Lebensdaten
1773 bis 1831
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Landshut (Bayern)
Beruf/Funktion
Botaniker ; Mediziner ; Reiseschriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 104365838 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schultes, Joseph August
  • Schultes, August
  • Schultes, I. A.
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Zitierweise

Schultes, Joseph August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104365838.html [20.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Michael, Schmied aus Wörth b. Regensburg, später Kammerdiener d. Gf. Oettingen-Wallerstein in W.;
    M N. N.: Wien 1797 Maria v. Kleber;
    8 K u. a. Julius Hermann (1804–40). nach d. Erkrankung d. Vaters Dir. an d. chirurg. Schule in L., später prakt. Arzt in München, publizierte techn., med. und naturwiss. Arbb. (s. BLÄ; ÖBL).

  • Leben

    Gegen den Willen seines Vaters trat S. 1787 in ein Gymnasium in Wien ein und arbeitete nebenbei als „Illuminator“ für einen Kunsthändler. Seit 1791 erhielt er ein Stipendium, 1792 begann er ein Medizinstudium, das er 1796 mit der Promotion bei Johann Peter Frank (1745–1821) abschloß. Bereits 1794 veröffentlichte S. eine umfangreiche „Flora austriaca“ (2 Bde., 21814 u. d. T. Österreichs Flora), die trotz einiger Mängel als erstes Werk dieser Art (abgesehen von dem sehr teuren und daher wenig verbreiteten gleichnamigen Prachtwerk von Nikolaus Joseph v. Jacquin, 5 Bde., 1773–78) seinen Ruf als Gelehrter begründete. 1796 eröffnete S. eine Arztpraxis in Wien, 1797 erhielt er die Lehrkanzel für Botanik und Naturgeschichte an der Theresianischen Ritterakademie in Wien und war fortan als Lehrer, Arzt und Schriftsteller tätig.

    1799-1801 publizierte S. den dreibändigen „Ehestand-Almanach, Ein Taschenbuch für Eheleute und Ehelustige“, 1802 gründete er die Zeitschrift „Annalen der österr. Literatur und Kunst“, die er bis 1805 auch redigierte. Nach Reisen in die Schweiz und Deutschland begleitete er 1802, kurz nach der Erstbesteigung, Gf. Apponyi auf den Großglockner.

    Aus politischen Gründen ging S. 1806 als Professor der Botanik und Chemie sowie für Klinik und Spezielle Therapie an die Univ. Krakau, wo er den vernachlässigten botanischen Garten erneuerte. Im folgenden Jahr bereiste er als k. k. Kommissär Galizien und untersuchte die dortigen Heilquellen und Bergwerke. Nebenbei betrieb er Astronomie. Weil er sich in seiner Meinungsfreiheit politisch eingeschränkt fühlte, wechselte S. 1808 an den unter bayer. Verwaltung stehenden Lehrstuhl für Naturgeschichte und Chemie in Innsbruck. Als Bewunderer Napoleons und offener Gegner Österreichs wurde er 1809 nach der Rückgabe Tirols an Österreich nach Pecs (Fünfkirchen, Ungarn) verbannt. Kg. Max I. Joseph von Bayern berief ihn nach seiner Freilassung im selben Jahr auf die Lehrkanzel für Naturgeschichte und Botanik der Univ. Landshut als Nachfolger von Franz v. Schrank (1747–1835). Zusätzlich wirkte er als Professor für Spezielle Therapie an der medizinischen Sektion und erhielt den Titel eines bayer. Hofrates. Seine kritische Art machte ihm Feinde in der Beamtenschaft und im Klerus, die ihn u. a. an der Umgestaltung des Botan. Gartens hinderten. 1824 erfolgte seine Berufung zum Direktor der Universitätsklinik in Landshut. Mit der Verlegung der Universität 1826 nach München hatte er nur mehr die Direktion der Chirurgischen Schule in Landshut inne.

    Als Ergebnis seiner Reisen durch Deutschland, in die Schweiz und nach Frankreich 1811 veröffentlichte S. neben botanischen und mineralogischen Beobachtungen auch sozialpolitische und medizinische Schriften. Unter Mitarbeit von Johann J. Römer (1763–1819) begann er mit der Herausgabe seiner Neubearbeitung von Linnes „Systema vege-tabilium“ (Caroli a Linné Equitis Systema ve-getabilium secundum classes ordines, genera, species etc., 10 Bde., 1817–30). Seit dem 6. Band (1827) unterstützte ihn dabei sein Sohn Julius Hermann, mit dem er auch alle späteren Reisen gemeinsam durchführte. 1823/24 gab er die „Flora capensis“ von Karl Peter Thunberg (1743–1828) heraus, eines der wichtigsten botanischen Werke über das südliche Afrika. S. verfaßte auch zahlreiche Reisebeschreibungen und trug zur Erschließung der Bergwelt bei.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. zahlr. wiss. Ges., u. a. d. Ges. d. Wiss., Göttingen (1810), d. Ak. d. Wiss., Turin (1812), d. Naturforschenden Ges., Genf (1813), d. Ges. z. Förderung d. gesamten Naturwiss., Marburg (1817); Ehrenmitgl. d. Botan. Ges. in Altenburg, Erlangen, Regensburg, Stockholm u. Zürich, sowie d. Mine-ralog. Soc. Jena.

  • Werke

    Flora austriaca, enchiridion ad excursiones botanicas, 2 Bde., 1794: Versuch e. Hdb. d. Naturgesch. des Menschen, 1799;
    Über Reisen im Vaterlande z. Aufnahme d. Vaterland. Naturgesch., 1799;
    Ausflüge nach d. Schneeberge in Unterösterr. mit e. Fauna u. Flora d. südwestl. Gegend um Wien bis zu dem Gipfel d. Schneeberges, 1802, J1824. teilw. Nachdr. 1982;
    Reise auf den Glockner, an Kärnthens. Salzburgs u. Tyrols Grenze. 1804;
    Reise durch Salzburg u. Berchtesgaden 1804, Neudr. 1987;
    Über d. Mineralquellen zu Arunica in Ostgalizien, ihre Bestandteile u. Heilkräfte, 1808;
    Baiern's Flora. Vollst. Beschreibung d. im Kgr. Baiern wild wachsenden Pflanzen, 1811;
    Briefe über Krankr. auf e. Fussreise im f. 1811, 2 T., 1815;
    Anleitung z. gründl. Studium d. Botanik z. Gebrauche b. Vorlesungen u. z. Selbstunterrichte, 1817;
    Grundriss e. Gesch. u. Lit. d. Botanik v. Theophrastos Eresios bis auf d. neusten Zeiten, nebst e. Gesch. d. botan. Gärten, 1817;
    Donaufahrten. Ein Hdb. f. Reisende auf d. Donau, 2 Bde., 1819/27.

  • Literatur

    ADB 32;
    A. Albrechtskirchinger, J. A. S. u. sein Tätigkeitsber. v. J. 1824/25 aus d. Landshuter Univ.klinik, Diss. masch. München 1943;
    E. A. Geyer, Die med. Lehranstalten d. Ludwig-Maximilians-Univ. in Landshut 1800-1826, Diss. München 1966;
    V. Kraushofer, J. A. S. u. s. Bedeutung f. d. österr. Landeskde., Hausarb. Wien 1970;
    F. A. Stafleu u. R. S. Cowan, in: Taxonomic Literature 5, 1985, S. 365-68;
    G. Sutner, J. A. S. (1773-1831), Med. u. naturwiss. Beobachtungen in seinen Reisebeschreibungen. Schrr.reihe d. Münchner Ver. f. Gesch. d. Med. 20, 1987 (W-Verz.);
    Wurzbach;
    Pogg. II;
    ÖBL;
    Biogr. Lex. LMU;
    Lex. Bryologen;
    |Qu Univ.archive Wien u. LMU München;
    Haus-, Hof- u. StA, Wien;
    Bayer. HStA München;
    Cotta-Archiv, Schiller-Nationalmus., Marbach/Neckar.

  • Autor/in

    Christa Riedl-Dorn
  • Empfohlene Zitierweise

    Riedl-Dorn, Christa, "Schultes, Joseph August" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 692-694 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104365838.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schultes: Joseph August S. wurde 1773 in Wien geboren. Nachdem er daselbst Medicin und Naturwissenschaften studirt und den Doctorgrad erworben hatte, wurde er Professor an der Theresianischen Ritterakademie. Alsdann wirkte er kurze Zeit in gleicher Eigenschaft an der Universität zu Krakau und später in Innsbruck. Im Jahre 1810 folgte er einem Rufe als Director der chirurgischen Schule zu Landshut, wo er am 21. April 1831, infolge zahlreicher Schicksalsschläge mit sich und der Welt zerfallen und selbst gegen seine eigenen Kinder mit Mißtrauen erfüllt, starb. S. war einer der thätigsten Botaniker seiner Zeit. Schon 1794 veröffentlichte er eine umfassende Flora von Oesterreich in zwei Bänden und förderte die Kenntniß derselben durch zahlreiche größere und kleine Reisen, deren Resultate er in „Ausflüge nach dem Schneeberg" 1802 und „Reisen durch Oberösterreich“, 2 Bde. 1809, sowie später in „Reise auf den Glockner“ 1824 niederlegte. Zu erwähnen ist ferner eine Arbeit über den botanischen Garten in Krakau: „Catalogus primus plantarum horti botanici Universitatis Cracoviensis“ 1807, secundus 1808. Sein „Grundriß einer Geschichte und Litteratur der Botanik von Theophrastos Eresios bis auf die neusten Zeiten, nebst einer Geschichte der botanischen Gärten“ 1817, zeugt zwar von seinen gediegenen Fachkenntnissen, leidet aber an manchen Mängeln. So erschwert das Fehlen aller Register den Gebrauch des Werkes; auch fehlt die Pflanzenphysiologie und die Systemkunde völlig, da S. sie einem zweiten Theile, der aber nie erschienen ist, einflechten wollte. Bemerkenswerth ist der Anhang, der die sorgsam ausgearbeitete Geschichte von 128 botanischen Gärten enthält. In Gemeinschaft mit Römer, Kurt Sprengel und seinem Sohne Julius Hermann Schuttes gab er eine neue Ausgabe von Linné 's Systema vegetabilium, 10 Bde. 1817—1830 heraus. Sein reichhaltiges Herbarium wurde unter Vermittlung einiger Freunde nach seinem Tode für 3000 Rubel an die Universität Charkow im südlichen Rußland verkauft.

    • Literatur

      Neuer Nekrolog IX, 350.

  • Autor/in

    W. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Wilhelm, "Schultes, Joseph August" in: Allgemeine Deutsche Biographie 32 (1891), S. 693 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104365838.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA