Lebensdaten
1876 – 1966
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
Geologe ; Tektoniker ; Mineraloge ; Paläontologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 118798871 | OGND | VIAF: 2621691
Namensvarianten
  • Stille, Johannes
  • Stille, Johannes Wilhelm
  • Stille, Hans
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Stille, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118798871.html [28.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard (1847–1912), aus Bovenden, Druckereibes., Fabr., Konsul;
    M Meta Hanckes (1854–1923), aus Bremerhaven;
    2 B Karl, Oberpostrat, Eduard ( 1918), 2 Schw Ella (⚭ N. N. Günther, Dr. med.), Mietze ( Ludwig Ihssen, Dipl.-Ing., Fabr.);
    Berlin 1903 Hanna (1881–1951), aus H., T d. Carl Friedrich Wilhelm Tour(r)aine u. d. Eva Maria Friederika Katharina Dannenbaum;
    S Wilhelm (* 1905, Hildegard Meißner, 1917–83, T d. Otto Meißner, 1880–1953, Beamter, Leiter d. Büros d. Reichspräs., s. NDB 16), Dr. iur., Legationsrat, RA in , Hans jun. (* 1908), Dr. iur., Jur., Gesandtschaftsrat, Bankdir. in Frankfurt/M.

  • Biographie

    Bereits in seiner Jugend suchte S. in den Steinbrüchen um Hannover Fossilien. Nach dem Abitur 1895 am Realgymnasium in Hannover studierte er zunächst drei Semester Chemie an der TH Hannover und später Naturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Geologie in Göttingen bei Adolf v. Koenen (1837–1915). 1899 wurde S. mit den Ergebnissen seiner Untersuchungen über den Gebirgsbau des Teutoburger Waldes zwischen Altenbeken und Detmold zum Dr. phil. promoviert. Nach dem einjährigen Militärdienst (1899/1900) wurde er als kartierender Geologe der Preuß. Geologischen Landesanstalt (Berlin) angestellt (1906 verbeamtet). Sein Arbeitsgebiet im Teutoburger Wald schloß sich an das der Dissertation an und ermöglichte ihm die kontinuierliche Weiterführung seiner wiss. Arbeit.

    1904 habilitierte sich S. bei Wilhelm v. Branca (1844–1928) am Lehrstuhl für Geologie und Paläontologie an der Univ. Berlin. 1908 erhielt er einen Ruf an die TH Hannover als o. Professor für Mineralogie, Geologie und Hüttenkunde, dem er wegen der Nähe zu seinem eigenen Studienfach folgte. 1912 kurze Zeit an der Univ. Leipzig tätig (zusätzlich Direktor d. Geol.-Paläontol. Inst. u. d. Erdbebenwarte sowie d. Sächs. Geol. Landesanstalt), wechselte S. 1913 an die Univ. Göttingen, wurde aber mit Kriegsbeginn als Offizier nach Belgien eingezogen und seit 1917 als Wehrgeologe beschäftigt. Nach seiner Entlassung konnte er nach Göttingen zurückkehren (1921/22 Rektor). 1932 folgte S. einem Ruf nach Berlin. 1939 beantragte er die Gründung eines geotektonischen Instituts bei der KWG, doch war es ihm erst 1946 möglich, als Vizepräsident der Dt. Akademie der Wissenschaften im sowjet. Sektor Berlins dieses Institut zu gründen, dessen Leitung er übernahm. S. machte es sich zur Aufgabe, geohistorische, geodynamische und geomagmatische Aspekte der Tektonik stärker zu verknüpfen und geotektonische Erscheinungen zu erforschen. Als selbständige Einrichtung bestand das Institut bis 1969 und ging nach mehrfachen Umgestaltungen im Geoforschungszentrum Potsdam auf. Nach seiner Emeritierung 1950 lebte S. bis zu seinem Tod in Hannover.

    S.s naturgetreue geologische Karten bildeten die Grundlage seiner tektonischen Forschungen. 1913 stellte er seine „Zyklentheorie“ vor, derzufolge in der Erdentwicklung Phasen relativer tektonischer Aktivität mit Phasen relativer Ruhe wechseln. Parallel zu diesen geotektonischen Zyklen beschrieb er den Ablauf eines geomagmatischen Zyklus. Die von S. vorgenommene tektonische Gliederung Europas in Laurentia, Russia, Paleoeuropa, Mesoeuropa und Neoeuropa wird, wie einige andere von ihm geprägten Fachbegriffe, z. B. alpidisch oder germanotyp, zur Einordnung verschiedener Gebirgsbildungen verwendet. Ziel seiner Studien war es, Gesetzmäßigkeiten in der Tektonik zu erkennen und den Ablauf der Erdgeschichte zeitlich zu strukturieren. S. vertrat vehement die Schrumpfungstheorie der Erde nach Eduard Sueß (1831–1914). Durch detaillierte Darstellung der Abläufe bei der Formung der Erdkruste versuchte er, Argumente zur Erhärtung dieser Theorie zu liefern. Er lehnte die Theorie der Plattentektonik entschieden ab, weil diese zu S.s Zeit keine Erklärung für die Kräfte, die die Plattenbewegungen auslösen, bieten konnte. Mit seinen zeitlichräumlichen Analysen schuf er jedoch wesentliche Voraussetzungen für die Erforschung der Plattentektonik. Zu seinen Schülern zählen zahlreiche spätere Ordinarien, wie Fritz Dahlgrün (1894–1954), Hans Frebold (1899–1983), Franz Lotze (1903–71), Walther Emil Petrascheck (1906–91), Andreas Pilger (1910–97), Walter Schriel (1892–1959) und Werner Schwan (1917–2002).

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Leopoldina (1912);
    o. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. in Göttingen (1916) u. Berlin (1933, ständiger Vizepräs. 1946–51);
    korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. in München (1932), Wien (korr. 1956), Paris, Barcelona, Madrid, Oslo, Athen, Bukarest u. London;
    Dr.-Ing. E. h. (Hannover 1931);
    Dr. sc. nat. h. c. (Sofia 1939);
    Dr. rer. nat. h. c. (Tübingen 1953, Jena 1958?); Leopold v. Buch-Plakette d. Dt. Geol. Ges. (1946); Gustav Steinmann-Medaille d. Geol. Ver. (1951); Eduard Sueß-Gedenkmünze d. Österr. Geol. Ges. (1952);
    Gr. BVK (1953);
    Mineral „Stilleit“ (Zinkselenid, 1956);
    „Dorsa Stille“ im Mare Imbrium auf d. Mond (1976);
    Ehrenmitgl. d. Dt. Geol. Ges., d. Österr. Geol. Ges., d. Geol. Ver., d. Geol. Ges. Bukarest, d. American Association of Petroleum Geologists;
    – Hans Stille Medaille d. Dt. Ges. f. Geowiss. (seit 1948).

  • Werke

    186 Publl. u. a. Die Schrumpfung d. Erde, 1922;
    Grundfragen d. vgl. Tektonik, 1924;
    Die saxon. Brüche, in: Abh. d. Preuß. Geol. Landesanstalt 95, 1925, S. 149–207;
    Zur Einf. in d. Phasen d. paläozoischen Gebirgsbildung, in: Zs. d. Dt. geol. Ges. 80, 1928, S. 1–25;
    Einf. in d. Bau Amerikas, 1940;
    Das mitteleurop. variszische Grundgebirge, 1951;
    Der geotekton. Werdegang d. Karpaten, 1953;
    Die assyntische Tektonik im geol. Erdbild, 1958;
    Mithg.:
    Geotekton. Forschungen, 1937 ff.

  • Literatur

    W. Carlé, Werner – Beyrich – v. Koenen – S., Ein geistiger Stammbaum wegweisender Geologen, 1989, S. 103–466 (W-Verz.);
    W. E. Petrascheck, in: Mitt. d. Geol. Ges. Wien 59, 1966, S. 281–86 (P);
    F. Lotze, in: Die Naturwiss. 29, 1941, S. 593–99 (P);
    ders., in: Geotekton. Symposium zu Ehren v. H. S., 1956, S. III–VII (W-Verz., P);
    A. Pilger, in: Zs. d. Dt. Geol. Ges. 128, 1977, S. 1–9;
    E. Schroeder, Vom Geotekton. Inst. z. Bereich Geol., in: Zs. d. geol. Wiss. 32, 2004, S. 271–91 (P);
    H. Hiltermann, H. S. u. d. Naturhist. Ges. zu Hannover, in: Berr. d. Naturhist. Ges. 112, 1968, S. 5–8 (W-Verz.);
    Geist u. Gestalt Erg.bd. I;
    Pogg. VI u. VIII;
    Lex. Naturwiss.;
    Lex. bed. Naturwiss. (P);
    Hann. Professoren (P);
    – Qu StadtA Hannover.

  • Autor/in

    Barbara Sperling
  • Zitierweise

    Sperling, Barbara, "Stille, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 346-347 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118798871.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA