Lebensdaten
1651 bis 1673
Geburtsort
Madrid
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Infantin von Spanien ; Kaiserin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118730991 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Margarete Theresia
  • Margarita Maria Teresa
  • Margarethe von Spanien (geborene)
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Zitierweise

Margarethe, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118730991.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Habsburger;
    V Kg. Philipp IV. v. Spanien (1605–65), S d. Kg. Philipp III. v. Spanien (1578–1621) u. d. Erzhzgn. Margarethe v. Österreich ( 1611, s. NDB 16);
    M Maria Anna (Mariana, 1696, s. NDB 16), Erzhzgn. v. Österreich, T d. Kaisers Ferdinand III. ( 1657, s. NDB V);
    B Kg. Karl II. v. Spanien (1661–1700);
    Halb-Schw Maria Teresa, Infantin v. Spanien (1638–83, Kg. Ludwig XIV. v. Frankreich, 1683);
    - 1666 Kaiser Leopold I. ( 1705 [Om], s. NDB 14);
    2 S (früh †), 2 T (1 früh †) Maria Antonia ( 1692, s. NDB 16, 1685 Kf. Max Emanuel v. Bayern, 1726, s. NDB 16);
    E Kurprinz Josef Ferdinand v. Bayern (1692–99), Erbe d. span. Reiches.

  • Leben

    Nachdem eine zunächst geplante Ehe zwischen Leopold I. und der ältesten Tochter Kg. Philipps IV., der Infantin Maria Teresa, nicht zustande gekommen war, fiel die Wahl auf deren dreizehn Jahre jüngere Halbschwester. M. entwickelte sich trotz ihrer zarten Gesundheit und schwächlichen Gestalt zu einer temperamentvollen und klugen Frau. Acht Porträtdarstellungen des span. Hofmalers Diego Velazquez, darunter das berühmte Gemälde („Las Meniñas“ = Die Edelfräulein, 1656, Madrid, Museo del Prado) dokumentieren diese Entwicklung. Nachdem von span. Seite im April 1660 das Eheversprechen gegeben worden war, entsandte Leopold I. Franz Eusebius Graf Pötting nach Madrid, um den Ehekontrakt auszuhandeln. Nach der offiziellen Bekanntgabe der Verlobung am 6.4.1663 wurde dieser „zu Conservation und Vermehrung des kath. Wesens“ abgeschlossen und am 18.12.1663 in Madrid unterzeichnet. Die darin festgesetzte Mitgift kam niemals zur Auszahlung, doch wurde der Infantin im Gegensatz zu ihrer nach Frankreich verheirateten älteren Halbschwester auch kein Verzicht auf das span. Erbe abverlangt. Dies kam europaweit einer politischen Sensation gleich, da die span. Linie des Erzhauses nun auf die Person des Thronfolgers reduziert war, der 1665 als Kg. Karl II. seinem Vater nachfolgte. Trotz ständigen Drängens von seiten Leopolds verzögerte sich die Abreise der Infantin. Erst nach Philipps IV. Ableben (17.9.1665) und der Übernahme der Regentschaft durch die Königinwitwe, Leopolds Schwester, wurde – tatkräftig gefördert durch deren deutschen|Beichtvater, den Jesuiten Johann Eberhard Nidhard (1607–81) – die Vermählung verwirklicht. Am 25.4.1666 wurde im Alcázar die Trauung „per procurationem“ vollzogen. Drei Tage später brach der Brautzug, der über Barcelona, Mailand, Brescia, Trient, Villach und den Semmering führen sollte, in Madrid auf. Am 26. November fand in Schottwien die erste Begegnung mit dem Kaiser statt, und am 5.12.1666 wurde in der Hofkirche zu Wien die Vermählung feierlich bestätigt. Die für die Hochzeit geplante Opernaufführung von Marc Antonio Cestis „Il pomo d'oro“ kam erst zur Feier des 17. Geburtstages der Kaiserin am 13./14.7.1668 zustande. Sie gilt als das bedeutendste musiktheatralische Ereignis der Zeit.

    Zeitlebens blieb die Kaiserin dem span. Wesen und der span. Kultur verhaftet. Sie umgab sich fast ausschließlich mit Spaniern (Sekretäre, Beichtväter, Ärzte), liebte span. Musik und Ballette und lernte deshalb kaum die deutsche Sprache.

    Das Familienleben mit dem hochmusikalischen Leopold war indes recht glücklich, wenngleich M. ihrem Gatten – mit Ausnahme einer Tochter – keine lebensfähigen Kinder schenkte. Deshalb wahrte sich der Kaiser bereits zu ihren Lebzeiten die Option auf die Erzhzgn. Claudia Felicitas aus der Tiroler Linie seines Hauses. Bei der Frühgeburt des Erzhzg. Johann Leopold (20.2.1670) tat M. das Gelöbnis, im Falle ihrer Errettung die Juden aus Stadt und Land ausweisen zu lassen. Dies geschah am Fronleichnamsfeste: Die Wiener Synagoge wurde eingerissen und an ihrer Stelle eine dem hl. Leopold geweihte Kirche errichtet. Fortan hieß das Untere Werd „Leopoldstadt“. 1672 führte M. den Kult des span. Ordensreformators, des 1669 heiliggesprochenen Franziskaners Petrus von Alcántara, in Wien ein und stiftete ihm zu Ehren bei den Franziskaner-Observanten eine Kapelle mit Altarbild (von Matthäus Managetta), auf dem sie selbst (zusammen mit Gemahl und Tochter) dargestellt ist.

    Seit ihrer Jugend an Struma leidend, erstickte M., als sie sich während ihrer siebenten Schwangerschaft eine Bronchitis zugezogen hatte. Wenngleich „man es communiter für ein Glück für die deutsche österr. Linie (hielt), daß Gott diese Dame im 21. Jahre ihres Alters weggenommen“, wie der schwed. Gesandte Esaias Pufendorf schrieb, litt Kaiser Leopold I. schwer unter dem Tod seiner geliebten „unica Margarita“. – Vier Monate später gab er seinen Entschluß zur Heirat mit Erzhzgn. Claudia Felicitas bekannt. M.s Ansprüche auf das span. Erbe des Hauses Habsburg aber gingen nach ihrem Ableben auf den Kaiser über, der diese nach Kg. Karls II. Tod (1700) im Span. Erbfolgekrieg für sich und seine Söhne (aus dritter Ehe) gegen die Bourbonen geltend zu machen suchte.

  • Literatur

    K. G. Helbig (Hrsg.), Esaias Pufendorf's Ber. üb. Kaiser Leopold, s. Hof u. d. österr. Pol. 1671–74, 1862;
    J. Fiedler, Die Relationen d. Botschafter Venedigs üb. Dtld. u. Österreich im 17. Jh, 1867;
    A. F. Pribram, Venetian. Depeschen vom Kaiserhof 1657–61, 1901;
    ders. u. M. Landwehr v. Pragenau (Hrsg.), Privatbriefe Kaiser Leopolds I. an d. Gf. F. E. Pötting 1662–73, 1903 f.;
    A. F. Pribram, Aus d. Ber. e. Franzosen üb. d. Wiener Hof in d. J. 1671 u. 1672, in: MIÖG 12, 1891;
    A. Levinson, Nuntiaturberr. vom Kaiserhofe Leopolds I. 1657-69 u. 1670-79, in: AÖG 103, T. 1, 1913 u. 106, T. 2, 1918;
    A. F. Pribram, Die Heirat Kaiser Leopolds I. mit M. T. v. S., ebd. 77, T. 2, 1891;
    ders., Franz Paul Frhr. v. Lisola 1613–74, 1894;
    A. Veltzé (Hrsg.), Ausgew. Schrr. d. Raimund Fürsten Montecuccoli III, 1900, S. 273 ff.;
    C. Wolfsgruber, Die k. u. k. Hofburgkapelle u. d. k. u. k. geistl. Hofkapelle, 1905;
    W. R. Marqués de Villa Urrutia, Relaciones entre España y Austria durante el Reino de la emperatriz Doña Margarita, 1905;
    L. Brosch, Ein unbek. Porträt d. Infantin M. im Museo civico in Venedig, in: Cicerone I, 1909, S. 633 f. (P);
    V. v. Loga, Las meniñas, in: Jb. d. kunsthist. Slgg. d. Allerhöchsten Kaiserhauses 28, 1909/10, S. 171-99 (P);
    C. Justi, Velázquez u. s. Jh., 31922 (P);
    A. L. Mayer, Velázquez, 1924 (P);
    Prinz Adalbert v. Bayern, Das Ende d. Habsburger in Spanien, I, 1929;
    M. Mecenseffy, Philipp IV. v. Spanien u. s. Heirat mit Maria Anna v. Österreich, in: Hist. Stud., A. F. Pribram z. 70. Geb.tag dargebracht, 1929, S. 69 f.;
    L. Pfandl, Karl II., 1940;
    A. Liess, Wiener Barockmusik, 1946;
    S. Cánton, Los Retratos de los Reyes de España, 1948 (P);
    R. Alewyn u. K. Sälzle, Das gr. Welttheater, 1959;
    O. Redlich, Weltmacht d. Barock, Österreich in d. Zeit Leopolds I., 41961;
    J. Nada, Karl d. Behexte, 1963;
    G. Heinz, Stud. z. Porträtmalerei an d. Höfen d. österr. Erblande, in: Jb. d. kunsthist. Slgg. in Wien 59, 1963, S. 178 f. u. 212 f. (P);
    Vienne à Versailles, Ausst.kat., Paris, 1964, Nr. 76 (P);
    H. Kühnel, Die Hofburg zu Wien, 1964;
    I. Smidt-Dörrenberg, M. M., Infantin v. Spanien, Röm.-dt. Kaiserin: Des Velázquez lieblichstes Modell, 1966 (P);
    W. Pichler, Von d. Synagoge zur Kirche, 1974, S. 76-82;
    G. Heinz u. K. Schütz, Porträtgal. z. Gesch. Österreichs v. 1400 bis 1800, 1976, S. 84-86 (P);
    J. P. Spielman, Leopold I of Austria, 1977 (dt.: Leopold I., Zur Macht nicht geboren, 1981);
    J. Lynch, Spain under the Habsburg II, 21981;
    J. Brown, Velázquez, Maler u. Höfling, 1988 (P), Wurzbach VII.

  • Portraits

    Ölgem. v. D. Velázquez, 1653/54 (Wien, Kunsthist. Mus.);
    dass., 1654/55 (Paris, Louvre);
    „Las meniñas“ v. D. Velázquez, 1656 (Madrid, Museo del Prado);
    M. M. in rosa v. dems., 1660 (Madrid, Museo del Prado);
    M. M. in dunkelbraunrot v. G. van Slot, 1665 (Wien, Kunsthist. Mus.);
    M. M. im Theaterkostüm v. J. Thomas, 1669 (ebd.);
    M. M. in Trauer v. J. B. del Mazo, 1665 (Madrid, Museo del Prado);
    mit T Maria Antonia v. J. Thomas, 1670 (Wien,|Hofburg);
    Altarbild v. M. Managetta (mit Leopold I. u. Maria Antonia), 1672 (Wien, Franziskanerkirche, Chorkapelle).

  • Autor/in

    Alfred A. Strnad
  • Empfohlene Zitierweise

    Strnad, Alfred A., "Margarethe" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 155-157 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118730991.html#ndbcontent

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