Lebensdaten
1872 bis 1948
Geburtsort
Ottoschwanden (Baden)
Beruf/Funktion
Kirchenmusiker ; Organist ; Organologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118750380 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rupp, Emil

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Zitierweise

Rupp, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118750380.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann ( 1917), aus oberelsäß. Fam., Pfarrer in Bodersweier b. Kehl (Baden);
    M Emilie Schoch ( 1924), aus franz., in d. Elsaß eingewanderter Fam.;
    um 1907 Frieda Bentz (1879–1922), aus Kirchhardt (Baden); kinderlos.

  • Leben

    R.s musikalische Begabung wurde durch Unterricht im Orgelspiel gefördert, so daß er mit zwölf Jahren Hilfsorganistendienste leisten konnte. Nach Abschluß seiner Gymnasialzeit besuchte er 1891 das Konservatorium in Straßburg, 1894 wechselte er zum Kompositionsstudium nach München zu Joseph Rheinberger (1839–1901) und errang hier einen Ersten Preis für Kontrapunkt und Komposition. 1896/97 beendete er sein Orgelstudium bei Charles Marie Widor (1844–1937) am Konservatorium in Paris; danach war er bis 1939 Organist an der ev. Garnisonskirche St. Paul in Straßburg, seit 1914 auch Titularorganist der dortigen Konsistorialsynagoge. Unter der Ägide Ernst Münchs (1859–1928), Begründer des Wilhelmer Chors und Initiator der Straßburger Bach-Aufführungen, bemühte sich R. um ein besseres Klangideal der Orgel; 1897 lernte er Albert Schweitzer (1875–1965), damals Student an der Theol. Fakultät, kennen und schloß Freundschaft mit dem Orgelbauer Oskar Walcker (1869–1948) aus Ludwigsburg. Diesen schätzte R. seitdem als Freund, Berater und Impulsgeber bei der Umsetzung seiner Reformideen in die Praxis.

    Die Erfahrungen mit alten und zeitgenössischen Orgeln dt. und franz. Provenienz, die sich gerade im „Reichsland Elsaß“ (1871-1919) intensiv begegneten, veranlaßten R. schon 1899, eine kritische Debatte über den damaligen Orgelbau in Fachzeitschriften zu beginnen, und diese mit scharfer Polemik hauptsächlich vor dem 1. Weltkrieg und in gemäßigter Form bis in die 1930er Jahre fortzusetzen. Mit Albert Schweitzer (seit 1905) forderte er die radikale Abwehr von der (dt.) Orchesterorgel unter Hinweis auf die Vorzüge franz. Orgelbaukunst; beider Bestrebungen führten zu der Verabschiedung eines „Internationalen Regulativs für Orgelbau“ 1909 in Wien, dessen praktische Auswirkung als „elsässisch-neudeutsche Orgelreform“ in die Musikgeschichte eingegangen ist.

    Daneben bearbeitete R. biographische Themen aus der Geschichte des Orgelbaus, gestaltete etwa 2000 Orgelabende und größere Konzerte, verfaßte Rezensionen und referierte auf Fachtagungen. Über seine Kompositionen, die in den Kriegswirren verloren gegangen sind, ist so gut wie nichts bekannt. 1939 aus Straßburg nach Eygurande (Südfrankreich) evakuiert, war er 1940-43 noch einmal als Organist in Nîmes tätig. Nach zwei Verkehrsunfällen kehrte er schwerkrank 1945 nach Straßburg zurück und starb hier vereinsamt und verarmt. R. war ein Pionier, der – mehr und anders als Albert Schweitzer – den mitteleurop. Orgelbau des 20. Jh. wesentlich beeinflußte.|

  • Auszeichnungen

    ksl. Musikdir. (vor 1919); Prof. (nach 1919); Officier d'Académie (nach 1919).

  • Werke

    u. a. Die elsäss.-neudt. Orgelreform, 1910;
    Der Normal- u. Einheitsspieltisch, 1910;
    Charles Marie Widor u. sein Werk, 1912;
    Abbé Vogler als Mensch, Musiker u. Orgelbautheoretiker, 1923;
    Die Entwicklungsgesch. d. Orgelbaukunst, 1929;
    Les sommiers et la traction de l'orgue, Compte-rendu du congrès d'orgue tenu à l'Univ. Strasbourg du 5 au 8 mai 1932, 1934;
    Aufss.
    v. a. in d. Zs. f. Instrumentenbau, u. a.: Hochdruck, 19, 1898/99, S. 346 ff.;
    Cavaillé-Coll u. d. dt. Orgelbau, 21, 1900/1901, S. 436, 461, 624;
    Zur Reform der Mensuren d. Orgelspieltisches, 25, 1904/1905, S. 476 f., 507;
    Die Orgel d. Zukunft, 27, 1906/1907-30, 1909/10;
    Nachruf auf Carl Walcker. 28, 1907/1908, 833 f.;
    Orgelrevisoren u. Orgelreform, 32, 1911/1912, S. 1376;
    Entwicklung d. Spieltischfrage im modernen Orgelbau, 33, 1912/1913, S. 1199;
    Welches ist d. Sinn d. seinerzeit v. Elsaß abgegangenen, im Zeichen d. Silbermann-Renaissance stehenden Orgelreform?. 51, 1930/1931, S. 399-401;
    Auswirkung d. Reform im franz. Orgelbau, 55, 1934/35, 208-211;
    Das nahe Ende d. Einzelventil-Orgelwindlade, 59, 1938/1939, 187 ff.

  • Literatur

    W. Metzler, Romant. Orgelbau in Dtld., 1965, S. 80-91;
    P. Meyer-Siat, Die elsäss. Orgelreform, in: Das Musikinstrument 8, 1965, S. 387 f.: W. Kwasnik, E. R. als Reformer. Kirchenmusiker u. Mensch, 1967;
    F. Brower, Orgelbewegung u. Orgelgegenbewegung, 1981;
    NDBA.

  • Autor/in

    Hermann Fischer
  • Empfohlene Zitierweise

    Fischer, Hermann, "Rupp, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 277-278 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118750380.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA