Lebensdaten
1866 - 1940
Geburtsort
Posen
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Geschichtsphilosoph ; Historiker ; Philosoph ; Schriftsteller ; Soziologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118674048 | OGND | VIAF: 29662405
Namensvarianten
  • Breysig, Kurt
  • Breysig, Curt

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Zitierweise

Breysig, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118674048.html [27.01.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Alfred, Professor; Urgroß-O Adam Breysig (1766–1831), Theatermaler;
    M Klara Haffer;
    1) 1895 Marie Rommel, T eines Rittergutspächters, 2)1911 Marie, T des Kirchenbaumeisters und Präsidenten der Akademie der Künste Johannes Otzen, 3) 1924 Gertrud Friedburg.

  • Leben

    Als Schüler Gustav v. Schmollers studierte B., mit Ausnahme eines Semesters in Tübingen, ausschließlich in Berlin, wurde dort 1892 Privatdozent, 1896 außerordentlicher und 1923 ordentlicher Professor. Untersuchungen über die Abfolge der Entwicklungsalter der alt- und neueuropäischen Völker, über die soziale Entwicklung der führenden Völker Europas in der neuen und neuesten Zeit (vgl. Schmollers Jb., 1897, 1898) führten ihn zu einem realistischen Erfassen in empirisch zuverlässigen Einzeluntersuchungen über soziale Zustände, Recht, Verfassung, Kunst und Literatur zu Fundamentierungsarbeiten, die über die äußere Staatsgeschichte hinaus große Zusammenhänge des geistigen und sozialen Lebens der Völker miteinander verbinden, gesetzmäßige Zusammenhänge, bedingt von einer tieferen, sie gemeinsam tragenden Unterströmung der Menschheitsentwicklung. Alles Tun der Menschen spiegelt sich, bestimmt vom handelnden Willen der Menschen, in der Entwicklung in Staat und Recht, in Gesellschaft und Wirtschaft. So ergibt sich für B. eine Einheit des Geschehens, eine Geschichte der geistigen Kultur, die nicht nur aus einer Addition der einzelnen Zweige der Geschichte der Bildhauerei, der Baukunst, der Malerei und so fort besteht, sondern in der Einheit einer universalen Geistesgeschichte gipfelt. Dabei meint B. nicht den Sinnzusammenhang der Geschichte, wie ihn der Geist als Logos im Sinne der Hegelschen Philosophie darstellt, sondern seine Wissenschaftssystematik und Zusammenschau ist als Erkenntnishaltung durchaus empirisch orientiert. Er lehnt im Aufbau seiner universal gesehenen Weltgeschichte die einseitig nach dem Grundsatz der reinen Zeitordnung verfahrende Geschichtsschreibung ab. Seine Kulturgeschichte (Bd. 1 u. 2, 1900/01) und das 1905 vorgelegte Werk „Der Stufenbau und die Gesetze der Weltgeschichte“ (²1927) - bevor Oswald Spengler unter dem Aschenregen des Unterganges an seine Morphologie der Weltgeschichte dachte - kennzeichnen den Weg einer „Universalgeschichte“, die Weltgeschichte als Ganzes aus seiner inneren Einheit als den unabgeschlossenen Werdegang einer Menschheit erkennt. Urzeit, Altertum, frühes und spätes Mittelalter, neue und neueste Zeit verlaufen in analoger Abwandlung politischer und wirtschaftlicher Institutionen und dazu entsprechend die Entwicklungen des Glaubens, der Kunst, der Wissenschaft und der Literatur. Seine Forschungsmethode führte ihn, vergleichend und entwicklungsgeschichtlich verfahrend, zu einer Gesamtschau der geschichtlichen Vorgänge, die wir als den geschichtlichen Unterbau unserer eigenen Wirklichkeit empfinden. B.s klärendes Forschen über das Wirken von Kräften, durch das das Gesamtgeschehen der Geschichte seine Gestalt erhält, führte seine Lehre der geschichtlichen Dynamik zu einer Geschichtsschau und Naturerkennen zusammenfassenden kosmozentrischen Deutung des Menschheitsgeschehens, zu einer monokosmischen Sicht. So stellt er eine zum Ganzen geschlossene Weltsicht her aus Natur- und Menschheitsgeschehen, aus Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte. Dieses monokosmische antideistische Weltbild spiegeln seine „Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte“ (1933) und „Der Werdegang der Menschheit vom Naturgeschehen zum Geistgeschehen“ (1935). Als Forscher bemühte er sich, in diesen Werken nachzuweisen, wie das Vorbild des Weltgeschehens der Menschheit den Aufbau ihrer Denkwelt vermittelte und B. in Ehrfurcht vor dem Erd- und Naturgewachsenen die Formen des kulturellen, geistigen|und gesellschaftlichen Werdeganges der Menschheit ausdeutet. „Das Urbild aller Ordnung“ der Welt ruht in des Menschen Sinn und Forschen. Wie aber B. als Bejaher des Lebensweges seines Volkes den Anteil der Deutschen an der Geschichte der Menschheit sieht, das gestaltete er mit bewegender Gewalt in dem 1932 erschienenen Werk: „Vom deutschen Geist und seiner Wesensart“. Herders „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ setzte B., der unermüdliche Forscher, seine auf acht Bände berechnete „Geschichte der Menschheit“ als Krönung seines Lebenswerkes zur Seite (Bd. 1 u. 2, 1936-40).

  • Werke

    Weitere W Vom geschichtl. Werden, Bd. 1-3, 1925 bis 1928;
    Die Gesch. d. Seele im Werdegang d. Menschheit, 1931;
    Vom Sein u. Erkennen geschichtl. Dinge, 4 Bde. (Psychol. d. Gesch., 1935, Die Meister d. entwickelnden Gesch.-F, 1936, Gestaltungen d. Entwicklungsgedankens, 1940, Das neue Gesch.bild im Sinn d. entwickelnden Gesch.-F, 1944);
    Der Wille d. Welt an unserm Tun, 1942.

  • Literatur

    E. Hering, Das Werden als Gesch., K. B. u. sein Werk, 1939;
    W. Mitscherlich, in: Jbb. f. Nat.ökonomie u. Statistik 152, 1940, S. 466 ff. (W);
    ders., in: HZ 163, 1941, S. 669-72;
    E. Ziehen, in: FBPG 53, S. 382 f.;
    Schule d. Weisheit 8, (Weimar) 1940/41, IX, S. 91-95;
    H. v. Srbik, Geist u. Gesch. vom dt. Humanismus bis z. Gegenwart II, 1951, S. 239-43 (L). - Zu Adam B.: ADB III;
    ThB.

  • Autor/in

    Ernst Hering
  • Empfohlene Zitierweise

    Hering, Ernst, "Breysig, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 609-610 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118674048.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA