Lebensdaten
1688 bis 1758
Geburtsort
Buttelstedt bei Weimar
Sterbeort
Zerbst
Beruf/Funktion
Kapellmeister ; Komponist
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 11872262X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fasch, Johann Friedrich

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Zitierweise

Fasch, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11872262X.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Frdr. Gg. ( 1700), Gymnasialrektor in Suhl, S d. Pastors Joh. Christoph in Hauteroda b. Heldrungen;
    M Sophia ( ca. 1720), T d. Pastors Wegerig aus Leißling;
    1) Greiz 1721 Sophia ( 1722), T d. Archidiakonus Laurentius, 2) Groß-Kmehlen 1728 Joh. Helena (1708–43), T d. Pastors Mag. Karl Frdr. Simers;
    1 T aus 1), 2 S aus 2), u. a. Karl Frdr. (s. 2).

  • Leben

    Als Chorknabe in der Hofkapelle zu Weißenfels erhielt F. seine erste Ausbildung bei dem Kapellmeister Johann Philipp Krieger. Er konnte bereits 1701 als Schüler der Leipziger Thomasschule zu Johann Kuhnau überwechseln, wo indessen die Kompositionen Georg Philipp Telemanns sein frühes Schaffen anregten, und gründete in seiner Leipziger Universitätszeit (1708–11) ein studentisches Collegium musicum, das sich durch seine Abendmusiken großer Beliebtheit erfreute. Einige Opernerfolge in Naumburg hinderten ihn nicht, sich 1713 in Darmstadt von Christoph Graupner nochmals gründlich in der Komposition unterrichten zu lassen. Nachdem er 1714 als Violinist in Bayreuth, 1714-19 als Kammersekretär in Gera, 1720-21 als Organist und Stadtschreiber in Greiz, 1721 als Musiker des böhmischen Grafen Morzin in Lukaveč gewirkt hatte, fand er auf Empfehlung des ihm befreundeten Gothaer Hofkapellmeisters Gottfried Heinrich Stölzel 1722 seine Lebensstellung als Kapellmeister des Hofes in Zerbst, wo er bis zur Besetzung durch preußische Truppen (1757) eine Blütezeit höfischer Musikkultur heraufführte. Neben Händel, Bach und Telemann verkörperte F. jenen handwerklich meisterlichen Typus des norddeutschen Musikers, der im ausgehenden musikalischen Spätbarock eine Gebrauchskunst von europäischer Weite schuf. Seine Doppelbedeutung liegt einerseits in der Überzeugungskraft seiner zahlreichen, für den Gottesdienst geschriebenen Werke, anderseits in der Formbereicherung seiner höfischen Kammermusik, die in der Ouvertüre, der Triosonate, der Suite und im Konzert durch Erweiterung der barocken Motivik zum Wechselspiel der Themen bereits zukünftige Bahnen aufzeigt. Als Komponist fand er die volle Anerkennung Bachs und anderer bedeutender Zeitgenossen. Sein Werk ist noch nicht eigentlich erforscht, jedoch hat die Wertschätzung seiner Musik seit Riemanns und Engelkes Untersuchungen ständig zugenommen. Auch als Dichter wirkte der geistig hochstehende F., der mit Zinzendorf in Verbindung stand, durch die Bekenntniskraft seiner verinnerlichten Kantatentexte über seine Lebenszeit hinaus.

  • Werke

    Geisllich: 13 vollst. Kantatenjgg., davon 5 nach eigenen Texten, 1722-50;
    2 geistl. Serenaten, 1722, 1723;
    14 Messen vor 1743 (z. T. zu Missae breves verkürzt);
    2 Credo, vor 1743;
    4 Psalmen, vor 1743;
    Passio Jesu Christi, 1723 (Text v. Brockes, v. F. gekürzt u. mit Chorälen versehen);
    Weltlich:
    5 Opern (verschollen);
    2 höfische Serenaten, 1722 (Text v. F.), 1757;
    69 Ouvertüren u. Suiten, vor 1743 (bevorzugte Besetzung 2 Oboen, 2 Violinen, Viola, Fagott, Violone, Cembalo);
    mindestens 19 Sinfonien (häufig 3sätzig);
    32 Sonaten bis zu 4 Instrumenten;
    36 Instrumentalkonzerte;
    (sämtl. nur in Autographen u. Absahrr.). – Weitere Einzelheiten u. Neuausgg. s. MGG.

  • Literatur

    ADB VI;
    J. F. F., Autobiogr., in: Marpurgs Hist.-krit. Btrr. III, Berlin 1757, S. 124 f., u. in: A. Hiller, Lebensbeschreibung, Leipzig 1784;
    H. Riemann, J. F. F. u. d. freie Instrumental-Stil, in: Bll. f. Haus- u. Kammermusik 4, 1900, S. 82-85, 102-06;
    B. Engelke, J. F. F., Versuch e. Biogr., in: Sammelbde. d. Internat. Musikges. X, 1908 f., S. 263-83;
    A. Adrio, in: MGG III, Sp. 1847-57 (W, L).

  • Portraits

    Bleistiftzeichnung. v. Wagner a. d. Nachlaß v. Phil. Em. Bach (Berlin, Staatsbibl.; Identität nicht gesichert).

  • Autor/in

    Alfons Ott
  • Empfohlene Zitierweise

    Ott, Alfons, "Fasch, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 26-27 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11872262X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Fasch: Johann Friedrich, geb. 15. April 1688 zu Buttelstädt im Weimar'schen, erhielt zuerst in Sula (Suhl, Ruhla?), wohin sein Vater 1693 als Rector berufen worden war, Musikunterricht und mußte sich auch als Sopranist an den dortigen Kirchenmusik-Aufführungen betheiligen. Nach dem frühzeitigen Tode des Vaters kam er zu einem Oheim, der Caplan in Teuchern war, und von dort als Discantist in die Herzogs-Capelle nach Weißenfels. Als der berühmte Joh. Kuhnau 1701 die Stelle als Thomas-Cantor in Leipzig erhielt, ruhte F. nicht eher, bis er in dessen Chor aufgenommen wurde, welchem er bis 1707 angehörte. Er bildete sich während dieser Zeit zum guten Clavierspieler, und durch das Studium Telemann'scher Werke auch zum Componisten heran. Als Student der Theologie gründete er ein „Concert von Studenten“, welches alle Sonntage Nachmittags gehalten wurde und für das er mancherlei componirte. Bald ließ er denn auch die akademischen Studien liegen und folgte 1710 einem Rufe an den Hof nach Naumburg, für welchen er drei Opern schrieb. Nach Leipzig zurückgekehrt, kam er zur Einsicht, „was endlich daraus werden würde, ohne Regeln und Ordnung in dem Setzen fortzuarbeiten“, weshalb er nach Darmstadt ging, um dort unter den Capellmeistern Graupner und Grünewald noch einen regelrechten Cursus in der Theorie durchzumachen, worauf er nach einer Kunstreise durch Mitteldeutschland 1715 eine Stellung am Hofe in Gera als Secretär und Kammerschreiber annahm. 1720 ging er als Organist und Stadtschreiber nach Zeitz, 1721 als Componist in die Dienste des Grafen Morzini nach Böhmen, und von dort 1722 als Capellmeister nach Zerbst, wo er 1759, nach Zelter schon 1758, starb. F. hat viel componirt: Opern, Oratorien, Passionen, Messen, Motetten, und insbesondere viel Instrumentalwerke, unter denen namentlich die Concerte und die Ouvertüren für Orchester seiner Zeit viel Glück machten; dieselben zeichneten sich durch neue und originelle Behandlung der Blasinstrumente aus. Zelter besaß eine große, zweichörige Messe von ihm, „die einen gelehrten und im vielstimmigen Satze sehr gewiegten Meister“ erkennen ließ. (Zelter: K. F. C. Fasch. Berlin 1801.) Nach seinem Tode erstand Breitkopf den größten Theil seiner handschriftlichen Compositionen, doch ist nichts davon veröffentlicht worden. Die königl. Musikaliensammlung in Dresden besitzt von ihm folgende Werke in Manuscript: 45 Concerte für Violine, Flöte, Oboe, Fagott u. s. w. mit Begleitung: 61 Ouvertüren für Orchester, 12 Trios und 13 Sinfonien für Streich- und Blasinstrumente.

    • Literatur

      Marpurg, Historisch-kritische Beiträge zur Aufnahme der Musik. Berlin 1757. (III. 124.)

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Fasch, Johann Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 576 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11872262X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA