Lebensdaten
1905 bis 1983
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118761595 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pittermann, Bruno

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Zitierweise

Pittermann, Bruno, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118761595.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard (1868–1951), aus Tulln, Wagnergehilfe in Steyr, dann Krankenkassenangest. Oberkontrollor in W., S d. Lorenz, Bauer u. Förster;
    M Emilie Langer (1871–1959), Köchin, Dienstmädchen;
    1930 Marie (1907–76, jüd.), T d. Dr. Leopold Amster ( 1932), aus Lemberg, u. d. Elsa Pokorny ( 1943);
    1 T Elisabeth (* 1946, Dr. Paul Höcker, * 1942, Prof. d. Med. in W.), Dr. med., Primaria am Hanusch-Krankenhaus in W., seit 1994 SPÖ-Abg. z. Nat.rat, seit 1999 Präs. d. Arbeiter-Samariterbundes Österr.

  • Leben

    Nach der Matura am humanistischen Gymnasium studierte P. 1924-28 Geschichte und Geographie an der Univ. Wien. Sozialdemokratischem Milieu entstammend, war er Mitglied in der Partei und Obmann der Sektion Universität des Verbandes der Sozialistischen Studenten. Der enge Kontakt zum Klubsekretär der SDAP, Adolf Schärf (1890–1965), verhalf ihm zu weiteren Positionen in der Partei. 1928 zum Dr. phil. promoviert, legte P. im folgenden Jahr und 1935 die Prüfungen für das Lehramt an Mittelschulen ab. Kurzzeitig unterrichtete er humanistische Fächer an der Fachschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien. Seit 1929 wirkte er als Sekretär der Kammer für Arbeiter und Angestellte in Kärnten, wo er im Bildungs-, Bibliotheks- und Sozialwesen und als Obmann der Sozialistischen Jungfront und der Kärntner Kinderfreunde tätig war, während sich seine Frau als Vorsitzende des sozialdemokratischen Frauenkomitees Klagenfurt engagierte. Im Zuge der Unruhen im Februar 1934 kurzzeitig inhaftiert, mußte P. seine Parteiämter aufgeben, arbeitete jedoch illegal für die Revolutionären Sozialisten weiter. Er nahm seine Tätigkeit als Lehrer für Geschichte, Geographie und Deutsch an einer Höheren Technischen Lehranstalt in Wien wieder auf und studierte nebenher 1928-30 und 1935/36 Rechtswissenschaften. Er schloß das Studium 1938 ab, suchte aber um die Promotion zum Dr. iur. nicht an, weil er keinen Eid auf den „Führer“ schwören wollte. Die Zulassung zum Rechtsanwaltsberuf blieb ihm damit verwehrt; 1946 holte er die Promotion nach. Bis 1944 konnten er und seine aus rassepolitischen Gründen gefährdete Frau bei einem befreundeten Rechtsanwalt unterkommen, bis Kriegsende schließlich in Oed im Piestingtal.

    1945 zunächst Sekretär des Sozial-Staatssekretärs Johann Böhm, dann Erster Sekretär der Wiener Kammer für Arbeiter und Angestellte, wurde P. im November in den Nationalrat gewählt. 1948/49 war er Sekretär der Parlamentsfraktion der SPÖ, 1949-56 geschäftsführender SPÖ-Klubobmann, 1957-71 Obmann, 1950-57 stellvertretender Obmann der SPÖ Wien. 1957-67 Vorsitzender der SPÖ, setzte sich P. für eine programmatische Erneuerung der Partei ein. Mit dem Wiener Programm 1958 sollten die marxistischen Auffassungen durch Aspekte eines humanistisch orientierten Sozialismus substituiert und eine Annäherung an die kath. Kirche erreicht werden.

    1957-66 war P. Vizekanzler und als solcher 1959-66 verantwortlich für die verstaatlichte Industrie. Zusammen mit Bruno Kreisky (1911–90) betrieb er 1959 – entgegen der engen Verflechtung der österr. Wirtschaft mit dem EWG-Raum – den Anschluß an die EFTA. Die von P. befürwortete kommunistische Wahlhilfe und die Affäre um Innenminister Franz Olah (* 1910) führten zur schweren Wahlniederlage von 1966, die vornehmlich dem Parteivorsitzenden angelastet wurde. Neuer SPÖ-Vorsitzender wurde im Februar 1967 Kreisky, P. blieb bis 1971 Abgeordneter und Klubobmann im Nationalrat. Außerdem war er 1964-76 Präsident der Sozialistischen Internationale und 1957 Vizepräsident der Beratenden Versammlung des Europarates.|

  • Auszeichnungen

    Bayerischer Verdienstorden (1959); Ehrenbürger v. Wien (1981).

  • Werke

    Parlamentär. Demokratie oder Kammerstaat?, in: Die Zukunft, 1950, Nr. 12;
    Krise d. Parlamentarismus?, ebd., 1953. Nr. 7;
    Aschenbrödel Parl., ebd., 1955, Nr. 2;
    Das Za. d. Zus.arbeit, Reden aus zwei J.zehnten, 1966. – Hg.: Mensch u. Staat. Hdb. d. österr. Pol., 2 Bde., 1962.

  • Literatur

    K. R. Stadler, Adolf Schärf. 1982;
    H. Fischer u. L. Gratz (Hg.), B. P., Ein Leben f. d. Sozialdemokratie, 1985 (P);
    P., Bibliogr. 1945-1965, Zu seinem 60. Geb.tag, in: H. Fischer (Hg.), Die Kreiskv-J., 1993;
    W. C. Müller, in: H. Dachs (Hg.), Die Politiker, Karrieren u. Wirken bedeutender Repräsentanten d. Zweiten Rep., 1995, S. 446-54;
    Munzinger;
    Hist. Lex. Wien.

  • Autor/in

    Michael Gehler
  • Empfohlene Zitierweise

    Gehler, Michael, "Pittermann, Bruno" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 489 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118761595.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA