Lebensdaten
1736 bis 1800
Geburtsort
Zerbst
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Kapellmeister ; Komponist ; Cembalist
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 119116510 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fasch, Karl Friedrich Christian
  • Fasch, Karl Friedrich
  • Fasch, Karl Friedrich Christian
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Zitierweise

Fasch, Karl Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119116510.html [16.01.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Frdr. (s. 1).

  • Leben

    Von seinem Vater frühzeitig in den stark hervortretenden musikalischen Neigungen gefördert, von dem Zerbster Konzertmeister Höckh im Geigenspiel unterrichtet und mit vielen, heute verschollenen Jugendkompositionen beschäftigt, vollendete der 14jährige F. seine violinistische Ausbildung bei dem Konzertmeister Johann Gottfried (?) Hertel in Strelitz, um nach 1 jährigen intensiven Studien im Orgelspiel, in der Kunst des Accompagnierens und in der Musiktheorie seine Schulzeit in Kloster Berge bei Magdeburg zu beschließen. 1753-56 genoß er in Zerbst noch einmal die Hilfe des Vaters in eingehenden Kompositionsstudien, bis er auf Empfehlung Franz Bendas und C. Ph. E. Bachs von Friedrich dem Großen an den Potsdamer Hof berufen wurde, wo er als Nachfolger Nichelmanns neben C. Ph. E. Bach den König bei seinen Flötenkonzerten zu begleiten hatte. Dem preußischen Hofe blieb er durch alle Kriegsläufte hindurch verbunden, leitete nach vorübergehendem Leipziger Aufenthalt (um 1760) die königliche Oper nach dem Tode des Hofkapellmeisters Johann Friedrich Agricola 1774-76 und verfaßte, auch mit anderen Arbeiten zum Theoretisieren neigend, das wichtige „Verzeichnis der Opern von Antritt der Regierung König Friedrich des Zweiten von 1742 bis zu seinem Ableben 1786“. Seine eigentliche Bedeutung liegt indessen in der Begründung der Berliner Singakademie (1790), mit der er der bürgerlichen Musikpflege neue Wege ebnete. Unterstützt von seinem Schüler C. Friedrich Zelter nahm er von nun an die Akademie zum Hauptanlaß seines eigenen Schaffens; es gipfelt in einer 16stimmigen Messe, zu der ihm eine 1783 von Johann Friedrich Reichardt aus Italien mitgebrachte Messe von Orazio Benevoli die entscheidende Anregung gab. Damit war auch die große Bach-Renaissance vorbereitet, die sein Nachfolger Zelter ab 1800 tatkräftig aufnahm. Zwischen zwei Epochen stehend, hat F. einerseits die ältere Vokalpolyphonie ins Bewußtsein zurückgerufen, anderseits in seinen Instrumentalschöpfungen bereits auf die Wiener Klassik hingewiesen. Die Berliner Erstaufführung von Mozarts Requiem zu F.s Beisetzung durch seine Singakademie kann als krönende Würdigung seines Lebenswerkes gelten.

  • Werke

    Giuseppe riconosciuto, Oratorium (Text v. Metastasio, Übers. v. Campe);
    Requiem f. 8stg. Chor u. Soli;
    Messe f. vier 4stg. Chöre, 1783-88 (im Bes. d. Singak.);
    4 Psalmen;
    Trauermotette auf d. Tod Friedrich Wilhelms II., Nov. 1797;
    6 Kantaten;
    zahlr. Oden u. Lieder;
    12 Cembalosonaten;
    Sinfonie F f. 2 Hörner, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Violinen, Violetta, Contrabaß, Cembalo. – Neuausgg.: Sämtl. Werke, hrsg. v. d. Singak. Berlin, 1839 (P).

  • Literatur

    ADB VI;
    C. Fr. Zelter, K. F., 1801 (P);
    C. v. Winterfeld, Über K. F.s geistl. Gesangswerke, 1839;
    M. Blumner, Gesch. d. Singak. zu Berlin, 1891;
    E. Stilz, Die Berliner Klaviersonate z. Z. Friedrichs d. Gr., 1929;
    G. Schünemann, Die Singak. zu Berlin 1791–1941, 1941;
    A. Adrio, in: MGG III, Sp. 1857-61 (W, L, P).

  • Portraits

    Radierung v. G. Schadow, Abb. in: MGG III, Sp. 1849;
    Büste v. dems. n. d. Totenmaske, 1802 (Berlin, Hochschule f. Musik);
    Gem. v. S. Henry geb. Chodowiecka, 1790;
    Ölgem. v. A. Graff, n. 1790 (beide Berlin, Singak.).

  • Autor

    Alfons Ott
  • Empfohlene Zitierweise

    Ott, Alfons, "Fasch, Karl Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 27 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119116510.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Fasch: Karl Friedrich Christian, Sohn des vorigen, geb. 18. Novbr. 1736 zu Zerbst, erhielt frühzeitig Unterricht in der Musik. Im Violinspiel unterwies ihn der Concertmeister Hökh, auf dem Clavier und in der Theorie der Vater. Im J. 1750 ging der junge Künstler nach Strelitz zu dem damals sehr geschätzten Concertmeister Hertel, um sich im Violinspiel weiter auszubilden,|daneben beschäftigte er sich fleißig mit dem Studium der Theorie und des Orgelspieles. 1751 nach Zerbst zurückgekehrt, wurde F. nun nach Klosterbergen bei Magdeburg geschickt, um sich wissenschaftlich weiter auszubilden. Bis zum J. 1753 trieb er dort fleißige Studien und versuchte sich dann in Zerbst in der Composition. Im J. 1756 ward an Nichelmann's Stelle ein Clavierspieler für den Dienst Friedrichs des Großen gesucht; Franz Benda, der den jungen F. 1751 in Strelitz als guten Accompagnateur hatte schätzen lernen, erinnerte sich seiner und schlug ihn, in Verbindung mit C. P. E. Bach, dem Könige vor. F. trat nun als zweiter Clavicembalist mit 300 Thlrn. Gehalt in die königl. Capelle zu Berlin ein. Sein Dienst bestand darin, daß er abwechselnd mit C. P. E. Bach die Flötensolo's, welche der König blies, am Clavier begleiten mußte. Der 7jährige Krieg unterbrach diese Berufsthätigkeit und stürzte F. in mancherlei Sorge und Noth, da er seinen Gehalt nur in Besoldungsscheinen mit 4/5 Verlust ausgezahlt erhielt. Trotz aller Noth konnte er sich nicht entschließen, den Dienst des Königs zu verlassen, sondern suchte sich den nöthigen Lebensunterhalt durch Musikunterricht zu verschaffen. Im J. 1767 verlangte F. trotzdem seinen Abschied, blieb jedoch unter Ertheilung einer Zulage von 100 Thlrn. im Amte. Nach dem Tode Agricola's 1774 führte er die Direction der Oper bis nach Beendigung des Carnevals 1776, wo er sie an den neu angestellten Capellmeister J. F. Reichardt abgab. Nach dem baierischen Erbfolgekriege 1779 gab der König seine musikalischen Beschäftigungen fast ganz auf. F., vorzeitig gealtert und kränklich, beschäftigte sich nun wieder mehr mit Componiren; in dieser Zeit entstand nach italienischem Muster (Orazio Benevoli) seine berühmte 16stimmige Messe. Aus einem kleinen Gesangverein, der sich seit 1789 im Hause des Geh.-Raths Milow versammelte, für den F. eine Anzahl 4-, 5- und 6stimmiger Stücke setzte, und dem bei allmählichem Wachsen 1792 ein Saal im Akademiegebäude eingeräumt wurde, entstand die berühmte Berliner Singakademie, nach deren Vorgange sich ähnliche Vereine über ganz Deutschland verbreiteten. F. widmete sich nun ungetheilt der Direction des neuen Vereines. Im J. 1798 erhielt er von Friedrich Wilhelm III. noch 100 Thlr. Gehaltszulage, jedenfalls wegen seiner Verdienste um die Singakademie. Der verdienstvolle Greis starb am 3. August 1800 zu Berlin. Als sein Tod herannahte, ließ er durch seinen Schüler Zelter, der auch sein Nachfolger als Director der Singakademie wurde, alle Compositionen, die er vor der 16stimmigen Messe gesetzt hatte, aussuchen und durch eine zuverlässige Persönlichkeit verbrennen. Am 17. Nov. 1836, an dem Tage, wo F. vor 100 Jahren geboren, veranstaltete die Singakademie zu seinem Gedächtnisse eine musikalische Feier, wobei der Director Ribbeck eine auf Fasch's Wirken sich beziehende Rede hielt. Zugleich beschloß die Vorsteherschaft der Singakademie, die vorzüglichsten Werke des Meisters herauszugeben; sie erschienen in sechs Lieferungen 1839, in Commission bei Trautwein. Ueber Fasch's geistliche Gesangswerke hat C. v. Winterfeld als Beigabe zu dieser Ausgabe eine kleine Schrift herausgegeben. Ein genaues Verzeichniß seiner fast ausschließlich kirchlichen Vocalcompositionen, unter welchen die 16stimmige Messe den ersten Platz einnimmt, hat Ledebur im Tonkünstlerlexikon Berlins gebracht.

    • Literatur

      Zelter, K. F. Chr. Fasch. Berlin 1801.

  • Autor

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Fasch, Karl Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 576-577 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119116510.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA