Lebensdaten
1722 bis 1775
Geburtsort
Bischweiler (Elsaß)
Sterbeort
Jagdschloß Pettersheim bei Kusel (Pfalz).
Beruf/Funktion
Herzog von Pfalz-Zweibrücken ; Pfalzgraf
Konfession
lutherisch,katholisch
Normdaten
GND: 118676067 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken
  • Christian IV.
  • Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Christian IV., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118676067.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian III. (1674–1735), Pfalzgraf v. Zweibrücken-Birkenfeld, Gf. v. Rappoltstein, seit 1734 Hzg. v. Pfalz-Zweibrücken, S des Christian II, Pfalzgeaf zu Birkenfeld u. der Kath. Agathe Gfn. v. Rappoltstein;
    M Karoline (1704–74), T des Gf. Ludw. Crato v. Nassau-Saarbrücken (1663–1713), franz. Heerführer u. später fürsorglicher Regent (s. ADB XIX), u. der Phil. Henriette Gfn. zu Hohenlohe-Langenburg (1679–1751);
    B Friedrich (1724–67), Pfalzgeaf v. Zweibrücken-Birkenfeld;
    Schw) u. a. Karoline (1721–74, 1741 Landgraf Ludw. IX. v. Hessen-Darmstadt, 1719–90);
    morganatisch Zweibrücken 1757 Tänzerin Marianne Camasse (1734–1807, seit 1757 Gfn. Forbach);
    2 S, 2 T (Gf. v. Forbach, seit 1792 Freiherrn v. Zweibrücken), u. a. Christian Frhr. v. Zweibrücken (franz. Marquis de Forbach, 1752-1817), 1780 Teilnehmer am nordamerikanischen Freiheitskampf, 1788 franz. Maréchal de camp, 1792 preußischer Genmajor, 1799 in bayerischem Dienst, 1800 Führer der bayer. Truppen, 1811 bayerischer Gen. der Inf.;
    N Maximilian I. Joseph, Kg. v. Bayern (1756–1825); Enkelin (Tochter des Wilh. Gf. v. Forbach) Marianne (1785–1857, ⚭ Anton Frhr. v. Cetto, 1756–1847, s. NDB III).

  • Leben

    Nach Studien in Leiden kam Ch. auf der Kavaliersreise an den Versailler Hof; aus seinem wiederholten Aufenthalt entwickelte sich eine Freundschaft mit Ludwig XV. auf der Grundlage der gemeinsamen Neigung zu den Frauen und der Leidenschaft für die Jagd. Als präsumptiver Erbe von Pfalz und Bayern erregte er seit der Jahrhundertmitte das Interesse der französischen Politik, die ihn 1743 vergeblich als ihren Kandidaten für den schwedischen Thron herausgestellt hatte und ihn 1751 durch einen Bündnisvertrag und die Gewährung von Subsidien förmlich an sich kettete (Fremdenregiment Royal Deuxponts seit 1757, Teilnahme am Siebenjährigen Krieg). Nach manchen vergeblichen Anläufen erreichte die Pompadour 1755 seine Konversion, zur Sicherung seiner Erbfolge in den beiden wittelsbachischen Kurfürstentümern und damit des französischen Einflusses im deutschen Süden. Er blieb aber ein aufgeklärter Freigeist, der eine tolerante, freilich auf das Interesse des Staates ausgerichtete Kirchenpolitik betrieb (1755 gewaltsame Aufhebung der vom Staat unabhängigen Verwaltung der geistlichen Güter). In den literarischen Salons und den Künstlerateliers von Paris, in den Kreisen Diderots und der Enzyklopädisten, in den Werkstätten von Vanloo und François Boucher war er fast mehr zu Hause als in seiner kleinen Residenzstadt, wo er sich der Pflege der Malerei und der bildenden Kunst, des Theaters und der Musik nach westlichen Vorbildern, doch nicht ohne eigene Linie, widmete. Ein Liebhabertheater, auf dem Angehörige der Hofgesellschaft vorwiegend französische Stücke aufführten, war mehr von gesellschaftlicher als von künstlerischer Bedeutung. Der Beitrag, den ein Kunststipendiat des Herzogs, der junge Maler Müller, zur neuen deutschen Literatur lieferte, blieb in diesen Schichten unbeachtet. Wichtiger war die Pflege der Musik, die persönliche und künstlerische Verbindung mit der Mannheimer Schule und die Förderung Glucks, den Ch. von Paris mit nach Zweibrücken brachte. Die Maler Daniel Hien (1724–1773) und Georg Friedrich Meyer (1733–79) gingen in der Landschafts- und Tierschilderung neue in die Zukunft weisende Wege, während der zwischen Altem und Neuem schwankende J. Ch. Mannlich (1741–1822) sich|am stärksten den künstlerischen Anregungen des Westens und dem Lebensstil der großen Welt aufgeschlossen erwies. Auch die Bautätigkeit stand stark unter französischem Einfluß (Schloß Jägersburg, nach 1752 von dem Pariser Architekten Pierre Patte [1723–1814] erbaut; Parkanlagen J. L. Petris). Für eine an Experimenten im Geiste des Merkantilismus reiche Wirtschaftspolitik (Zweibrücker Porzellanmanufaktur) war das kleine Ländchen eine zu schmale Basis; von bleibenderem Wert waren die Maßnahmen zur Hebung der Landwirtschaft, die Einführung von Klee- und Kartoffelbau, die Bemühungen um die Urbarmachung brachliegenden Landes durch die Gründung von Hofsiedlungen, vor allem aber die Pferdezucht (Zweibrücker Rasse). Da Ch. vor Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz erst 53jährig starb, gingen die Erwartungen auf das pfalz-bayerische Erbe nicht in Erfüllung.

  • Literatur

    ADB IV;
    R. Gf. du Moulin-Eckart, Zweibrücken u. Versailles, in: Neue Heidelberger Jbb. 4, 1896;
    G. v. Böhm, Die letzten Lebensjahre u. d. Tod Ch.s IV. d. Großen v. Pfalz-Zweibrücken, in: Das Bayerland 22, 1911;
    ders., Ch. IV. d. Große v. Pfalz-Zweibrücken, ebenda 24, 1913;
    ders., Ch. IV. v. Pfalz-Zweibrücken u. d. Ende d. 7jähr. Krieges, ebenda 25, 1914;
    J. Chr. v. Mannlich, Rokoko u. Revolution, Lebenserinnerungen. 1741 bis 1822, hrsg. v. E. Stollreither, 21913;
    K. Baumann, Pfalzzweibrücken u. Frankreich 1648-1793, in: Westpfälz. Gesch.bll. 29, 1930;
    ders., Hzg. Ch. IV. v. Pfalz-Zweibrücken, in: Dt. Westen -Dt. Reich. Saarpfälz. Lbb. I, 1938;
    E. Drumm, Das Regiment Royal Deuxponts, 1936;
    K. Lohmeyer-J. Dahl, Das barocke Zweibrücken u. seine Meister, 1955. - Zu Dan. Hien u. Gg. Frdr. Meyer: ThB;
    B. Roland, Die Pfalz-Zweibrück. Maler d. 18. Jhs., Ein Btr. z. neuen Sicht d. künstl. Bedeutung u. d. Kunstpflege Pfalz-Zweibrückens, Diss. München 1956 (ungedr.).

  • Portraits

    G. v. Böhm, Btrr. z. Bildniskde. Ch.s IV. v. Pfalz-Zweibrücken, seiner nächsten Anverwandten u. d. wittelsbachischen Hauses überhaupt, in: Ber. d. Hist. Mus. d. Pfalz in Speier, Nr. 2, 1914.

  • Autor/in

    Kurt Baumann
  • Empfohlene Zitierweise

    Baumann, Kurt, "Christian IV." in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 229-230 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118676067.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Christian IV., Herzog von Zweibrücken, geboren zu Bischweiler am 16. September 1722, Sohn des Herzogs Christian III. aus der Birkenfeld-Bischweiler Linie, die nach dem Erlöschen der pfälzisch-schwedischen Linie in Besitz des Herzogthums Zweibrücken gelangt war. Nach dem Tode des Vaters (3. Febr. 1735) verwaltete die Mutter Karoline als Vormünderin das Land, am 22 Nov. 1740 übernahm der Mündiggewordene selbst das Regiment. Es gelang ihm durch günstige Tauschverträge sein Gebiet zu erweitern und abzurunden, der bekannteste ist der mit Kurfürst Karl Theodor 1767 abgeschlossene sogenannte Schwetzinger Vertrag, wodurch „die namhaften Irrungen und Mißhelligkeiten, welche seit geraumen Jahren zu großen Beschwernissen und Ungemach Unsrer Lande sich erhoben“, beigelegt wurden. Aus Rücksicht auf die kinderlose, voraussichtlich dem Erlöschen entgegengehende kurpfälzische Familie vertauschte Ch. 1758 heimlich das protestantische Bekenntniß mit dem katholischen, aber seinem Uebertritt folgte nicht wie im Hauptlande der Pfalz unter Karl Philipp eine jesuitische Reaction, in die kirchlichen Rechte der protestantischen Unterthanen wurde kein Eingriff versucht und manche Verordnungen bezeugen, daß der Herzog, der selbst dem Freimaurerorden angehörte, den fortschreitenden Geist der Zeit wohl erfaßte und ihm rechtzeitig entgegenzukommen trachtete. Ein Herzog von Zweibrücken hatte nicht Gelegenheit, sich als Regent im großen Stil auszuzeichnen. Wenn dessenungeachtet Ch. IV. von seinen Unterthanen der Beiname des Großen beigelegt wurde, so geschah dies in dankbarer Erinnerung seiner Verdienste um Hebung von Handel und Verkehr, vor allem aber der hochherzigen Förderung der schönen Künste und der Wissenschaften, der das kleine Städtchen Zweibrücken eine seltene Glanzperiode verdankte. Das Gymnasium erfreute sich des günstigsten Rufes, es sei nur an die von dortigen Schulmännern ausgegangenen, für ihre Zeit höchst verdienstlichen „Editiones Bipontinae“ erinnert. Wenn auch Ch. von der nach französischem Vorbild fast an allen deutschen Höfen festgewurzelten Prachtliebe und Neigung zu sinnlichen Vergnügungen nicht frei war, so stand er doch weit über den meisten Fürsten seiner Zeit, indem er den Glanz des Hofwesens nicht in der Zahl reichbetreßter Haiducken und|Lakaien erblickte, sondern im Ruhme der Künstler, die für ihn wirkten. Namentlich aus den (noch ungedruckten) Memoiren des baierischen Hofmalers und Galleriedirectors Christian v. Mannlich, eines geborenen Zweibrückeners, dem Herzog Ch. ein Mäcen im edelsten Sinne des Wortes war, ersehen wir, daß Kunst und Wissenschaft in Zweibrücken nicht wie in Mannheim nur als schmückendes Beiwerk höfischen Prunkes betrachtet, sondern um ihrer selbst willen gepflegt und gefördert wurden. Die von Mannlich mitgetheilten Briefe des Herzogs verrathen einen überraschenden Feinsinn für das Schöne in der Kunst. Den Winter pflegte Herzog Ch. alljährlich in Paris zuzubringen, wo er in der Rue royale St. Roch einen Palast besaß und später auch das Hotel der la Ballière in der Rue St. Augustin käuflich erwarb. Da ihm die Gaben eines Hof- und Weltmannes in hohem Maße eigen, war er am Hofe zu Versailles ein gern gesehener Gast und stand bei Ludwig XV. in hoher Gunst. Am liebsten verkehrte er mit den berühmten Künstlern und Gelehrten der Seinestadt. Die schöne Arnauld und die geistvolle Clairon, die Maler Vanloo und Boucher, der Philosoph Diderot, der Componist Philidor und andere Koryphäen versammelten sich häufig im Hôtel des Deuxponts, das alljährlich auch ein paar deutsche Maler oder Bildhauer oder Musiker beherbergte, die mit Unterstützung des Herzogs in Paris ihr Talent auszubilden suchten. Ch. war aber nicht etwa ein blinder Verehrer der französischen Kunst, das beweisen seine Briefe an Mannlich, worin er immer wieder mahnt, von Boucher und den andern gefeierten Künstlern der Akademie nur ihre technischen Vorzüge sich anzueignen, im übrigen aber das Studium der Natur hoch zu halten, — vor allem aber die Sorge und Förderung, die er dem deutschen Meister Gluck angedeihen ließ. Während der Vorbereitungen zu der in der Musikgeschichte ewig denkwürdigen Aufführung der Iphigenie zu Paris 1744 wohnte Gluck mit seiner Familie im Palast des Herzogs, der auch unermüdlich bemüht war, Sänger und Musiker für das dem französischen Geschmack widerstrebende Werk seines Schützlings zu interessiren. Nach dem unerwartet glücklichen Erfolg der Oper führte der Herzog selbst den Sieger nach Versailles, wo sich das Unerhörte ereignete, daß Ludwig auf dem Gang zur Messe dem deutschen Componisten mehrere gnädige Worte spendete. Gluck war auch längere Zeit Gast des Herzogs in Zweibrücken. Ch. IV. hatte sich schon in jungen Jahren mit einer Prinzessin von Nassau-Weilburg verlobt, doch wurde das Bündniß auf Wunsch des Herzogs wieder gelöst, damit er sich mit Maria Anna Fontevieux aus Straßburg, später zur Gräfin von Forbach erhoben, vermählen konnte. Aus dieser morganatischen Verbindung stammen die Freiherren von Zweibrücken. Schon im vierzigsten Lebensjahre erlag Ch. einem Lungenleiden (4. November 1775) und wurde im Chor der Alexanderskirche zu Zweibrücken bestattet. Seine ältere Schwester war Karoline Henriette, seit 1741 mit Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt vermählt, die „große Landgräfin“, der Friedrich der Große das Epitaph widmete: „Femina sexu, ingenio vir.“

    • Literatur

      Häusser, Geschichte der rheinischen Pfalz II. S. 997. Lehmann, Gesch. des Herzogthums Zweibrücken, S. 490.

  • Autor/in

    Heigel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heigel, Karl Theodor von, "Christian IV." in: Allgemeine Deutsche Biographie 56 (1912), S. 395 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118676067.html#adbcontent

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