Lebensdaten
1657 bis 1714
Geburtsort
Esens (Ostfriesland)
Sterbeort
Rudolstadt (Thüringen)
Beruf/Funktion
Kapellmeister ; Komponist
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11868521X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Erlebach, Philipp Heinrich
  • Erlebach, Phil. Heinr.
  • Erlebach, Philip Heinrich
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Zitierweise

Erlebach, Philipp Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11868521X.html [24.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans Phil., Vogt in Bense u. Seriem b. Esens;
    M Grete Henrichs;
    9.10.1683 Elis. Cath. N. N.;
    2 S, 3 T.

  • Leben

    Über E.s Jugend, seine Ausbildung und den Beginn seiner Tätigkeit am Hofe des Grafen Albert Anton von Schwarzburg-Rudolstadt (1641–1710) ist nichts bekannt. Durch die Vorrede zu den „VI Ouvertures … nach französischer Art“ (Nürnberg 1693) ist erwiesen, daß E. nicht, wie ältere Lexikographen vermuteten, in Frankreich studiert hat. 1697 erscheint sein Name erstmals in einem Rudolstädter Kirchenbuch in Verbindung mit dem Titel „Gräflicher Musicus und Kammerdiener“. Seit 1681 wird er als „Capelldirector“, seit 1693 als|„Capellmeister“ bezeichnet. Unter Albert Anton hatte zunächst die geistliche Musik den Vorrang am Hofe; gegen Ende des Jahrhunderts wurde mehr die weltliche Gelegenheitsmusik gepflegt, bis unter dem Fürsten Ludwig Friedrich (1710–28) die Oper in den Vordergrund trat. Der von E. um 1700 angelegte Musikalienkatalog und sein Schaffen spiegeln diese Entwicklung zum Teil wider. Leider ist eine größere Zahl der im Katalog angeführten Kompositionen E.s nicht mehr erhalten. Die Kenntnis dieser Werke hätte eine empfindliche Lücke in der Geschichte der geistlichen und weltlichen Vokalmusik von Schütz bis Bach schließen können. E. gilt als einer der besten Vertreter des von J. B. Lully beeinflußten Instrumentalstils. Seine Kantaten, die in der Nähe des geistlichen Konzerts der Schütznachfolge stehen, bedürfen noch eingehender Untersuchung. Seine Bedeutung als Liedkomponist liegt darin, daß er in der „Harmonischen Freude musicalischer Freunde“ (1. Teil, Nürnberg 1697, 21710, 2. Teil, ebenda 1710) einen Ausgleich zwischen Lied und Opernarie vollzogen und mit einigen Stücken dieser Sammlung Leistungen vollbracht hat, die auf Bach und Händel hinweisen.

  • Werke

    Weitere W, erhalten: 2 Motetten, 2 Messensätze, 24 Kirchenkantaten u. Vokalkonzerte, 1 geistl. Festkantate; Gott-geheiligte Singstunde, Rudolstadt 1704;
    VI Sonate a Violino e Viola da Gamba …, Nürnberg 1694;
    einige Sätze in d. Orgeltabulatur von J. V. Eckelt, 1692;
    nicht od. nur in Textbüchern erhalten: 6 orator. Werke (4 zw. 1690 u. 1707 gedr.), u. a. 1 Passion, 1 Kirchenkantate;
    Geistl. Chor- u. Kirchenmusik auf alle Sonn- und Festtage …, 1707;
    59 konzertierende geistl. Vokalwerke;
    6 geistl. Fest- und Huldigungskantaten (5 zw. 1711 u. 14 gedr.);
    Die Pléjades …, Braunschweig 1693; 9 zw. 1696 u. 1703 in Rudolstadt gedruckte Textbücher zu weltl. Kantaten u. dramat. Komp., die vermutl. v. E. stammen.

  • Literatur

    ADB VI; M. Friedländer, Das dt. Lied im 18. Jh., 2 Bde., 1902;
    A. Einstein, Zur dt. Lit. f. Viola da Gamba im 16. u. 17. Jh., = Publ. d. Internat. Musikges., Beih. 2. F., H. 1, 1905;
    H. Kretzschmar, Gesch. d. neuen dt. Liedes I, 1911;
    O. Kinkeldey, Ph. H. E. nebst einigen Bemerkungen z. Rudolstädter Hofmusik, = Einl. z. DDT 46/47, 1914 (W, L);
    H. J. Moser, Gesch. d. dt. Musik II, 51930; K. Gudewill, in: MGG III, Sp. 1504-08 (W, L).

  • Autor/in

    Kurt Gudewill
  • Empfohlene Zitierweise

    Gudewill, Kurt, "Erlebach, Philipp Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 593 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11868521X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Erlebach: Philipp Heinrich E., geb. zu Essen 25. Juli 1657, gest in Rudolstadt 17. April 1714. Aus seinen im damaligen französischen Geschmacke geschriebenen Werken vermuthet man, daß er seine musikalische Bildung in Paris erhalten habe. Als Capellmeister in Rudolstadt seit 1683 stand er als Componist wie als Dirigent in hohem Ansehen. Seine Compositionen sind theils Ouvertüren und Sonaten für Streichinstrumente, theils geistliche Gesänge und Cantaten mit Orgelbegleitung und concertirende Orgelstücke. Die letztere Gattung trug vorzüglich viel bei zunächst zur Erbauung in den Hofgottesdiensten, sodann überhaupt zur Hebung des kirchlichen Sinnes in Rudolstadt. Bekannt waren damals: „Die harmonische Freude musikalischer Freunde aus 50 moralischen und politischen deutschen Arien von einer Singstimme und zwei Violinen nebst einem Generalbaß bestehend", 1697; „Der Rudolstädtische Christabend“, der die Geschichte der Menschwerdung und Geburt Jesu Christi enthielt, componirt 1689; „Die Gott geheiligte Singstunde, bestehend aus 12 kurzgefaßten Arien mit einer oder zwo obligaten Singstimmen etc.“, 1704.

    • Literatur

      Walther's musikal. Lexikon S. 230; Gerbers neues Lexikon II,47; Musikal. Realzeitung 1789, 30; Musikal. Correspondenz der teutschen Filarmonischen Gesellschaft 1791, 15; Frankenhäuser Intelligenzblatt 1765, S. 154; Rudolstädtisches Schulprogramm 1832, S. 15 ff.

  • Autor/in

    Anemüller.
  • Empfohlene Zitierweise

    Anemüller, Ernst, "Erlebach, Philipp Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 223 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11868521X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA