Lebensdaten
1892 bis 1963
Geburtsort
Geisenheim (Rheingau)
Sterbeort
Mönchengladbach
Beruf/Funktion
Jesuit ; Sozialwissenschaftler ; Nationalökonom
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11869927X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gundlach, Gustav
  • Gundlach, G.
  • Gundlach, Gustavus

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Zitierweise

Gundlach, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11869927X.html [21.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Conr. Gustav (1864–1931), Weinhändler;
    M Elisabeth Müller (1864–1945).

  • Leben

    Nach Absolvierung des Kaiser-Friedrich-Gymnasiums in Frankfurt studierte G. Philosophie an der Universität Freiburg/Br. (1910–12). Die Begegnung mit der „Badischen Philosophenschule“ H. Rickerts und W. Windelbands übte einen nachhaltigen Einfluß aus. Zeit seines Lebens beschäftigte ihn die innere Auseinandersetzung mit der vom Neukantianismus aufgeworfenen Problemstellung von Sein und Wert sowie objektiver Wahrheitserkenntnis. Nach 5 Semestern trat er in die Gesellschaft Jesu ein. 1914-24 widmete er sich – abgesehen von 3 Jahren Lazarettdienst im 1. Weltkrieg – dem Studium der scholastischen Philosophie und der Theologie in Valkenburg (Niederlande). Wenngleich sein persönliches Interesse der protestantischen Theologie galt, sollte er das Erbe des Sozialphilosophen und Nationalökonomen Heinrich Pesch SJ, des Begründers des christlichen Solidarismus, übernehmen. Er promovierte in den Staatswissenschaften bei Werner Sombart und Max Sering an der Berliner Universität (1927). Seine Dissertation „Zur Soziologie der katholischen Ideenwelt und des Jesuitenordens“ zählt zu den klassischen Werken über die Grundlagen katholischer Gesellschaftslehre. Seit 1929 Professor für Sozialphilosophie und -ethik in Frankfurt/St. Georgen und ab 1934 an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, trug G., vor allem unter dem Pontifikat Pius’ XII., entscheidend zur Vertiefung und zum systematischen Ausbau der katholischen Soziallehre bei. Nach seiner Emeritierung übernahm er 1962 die Leitung der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach.

    Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Leistung G.s liegt in der metaphysischen Begründung der Gesellschaft. Grundprinzip ist die – letztlich transzendent verankerte – menschliche Person als Ursprung und Ziel allen gesellschaftlichen Lebens. Gesellschaft ist somit weder Summation noch Integration von „Individuen“, sondern Koordination der Personen, die in solidarischer Verbundenheit auf die Verwirklichung der Menschtumswerte im Wandel der Geschichte hingeordnet sind. In Auswirkung der Körperlichkeit-Raum-Zeitlichkeit ergibt sich notwendig die äußere Organisiertheit, wobei Familie, Eigentum und Staat naturnotwendige Ordnungsinstitutionen bilden. Nur so gelingt auch der Ausgleich zwischen Freiheit und Ordnung, Privat- und Gemeinwohl, Macht und Recht. Von dieser Position aus richtet sich die Kritik gegen die kollektivistischen und individualistischen Gesellschaftsauffassungen des Nationalsozialismus – den G. vor und nach 1933 bekämpfte – und Kommunismus beziehungsweise des bürgerlichen Liberalismus und der liberalen Richtungen des gemäßigten Sozialismus. Ebenso betrachtete er die rein empirisch-positive und kausal-mechanische Methode in den Sozial-, speziell den Wirtschaftswissenschaften als ungenügend.

    In Anwendung der naturrechtlichen Prinzipien auf die brennenden Zeitfragen befruchtete G. die geistige, soziale und politische Entwicklung auch im Nachkriegsdeutschland.|

  • Auszeichnungen

    Bundesverdienstkreuz (1962).

  • Werke

    Weitere W Grundzüge d. Ges.lehre, 1932;
    Die Ordnung d. menschl. Ges., 2 Bde., 1964 (W-Verz.).

  • Literatur

    J. Höffner, G. G., Biogr. Skizze, in: Freiheit u. Verantwortung in d. modernen Ges., Festschr. f. G. G., = Jb. d. Inst. f. Christl. Soz.wiss. III, hrsg. v. J. Höffner, 1962, S. 7-13 (P);
    A. Rauscher, Bibliogr. G. G. SJ, ebd., S. 15-31;
    ders., Die Ordnung d. menschl. Ges., In Memoriam P. G. G. SJ, in: Ordo Socialis 11, 1963, S. 272-80;
    O. v. Nell-Breuning, in: Mitt. aus d. dt. Provinzen d. Ges. Jesu 20, 1964, Nr. 126, S. 322-32.

  • Autor/in

    Anton Rauscher SJ
  • Empfohlene Zitierweise

    Rauscher SJ, Anton, "Gundlach, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 316 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11869927X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA