Lebensdaten
1896 bis 1971
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Paläontologe ; Geologe ; Evolutionsbiologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118755099 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schindewolf, Otto Heinrich Nikolaus
  • Schindewolf, Otto
  • Schindewolf, Otto Heinrich Nikolaus
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Schindewolf, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755099.html [21.02.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1867–1959), Konrektor in H., S d. Johann Klaus (1831–1932), Landwirt in Kammerbach, u. d. Dorothea Hüge (1834–1912);
    M Helene (1873–1932), T d. Heinrich Wilhelm Wietfeld (1820–83), Landwirt in Burgdorf, u. d. Katharina Dorothea Leseberg (1836–97);
    Kassel 1924 Hedwig (1900–2001), Lehrerin in Kassel, T d. Carl Scheel (1863–1933), Dr., Zoologe in Berlin, u. d. Emile Clara Oeffner (1878–1943);
    2 S Eberhart (* 1925), Dipl.-Berging., Geschäftsführer d. Erdgas- u. Erdölges. BEB Hannover, Grubenvorstand d. Gewerkschaften Brigitta u. Elwerath, Ehrensenator d. Univ. Hannover, Ehrenvors. d. Freundeskreises d. Univ. Hannover, Ulrich (* 1927), Dr. rer. nat., o. Prof. f. physikal. Chemie an d. Univ. Karlsruhe (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2003).

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Hannover studierte S. seit 1914 in Göttingen Naturwissenschaften, u. a. bei dem Geologen Hans Stille (1876–1966) und dem Paläontologen Rudolf Wedekind (1883–1961). Ersetzte sein Studium das zeitweilig durch Kriegseinsatz unterbrochen wurde, in Marburg fort, wohin Wedekind 1917 berufen worden war. 1919 wurde S. hier mit einer Arbeit über die Stratigraphie und die Ammoniten im Oberdevon bei der Stadt Hof promoviert. Er wurde Assistent von Wedekind, habilitierte sich 1921 und wurde 1927 apl. Professor in Marburg. Er ging dann an die Preuß. Geologische Landesanstalt in Berlin und war dort zuletzt Direktor der Sammlung und der Bibliothek. 1947 übernahm S. das Ordinariat für Paläontologie an der Humboldt-Uni v. Berlin, folgte aber 1948 einem Ruf an die Univ. Tübingen, wo er ein vorzügliches paläontologisches Institut aufbaute (1964 em.). 1933 war er in den USA, Anfang der 50er-Jahre unternahm er eine Forschungsreise in die Salt Range in Pakistan.

    S. war ein international führender Paläontologe, namentlich ein Kenner der Ammoniten, die im Laufe der Erdgeschichte bis zu ihrem Aussterben am Ende der Kreidezeit verschiedenste artenreiche Gruppen hervorbrachten. Auch mit fossilen Korallen bestens vertraut, erschien S. die bei den Ammoniten und Korallen weitgehend lückenlose Fossilabfolge als geeignetes Instrument zur Feststellung des zeitlichen Verlaufs der Evolution. Er leitete daraus 1925 die „Proterogenese“ als einen grundlegenden Evolutionsvorgang, einen Modus der Evolution, ab. Danach sollten sich neue Merkmale früh in der Ontogenese bilden und im Laufe der Evolution auf die späteren Stadien ausdehnen. Grundlegend neue Gestalten sollten also durch größere Abänderungen, „Mutationen|größeren Ausmaßes und von komplexer Wirkung“ (1944), nur in den embryonalen Frühstufen erscheinen, ohne vorangegangene Zwischenformen. Neue Baupläne sollten nicht additiv über Rassen, Arten, Gattungen usw. sondern sofort weitgehend fertig zustandegekommen sein. Der raschen Neuentstehung eines Typus folgte dessen ruhige Ausgestaltung, verbunden mit der allmählichen Aufsplitterung in kleinere Einheiten in der von Darwin formulierten Weise der Evolution. Daneben gab es Formentartung und Auflösung, schließlich Aussterben. S.s Auffassung deckte sich in vielen Punkten mit den Vorstellungen des Genetikers Richard Goldschmidt (1878–1958), wonach „hopeful monsters“ den Anfang neuer Stammesreihen bilden. Dies entsprach der Auffassung von S., daß der „erste Vogel aus einem Reptilienei kroch“. Vielfach gab es Parallelbildungen („Konvergenzen“) in verschiedenen Stammesreihen. Plötzliche Faunenbrüche („Faunenwenden“), wie an der Grenze Perm-Trias, den S. 1954 in der Salt Range in Pakistan selbst untersuchte, sollten als real anerkannt werden und eine kosmische Ursache haben. Seit 1950 vermutete er dafür eine Zunahme der Mutationen auslösenden kosmischen Strahlung. S. führte die Evolution, wie auch andere Biologen, alleine auf natürliche Ursachen zurück. Mit großer Vorsicht äußerte er sich 1964 über Parallelen in den Phänomenen in der Erdgeschichte und der menschlichen Weltgeschichte.|

  • Auszeichnungen

    Leopold-v.-Buch-Plakette d. Dt. Geolog. Ges. (1948); Mitgl. d. Leopoldina (1952) sowie d. Ak. d. Wiss. in Heidelberg, Wien, Lund u. Mainz; Dr. rer. nat. h. c. (Bonn).

  • Werke

    Weitere W Paläontol., Entwicklungslehre u. Genetik, 1936;
    Grundlagen u. Methoden d. paläontolog. Chronol., 1944;
    Wesen u. Gesch. d. Paläontol., 1948;
    Studien z. Stammesgesch. d. Ammoniten, T. 1, in: Abhh. d. Ak. Wiss. u. d. Lit. Mainz, math.-naturwiss. Kl., 1960, S. 635-743;
    Erdgesch. u. Weltgesch., ebd., 1964, S. 53-104.

  • Literatur

    H. Erben, in: Jb. d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit. Mainz, 1971, S. 75-86 (W-Verz., P);
    Neues Jb. f. Geol. u. Paläontol., Abhh. 125, FS z. 70. Geb.tag, 1966, S. XI-XXIII (W-Verz. bis 1962);
    ebd. 1972, S. 69-71 (P);
    Wi. 1969;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Gottfried Zirnstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Zirnstein, Gottfried, "Schindewolf, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 786-787 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755099.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA