Lebensdaten
um 1410 bis 1478
Geburtsort
Schlettstadt (Elsaß)
Beruf/Funktion
Buchdrucker ; Buchhändler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118783319 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mentelin, Hans
  • Mentel, Johannes
  • Mentel, Hans
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Zitierweise

Mentelin, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118783319.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus angesehener Schlettstädter Fam.;
    V Nicolaus;
    M Elisabeth N. N.;
    1) Magdalene N. N. ( um 1460), 2) Elisabeth, T d. Junkers Johann v. Matzenheim u. d. Anna v. Müllenheim ( 1473);
    2 T aus 1) Salome ( Adolf Rusch, 1489, Drucker u. Verleger in St.), N. N. ( Martin Schott, 1499, Drucker u. Verleger in St., s. Benzing, Buchdrucker), 1 T aus 2);
    E Johannes Schott (1477–1548), Drucker in St. (s. Benzing, Buchdrucker).

  • Leben

    Über M.s Jugend und Berufsausbildung liegen keine Nachrichten vor. Sein späterer Beruf als Notar setzt jedoch voraus, daß er Latein gelernt hat. Wahrscheinlich übersiedelte M. schon zu Beginn der 1440er Jahre nach Straßburg, wo er zunächst als „Guldenschreiber“ (Bücherschreiber und Kalligraph) tätig war. Eine im Auftrag der Straßburger Kartäuser angefertigte, 1444 vollendete zweibändige Abschrift der „Vita Christi“ des Ludolphus de Saxonia (British Library, London) legt davon Zeugnis ab. Wann M. als „notarius“ beim bischöflichen Hofgericht angestellt wurde, ist nicht bekannt. Das Straßburger Bürgerrecht erwarb er erst am 18.4.1447 und trat gleichzeitig in die Malerzunft ein. Auch gibt es keine Anhaltspunkte dafür, wo und wann M. erstmals mit der neuen Kunst des Buchdrucks in Berührung kam. Jedenfalls finden sich keine Hinweise auf einen Aufenthalt M.s bei Gutenberg in Mainz, wie dies bei seinem zeitweiligen Partner und späteren Konkurrenten Heinrich Eggestein als sicher gilt. Spätestens um 1458/59 muß M.s Druckerei errichtet worden sein, wohl unter Beteiligung Eggesteins und mit Unterstützung des Straßburger Bischofs Ruprecht. Möglicherweise war am Aufbau der ersten Druckerei am Oberrhein auch Berthold Ruppel, einer der frühesten Gesellen Gutenbergs und späterer Erstdrucker von Basel, beteiligt. Auf alle Fälle stand die Druckerei unter der Oberleitung M.s, dessen Name zwar erst um 1465 in der Vorrede einer seiner Augustinus-Ausgaben (GW 2871) erstmals erscheint, der aber schon seit 1461 mehrfach im Zusammenhang mit dem Verkauf von Drucken seiner Offizin genannt und in allen zeitgenössischen Quellen einheitlich als der Prototypograph Straßburgs bezeichnet wird. Daß aber zwischen M. und Eggestein auch nach Auflösung ihrer Partnerschaft enge Beziehungen bestanden, geht u. a. aus der von dem Humanisten Hieronymus Gebwiler in seiner ‚Panegiris Carolina' von 1521 überlieferten Nachricht hervor, wonach M. und Eggestein vertraglich miteinander vereinbart hatten, die in Straßburg zu dieser Zeit nur ihnen bekannte Kunst des Buchdrucks geheimzuhalten. Während M. den Beruf des Guldenschreibers nach Gründung der Druckerei offenbar aufgab, behielt er das Amt des bischöflichen Notars noch bis 1468 bei.

    M.s Druckprogramm bestand bis Ende der 1460er Jahre fast ausschließlich aus gelehrter theologischer Literatur in lat. Sprache. Der erste Druck von 1460 war eine zweibändige lat. Bibel, der ein Exemplar von Gutenbergs 42zeiliger Bibel als Vorlage gedient hatte und die wahrscheinlich noch vor der in Bamberg gedruckten 36zeiligen Bibel vollendet war. Alle weiteren Drucke M.s beruhten auf handschriftlichen Vorlagen. Sie waren meist auch die Erstdrucke der betreffenden Texte. Das gilt auch für die im ersten Halbjahr 1466 erschienene erste deutsche Bibel. Gegen Ende der 60er Jahre brachte M., vielleicht auf Anregung seines Schwiegersohnes Rusch, einige Klassikerausgaben heraus, darunter die erste lat. Ausgabe der Nikomachischen Ethik des Aristoteles sowie die Erstausgaben der Komödien des Terenz und der „Facta et dicta memorabilia“ des Valerius Maximus. Nach dem Vorbild seines einstigen Schülers Günther Zainer in Augsburg druckte M. in den 70er Jahren regelmäßig deutschsprachige Einblattkalender (Almanache), von denen sich drei für die Jahre 1473, 1476 und 1477 erhalten haben. Auffällig ist bei M. der völlige Verzicht auf gedruckten Buchschmuck. Nur eine um 1473 erschienene Ausgabe der „Etymologiae“ des Isidor von Sevilla enthält einige schematische Holzschnitte. Auch als Drucker behielt M. die Gewohnheit der Schreiber bei, das Ausschmücken der Bücher den Rubrikatoren und Illuminatoren zu überlassen. Zumindest 1466-68 war der spätere Augsburger Drucker Johann Bämler für M. als Buchmaler und Rubrikator tätig. Erst in der letzten Phase seiner Tätigkeit als Drucker brachte M. zwei voll datierte und von ihm firmierte Drucke heraus: das „Speculum historiale“ des Vinzenz von Beauvais vom 4.12.1473 und das ebenfalls Vinzenz zugeschriebene „Speculum morale“ vom 9.11.1476. Die beiden letzten Werke, die 1477 M.s Druckerei verließen, sind in jeder Hinsicht einzigartig. Es handelte sich um Ausgaben des „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach und des „Jüngeren Titurel“ des Dichters Albrecht. Dies war der erste und für lange Zeit einzige Versuch, mittelhochdeutsche Epik in ihrer originalen sprachlichen Gestalt in gedruckter Form zu präsentieren.

    M. betätigte sich auch als Buchhändler und organisierte selbst den Vertrieb seiner Drucke. Sein Schwiegersohn Rusch unterstützte ihn dabei. In ganz Süddeutschland waren Reisediener, die sog. „Mentelins knecht“, in seinem Auftrag unterwegs, darunter auch der Augsburger Buchhändler und spätere Drucker Johannes Schüssler. Neben seinem Straßburger Kollegen Eggestein und dem Mainzer Peter Schöffer war M. der erste Drucker-Verleger, der zur Förderung seines Absatzes Buchhändleranzeigen druckte, die seine Reisediener mit sich führten. Vier solche Anzeigen M.s haben sich erhalten. Daneben gelangten Drucke M.s über den Fernhandel bis an die Nordsee und weit nach Osten. Im Gegensatz zu Eggestein brachte es M. durch seine Druckerei und den damit verbundenen Buchhandel zu beträchtlichem Wohlstand.

  • Literatur

    ADB 21;
    Catalogue of Books Printed in the 15th Century now in the British Museum, Bd. 1, 1908 (Nachdr. 1963), S. XXIV, 50-59;
    E. Voullième, Die dt. Drucker d. 15. Jh., 21922, S. 142-45;
    K. Schorbach, Der Straßburger Frühdrucker J. M., 1932;
    K. Ohly, in: Btrr. z. Inkunabelkde. NF 1, 1935, S. 116-20;
    F. Ritter, Histoire de l'imprimerie alsacienne aux XVe et XVIe siècles, 1955, S. 19-36;
    F. Geldner, in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 1, 1958, S. 114-|21;
    ders., ebd. 23, 1982, Sp. 661-92, bes. 675;
    ders., Die dt. Inkunabeldrucker, Bd. 1, 1968;
    P. J. Becker. Handschrr. u. Frühdrucke mhdt. Epen, 1977, S. 243 ff.;
    D. Mertens, in: Landesgesch. u. Geistesgesch., FS f. O. Herding z. 65. Geb.tag 1977, S. 169-87;
    H. Meyer, Cinquième centenaire de la morl de J. M., 1978 (Ausst.kat.);
    P. Needham, in: Transactions of the Cambridge Bibliographical Society 9, 1986, S. 1-35;
    S. Corsten, R. W. Fuchs u. K. H. Staub (Hrsg.), Der Buchdruck im 15. Jh. I, Bibliogr., 1988, S. 595-97, 602 f.

  • Autor/in

    Peter Amelung
  • Empfohlene Zitierweise

    Amelung, Peter, "Mentelin, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 89-91 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118783319.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mentelin: Johannes M., oder wie er auch doch seltener genannt wird, Mentel, der erste Buchdrucker und Buchhändler in Straßburg, und einer der hervorragendsten Typographen des 15. Jahrhunderts überhaupt, entstammte einer|angesehenen Schlettstadter Familie und war in dieser Stadt als der Sohn des Nicolaus M., wie einige wollen um 1410, geboren. In Straßburg erscheint er vom Jahr 1447 ab und zwar als Goldschreiber (Illuminator), daher er denn auch, als er in genanntem Jahr das Bürgerrecht kauste, sich in die Zunft der Maler und Goldschmiede „zur Stelz“ einschreiben ließ. Neben diesem Beruf scheint er noch das Amt eines Notars bekleidet zu haben; wenigstens kommt ein Joh. M. notarius in gleichzeitigen Urkunden und Listen vor. Was nun sein Verhältniß zur Buchdruckerkunst anbelangt, so ist er bis in das vorige, ja bis in das laufende Jahrhundert herab von vielen geradezu für den Erfinder derselben ausgegeben worden. Gehen wir den Spuren dieser Sage nach, so führen die letzten Fäden in das Haus eines Enkels unseres Meisters, des Buchdruckers Joh. Schott in Straßburg zurück. Dieser Mann vermochte eine Schrift seines Großvaters aufzuweisen, welche Abbildungen von Werkzeugen, wie sie Buchdrucker brauchten, und außerdem eine Anleitung zur Bereitung der Druckerschwärze enthielt; daneben besaß er noch eine Vertragsurkunde, in welcher Joh. M. und Heinrich Eckstein (Eggestein Bd. V S. 674) sich verpflichteten, die neue Kunst unter sich geheim zu halten. Ob nun Schott diese Schriftstücke in majorem gloriam seines Ahnen gefälscht, ob er sie nur mißdeutet hat — letztere Annahme ist durchaus nicht ausgeschlossen — jedenfalls schrieb er auf Grund derselben seinem Großvaterdie Ehre der Erfindung der Buchdruckerkunst zu: so zum ersten Mal im Jahr 1520, indem er Mentelin's Wappen in seiner Ausgabe der Geographie des Ptolemäus abdruckte und dabei in der Umschrift des Wappens M. als primus typographiae inventor bezeichnete; dann wieder in dem Historien-Handbüchlein von 1536 mit der Ausschmückung, daß die Kunst, welche M. geheim gehalten habe, „durch Untreue“ nach Mainz gekommen und dort zuerst „ausgebrochen“ sei. Diese Behauptung Schott's, für welche auch befreundete Gelehrte eintraten, als erster 1521 Hieronymus Gebwiller, der sich dabei ausdrücklich auf die obenerwähnten Schriftstücke berief, wurde weiterhin namentlich von Elsässern (Straßburgern, Schlettstadtern) begierig aufgegriffen und eifrig weiter colportirt, von andern sodann nachgeschrieben, bis sie mit der wachsenden Anerkennung von Gutenbergs Verdienst mehr und mehr in den Hintergrund trat. Nach den eindringenden Forschungen v. d. Linde's über die ersten Anfänge der Buchdruckerkunst ("Gutenberg“. Stuttg. 1878; vgl. auch den Art. Gutenberg Bd. X. S. 218 ff.) erscheint es überflüssig, hier den sagenhaften Charakter der fraglichen Angaben näher nachzuweisen. Ist nun aber M. auch nicht der Erfinder des Buchdrucks, so steht er doch jedenfalls unter den Prototypographen in vorderster Reihe. Es darf jetzt als ausgemacht angenommen werden, daß er schon im Jahre 1460 eine lateinische Bibel im Druck fertig gestellt hat, da von einem Exemplar derselben, welches die Universitätsbibliothek in Freiburg i. Br. besitzt, der erste Band die Jahreszahl 1460, der zweite 1461 von der Hand des Rubricators trägt. Er hat also vermuthlich schon vor 1460 zu drucken angefangen, jedenfalls aber zu einer Zeit, in welcher es außer den Pressen von Gutenberg und von Fust-Schöffer in Mainz, so viel bis jetzt constatirt ist, noch nirgends eine Officin gegeben hat. Von einem dieser ersten Typographen muß er natürlich die Kunst gelernt haben; von wem und wann, darüber gibt es nur Vermuthungen. Sicher dürfte nur so viel sein, daß seine Eigenschaft als Illuminator ihn in Beziehung zur Typographie gebracht hat. Die Thätigkeit, welche M. auf dem neubetretenen Felde entwickelte und zwar meist allein, nur vorübergehend — vor 1466 — in Verbindung mit Heinr. Eggestein, später mit Adolf Rusch (Rausch), war eine höchst bedeutende. Nicht bloß, daß er eine ganze Reihe von Büchern druckte, die alle wirklich meisterhaft ausgeführt sind und unter denen sich riesenhafte Folianten befinden, wie des Joh. Balbus|a Janua Catholicon und des Vincentius Bellovacensis Specula: er betrieb auch deren Verkauf selbst, bezog mit ihnen die Messen (wohl zunächst die in Frankfurt a. M.) und verbreitete, um seine Waare leichter an den Mann zu bringen, gedruckte Zettel, auf welchen die betreffenden Werke zum Theil mit eindringlicher Anpreisung ihres Inhalts verzeichnet waren und die Käufer eingeladen wurden, in seine Herberge zu kommen. Solcher Anzeigen haben sich drei bis auf unsere Tage, je in einem Exemplar, erhalten; obwohl keine derselben Mentelin's Namen ausdrücklich nennt, so ist doch ihr Ursprung aus seiner Presse durch die Typen und durch die Zeit, der sie angehören, genügend sicher gestellt. Das eine Blatt befindet sich in der Nationalbibliothek zu Paris, das zweite in der k. Hof- und Staatsbibliothek in München (das letztere ist keineswegs, wie da und dort zu lesen ist, verloren); das dritte ist in Weigel und Zestermann, die Anfänge der Druckerkunst (1879) erstmals publicirt worden. Alle drei findet man abgedruckt bei C. Schmidt am unten anzuführenden Orte S. 147—149, die beiden erstgenannten hat neuestens H. Klemm in genauem Facsimiledruck vervielfältigen lassen. Diese drei Blätter, an sich hochinteressant, sind darum noch besonders von Werth, weil sie zur Bestimmung der Mentelin'schen Drucke beitragen. Fragen wir nämlich näher nach den Erzeugnissen von Mentelin's Presse, so ist es zu beklagen, daß unser Meister es in der Regel unterlassen hat, denselben seinen Namen, ja auch nur Ort und Jahr des Drucks in einer Schlußschrift beizufügen. Nur zwei Drucke sind bis jetzt bekannt, bei welchen er hievon eine Ausnahme gemacht hat, des Vincentius Speculum Historiale von 1473 und dessen Speculum morale von 1476 — in beiden sind Drucker, Druckort und Druckjahr genannt — und in einem dritten, in des Augustinus Tractat de arte predicandi, ist Mentelins Name wenigstens in der Vorrede erwähnt. Alle andern entbehren jeder näheren Angabe über ihre Entstehung. Da kommen nun eben jene Verlagsverzeichnisse sehr gelegen; sie geben für dreizehn Druckwerke, deren Typen auf M. hinweisen, die Bestätigung, daß sie ihm wirklich zugehören. Auch die Beischrift des Datums durch den Illuminator, die gerade bei Mentelin's Drucken besonders häufig ist, leistet gute Dienste; sie beweist bei einer Anzahl von Drucken, daß sie nicht nur in seiner Officin, sondern auch noch bei seinen Lebzeiten gedruckt worden sind. Dennoch ist die Zahl seiner Drucke noch lange nicht endgiltig festgestellt und wird es nach Lage der Sache nicht so bald werden. Es sei nur angeführt, daß Hain (bekanntlich unvollendet) 27, Panzer (mit Einschluß der deutschen Bibel) 29, Madden (Lettres d'un bibliographe. 2. sér., Versailles 1873, p. 40 sq.) nach C. Schmidt a. u. a. O. S. 93 Anm.: 21 und neuestens Klemm a. u. a. O. S. 91 ff. allein aus seiner Sammlung 27 Drucke dem Straßburger Prototypographen zuschreiben. Madden, der als erstes Druckjahr Mentelin's irriger Weise 1465 annimmt, bleibt mit seiner Angabe sicher hinter der wirklichen Gesammtzahl zurück, wiewohl schon die von ihm anerkannten 21 Drucke 41 Bände, und darunter 37 in Großfolio, ausmachen. Hervorzuheben sind aus Mentelin's unzweifelhaften Drucken die bereits erwähnte lateinische Bibel von 1460, die 1463 noch einmal von ihm aufgelegt wurde; sodann eine deutsche Bibel (mit dem handschriftlichen Datum 1466), die man unter den vorlutherischen deutschen Bibeln als die zweite zählt (diese Mentelin'schen Bibeln sollen sich nach Faulmann a. u. a. O. S. 200 durch prachtvolle Miniaturen auszeichnen); ferner eine Anzahl von Schriften des Augustinus, darunter die Confessionen und De civitate Dei, des Chrysostomus Homilien über das Ev. Matthäi (lat.), des Hieronymus Epistolae et tractatus, alles Editiones principes. Von den Drucken nichttheologischen Inhalts seien außer den Specula des Vincentius Bellovacensis genannt: des Aristoteles Ethica, Politica et Oeconomica (lat.), Isidors Etymologiae, der Canon des Avicenna (lat.) — auch diese alle Editiones principes,|endlich eine Ausgabe des Terentius, des Valerius Maximus und des Josephus. Wie groß nun aber die Zahl der Drucke Mentelin's gewesen sein mag: sicher ist, daß er als Typograph bei allen Sachverständigen sich einen hochgeachteten Namen erworben und auch finanziell sehr gute Geschäfte gemacht hat. Sein Reichthum, von dem so manche Stiftungen Zeugniß ablegen (u. A. auch ein Gedenkstein, den er 1473 für seine Familie im Wilhelmskloster in Straßburg errichten ließ und der erst 1870 mit -der dortigen Stadtbibliothek zu Grunde ging, eine Abbildung davon s. z. B. bei Oberlin, Museum Schoepflini, Argent. 1773, Tab. III und in Lempertz' Bilderheften, Cölln 1853, Taf. 2), dieser unbestreitbare Reichthum Mentelin's ist wesentlich eine Frucht seiner typographischen Thätigkeit gewesen: multa volumina castigate ac polite Argentinae imprimendo factus est brevi opulentissimus, sagt Wimpfeling von ihm in der Epitome rerum Germ., Argent. 1505, fol. 39a. So konnte unser Meister denn auch wieder um die Erneuerung des Wappens, das seine Familie einst besessen haben muß, nachsuchen und es wurde ihm dasselbe von Kaiser Friedrich III. auch gewährt, aber nicht speciell in Anerkennung seiner Leistungen als Typograph, geschweige denn, daß damit, wie man früher glaubte, den Buchdruckern überhaupt ein besonderes Wappen verliehen worden wäre. (Eine Abbildung dieses Wappens s. z. B. Faulmann a. u. a. O. S. 413.) Noch sei in Betreff Mentelin's persönlicher Verhältnisse bemerkt, daß er zweimal verehelicht war, das erste Mal mit einer Frau aus bürgerlichem Stande, Magdalena, das zweite Mal mit Elisabeth, der Tochter des Junkers Joh. v. Matzenheim und der Anna v. Mülnheim. Aus der ersten Ehe besaß er zwei Töchter, deren jede einen Straßburger Buchdrucker heirathete, die eine Adolf Rusch, die andere Martin Schott. M. starb am 12. December 1478 und wurde auf dem Kirchhof der S. Michaelskapelle an der nordöstlichen Seite des Münsters begraben. Seine Presse, die in dem Hause „zum Thiergarten“ in der Nähe des Frohnhofs stand, während er selbst im Hause „zum Dorn“ in der Dornengasse gewohnt hatte, ging in die Hände seines Schwiegersohnes Rusch, späterhin (nach Wimpfeling a. a. O.), in die des Martin Flach, richtiger aber wohl in die des Joh. Prüß über.

    • Literatur

      Vgl. außer den bekannten Bibliographien von Panzer und Hain: A. v. d. Linde, Gutenberg (bes. S. 316—330); Faulmann, Illustr. Geschichte der Buchdruckerkunst; H. Klemm, Beschreibender Katalog seines bibliogr. Museums und namentlich C. Schmidt, Zur Geschichte der ältesten Bibliotheken und der ersten Buchdrucker z. Straßburg S. 88—96, 147—152.

  • Autor/in

    Steiff.
  • Empfohlene Zitierweise

    Steiff, "Mentelin, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 370-373 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118783319.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA