermedaillen ausgezeichnet. Die Internationale Elektrizitätsausstellung in Paris 1881 prämierte seine Differential-Bogenlampe und die schwingungsarm aufgehängten Lokomotivscheinwerfer. 1882 wurde in Nürnberg die erste fest installierte elektrische Straßenbeleuchtung Deutschlands mit drei elektrischen Bogenlampen von S. in Betrieb genommen. 1891 zeigte S. auf der Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt/M. Gleichstromzentralen, eine Anlage zur Wechselstromübertragung, Stromzähler, elektrische Straßenbahnantriebe und Bühnentechnik, Elektromotoren und den damals größten Scheinwerfer der Welt. S. sollte, zusammen mit Werner v. Siemens, Walter Rathenau und Oskar v. Miller, der Jury der „World's Columbian Exposition“ 1893 in Chicago angehören, konnte dieses Amt indes krankheitshalber nicht mehr ausüben.

    In 20 Jahren hatte S. ein Werk mit mehr als 8000 Beschäftigten aufgebaut. 1883 gründete er eine Fabrikkrankenkasse, führte 1889 den Zehnstundenarbeitstag ein und schuf 1890 Pensionskassen für Arbeiter und Angestellte. Die Pläne zum Bau von Wohnsiedlungen für die Mitarbeiter und deren Familien wurden nach dem Tod dieses in seiner Zeit sozial vorbildlichen Unternehmers ausgeführt. Die letzte große Baumaßnahme unter S.s Leitung war die 1890 auf einem Gelände von 15 000 m2 im Südwesten Nürnbergs errichtete neue Fabrik, die bis heute besteht. S. hatte 1885 Alexander Wacker (1846–1922), der seit 1877 S.s Unternehmen in Mitteldeutschland vertrat und 1882 kaufmännischer Leiter geworden war, zum Teilhaber in der nun „OHG Schuckert & Co.“ genannten Firma gemacht. Unter Wackers Leitung erfolgte 1903 die Fusion mit Siemens zu den „Siemens-Schuckert-Werken“. S.s Privatvermögen erbte seine Witwe, die 1946 diese Mittel als „Sigmund-Schuckert-Stiftung“ zur Förderung des Ingenieur-Nachwuchses der Stadt Nürnberg vermachte.

  • Auszeichnungen

    Kg.-Ludwig-Preis (1876); bayer. KR (1885); Verdienstorden v. Hl. Michael (1891); Mitgl. d. Pegnes. Blumenordens (1890).

  • Werke

    Dynamometer, DRP 558, 1877;
    Dynamomaschine z. gleichzeitigen Verwendung v. Gleich- u. Wechselstrom, DRP 7701, 1878;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Siemens-Archiv, München.

  • Literatur

    ADB 55;
    J. Cassimir, in: Fränkische Lebensbilder II, 1922, S. 399-406;
    R. Cohen, Schuckert 1873-1923, FS z. 50j. Bestehen d. Ges., 1923 (P);
    S. v. Weiher, in: Ausst.kat. d. Stadbibl. Nürnberg, 1971;
    E. Lacina, J. S. S., Leben u. Werk e. Nürnberger Handwerkers, Erfinders u. Unternehmers, Dipl.arb. Erlangen-Nürnberg 1973 (Typoskript StadtA Nürnberg, Sign. Av 6704.4);
    R. Kölbel, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 69, 1982, S. 304-31 (P);
    ders., Aus d. Merkheften d. Nürnberger Industriepioniers S. S., in: Jb. f. fränk. Landesforsch. 42, 1982, S. 295-324 (P);
    ders., in: Fränk. Lb. 18, 2000, S. 213-32 (P);
    W. Ruppert, S. S., Fabricant dynamo-elektrischer Maschinen, in: Lebensgeschichten, Zur dt. Sozialgesch. 1850-1950, 1980, S. 38-65;
    A. Keuth, S. S., Ein Pionier d. Elektrotechnik, 1988 (P);
    W. J. Smolka, Alexander v. Wacker, Das Leben e. Industrie-Pioniers, 1990;
    D. Stadtler, J. S. S., 2000 (P);
    Lex. Elektrotechniker;
    Stadtlex. Nürnberg (P).

  • Autor/in

    Richard Kölbel
  • Empfohlene Zitierweise

    Kölbel, Richard, "Schuckert, Sigmund" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 627-628 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118836951.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schuckert *)Zu Bd. LIV, 238.: Johann Sigmund Sch., Begründer der Elektricitätsfirma Schuckert & Co. in Nürnberg; geboren am 18. October 1846 in Nürnberg, (kinderlos) in Wiesbaden am 17. September 1895. Aus einfacher Bürgerfamilie stammend, kam Sch. nach Besuch der Elementarschule 1859 zu dem Mechaniker F. Heller in Nürnberg in die Lehre. 1863 ging er auf die Wanderschaft, arbeitete in Stuttgart, Hannover, bei Siemens & Halske in Berlin, bei Repsold und bei Pollack in Hamburg bis 1866. Hierauf bekleidete er die Stelle eines Werkmeisters für Telegraphenbau bei Krage in Nürnberg. 1869 bis 1873 war er in Baltimore, Philadelphia und bei Edison in New-York thätig. In die Heimath zurückgekehrt, bezog er am 17. August 1863 eine kleine Werkstätte in Nürnberg. Schon 1874 baute er eine Dynamomaschine. Sch. kämpfte einen harten aber erfolgreichen Kampf für den Gleichstrom und hat um die Einführung der elektrischen Beleuchtung, der Militär-Scheinwerfer, Meßinstrumente u. s. w. große Verdienste. Seit 1884 war sein Leipziger Vertreter A. Wacker Theilhaber seiner Elektricitätsfirma, 1886 wurde diese Firma zur Commanditgesellschaft, seit 1. April 1893 zur Aktiengesellschaft. Nachmals, im J. 1902, wurde sie mit Siemens & Halske vereint. Sch., seit 1891 nervenkrank, zog sich zurück und starb nach vier Jahren an diesem Leiden. — Nachfolgende Statistik gewährt eine Anschauung von der steigenden Bedeutung der Firma: 1879: 20 Arbeiter, 4 Beamte; 1885: 170 Arbeiter, 39 Beamte; 1890: 629 Arbeiter, 136 Beamte; 1895: 1558 Arbeiter, 360 Beamte; 1893: 5329 Arbeiter, 660 Beamte. Der Umsatz betrug 1895: 18 100 000 Mark.

    • Literatur

      Mittheilungen der Wittwe Schuckert's an den Unterzeichneten.

  • Autor/in

    F. M. Feldhaus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Feldhaus, Franz Maria, "Schuckert, Sigmund" in: Allgemeine Deutsche Biographie 55 (1910), S. 616 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118836951.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA