Lebensdaten
1904 bis 1984
Geburtsort
München
Sterbeort
Großgmain bei Salzburg
Beruf/Funktion
Regisseur ; Theaterleiter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118611208 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schuh, Oskar Fritz
  • Schuh, Oscar F.
  • Schuh, Oscar Fritz
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Schuh, Oscar Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118611208.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Fritz (1876–1926), aus Diespeck (Mittelfranken), Dr. med. vet., Städt. Tierarzt in M.;
    M Käthe (1879–1964), T d. Johann Jakob Erlwein (1844–1900), Hotelier u. Restaurateur in M., u. d. Elise Ziegler (1843–1900);
    Om Hans Erlwein (1872–1914), Architekt, Stadtbaurat in Bamberg (s. NDB IV);
    Hamburg 1939 Ursula (1908–93), aus Dockenhuden b. Hamburg, Malerin, studierte in Berlin, Heidelberg, Paris u. b. Wassily Kandinsky am Bauhaus in Dessau, lebte 1931-37 mit Unterbrechungen in Paris, 1945-47 Zeichnerin, später Bildredakteurin u. Kritikerin f. d. Ztgg. „Welt am Montag“ u. „Welt am Abend“, kurzzeitig Leiterin d. Feuilletons, 1947 Mitbegründerin d. österr. Art Club in Wien, 1942-63 Ausstellungen u. a. in Wien (Neue Gal.), Linz (Neue Gal.) u. Köln (Wallraf-Richartz-Mus., 1961), Bühnenbildnerin (Staatsoper Hamburg, „Der Feuervogel“ v. Igor Strawinsky, 1964), weitere Arbb. mit ihrem Mann u. a. in Hamburg (Schausp.-haus), Berlin (Freie Volksbühne), Kopenhagen (Kgl. Opernhaus, „Don Giovanni“ v. W. A. Mozart, 1969) u. Salzburg (Landestheater, „Rita“ v. G. Donizetti, „Gianni Schicchi“ v. G. Puccini, 1979) (s. L), T d. Benno Diederich (1870–1944), Schriftst. in Hamburg, Prof.; kinderlos.

  • Leben

    Nach nur drei Jahren Volksschule besuchte S. in seiner Heimatstadt das humanistische Theresien-Gymnasium bis zum Abitur 1921, berichtete jedoch schon 1920 als Theaterkorrespondent der Berliner Zeitschrift „Der Fechter“. 1921 begann S., in München Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik zu studieren und nahm daneben auch sprechtechnischen und darstellerischen Unterricht. 1923 konnte er mit „Hanneles Himmelfahrt“ von Gerhart Hauptmann seine erste Inszenierung vorstellen (Bayer. Landesbühne, Schauspielgruppe Augsburg). In der Folge war er in Oldenburg (1924/25), Osnabrück (1925/26, erste Opernregie), Darmstadt (1926/27) und Gera (1927–31) tätig, wo er mit seiner Absage an einen naturalistischen „Parsifal“ (Richard Wagner) Anstoß erregte. Nach einem Engagement am Dt. Theater in Prag wechselte er zur Spielzeit 1932/33 als Oberspielleiter an die Staatsoper Hamburg und in derselben Funktion im Mai 1940 an die Staatsoper in Wien (bis 1950). Dort gelang es ihm in Zusammenarbeit mit dem von ihm nach Wien geholten Bühnenbildner Caspar Neher (1897–1962), seine Vorstellungen von modernem Musiktheater durchzusetzen. So entwickelten sie für „Figaros Hochzeit“ (W. A. Mozart, Redoutensaal 1941) auf einer antiillusionistischen Szene eine ungewohnt scharfzeichnende Figurencharakterisierung, die zum Ausgangspunkt eines auch nach Salzburg exportierten richtungsweisenden „Mozart-Stils“ wurde.

    Mit Erhalt der österr. Staatsbürgerschaft konnte S. nach 1945 seine Arbeit in Wien fortsetzen. 1946 wurde er erster Regisseur der Salzburger Festspiele. Zu den großen Werken von Mozart kamen bedeutende Uraufführungen: „Dantons Tod“ und „Der Prozeß“ (Gottfried v. Einem, 1947/53), „Der Zaubertrank“ (Frank Martin, 1948), „Antigonae“ (Carl Orff, 1949), „Penelope“ und „Die Schule der Frauen“ (Rolf Liebermann, 1954/57) sowie „Irische Legende“ (Werner Egk, 1955). 1950 inszenierte S. erstmals in Berlin (an Walter Felsensteins Komischer Oper), wo er sich 1951 mit Luigi Pirandellos „Sechs Personen suchen einen Autor“ für die Leitung der Freien Volksbühne (im Theater am Kurfürstendamm) qualifizierte; diese machte er 1953-58 mit einem individuellen, auf August Strindberg und Eugene O'Neill konzentrierten und mit österr. Dramatikern kontrapunktierten Spielplan zu einem der führenden Theater der Stadt. Seit 1959 Generalintendant der Städtischen Bühnen Köln, verpflichtete er Wolfgang Sawallisch als Generalmusikdirektor, beauftragte Aurel v. Milloss mit der Bildung einer Ballettkompanie und band Künstler wie Hans Lietzau, Grete Mosheim und Bernhard Minetti an sein Haus. Darüber hinaus gründete er das Opernstudio zur Nachwuchspflege und initiierte die Übersiedlung der Philharmonia Hungarica von Wien ins Ruhrgebiet, um sie als zweites Orchester einzusetzen. 1960 erhielt S. einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Köln. 1963 trat er die Nachfolge Gustaf Gründgens' am Dt. Schauspielhaus in Hamburg an, blieb aber mit einer Variante des in Berlin erprobten Spielplankonzepts eher glücklos.

    Seit seinem vorzeitigen Abgang aus Hamburg 1968 arbeitete er international als freier Regisseur u. a. bei den Salzburger Festspielen (Der Sturm, v. William Shakespeare, 1968; Figaro läßt sich scheiden, v. Ödön v. Horváth, 1970; Zum großen Wurstel, v. Arthur Schnitzler, 1970) und in München (Die Frau ohne Schatten, v. Richard Strauss, Staatsoper 1972). Die meisten seiner jüngeren Inszenierungen wollte er selbstkritisch nur als „Routinearbeiten“ gelten lassen. Wichtig dagegen nahm er seine Idee eines Straßentheaters, die er 1970 in Salzburg realisieren konnte (Frühere Verhältnisse, v. Johann Nestroy, 1970; Stücke u. a. von Karl Valentin, Ödön v. Horváth, Fritz v. Herzmanovsky-Orlando) sowie das kurzlebige, 1971 gegründete Ensemble Szene 71; es sollte in Kooperation mit dem Goethe-Institut und dem Schweinfurter Theater als Kulturbotschafter Deutschlands im Ausland fungieren. Seit 1973 leitete er auch das seinem Straßentheater verwandte „Fest in Hellbrunn“ (letzte Inszenierungen 1984: Wölkenkuckucksheim, v. Karl Kraus u. Kasperl als Garibaldi, v. Franz v. Pocci).

    Ästhetisch in den 20er Jahren verwurzelt, war S. einer der maßgeblichen Initiatoren eines gegen das Kulinarische gerichteten „musikalischen“ Theaters, in dem Musik und kontrapunktische, nicht illustrierende Szene homogen und gleichgewichtig aufeinander zu beziehen sind. In bewußter Distanz zu Bertolt Brecht suchte er ein gegen Ideologien, immunisierendes' Theater der geistigen, psychologischen und künstlerischen Auseinandersetzung mit zentralen menschlichen Anliegen. Seine Inszenierungen waren geprägt von Stilisierung und illusionsbrechenden Räumen.

  • Auszeichnungen

    o. Mitgl. d. Ak. d. darstellenden Künste Hamburg u. d. Ak. d. Künste Berlin; Preis d. Verbandes d. dt. Kritiker in Berlin (1956); Gr. Ehrenzeichen f. Verdienste um d. Rep. Österr. (1959); Gr. Silberne Medaille d. Mozartstadt Salzburg (1966); BVK|(1967); Ehrenmitgl. d. Freien Volksbühne Berlin (1980).

  • Werke

    Weitere W u. a. Schrr.: Zur Inszenierung d. „Zauberflöte“, in: Mitt. d. Salzburger Festspielhausgem. 4, 1921, Nr. 9/10, S. 1-14;
    Das Kostüm d. „Räuber“, in: Rhein. Thalia, Bll. f. bad. u. pfälz. Kultur. 1. Jg., 1922, H. 31, S. 608 f.;
    Sieben dt. Molière-Überss., ebd., H. 37, S. 730-36 u. H. 41, S. 810 f.;
    Bühnengesch. v. Kleists „Käthchen v. Heilbronn“, ebd., H. 42, S. 827-32;
    Moderne Opernregie, in: Neue Musik-Ztg. 44, 1923, H. 14, S. 225 f.;
    Salzburger Dramaturgie, 1951, 21969;
    Der Dramatiker Eugene O'Neill, in: Zwei Völker im Gespräch, 1961, S. 188-96 (Vortr. v. 15.6.1961 im Amerika-Haus Köln);
    Bühne als geistiger Raum, 1963 (mit F. Willnauer: Verz. d. Inszenierungen v. 1932/33-62, Verz. d. wichtigsten Publl. v. 1951–62, P);
    Was kommt nach Gründgens, O. F. S., d. neue Intendant d. Dt. Schauspielhauses, entwickelt seine Pläne f. Hamburg, in: Theater heute 9/1963, S. 8 f.;
    Vorwort, in: Lawrence Durrell, Drei dramat. Dichtungen, 1964, S. 6-8;
    Straßentheater, in: Salzburger Festspiele 1970, Offizielles Progr., S. 351 f.: Zum 100. Geb. H. v. Hofmannsthals, in: Salzburger Kestspiele 1974, Offizielles Progr., S. 19-23 (Rede z. Eröffnung d. Salzburger Festspiele 1974);
    Konservatives Theater – experimentelles Theater, 1975;
    Opernregie – e. dt. Erfindung, Betrachtungen über d. Entwicklung d. Musiktheaters, in: Opernwelt 2, 1975, S. 32-37 (P);
    Übers.: Fast e. Poet, Drama in 4 Akten v. E. O'Neill, übertr. aus d. Amerik. v. Ursula u. O. F. S., 1979;
    Filme:
    „Ein toller Tag“ v. Pierre Augustin Caron de Beaumarchais (u. a. mit Elisabeth Flickenschildt, Kurt Meisel, Lola Müthel), UFA, 1944/45 (unvollendet);
    „Adrienne Mesurat“ nach d. Roman v. Julian Green (Titelrolle: Ruth Niehaus), Fernsehfilm 1969;
    Autobiogr.:
    So war es – war es so?, Notizen u. Erinnerungen e. Theatermannes, 1980 (P); – Interview: Lebendiges Theater, O. F. S. im Gespräch, 1-10, in: Opernwelt 2-1 u. 11-12, 1985 sowie 1-4 u. 7, 1986 (P);|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv d. Salzburger Festspiele, Salzburg (Bibl., Korr., Regiebücher, Photogrr).

  • Literatur

    eine krit. Monogr. liegt bisher nicht vor ;
    H. Freund u. W. Reinking, Musikal. Theater in Hamburg, 1938;
    E. Lüth, Hamburger Theater 1933–15, 1962;
    F. Hadamowsky, Caspar Neher u. Salzburg, in: Österr. Musikzs. 20, 1965, S. 421 f.;
    M. Kaindl-Hönig, Berufung auf den „Lustort“ Hellbrunn, ebd. 28, 1973, S. 326-31;
    J. Kaut, Salzburger Dramaturgie, in: ders., Festspiele in Salzburg, 1965, S. 172-80;
    H. Schwarz, in: Regie – Idee u. Praxis moderner Theaterarbeit, 1965, S. 333-35;
    W. Reinking, Spiel u. Form, 1979;
    I. Fabian, O. F. S., Würdigung eines gr. Theatermannes, in: Oper 1984 (Jb. d. Zs. Opernwelt), S. 4 (P);
    G. v. Einem, A. Everding u. a., Begegnungen mit O. F. S., ebd., S. 5-7;
    St. Gallup, A History of the Salzburg Festival, 1987, dt. u. d. T. Die Gesch. d. Salzburger Festspiele, 1989;
    E. Fuhrich u. G. Prossnitz (Hg.), „Das klinget so herrlich, das klinget so schön“, 1991 (P);
    H. Jaklitsch, Die Salzburger Festspiele 3, Verz. d. Werke u. d. Künstler 1920-1990, 1991;
    S. Schmidt, Der Komp. u. d. Regisseur, O. F. S.s Auseinandersetzung z. Thema Mozart …, in: P. Csobádi u. a. (Hg.), Das Phänomen Mozart im 20. Jh., 1991, S. 117-31;
    S. Marchart, „… die Komödianten kommen!“, Das Salzburger Straßentheater v. O. F. S., Diss. Wien 2005;
    H. Rischbieter (Hg.), Theater-Lex.;
    Munzinger;
    Riemann Erg.bd.;
    Ena dello Spettacolo;
    Ch. Trilse. K. Hammer u. R. Kabel, Theaterlex., 1977;
    P. S. Ulrich, Theater, Tanz u. Musik im Dt. Bühnenjb., 1985;
    R. Fath, Reclams Opernlex., 1989;
    I. Ackerl u. F. Weissensteiner, Österr. Personenlex., 1992;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Personenlex. Östen., hg. v. E. Bruckmüller, 2001;
    A. Haslinger u. P. Mittermayr (Hg.), Salzburger Kulturlex., 1987, 22001;
    Hist. Lex. Wien;
    Sucher, Theaterlex.;
    Österr. Musiklex.;
    MGG2;
    zu Ursula Schuh:
    Hans Fronius – U. S., Kleine Bücherei, April 1949, Ausst.kat. Neue Gal. d. Stadt Linz 1949;
    Der Art Club in Österr., hg. v. O. Breicha, 1981;
    Malerinnen d. XX. Jh., hg. v. B. Küster, 1995;
    Vollmer.

  • Autor/in

    Ralph-Günther Patocka
  • Empfohlene Zitierweise

    Patocka, Ralph-Günther, "Schuh, Oscar Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 672-674 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118611208.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA