Lebensdaten
1886 – 1957
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Mediziner ; Neurologe ; Philosoph ; Professor in Heidelberg
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118630733 | OGND | VIAF: 19724125
Namensvarianten
  • Weizsäcker, Viktor Freiherr von
  • Weizsäcker, Victor Freiherr von
  • Weizsäcker, Viktor Freiherr von
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Zitierweise

Weizsäcker, Victor Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118630733.html [29.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    B Ernst (s. 1);
    Hamburg 1920 Olympia (1887–1979), aus Thann (Elsaß), T d. Friedrich Curtius (1851–1933), Dr. iur., D. theol., RA, Geh. Reg.rat, Kreisdir. in Straßburg, Präs. d. Direktoriums u. d. Oberkonsistoriums d. Kirche Augsburger Konfession in Elsaß-Lothringen (s. NDB III*, 20* u. 27*; NDBA), u. d. Louise Gfn. v. Erlach-Hindelbank (1857–1919);
    2 S Robert (* 1921, vermißt 1942 b.| Welikije Luki, Rußland), studierte Chemie, Eckhart (1925–45 ⚔), Lt., 2 T Ulrike (1923–48), Cora (1929–2009, Siegfried Penselin, 1927–2014, Dr. rer. nat., o. Prof. d. Physik in Bonn, s. Kürschner, Gel.-Kal. 2013);
    Schwager Ernst Robert Curtius (1886–1956), o. Prof. f. Romanistik in Marburg, Heidelberg u. Bonn (s. NDB III).

  • Biographie

    Nach dem Schulbesuch in Stuttgart (Abitur 1904) studierte W. in Tübingen, Freiburg (Br.), Berlin und Heidelberg Medizin. In Heidelberg legte er 1909 die ärztliche Prüfung ab. Das Praktische Jahr absolvierte er ebenda und in Freiburg. 1910 wurde er bei dem Internisten Ludolf v. Krehl (1861–1937) in Heidelberg zum Dr. med. promoviert. Die Approbation erhielt er 1911. Anschließend trat er eine Assistentenstelle bei v. Krehl an. Obwohl er während des 1. Weltkriegs als Militärarzt tätig war, konnte er sich 1917 mit einer Arbeit über die Energetik des Herzmuskels in Heidelberg habilitieren. 1920 übernahm er die Leitung der Nervenabteilung der Medizinischen Klinik der Univ. Heidelberg (1922 ao. Prof. f. Neurol.). Es entstanden zahlreiche innovative Studien zu diversen neurologischen Themen, z. B. zur Problematik von Willkürbewegungen und Reflexen bei Erkrankungen des Zentralnervensystems. Wie Kurt Goldstein (1878–1965) in Frankfurt/M. trat W. für eine „ganzheitliche“ Sichtweise ein und wies darauf hin, daß Substanzverlust im Bereich des Nervensystems durch „Funktionswandel“ kompensiert werden könne.

    W. beschränkte seine Aktivitäten nicht auf die Neurologie. 1926–30 gab der Protestant W. mit dem Juden Martin Buber (1878–1965) und dem Katholiken Joseph Wittig (1879–1949) die interreligiöse Zeitschrift „Die Kreatur“ heraus, in der er grundlegende Beiträge zu einer „Medizinischen Anthropologie“ veröffentlichte. Ein wichtiges Thema war dabei die „Einführung des Subjektes in die Medizin“: W. wollte Kranke behandeln, nicht Krankheiten. Mitte der 1920er Jahre begann W., sich mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds zu beschäftigen und für eine „psychosomatische“ Medizin einzutreten, die Lebensgeschichte und -umstände des Patienten berücksichtigen sollte. Ende der 1920er Jahre wandte er sich darüber hinaus sozialmedizinischen Themen zu (u. a. der Rentenneurose). Er richtete 1930 eine sog. Neurotiker-Abteilung an seiner Nervenabteilung in Heidelberg ein, in der Gruppen- und Arbeitstherapie mit dem Ziel der Wiedereingliederung der Patienten in das Berufsleben praktiziert wurden.

    Im Bereich der Neurologie forschte W. in den 1930er Jahren v. a. zur Einheit von Wahrnehmen und Bewegen. 1940 erschien das Buch „Der Gestaltkreis“, dessen Hauptthese war, daß Leib und Seele eine „kreisförmige Ordnung“ bilden, in der jedes Glied auf das andere wirkt. 1941 wechselte W. auf das Ordinariat für Neurologie nach Breslau, wo er auch als Leiter des von Otfried Foerster (1873–1941) gegründeten Neurologischen Forschungsinstituts, als Chefarzt der Neurologischen Klinik des städtischen Wenzel-Hanke-Krankenhauses und als Leiter eines großen Hirnverletztenlazaretts (zuletzt als Oberstarzt) wirkte. Während der NS-Zeit machte W. Zugeständnisse an die Machthaber (u. a. trat er in das Nat.sozialist. Kraftfahrkorps ein), doch distanzierte er sich auch in vielen Punkten von der NSDAP (z. B. in bezug auf den Antisemitismus). W. verließ Breslau Anfang 1945. Nach einer kurzen Zeit in amerik. Kriegsgefangenschaft gelangte er nach Heidelberg, wo er 1946 eine Professur für Allgemeine Klinische Medizin erhielt. Die Ernennung wurde rückwirkend zum 15. 8. 1945 ausgesprochen. Er förderte in Heidelberg u. a. Alexander Mitscherlich (1908–82), der 1950 eine Abteilung für Psychosomatische Medizin einrichtete, die dem W.schen Lehrstuhl zugeordnet war. 1952 wurde W. aufgrund einer Erkrankung an Morbus Parkinson emeritiert. 1956 erschien das Spätwerk „Pathosophie“, in dem er seine Forschungen theoretisch überhöht zusammenfaßte.

  • Werke

    Weitere W Ges. Schrr., hg. v. P. Achilles u. a., 10 Bde., 1986–2005;
    Nachlaß: DLA Marbach.

  • Literatur

    |P. Hahn u. W. Jacob (Hg.), V. v. W. z. 100. Geb.tag, 1986 (P);
    T. Henkelmann, V. v. W. (1886–1957), Materialien z. Leben u. Werk, 1986 (P);
    U. Benzenhöfer, Der Arztphilos. V. v. W., Leben u. Werk im Überblick, 2007 (P);
    zur Fam.: GHdA 62, Frhrl. Häuser B VI, 1976, S. 448.

  • Autor/in

    Udo Benzenhöfer
  • Zitierweise

    Benzenhöfer, Udo, "Weizsäcker, Victor Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 714-715 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118630733.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA