Lebensdaten
1747 bis 1835
Geburtsort
Vornbach/Inn
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Jesuit ; Naturforscher
Konfession
katholisch?
Normdaten
GND: 11861066X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schrank, Franz von Paula (bis 1808)
  • Schrank, Franz de Paula von
  • Schranck, Franz von
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schrank, Franz von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861066X.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1709–86), Richter am Benediktinerklostor in V., später Landgutverw., dann Advokat in Passau, S d. Johannes Schranckh (1672–1724), Ratsbürger, Bäckermeister u. Handelsmann in Freyung, u. d. Juliana Kauffmann; Mutter Walburga (1720–58), T d. Johann Anton Cantus (1671–1743), aus Hartkirchen/Inn, Hofrichter am Benediktinerklosler in V., u. d. Maria Klara Höller;
    4 B (3 früh ), 1 Schw.

  • Leben

    Nach Unterricht durch die Eltern besuchte S. seit 1756 die Jesuitenschule in Passau und wurde 1762 in die Gesellschaft Jesu aufgenommen. Das anschließende zweijährige Noviziat des Ordens absolvierte S. in Wien und einige Wochen in Ödenburg (Sopron, Ungarn). Weitere ordensübliche Studien absolvierte S. in Raab (Ungarn) 1765. Tyrnau (Ungarn) 1766-68 und Wien 1769. Neben theologisch-philosophischen und altsprachlichen Studien beschäftigte er sich intensiv mit Mathematik, Physik, Entomologie, Astronomie und Botanik. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes versagte ihm der Ordens-General Laurentius Ricci die ersehnte Stelle als Missionar in Indien oder Amerika und versetzte S. im Herbst 1769 als Lehrer an die Jesuitenschule in Linz. Nach Aufhebung des Ordens 1773 kehrte S. nach Wien zurück, wurde 1774 in Passau zum Subdiakon und drei Monate später in Wien zum Priester geweiht (Dr. theol. 1775 oder 1776).

    1776 erhielt S. die Professur für Physik und Mathematik am Lyzeum in Amberg und 1779 die für Rhetorik am Lyzeum in Burghausen. 1784 als Professor für Landwirtschaft an die Univ. Ingolstadt versetzt, lehrte er zudem Forstwissenschaft, Bergbau, Botanik und Zoologie. 1785 publizierte S. mit Karl Ehrenbert v. Moll (1760–1838) „Naturhistorische Briefe über Österreich, Salzburg, Passau und Berchtesgaden“ (2 Bde.), seine erste naturkundliche Reisebeschreibung. Im selben Jahr erschien das Lehrbuch „Anfangsgründe der Botanik“ und darauf die „Baiersche Reise“ (1786), das Ergebnis einer 1784 unternommenen botanisch-naturhistorischen Exkursion durch Oberbayern. S.s „Baiersche Flora“ (2 Bde., 1789) ist die erste „Gesamtflora“ Bayerns. Die natur- und landeskundliche Beschreibung „Reise nach den südlichen Gebirgen von Bayern“ (1793) entstand nach einer Reise, die S. 1788 auf Veranlassung der Bayer. Akademie der Wissenschaften unternommen hatte.

    Nach der Verlegung der Universität nach Landshut 1800 wirkte S. dort als Professor der Botanik (u. a. Lehrer d. späteren bayer. Kg. Ludwig I.). 1809 nach München versetzt, wurde er erster Konservator und Direktor des im selben Jahr gegründeten Botanischen Gartens. Er verankerte die wissenschaftliche Botanik in Bayern und erlangte mit seiner literarischen Tätigkeit internationales Ansehen. S. gilt als einer der bedeutendsten Botaniker Bayerns. Seine Reisebeschreibungen bilden wichtige Quellen der bayer. Landeskunde.

  • Auszeichnungen

    Rr.kreuz tl. Zivilverdienstordens d. bayer. Krone (1808); Geh. Geistl. Rat (1824); Ludwigs-Orden (1829); Ehrenmitgl. d. Regensburger Botan. Ges.; Mitgl. u. a. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (ao. 1778, o. 1809), d. Ak. gemeinnütziger Wiss. (Erfurt), d. Leopoldina (1816), d. Ges. naturforschender Freunde (Berlin), d. Ökonom. Ges. (Leipzig), d. Polytechn. Ver. (München), d. Ges. z. Forderung d. gesamten Naturwiss. (Marburg), d. Wernerian Natural History Soc. (Edinburgh), d. Ges. f. Physik u. Naturgesch. (Genf) u. d. Soc. Linnéenne (Paris).

  • Werke

    ca. 270 Publl., u. a. Beyträge z. Naturgesch., 1776;
    Anfangsgründe d. Bergwerkskunde, 1793;
    Nachrr. v. d. Begebenheiten u. Schrr. berühmter Gelehrten, 1797;
    Fauna Boica, Durchgedachte Gesch. d. in Baiern einheim. u. zahmen Thiere, 3 Bde., 1798-1803;
    Briefe naturhist., physikal. u. ökonom. Inhalts, 1802;
    Grundriß e. Naturgesch. d. Pflanzen, 1803;
    Flora Monacensis seu plantae sponte circa Monachium nascentes, 4 Bde., 1811-18;
    Hexämeron, Eine physikal.-theol. Erklärung d. Sechs Schöpfungstage, 1829, 21838.

  • Literatur

    ADB 32;
    C. F. P. v. Martius, Denkrede auf F. v. S., 1836 (W-Verz.);
    M. J. Hufnagel, Berühmte Tote im Südl. Friedhof zu München, 1969;
    A. Zimmermann, F. v. S., Naturforscher zw. Aufklärung u. Romantik, in: Neue Münchner Btrr. z. Gesch. d. Med. u. Naturwiss., 4, 1981 (W, P);
    ÖBL;
    Killy;
    Pogg. II-VII a Suppl.;
    LThK;
    Biogr. Lex. LMU (W, L);
    Lex. dt.sprachiger Bryologen, 2001; |

  • Quellen

    Qu Archiv d. Bm. Passau; HStA München.

  • Portraits

    u. a. Büsten v. E. J. E. Maier, um 1836 (München, Botan. Garten) u. v. F. Schönlaub, 1848 (ebd., Ruhmeshalle);
    Ölgem. v. J. G. Edlinger, um 1780 (Stadtmus. Landshut) u. v. A. B. Zottmayr, 1832 (München, Bayer. Ak. d. Wiss.), Abb. in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1958, S. 40, u. Geist u. Gestalt III, Taf. 37.

  • Autor/in

    Thomas Sperling
  • Empfohlene Zitierweise

    Sperling, Thomas, "Schrank, Franz von" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 518-519 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861066X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schrank: Franz v. Paula v. S., Naturforscher, geboren zu Varnbach bei Schärding a/Inn am 21. August 1747, zu München am 22. December 1835. Mit dem neunten Lebensjahre trat S. in die Jesuitenschule zu Passau ein, woselbst er ausgezeichneten Unterricht genoß, so daß er später ein überzeugtes|und eifriges Mitglied des Ordens wurde. Das erste Jahr seines Noviziats verlebte er in Wien, im zweiten ging er, einem alten Herkommen gemäß, für einige Zeit in ein entfernteres Collegium, nach Oedenburg in Ungarn. Hier lernte er den früher in Brasilien als Missionär thätig gewesenen Pater Sluha kennen, der zuerst die Neigung für die Naturwissenschaften in dem lebhaften und begabten Jüngling weckte. In Raab, Tyrnau und Wien setzte er seine Studien fort, die theologischen, philosophischen, mathematischen und naturwissenschaftlichen Disciplinen mit gleichem Eifer treibend. Als jedoch infolge seiner botanischen Excursionen Anfälle von Blutspeien eintraten, die seinen ohnehin schwächlichen Körper zu untergraben drohten, versagte ihm der für seine Gesundheit besorgte Ordensgeneral Laurentius Ricci die gewünschte Stelle eines Missionärs in Indien oder Amerika und versetzte ihn 1769 als Lehrer an die Jesuitenschule nach Linz. Hier blieb S. 4 Jahre, bis die Auflösung des Ordens ihn veranlaßte, nach Wien zurückzukehren, wo er die höheren Weihen der Kirche empfing und im December 1774 Priester wurde. Nachdem er 1776 die theologische Doctorwürde erlangt, kehrte er in das väterliche Haus zurück und beschäftigte sich vorzugsweise mit naturhistorischen Arbeiten, von denen er einen Theil unter dem Titel: „Beiträge zur Naturgeschichte“ 1776 erscheinen ließ. Noch in demselben Jahre erhielt S. die Professur für Mathematik und Physik am Lyceum zu Amberg, dann jene der Rhetorik zu Burghausen. Hier wurde ihm auch die Gelegenheit zu landwirthschaftlichen Studien geboten, für welche er Zeitlebens eine gewisse Vorliebe behielt und die er auch in seinen amtlichen Wirkungskreis aufnahm, als er 1784 nach der Universität Ingolstadt als Professor der Landwirthschaft versetzt wurde, als welcher er zugleich Berg- und Forstwissenschaft, Botanik und Zoologie zu lehren hatte. Von Ingolstadt siedelte er mit der Universität nach Landshut über, bis das Jahr 1809 seine akademische Lehrthätigkeit beendete, insofern er am 12. October dieses Jahres Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu München wurde mit der besonderen Bestimmung, den neu angelegten botanischen Garten zu leiten. Vor dem Eintritt in diese Stellung unternahm S. noch eine Reise nach der Lombardei und Venedig, welche, außer der erwähnten Reise nach Ungarn, die einzige war, die er außerhalb Baierns gemacht. Seine Stellung als Akademiker füllte seine übrige Lebenszeit aus und gewährte ihm noch eine lange Muße litterarischen Schaffens, da es ihm gegönnt war, bis an die äußerste Grenze menschlichen Lebens noch thätig wirken zu können. Im 89. Lebensjahre beschloß ein sanfter Tod sein in ruhigem Gleichmaß dahingeflossenes Leben. Von umfassender Gelehrsamkeit, scharfem Urtheile und unbestechlicher Wahrheitsliebe, erfreute sich S. eines hohen Ansehens unter seinen Zeitgenossen und erwarb sich ruhmvolle Anerkennung seitens seines Fürstenhauses, der Regierung und der gelehrten Welt. Allerdings gab diese Anerkennung dem von dem Bewußtsein seiner Verdienste voll durchdrungenen Manne eine gewisse kühle Gemessenheit und Förmlichkeit im Verkehr mit gleich oder niedriger gestellten Personen. Wiederholt zum Rector gewählt während seiner Amtsthätigkeit in Ingolstadt und Landshut, fand er mehrfach Veranlassung gelegentlich der Anwesenheit der französischen und österreichischen Heere, die Energie seines Charakters zum Vortheile der Universität zu bethätigen. Die schriftstellerischen Leistungen Schrank's auf den verschiedensten wissenschaftlichen Gebieten waren geradezu erstaunlich. Mehr als 40 selbständige Werke und über 200 Abhandlungen und kleinere Aufsätze entstammen seiner Feder. In der Botanik wird sein Name als tüchtiger Florist stets mit Ehren genannt werden. Dem Einfluß der von Linné ausgegangenen systematischen Richtung, die zur Veröffentlichung einer ungemessenen Zahl von Specialfaunen und -Floren führte, konnte sich auch S. nicht entziehen; doch zeigen seine descriptiven Arbeiten eine große Selbständigkeit des Urtheils neben klarer Darstellung und consequenter Anordnung der Einzelheiten. In dieser Beziehung sind zu rühmen seine 1789 in 2 Bänden erschienene „Bairische Flora“, ferner seine „Primitiae Florae Salisburgensis“ vom Jahre 1792; vor allem aber seine „Flora Monacensis“, zu welcher Joh. Nepomuk Mayrhofer die 400 colorirten Tafeln lieferte und die in 4 Bänden in Großfolio von 1811—1818 herauskam. Nicht minder werthvoll waren die Resultate seiner wissenschaftlichen Reisen, die er zum Theil auf Veranlassung und Kosten der Münchener Akad. d. Wissensch. unternahm. Dahin gehören seine gemeinsam mit Karl Ehrenbert v. Moll verfaßten „Naturhistorischen Briefe über Oesterreich, Salzburg, Passau und Berchtesgaden“, deren 2 Bände 1785 erschienen; ferner die „Akademische Reise nach den südlichen Gebirgen von Baiern im J. 1788“, veröffentlicht 1793. S. nahm sich hierbei Linné's naturhistorische Reisen in die schwedischen Provinzen zum Vorbild und lieferte Seitenstücke zu diesen, gleich reich an mannichfachen werthvollen Beobachtungen, wie an praktisch wichtigen Bemerkungen. Besonders verdankt ihm die Landwirthschaft Baierns vielfache Bereicherung. Von geringerem Erfolge waren Schrank's physiologische Arbeiten. In ihnen konnte er sich über den teleologischen Standpunkt seiner Zeit nicht erheben und „Alles ist sich gegenseitig Zweck und Mittel“ war sein Grundsatz. In die Reihe derselben gehören: „Von den Nebengefäßen der Pflanzen und ihrem Nutzen“, 1794, worin er den Pflanzenhaaren die Rolle einsaugender Organe zuschrieb und einige Abhandlungen in den Münchener Denkschriften der Jahre 1809 und 1810, welche die Bewegung der Aufgußthierchen, die Priestley'sche grüne Materie u. s. w. besprechen. Als Director des Münchener botanischen Gartens war S. außerordentlich thätig und verwerthete seine über ganz Europa, Ost- und Westindien ausgebreitete Correspondenz im Interesse dieses Institutes, das sich unter seiner Leitung zu einem der reichsten dieser Art in Deutschland entwickelte. Eine litterarische Frucht dieser Thätigkeit war das in 2 Foliobänden mit 100 colorirten Tafeln erschienene Werk: „Plantae rariores horti academici Monacensis descriptae et iconibus illustratae“ 1819. Seine zahlreichen Einzelaufsätze über naturwissenschaftliche Fragen finden sich zerstreut in den Münchener Denkschriften, der Zeitschrift der Regensburger botanischen Gesellschaft, in der Flora, den Berichten der Wetterau-Gesellschaft und in Hoppe's botanischem Taschenbuch, woselbst die Jahrgänge aus den ersten 20 Jahren unseres Jahrhunderts fast in jedem Bande Schrank's Namen aufweisen (vgl. Catalogue of scient. pap. Vol. V, 1871). Die letzten Lebensjahre des Greises waren wiederum seiner eigentlichen Berufswissenschaft gewidmet, der Theologie, und die 3 Schriften: „Das Hexaëmeron, oder die Erklärung der 6 Schöpfungstage“, „Abhandlung über die Geschichte des Christenthums in China“ und endlich ein voluminöser „Commentarius literalis in genesin“, waren die letzten, die seiner Feder entflossen.

    • Literatur

      v. Martius, Akad. Denkreden 1866. — Pritzel, thes. lit. bot.

  • Autor/in

    E. Wunschmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wunschmann, Ernst, "Schrank, Franz von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 32 (1891), S. 450-452 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861066X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA