Lebensdaten
1830 bis 1903
Geburtsort
Wichmannshausen bei Eschwege
Sterbeort
Marburg/Lahn
Beruf/Funktion
Bibliothekar ; Historiker
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118701886 | OGND | VIAF: 30331311
Namensvarianten
  • Hartwig, Otto Peter Conrad
  • Hartwig, Otto
  • Hartwig, Otto Peter Conrad
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Hartwig, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118701886.html [23.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (1800–56), Pfarrer in W. u. Hundelshausen, S d. Lehrers Jon. Peter in Oberbeisheim;
    M Wilhelmine (1804–51), T d. Pfarrers Conrad Conradi in Wollrode;
    B Johs. Theodor (* 1837), Gymnasialdir.;
    - 1867 Marie (1839–1928), T d. Obergerichtsdir. J. J. Müller in Kassel u. d. N. N. Wegner;
    5 K (4 früh †) Helene ( Erich Liesegang, 1860–1931, Bibliothekar, s. R. Leppla, in: Nassau. Lb. IV, 1950, S. 253-63, W, L).

  • Leben

    H. besuchte das Gymnasium in Hersfeld und studierte 1850-51 in Marburg, 1852 in Halle, 1853-54 wieder in Marburg Theologie und Philosophie. Früh erwachte seine Neigung zur Geschichte. 1855 bestand er das theologische Examen (1856 in Marburg Promotion zum Dr. phil. mit einer Dissertation über Heinrich von Langenstein). 1857 wurde er Repetent an der Stipendiatenanstalt in Marburg und wurde gleichzeitig an der Universitätsbibliothek von E. Henke und Johannes Gildemeister bibliothekarisch ausgebildet. Als Gegner der herrschenden orthodoxen Richtung A. Vilmars und als Anhänger der liberalen Theologie hatte H. schlechte Aussichten im hessischen Kirchendienst und ging deshalb als Prediger der deutsch-evangelischen Gemeinde nach Messina (bis 1865). Den Plan einer Geschichte Unteritaliens im Mittelalter, wozu er eine bedeutende Bibliotheca Sicula sammelte, mußte er wegen eines häufig wiederkehrenden Augenleidens aufgeben. Doch schrieb er wertvolle Einzelarbeiten zur sizilianischen Geschichte, den Text zu Baedekers Reiseführer „Unteritalien“ und war, wie auch später, lebhaft als Journalist und Publizist tätig. Zeitlebens politisch interessiert, nahm er als Liberaler leidenschaftlich Anteil an den deutschen Einheitsbestrebungen und begrüßte 1866 die Annektion Kurhessens durch Preußen. In diesem Jahre wurde er Hilfslehrer am Gymnasium zu Rinteln, 1867 ergriff er an der Universitätsbibliothek Marburg endgültig den Beruf eines Bibliothekars. 1876-98 leitete er die Universitätsbibliothek in Halle. Hier fand er Zeit, sich der florentinischen Geschichte des Mittelalters zu widmen.

    Neben K. Dziatzko und A. Wilmanns ist H. die führende Persönlichkeit der preußischen Bibliotheksreform, als Berater, Gutachter und Freund ihrem Schöpfer, Friedrich Althoff, am nächsten stehend. Enzyklopädisch gebildet, literarisch gewandt, organisatorisch hochbegabt, den Blick stets auf das Praktische und Erreichbare gerichtet, erkannte H. frühzeitig die Entwicklungsbedingungen und Tendenzen der modernen wissenschaftlichen Gebrauchsbibliothek. Er gab ihr eine beispielhafte Form in der Universitätsbibliothek zu Halle. Sie wurde zur Modellbibliothek durch den zweckmäßigen Neubau nach dem Magazinsystem (1878–80). Die Bücher wurden neu aufgestellt und 1876-96 katalogisiert. Es entstanden 2 alphabetische Zettelkataloge und der musterhafte systematische Realkatalog, dessen Schema H. 1888 veröffentlichte. Die dritte große Leistung H.s als Bibliothekar ist die Gründung der Fachzeitschrift „Zentralblatt für Bibliothekswesen“ (1884). Er gab sie bis zum 20. Jahrgang (1903) heraus; sie gewann rasch internationales Ansehen.

    H. war ein unbeugsamer Charakter, wahrheitsliebend und offen, Außenstehenden oft schroff erscheinend. Seinen geistigen Rang kennzeichnen seine treu bewahrten Freundschaften mit Persönlichkeiten wie Carl Justi, Rudolf Haym, Karl Hillebrand und Ludwig Bamberger.

  • Werke

    Aus Sizilien, Kultur- u. Gesch.bilder, 2 Bde., 1867-69;
    Qu. u. Forschungen z. ältesten Gesch. d. Stadt Florenz, 2 Bde., 1875/80;
    Eine Chronik v. Florenz zu d. J. 1300–13, 1880;
    Die Übers.lit. Unteritaliens in d. normann.-stauf. Epoche, 1886;
    Schema d. Realkat. d. kgl. Univ.bibl. zu Halle a. S., 1888, = Zbl. f. Bibl.wesen, Beih. 3;
    Ein Menschenalter florentin. Gesch. 1250–93, 1889-91;
    Ludwig Bamberger, 1900;
    Lehr- u. Wanderj. e. alten dt. Bibliothekars, 1900;
    Stammbaum d. niederhess. Fam. H., 1902;
    Aus d. Leben e. dt. Bibliothekars, Erinnerungen u. biograph. Aufsätze, 1906 (P);
    Carl Justi u. O. H., Briefwechsel 1853-1903, hrsg. v. R. Leppla, 1968. - Hrsg: Sizilian. Märchen, ges. v. L. Gonzenbach, 2 Bde., 1870;
    R. Pauli, Aufsätze z. engl. Gesch., NF, 1883;
    Charl. Diede, Lebensbeschreibung u. Briefe, 1884;
    Festschr. z. 500j. Geb.tag v. Johs. Gutenberg, 1900, = Zbl. f. Bibl.wesen, Beih. 23. - Schriftl. Nachlaß, Hess. Landesbibl., Wiesbaden.

  • Literatur

    A. Graesel, in: Zbl. f. Bibl.wesen 21, 1904, S. 97-103;
    K. Burdach, ebd. 50, 1933, S. 21-27 (P vor S. 1);
    A. Hortzschansky, in: Bll. f. Volksbibliotheken u. Lesehallen 5, 1904, S. 33-36;
    F. Neumann, in: The Library Journal 29, New York 1904, S. 57-59;
    P. Villari, in: Archivio storico Italiano, Ser. V, 35, Florenz 1905, S. 240-48;
    F. Grossart, in: Lb. aus Kurhessen u. Waldeck II, 1940, S. 196-99;
    R. Leppla, Der Nachlaß O. H.s, in: Zs. f. Bibl.wesen u. Bibliogr. 1, 1954, S. 257-65;
    G. Leyh, in: Hdb. d. Bibl.wiss. III 2, 21957, S. 343 f., 403 f., F. Juntke, Die Katalogreform d. Univ.bibl. Halle a. S. durch O. H., 1967 (P);
    K. Gerhard, in: BJ VIII, S. 309-14 (W, L).

  • Autor/in

    Rupprecht Leppla
  • Empfohlene Zitierweise

    Leppla, Rupprecht, "Hartwig, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 15 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118701886.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA