Lebensdaten
1904 bis 1948
Geburtsort
Neheim bei Arnsberg (Sauerland)
Sterbeort
Paris
Beruf/Funktion
katholischer Priester
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11861830X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stock, Franz

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Zitierweise

Stock, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861830X.html [22.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (1874–1946, aus Ruhne b. Ense (Kr. Soest), Arbeiter in e. Fabr. f. Kleineisenteile;
    M Franziska Schramm (1881–1956, aus Ruhne; 8 jüngere Geschw.

  • Leben

    Mit Zustimmung des örtlichen Dechanten und finanziell unterstützt vom Arbeitgeber des Vaters besuchte S. seit 1917 das Neheimer Realgymnasium (seit 1961 F.-S.-Gymnasium). Während seiner Schulzeit schloß er sich dem jugendbewegten Bund „Neudeutschland“ an und wechselte später zum „Quickborn“, in dem ihn Naturliebe und Gruppenleben im Geiste bewußt gelebten christl. Glaubens begeisterten. Entscheidende Impulse empfing er von Romano Guardini (1885–1968), einem Vordenker des Quickborn, der in seiner Person und in seinen Schriften auf die kirchliche Jugendbewegung insgesamt maßgeblichen Einfluß ausübte. Guardinis „Briefe über Selbstbildung“ (1922) prägten S. besonders. Nach dem Abitur 1926 begann S. sein Theologiestudium in Paderborn. Hier konfrontierten ihn u. a. August Pieper (1866–1942) und Carl Sonnenschein (1876–1929) mit Problemstellungen der modernen christlichen Soziallehre. 1926 nahm S. in Bierville bei Paris an dem internationalen Friedenstreffen „Friede durch die Jugend“ teil, bei dem er mit den Gründern der „Compagnons de Saint François“ zusammentraf und erstes dt. Mitglied dieser neuen, den Idealen des Hl. Franziskus verpflichteten geistlichen Gemeinschaft wurde. 1928 ging er als einziger Deutscher für ein „Freisemester“ an das Institut Catholique in Paris. Wegen seiner Aktivitäten stand S. in jenen Jahren bei manchen im Ruf, ein „Linkschrist“ bzw. „Roter“ zu sein. 1931 zum Diakon und 1932 in Paderborn zum Priester geweiht, wurde S. Seelsorger in Effeln bei Lippstadt und in Dortmund-Eving,|bevor er 1934 als Rektor der „Kath. Gemeinde Dt. Sprache“ nach Paris ging. 1939 mußte S. auf Weisung der dt. Botschaft einige Tage vor dem Angriff auf Polen Paris verlassen. Er wurde vom Paderborner Erzbischof als Seelsorger in Dortmund und Klein Wanzleben (bei Magdeburg) eingesetzt. Seit Aug. 1940 wieder in Paris, kehrte S. im März 1941 in sein altes Amt zurück und wurde zudem dt. Standortpfarrer im Nebenamt in Paris (mit Wehrmachtsgottesdiensten und Lazarettseelsorge). Es gelang ihm, das kirchliche und caritative Leben als verantwortlicher Seelsorger so zu gestalten, daß seine weltanschauliche Distanz zum Nationalsozialismus nicht zu Mißtrauen bei den Machthabern führte. Zu seinen Verpflichtungen zählte auch der Besuch und die seelsorgliche Betreuung franz. Gefängnishäftlinge sowie die Begleitung von mehr als 2000 zum Tode verurteilter Widerstandskämpfer und Geiseln zur Hinrichtung. In seiner vorbehaltlosen Zuwendung zu den Inhaftierten, ungeachtet ihrer politischen oder religiösen Überzeugung, erwarb sich S. hohes Ansehen in kirchlichen Kreisen. Aber auch in den Teilen der franz. Bevölkerung, die dem Widerstand nahestanden, bzw. den Familien, die unmittelbar betroffen waren, wurde er geschätzt. S. stand den Todeskandidaten am Ende oft als einziger Gesprächspartner zur Verfügung, wurde zum Überbringer letzter Botschaften an die Angehörigen und sorgte für die Aushändigung persönlicher Andenken an die Familien. Mit seinem priesterlich-sakramentalen Dienst drängte er sich den Delinquenten nicht auf, konnte aber eine Reihe (Wieder-)Bekehrungen zum kath. Glauben registrieren.

    Bei Kriegsende ging S. freiwillig in franz. Kriegsgefangenschaft, um als Seelsorger für dt. Kriegsgefangene tätig zu werden. Er war u. a. in einem amerik. Lager bei Cherbourg untergebracht. Bald darauf erhielt er dort von den franz. Behörden den außergewöhnlichen Auftrag, mit dem Titel eines „Aumônier-Commandant“ (d. h. Leitender Feldgeistlicher) Rektor eines Priesterseminars zu werden, das kriegsgefangenen dt. Theologiestudenten die Fortsetzung ihres Studiums ermöglichen sollte. Das Seminar wurde im Depôt 51 des Lagers Orléans für 28 Studenten eingerichtet. Unter der Leitung von „Abbé Stock“ wurde es bald erweitert und im Aug. 1945 nach Chartres in das Depôt 501 verlegt. Der Nuntius in Frankreich, Angelo Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., besuchte das „Stacheldrahtseminar“ mehrfach und unterstützte das Vorhaben engagiert. Bis zur Schließung dieser Hochschule im Juni 1947 hatten 949 Seminaristen sie durchlaufen.

    S. starb 1948 in Paris und wurde als dt. Kriegsgefangener beerdigt. Die Aussegnung übernahm Roncalli. In Anerkennung seiner besonderen Verdienste als bedeutender Wegbereiter der dt.-franz. Aussöhnung wurde S. 1949 als erster Deutscher mit einer Gedenkfeier im Invalidendom in Paris geehrt. Sein Leichnam wurde 1963 exhumiert und in die neue Kirche St-Jean-Baptiste in Rechèvres (Chartres) überführt. In S.s Elternhaus in Neheim wurden 1998 einige Räume als „Gedenkstätte und Begegnungszentrum Abbé Franz Stock“ eingerichtet. Die Halle des „Stacheldrahtseminars“ wird seit 2005 zur internationalen Begegnungsstätte „Centre Européen de Rencontre Franz Stock“ gestaltet. S.s Seligsprechungsprozeß wird seit 2009 in Paderborn geführt.

  • Auszeichnungen

    A Dr. h. c. theol. (Freiburg, Br. 1947); Gedenktafel am Elternhaus in Neheim (seit 1955); F.-S.-Str., Neheim (seit 1957); Studentenwohnheim F. S. (Göttingen, seit 1959); Place de l`Abbé S. (Chartres, seit 1963); Association Française Les Amis de l`Abbé S. (Paris, seit 1963); F. S.-Komitee f. Dtld. (Neheim, seit 1964); Denkmal v. J. Rikus vor d. St. Johannes-Kirche (Neheim, seit 1965); Square F. S. (Le Mans, seit 1981); Place de l`Abbé S., Mémorial de la France Combattante, Suresnes (Paris, seit 1990); Association Chartraine F. S. (Chartres, seit 1991); Centre Abbé F. S., Dt.sprachige Kath. Seelsorgestelle in d. Region Provence-Alpes-Côte d`Azur (Aixen-Provence, seit 1998); Centre Européen de Rencontre F. S. (Le Coudray, seit 2002; Zusammenschluß d. drei franz. Ges. zu „Les Amis de F. S.“, Le Coudray, 2008).

  • Werke

    F. Jammes, Les plus belles pages de Francis Jammes, hg. u. eingel. v. F. S., o. J. [1933];
    P. Lhande, Gott in der Wüste, 1931 (Übers.);
    Hundert J. dt. Seelsorge in Paris 1837–1937, 1937;
    Die ersten dt. Buchdrucker in Paris um 1500, 1940, Nachdr. 1992;
    Manuel du Soldat Chretien, Argumente et revu par m. F. S., 1940;
    Die Bretagne, Ein Erlebnis, 1943, Nachdr. 1993;
    Nachlaß:
    Tageb. über S.s Seelsorgearbeit in Paris (Ebfl. Archiv Paderborn);
    F.-S.-Archiv, Arnsberg;
    Ebfl. Archiv Paris;
    Archiv d. franz. Bf.konferenz;
    Pfarrarchiv, Klein Wanzleben.

  • Literatur

    A. Albert, Das war Abbé S., Ein Leben zw. Fronten, 1960 (P);
    E. Kock, F. S., Priester zw. d. Fronten, 1962, 31985, Nachdr. 1996, 21997 (P);
    ders., Zwichen d. Fronten, Der Priester F. S., 1964, franz. 1966;
    R. Closset, L`Aumônier de l`enfer, 1964, dt. u. d. T. Er ging durch die Hölle, 1965, Nachdr. 1988 (P);
    H. Bücker, Abbé S., Ein Wegbereiter d. Versöhnung zw. Dtld. u. Frankr., 1964 (P);
    M.-A. Rousseau, F. S., 1969 (P);
    D. Lanz, Abbé S., Die Herausforderung annehmen, 1984, Nachdr. 1985;
    ders., Abbé F. S., Kein Name, ein Progr., 1997 (P);
    ders., Frieden als Auftrag, Broschüre z. (Wander-)Ausst., dt. u. franz. Ausgg., 2006;
    K.-H. Kloidt (Hg.), Chartres 1945, Seminar hinter Stacheldraht, Eine Dok.,|1988;
    B. F. Hanley, The Priest (The Anthonian), 1988;
    ders., The Last Human Face, F. S., A Priest in Hitler`s Army, 2010 (P);
    J. Perrier, L`Abbé S. 1904–1948, Heureux des doux, 1998;
    Ch. Klein, Et moi je vous dis: „Aimez vos ennemis“, 1989;
    H. Cornelissen, Abbé F. S., Dreiklang e. Freundschaft, 2001;
    R. Loonbeek, F. S., La fraternité universelle, 22007(P);
    R. Jauch, Gott als wahrer Ursprung u. Ziel d. Lebens, Die dt.-franz. Freundschaft mit ihren christl. Wurzeln dient als Vorbild f. d. europ. Einigungsprozeß, in: Die Tagespost v. 7. 7. 2007, S. 8;
    ders., Hochschule hinter Gittern, Das „Stacheldrahtseminar“ in Chartres 1945–1947, in: Studenten-Kurier, Zs. f. Studentengesch., Hochschule u. Korporationen 2007, H. 3 /4, S. 7–9;
    ders., Abbé F. S. u. d. Odyssee seines Gefängnistageb., in: Rhenania Franciscana 1, 2008, S. 55–59;
    H. Klueting, Contra spem sperare, Zwei dt. Priester in Frankr., Abbé F. S. (1904–1948 u. Erzabt P. Raphael Walzer OSB (1888–1966, in: Theologisches, Kath. Mschr. 29, 2009, S. 255–66;
    Westfäl. Köpfe (P);
    BBKL 30;
    Zeitgesch. Lb. IX (P)

  • Portraits

    | Ölgem. v. S. Köder, 1997 (Paris, Altarbild d. Kirche d. dt.sprachigen Gde.);
    Gedenkstein mit Porträtrelief, 1998 (Brilon-Borberg);
    Bronzerelief v. M. u. Ch. Winkelmann, 1983 (Neheim, Tabernakel in d. St. Franziskus-Kirche);
    Bronzetafel F. S. als Simon v. Zyrene v. B. Gerresheim, 2007 (Bielefeld, 5. Station d. Kreuzwegs in d. Hl.-Geist-Kirche).

  • Autor/in

    Robert Jauch OFM
  • Empfohlene Zitierweise

    Jauch, Robert, "Stock, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 366-68 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861830X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA