Lebensdaten
1837 bis 1914
Geburtsort
Duderstadt
Sterbeort
Troppau (Österreichisch-Schlesien)
Beruf/Funktion
Bischof von Fulda ; Fürstbischof von Breslau ; Kardinal
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118714031 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kopp, Georg (bis 1906)
  • Kopp, Georg Kardinal
  • Kopp, Georg von
  • mehr

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Zitierweise

Kopp, Georg von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118714031.html [10.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Ignaz (1799–1870), Bandweber aus Duderstadt, S d. Sebastian, Kuhhirt, Nachtwächter, aus Ecklingerode (Obereichsfeld) u. d. Anna Rohrmann;
    M Wilhelmine (1813–95), T d. Schäfers Christoph Oppermann u. d. Dorothea Engelke.

  • Leben

    Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, gelang K. der Aufstieg bis an die Spitze des deutschen Episkopats. Er verdankte diese Karriere weitgehend seiner eigenen zielstrebigen Energie und Zähigkeit. Nach dem Abschluß der Bürgerschule und des Progymnasiums in Duderstadt ermöglichten ihm die Eltern unter großen Opfern den Besuch des Gymnasiums in Hildesheim. Nach dem Abitur trat er 1856 als Eisenbahn-Hilfstelegraphist in den hannoverischen Staatsdienst ein. Er verließ diese Laufbahn 1858 aus verletztem Ehrgeiz und nahm das schon früher beabsichtigte Studium der Theologie in Hildesheim auf. Hier empfing er 1862 die Priesterweihe. Nach verschiedenen Tätigkeiten als Kaplan und Religionslehrer wurde er 1866 an das Generalvikariat Hildesheim berufen, wo er seit 1868 eine Assessorenstelle bekleidete. Unter Bischof W. Sommerwerck genannt Jacobi, seinem früheren Lehrer, wurde K. 1872 Domkapitular und Generalvikar in Hildesheim. Die zehnjährige Amtszeit als Generalvikar fiel mit der ersten Phase des preußischen Kulturkampfes zusammen. K. vermied aber trotz unausbleiblicher Konflikte jede Verschärfung der Auseinandersetzung und nahm schon 1872 Kontakt zu Bismarck auf, der ihn seitdem als „maßvollen Geistlichen“ schätzte. Nicht nur aus Taktik, sondern auch aus patriotischer Gesinnung tat K. weiterhin alles, um das Vertrauen der preußischen Regierung in seine „Staatstreue“ zu festigen. Als nach acht Jahren Vakanz das Bistum Fulda 1881 wieder besetzt wurde, war er der einzige Bischofskandidat, dem Preußen zustimmen konnte. Im Bischofsamt von Fulda (1881–87) bemühte er sich erfolgreich um den Wiederaufbau der Diözese, auch hier möglichst im Einvernehmen mit dem Staat und ohne die üblichen Anfeindungen des Kulturkampfes. Seine Politik stand damit in klarem Gegensatz zur politischen Strategie der rheinischen Bischöfe und vor allem des Zentrums, die eine kompromißlose Zurücknahme des Kulturkampfes anstrebten. Bismarck, der nach dem Amtsantritt Papst Leos XIII. (1878) zur Revision des verfehlten Kulturkampfes bereit war, fand in K. den geeigneten Vermittler für direkte Verhandlungen mit dem Papst. Auch Leo XIII. bevorzugte die diplomatische Lösung anstelle einer riskanten Fortführung des öffentlichen und parlamentarischen Kampfes. K. wuchs daher in den entscheidenden Jahren 1885-87 eine Schlüsselrolle in der Beilegung des Kulturkampfes zu. Das Verdienst daran, daß hier nach seinen Worten „ein welthistorischer Abschluß eines|großen Streites“ erreicht wurde, gebührt auf kirchlicher Seite ebenso der Konzessionsbereitschaft des Papstes wie dem unermüdlichen Agitieren K.s, der sich in Rom auf befreundete Prälaten wie J. de Montel und L. Galimberti stützen konnte. Gegen die Mehrheit des deutschen politischen Katholizismus, aber im geheimen Einverständnis mit Papst und Reichskanzler, wirkte er an der Vorbereitung und Verabschiedung der beiden Friedensgesetze von 1886/87 mit. Ihr Erfolg bestätigte die Richtigkeit seiner Verhandlungsdiplomatie. Seine Berufung in den preußischen Staatsrat 1884 und mit Zustimmung des Papstes auch in das preußische Herrenhaus 1886 hatten dem Bischof zudem eine politische Plattform und Legitimation gegeben, die für seinen Erfolg eine wichtige Voraussetzung waren. Bismarck erreichte mit dieser Aufwertung seines geistlichen Verbündeten zugleich eine ihm politisch willkommene Schwächung der Zentrumsopposition.

    K.s steigender politischer Einfluß auf Kosten des Zentrums und seines alten Führers Windthorst führten zu andauernden Spannungen zwischen dem Bischof und der Partei. Die Zentrumspresse warf ihm die Preisgabe katholischer Prinzipien vor und diffamierte ihn als „Staatsbischof“. Zentrum und rheinisches Episkopat suchten die Transferierung K.s auf den Stuhl des Fürstbischofs von Breslau zu verhindern. Papst Leo XIII. folgte mit seinem Breve vom 9.8.1887 aber auch hierin dem Wunsch der preußischen Regierung und überging die opponierenden Wahlvorschläge des Breslauer Domkapitels. Als Fürstbischof von Breslau (1887–1914) wurde er am 16.1.1893 zum Kardinal erhoben, gleichzeitig mit seinem Kritiker EB Krementz von Köln. K. unterstand damit die größte und reichste Diözese Deutschlands mit jährlichen Einnahmen von mehr als einer Million Gulden aus dem Bischofsland. Wegen des österreichischen Bistumsanteils gehörte er nunmehr auch dem österreichischen Herrenhause an sowie dem Landtag von Troppau, dessen Leitung er seit 1893 häufig übernahm.

    Ungeachtet der weitreichenden politischen Verpflichtungen in Berlin, Troppau und Wien widmete sich K. mit gleicher Energie der Reorganisation und dem Ausbau seines Bistums. In seiner Amtszeit entstanden mehr als 650 Kirchen, Klöster und kirchliche Anstalten. In Oberschlesien befürwortete er den Gebrauch der Muttersprache in Kirche und Religionsunterricht, was hauptsächlich der polnischsprachigen Bevölkerung zugute kam. Ebenso bekämpfte er 1908 das antipolnische Enteignungsgesetz. Als Förderer von Wissenschaft und Kunst schuf er das Breslauer Diözesanarchiv und das Diözesanmuseum. Zahlreiche wissenschaftliche Vorhaben hatten in ihm einen Mäzen. Mit Sachverstand nahm er Einfluß auf die Restaurierungen der Domkirchen in Fulda und Breslau sowie in seiner römischen Titelkirche S. Agnese fuori le mura.

    1900 übernahm K. die Leitung der Fuldaer Bischofskonferenzen, die er bis zu seinem Tod nicht mehr aus der Hand gab. Er hatte damit äußerlich den Höhepunkt seiner Laufbahn erreicht und erhielt nun die höchsten preußischen und österreichischen Orden. Dennoch verringerte sich seit dem Abgang Bismarcks und dem Tod Leos XIII. sein Einfluß in Berlin und Rom. Nach dem ersten Kongreß der christlichen Gewerkschaften 1899 löste K. eine innerkatholische Auseinandersetzung um die Richtung der Sozialpolitik aus, die zu einer neuen und weitreichenden Spaltung im deutschen Episkopat und in der öffentlichen Meinung führte. Er beharrte auf einer kirchlichen Kontrolle der Arbeiterbewegung, wie sie ihm nur durch rein katholische Arbeitervereine unter kirchlicher Führung gewährleistet schien. Der Kölner EB Fischer und die Zentrumspartei bildeten dagegen die „Kölner Richtung“, die, in Obereinstimmung mit den Wünschen der preußischen Regierung, interkonfessionelle christliche Gewerkschaften befürworteten, die ein Gegengewicht zu den sozialdemokratischen Gewerkschaften abgeben sollten. K. fand zwar in Bischof Korum von Trier einen Mitstreiter, hatte aber die Mehrheit des deutschen Episkopats gegen sich. Als 1910 durch Indiskretion sein Wort von der „Verseuchung des Westens“ bekannt wurde, geriet er vollends in eine Isolierung, die der seit 1909 von Krankheiten geschwächte Fürstbischof nicht mehr zu durchbrechen vermochte.

  • Werke

    Hirtenbriefe d. Fürstbischofs v. Breslau G. Kardinal K. 1887-1912, hrsg. v. M. Beyer u. F. Nafe, 1912. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Diözesanarchiv Breslau (Archiwum Archidiecezjalne we Wrocławiu), 52 Bde.

  • Literatur

    F. Schnabel, Kardinal K.s Bedeutung f. d. pol. Katholizismus in Dtld., in: Die Grenzboten 73, 1914, S. 260-73, auch in: ders., Abhh. u. Vorträge 1914–65, hrsg. v. H. Lutz, 1970, S. 1-13;
    F. X. Seppelt, in: Zs. d. Ver. f. Gesch. Schlesiens 50, 1916, S. 295-308;
    ders., in: DBJ I (u. Tl., L);
    J. Jungnitz, in: Zs. d. Ver. f. Gesch. Schlesiens 50, 1918, S. 309-26;
    H. Hoffmann, in: Schles. Lb. II, 1926, S. 323-32 (P);
    R. Morsey, G. Kardinal K., …, Kirchenfürst od. „Staatsbischof“?, in: Wichmann-Jb. f. KG im Bistum Berlin 21/23, 1967/69, S. 42-65 (P);
    ders., in: Zeitgesch. in Lb. I, 1973, S. 13-28 (P);
    C. Weber,|Kirchl. Pol. zw. Rom, Berlin u. Trier 1876-1888, Die Beilegung d. preuß. Kulturkampfes, 1970;
    ders., Qu. u. Stud. z. Kurie u. z. Vatikan. Pol. unter Leo XIII., Mit Berücksichtigung d. Beziehungen d. Hl. Stuhles zu d. Dreibundmächten, 1973;
    F. Scholz, in: Btrr. z. schles. KG, Gedenkschr. f. Kurt Engelbert, 1969, S. 511-29;
    R. Brack, Dt. Episkopat u. Gewerkschaftsstreit 1900–14, 1976;
    E. Gatz, Akten z. Fuldaer Bischofskonferenz, I, 1977, II, 1979.

  • Portraits

    Ölgem. (Dommuseum Fulda u. Heimatmus. Duderstadt).

  • Autor/in

    Norbert Conrads
  • Empfohlene Zitierweise

    Conrads, Norbert, "Kopp, Georg von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 570-572 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118714031.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA