Lebensdaten
1683 bis 1760
Geburtsort
Hartmannsdorf bei Kirchberg (Erzgebirge)
Sterbeort
Darmstadt
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118718517 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Graupner, Johann Christoph
  • Graupner, Christoph
  • Graupner, Johann Christoph
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Zitierweise

Graupner, Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118718517.html [18.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph, Schneidermeister in H., S d. Schneidermeisters Michael in Bärenwalde;
    M Maria, T d. Tuchmachers Hans Hohmuth in K. u. d. Anna Wolrab;
    1711 Sophie Elis., T d. Pfarrers Joh. Peter Eckhardt in Bischofsheim u. d. Anna Marg. Mettenius; Schwägerin Henrica Cath. Eckhardt ( Joh. Conr. Lichtenberg, 1689–1751, Sup. in D.);
    7 K; N d. Ehefrau Gg. Christoph Lichtenberg ( 1799). Naturforscher, Schriftsteller;
    Ur-E Karl Köhler (1799–1847), Prälat d. Hess. Landeskirche.

  • Leben

    G. erhielt seinen ersten Musikunterricht bei den Kirchberger Kantoren Nikolaus Küster, der ihm Klavierunterricht gab, und Wolfgang Michael Mylius, der ihn im Singen unterwies. Mindestens seit 1696 ist G. in Leipzig als Thomaner anzutreffen, wo er bei den Thomaskantoren Johann Schelle und dessen Nachfolger Johann Kuhnau weitere Musikstudien trieb. Aus dieser Zeit rührt wohl seine Freundschaft mit Georg Philipp Telemann her, die während Telemanns Frankfurter Jahren 1712-22 erneuert wurde. Als 1706 die Schweden in Sachsen einrückten, ging G. nach Hamburg, wo er unter Reinhold Keiser an der Gänsemarkt-Oper das Cembalo traktierte und auch einige Opern schrieb. 1709 fand er eine Anstellung als Vizekapellmeister am Darmstädter Hof. Nach dem Tode Wolfgang Carl Briegels, 1712, wurde er Hofkapellmeister. Eine treue Freundschaft verband ihn mit seinem Vizekapellmeister Gottfried Grünewald (1675–1739), mit dem er abwechselnd die Kantaten für die Darmstädter Schloßkirche komponierte (Grünewalds Kantaten sind alle verloren). 1722 wurde G. zum Thomaskantor nach Leipzig berufen. Er hatte sich um diese Stelle beworben, nachdem Telemann sie ausgeschlagen hatte, konnte sie aber nicht antreten, da der Landgraf ihn in Darmstadt mit dem Versprechen einer Gehaltsaufbesserung festhielt, das er dann nicht einlöste. An seiner Stelle wurde dann Johann Sebastian Bach nach Leipzig berufen. G. hatte die Darmstädter Hofkapellmeisterstelle trotz eines zunehmenden Augenleidens, das nach 1754 zu seiner völligen Erblindung führte, bis zu seinem Tode inne.

    G. ragte unter den musikalischen Zeitgenossen von Bach und Händel hervor. Dem kuriosen Umstand einer Auseinandersetzung über seinen kompositorischen Nachlaß zwischen dem Landgrafen und G.s Erben ist es zu verdanken, daß die Kompositionen nicht – wie G. es wünschte – nach seinem Tode verbrannt wurden, sondern sich noch heute zum größten Teil in der Darmstädter Bibliothek befinden. Da G. sich den verschiedenen musikalischen Stilarten seiner Zeit gegenüber sehr aufgeschlossen zeigte, läßt sich namentlich aus seinen über 1400 erhaltenen Kirchenkantaten aus den Jahren 1709-54 ein ausgezeichneter Eindruck von dem Stilwandel gewinnen, der von den Einflüssen der neapolitanischen Oper – beispielsweise in den Solokantaten mit koloraturenreichen Arien – über die der alten Motette nahestehenden Chorkantaten bis zur Empfindsamkeit der Mannheimer Vorklassik erstreckt. G. kopierte zahlreiche Werke von Graun, Stamitz und Franz Xaver Richter, um sich mit ihnen stilistisch auseinanderzusetzen. Formal sind seine Kantaten meist nach Erdmann Neumeisters Vorbild aus Rezitativ, Arie, oft mit Choreinlagen, aufgebaut. Seine Werke sind von gediegener, wiewohl nur mittlerer Qualität, aber immer sehr sorgfältig konzipiert.|So löst er sich aus den Unisonobegleitungen der Hamburger Opernmanier und schreibt einen vollständigen Satz mit Viola, die dynamischen Bezeichnungen nehmen zu, die Verzierungen werden ab 1730 ausgeschrieben. Trotz aller dieser stilistischen Assoziationen an weltliche Werke bleibt aber immer eine sakrale Schreibweise gewahrt. – G.s Opern, auch die für Darmstadt verfaßten, folgen ausnahmslos den Hamburger Vorbildern Keisers, Matthesons und Händels. In seinen Klavierkompositionen fühlt er sich der deutschen Klaviertradition Johann Kuhnaus und Johann Kaspar Ferdinand Fischers verpflichtet. Seine Orchesterwerke weisen in ihrer Dreiklangthematik, Motivauflockerung und sogar zeitweiliger Einführung eines zweiten Kontrastthemas auf die Mannheimer und Wiener Vorklassik hin. In den Ouvertüren ist er vor allem Telemann und französischen Stilformen verpflichtet. G. ist einer der ersten, der sich auch in der von ihm sehr bevorzugten Bläserbesetzung in seinen Instrumentalkompositionen auch des „Chalumeau“ (Vorläufer der Klarinette) bediente.

  • Werke

    W bekannt bzw. erhalten: 5 Opern, 1707/09 f. Hamburg, 3 Opern 1710 f. Darmstadt;
    1418 Kirchenkantaten auf Texte v. G. Ch. Lehms, Gerdes u. J. K. Lichtenberg;
    113 Sinfonien;
    87 Ouvertüren u. Tafelmusiken;
    Kammermusik;
    Klavierwerke;
    Choralbuch (mit Bc), Darmstadt 1728. -Neuausgg.: 17 Kantaten, in: DDT 51/52, hrsg. v. F. Noack, 1926;
    2 Kantaten, hrsg. v. dems., 1955;
    1 Konzert f. 2 Oboen u. Streicher, in: Instrumentalkonzerte d. 18. Jh., hrsg. v. A. Schering, = DDT 29/30, 1907;
    8 Partiten f. Cembalo od. Klavier, hrsg. v. L. Hoffmann-Erbrecht, 1953.

  • Literatur

    ADB IX;
    W. Nagel, Das Leben Ch. G.s, in: Sammelbde. d. Internat. Musikges. X, 1908/09;
    ders., Ch. G. als Sinfoniker, in: Musik Mgz. 49, 1912;
    J. Mattheson, Grundlage e. Ehrenpforte (1740), Neudr. v. M. Schneider, 1910, S. 410 ff. (mit Autobiogr.);
    F. Noack, Ch. G.s Kirchenmusiken, 1916;
    ders., Ch. G. als Kirchenkomp., Beihh. zu DDT I, 1926;
    ders., in: MGG V, Sp. 720-25 (W, L);
    H. J. Moser, Gesch. d. dt. Musik II, 41928, S. 249-52;
    H. Kaiser, Barocktheater in Darmstadt, 1951;
    L. Hoffmann-Erbrecht, J. Ch. G. als Klavierkomp., in: Archiv f. Musikwiss. 10, 1953, S. 140-52;
    ders., Dt. u. ital. Klaviermusik z. Bachzeit, in: Jenaer Btrr. z. Musikforschung I, 1954, S. 50-63;
    H. Becker, Zur Gesch. d. Klarinette im 18. Jh., in: Die Musikforschung 8, 1955, S. 271-92;
    H. Ch. Wolff, Die Barockoper in Hamburg, 1957;
    - zu Gottfr. Grünewald: F. Noack, in: MGG V, Sp. 981 f. (W, L).

  • Autor/in

    Christiane Engelbrecht
  • Empfohlene Zitierweise

    Engelbrecht, Christiane, "Graupner, Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 11 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118718517.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Graupner: Christoph G., geb. im Januar 1683 zu Kirchberg im sächsischen Erzgebirge von ziemlich unbemittelten Eltern, erhielt, wie er selbst in Mattheson's „Ehrenpforte“ erzählt, schon im siebenten oder achten Jahre den ersten Singunterricht beim Cantor Mylius, den ersten Clavierunterricht beim Organisten Küster in Kirchberg. Als letzterer nach Reichenberg berufen ward, folgte ihm G. dorthin, um noch zwei Jahre seine Unterweisung zu genießen, worauf er während sieben Jahre die Thomasschule in Leizig besuchte. Den ersten Unterricht in der Composition erhielt er dort von einem Mitschüler, dem späteren kurfürstl. sächsischen Capellmeister Joh. David Heinichen, mit dem er seine Hauptstudien in Theorie und Clavierspiel bei dem damaligen Cantor der Thomasschule Johann Kuhnau durchmachte. Nach zweijährigem Besuch der Universität in Leipzig, um Jura zu studiren, trieb ihn der Einfall der Schweden in Sachsen 1706 nach Hamburg, wo er, gänzlich mittellos, das Glück hatte, an Stelle des eben abgegangenen Joh. Christian Schieferdecker die Stelle eines Cembalisten im Opernorchester zu erhalten. Eine dreijährige Thätigkeit in diesem Amte bestimmte seine musikalische Richtung für die Zukunft: der berühmte Operncomponist Reinhard Keiser, damals Director der Hamburger Oper, ward sein|Vorbild. Im Jahre 1709 ernannte ihn der Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, ein großer Musik- und Theaterfreund, welcher ihn in Hamburg hatte kennen und schätzen lernen, zu seinem Vicecapellmeister, 1711 zum wirklichen Capellmeister. Gänzlich erblindet, starb G. am 10. Mai 1760 in Darmstadt, wo er außerordentlich viel für Hebung der dortigen Musikzustände und berühmten Capelle gethan hatte. Als Componist entfaltete G. eine wahrhaft staunenerregende Fruchtbarkeit. Schon in Hamburg componirte er acht deutsche Opern, die sehr gefielen. Seine künstlerische Thätigkeit am darmstädter Hofe läßt sich in zwei Abschnitte eintheilen. Von seinem Eintritt in hessen-darmstädtische Dienste (1709) bis etwa 1720 war sie meistens nur der weltlichen Musik und besonders der Oper gewidmet, von letzterem Zeitpunkt aber bis an sein Lebensende fast ausschließlich nur der Kirchenmusik. Namentlich Werke letzterer Gattung lieferte er in erstaunlicher Menge. Opern componirte er, außer den acht in Hamburg aufgeführten, für den darmstädter Hof noch eine ziemliche Anzahl. Außer diesen Opern schrieb G. noch eine Menge andere, weltliche oder sogenannte Kammermusiken. Die Compositionen dieser Gattung bestanden in 194 einzelnen „Tafelmusiken", 144 „Symphonien“ und 80 „Ouvertüren“, sämmtlich für Clavier und 3 bis 4 Streichinstrumente, manche auch für Streichquartett und Flöten, Oboen, Hörner, Trompeten und Pauken gesetzt. Sodann noch 50 „Concertos“ für die damals gebräuchlichsten Instrumente, als Clavier, Viola, Violagamba, Viola d'Amore, Chalumeau, Oboe u. s. f. meist mit Begleitung von Streich- und öfters auch von Blasinstrumenten, — sowie etwa ebensoviel Trio's und Sonaten für Clavier, Streich- und Blasinstrumente. Die hier angeführten Compositionen befinden sich sämmtlich in Original-Manuscripten auf der großherzogl. Hofmusik-Bibliothek zu Darmstadt. Ferner erschienen von G. in Druck, von ihm selbst radirt und in seinem Selbstverlag, noch folgende Werke: „Partien auf das Clavier, bestehend in Allemanden, Couranten, Sarabanden und Giquen"; „Monatliche Clavierfrüchte" (1722); „Neu vermehrtes Darmstädtisches Choralbuch“ (1728); „Vier Partien auf das Clavier, unter der Benennung der vier Jahreszeiten Winter, Frühling, Sommer und Herbst. Bestehend aus Präludien, Allemanden, Couranten, Sarabanden, Menuetten, Giquen etc. Denen Liebhabern des Claviers zur Vergnügung und Exercitio herausgegeben“ (1733). Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Darmstadt, v. E. Pasqué. Enthalten in der Zeitschrift „Die Muse“, Darmstadt 1854, S. 629 ff.

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Graupner, Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 609-610 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118718517.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA