Lebensdaten
1892 bis 1986
Geburtsort
Berlin-Lichterfelde
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Romanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118749463 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rohlfs, Gerhard Friedrich
  • Rohlfs, Gerhard
  • Rohlfs, Gerhard Friedrich
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Zitierweise

Rohlfs, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118749463.html [21.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans Christian Heinrich (1862–1948), Bes. e. Baumschule;
    M Anna Helene Frieda Urban (1863–1911);
    Ur-Gvv Gottfried Heinrich (1779–1860), Arzt in Vegesack b. Bremen;
    Gr-Ov Gerhard (1831–96), Afrikaforscher (s. 1);
    1) Ruth Helbig (1905–52), 2) Marianne Vogt (1907–83);
    1 S aus 1) Eckart (* 1929), Dr. phil., seit 1951 Redakteur d. Neuen Musikztg., 1963-96 Geschäftsführer d. Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“, Bildungsreferent d. Dt. Musikrats, 1970-96 stellv. Vors., seit 1996 Vors. d. Bundesak. f. musikal. Jugendbildung in Trossingen, seit 1988 Gen.sekr. d. Europ. Union d. Musikwettbewerbe f. d. Jugend in Brüssel, 1992-95 Präs. d. Romain-Rolland-Ges. in Dtld. (s. Wi. 1997), 1 T aus 1).

  • Leben

    Nach dem Abitur in Coburg studierte R. in Berlin Romanistik und Altphilologie v. a. bei Heinrich Morf, Erhard Lommatzsch und Max Leopold Wagner. Aufgrund einer lexikologischen Arbeit über „Ager, Area, Atrium, Eine Studie zur roman. Wortgeschichte“ 1919 promoviert, habilitierte er sich 1922 bei Eduard Wechssler in Berlin mit einer Abhandlung über Futurum und Konditional. Seine Probevorlesung behandelte mit den kalabres. Mundarten unter den Gesichtspunkten der Romanität und Gräzität erstmals ein Thema, dem er sich fortan mit größter Intensität widmete. R. beschrieb die unterital. Mundarten, erfaßte ihren Wortschatz, systematisierte ihre Grammatik und stellte einschlägige etymologische Wörterbücher zusammen. Aufgrund eigener Feldforschungen bewies er Giuseppe Morosis Hypothese, daß das südital. Griechisch nicht auf die byzantin. Zeit, sondern schon auf die alte Magna Graecia zurückgehe. Die Romanität dieser Gebiete konnte also nicht autochthon sein, sondern ihr Italienisch ist auf mittelalterlichen Import zurückzuführen. Durch diese Forschungen und als Interviewer des Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz (AIS) wurde R. einer der bedeutendsten Sprachgeographen seiner Zeit. Seine „Historische Grammatik der ital. Sprache und ihrer Mundarten“ (3 Bde., 1949–54, ital. Übers. 1966-69) ist bis heute die ausführlichste und gründlichste Behandlung der ital. Sprache und ihrer Geschichte. 1926 erhielt R. einen Ruf auf ein Ordinariat in Tübingen, 1938 folgte er Karl Vossler in München nach und kehrte nach seiner Emeritierung 1957 nach Tübingen zurück, wo er bis 1971 als Honorarprofessor wirkte.

    Bildete Italien R.s bevorzugtes Arbeitsfeld, so befaßte er sich auch mit den übrigen romanischen Sprachen. Während eines Aufenthalts in Kalabrien 1921 entwickelte er eine eigenständige, effektive Methode der Aufnahme und Transkription von Mundarten, welche er lebenslang verfeinerte. R. legte bedeutende Monographien zum Pyrenäenromanischen,|zum Gaskognischen, Rätoromanischen, Rumänischen und Sardischen vor. 1931-54 gab er den romanistischen Teil des „Archivs für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen“ heraus, das er mit zahlreichen Rezensionen, auch zu literaturwissenschaftlichen Themen, bereicherte. Während der NS-Zeit verweigerte sich R., ganz loyaler Beamter, dem Regime nicht und übernahm neben kleineren Organisationsaufgaben in der Dt. Akademie München die Leitung der neu gegründeten Abteilung für dt.-roman. Beziehungen, einer Schaltstelle der offiziellen dt. Kulturpropaganda, die sich vornehmlich mit der Erstellung einer Bibliographie befaßte. Gleichwohl lehnte er die NS-Rassenkunde ab; nachdem er 1944 Zweifel am „Endsieg“ geäußert hatte, wurde er für ein Jahr vom Dienst suspendiert.

    R., einer der dynamischsten und produktivsten Gelehrten seines Fachs, bildete eine große Zahl von Schülern aus (52 Dissertationen), u. a. Kurt Wais, Theodor W. Elwert, Heinrich Lausberg und Rudolf Baehr.|

  • Auszeichnungen

    zahlr. Ehrungen u. a. Dr. h. c. (Athen 1937, Palermo 1963, Turin 1964, Lecce 1973, Cosenza 1981); Ehrenbürger v. sieben Orten in Unteritalien; Mitgl. u. a. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (o. 1940, korr. 1959), d. Schwed. Ak. d. Wiss. (1953), d. Ak. d. Wiss., Athen (1954), d. Ac. della Crusca, Florenz (1956) u. d. Ac. Lincei, Rom (1972); Ehrenmitgl. u. a. d. Linguistic Soc. of America (1963) u. d. American Name Soc. (1968); Premio Forte dei Marmi (Univ. Pisa 1964); Ibykos-Preis (Reggio, 1965); Gr. BVK (1963); Bayer. Verdienstorden (1968); Officier dans l'Ordre des Palmes Académiques (1968).

  • Werke

    W-Verz. L. Bihl, in: S. Gemelli, G. R. (1892-1986), Una vita per l'Italia, 1990, 237 f. (727 Titel).

  • Literatur

    FS: Romanica, 1958;
    Serta Romanica, 1968;
    Romania cantat, 1980;
    – A. Noyer-Weidner, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1987, S. 259-65 (P);
    H. H. Christmann, Zs. f. roman. Philol. 103, 1987, S. 698-712;
    H. u. R. Kahane, in: Romance Philology 42, 1989, 279-284;
    F.-R. Hausmann, Dt. Romanistik im, Dritten Reich', 2000, S. 432-40;
    Munzinger;
    Killy;
    E. Radtke, in: Lex. Grammaticorum, hg. v. H. Stammerjohann, 1996 (W, L).

  • Autor/in

    Frank-Rutger Hausmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hausmann, Frank-Rutger, "Rohlfs, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 768-769 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118749463.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA