Lebensdaten
1853 bis 1940
Geburtsort
Baden (Niederösterreich)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspielerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118759280 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schratt, Maria Katharina
  • Schratt, Katharina
  • Schratt, Maria Katharina
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Zitierweise

Schratt, Katharina, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118759280.html [17.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Anton (1804–83), Lebensmittelkaufm., Gde.rat u. Stadthptm. v. B., S d. Johann Chrysostomus (1773–1851), aus Konstanz (Vorderösterr.), Kreiswund- u. Kurarzt in B. (s. ÖBL), u. d. Rosalia Binz (1781–1856);
    M Katharina (1825–96), T d. Leopold Wallner (1777–1841), Drechsler, Feuerwehr-Kdt. in B., u. d. Aloisia Dietrich;
    Ur-Gvv Johann Georg Binz (1748–1824), Buchhändler u. Antiquar in W.;
    Wien (?) 1879 Trennung 1880 Nikolaus (1852–1909), k. u. k. Konsulatsbeamter, S d. Nikolaus Kiss v. Ittebe, aus ungar. Adelsfam. ehemals mit Großgrundbesitz im Banat (heute Rumänien), u. d. Helene v. Damaszkin;
    1 S Anton Kiss v. Ittebe (1880–1970, Frhr. 1911), Legationsrat;
    Gvv oder Gr-Ov d. Ehemanns Ernst (Ernő) Kiss v. Ittebe (1800–49 hingerichtet), aus Temeswar, Gen., ungar. Revolutionär (s. ÖBL).

  • Leben

    Noch während der Schulzeit an der Mädchenschule Krones in Baden erhielt S. Gelegenheit, bei einem Liebhabertheater mitzuwirken (1868); nach anfänglichem Widerstand der Eltern durfte sie sich 1869-71 in Wien an der Theaterakademie des Burgschauspielers Eduard Kierschner (1825–79) ausbilden lassen. Im April 1872 debütierte sie in der Titelrolle von Sigmund Schlesingers „Die Gustel von Blasewitz“ am Berliner Hoftheater. Der Erfolg ihres Käthchens (Das Käthchen von Heilbronn v. H. v. Kleist) Okt. 1872 ermutigte sie, unter vorzeitigem Abbruch des Berliner Engagements sich mit dieser Rolle bei Heinrich Laube (1806–84) am Wiener Stadttheater vorzustellen (März 1873). Hier entwickelte sie sich binnen kurzem von der jugendlichen Naiven mit der Katharina aus Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ (Dez. 1873) auch zur komischen Charakterdarstellerin. 1874/75 – Laube hatte seine Direktion vorübergehend niedergelegt – gastierte sie mehrere Monate am Dt. Hoftheater von St. Petersburg. Mit|Laubes zweiter Demission Mitte 1879 verließ sie abermals das Wiener Stadttheater, um sich seinem Ensemble von Jan. 1880 bis 1881/82 erneut anzuschließen. Gastspielreisen führten S. im Febr. 1882 an das dt.sprachige Thalia-Theater in New York, im Frühjahr 1883 nach Czernowitz. Im Nov. 1883 debütierte sie als Lorle (Dorf u. Stadt v. Charlotte Birch-Pfeiffer) am Wiener Burgtheater, dem sie seit 1887 als Hofschauspielerin bis Okt. 1900 angehörte.

    Mit der ihr eigenen Natürlichkeit und Frische, mit Liebenswürdigkeit und Humor spielte sie in zahlreichen Komödien und Lustspielen aus der Tagesproduktion dt. wie franz. Provenienz (Ed. v. Bauernfeld, O. Blumenthal, F. v. Schönthan/G. Kadelburg, F. G. Triesch, L. Halévy, H. Meilhac, E. Pailleron, E. Scribe), desgleichen in Produktionen des Gesellschafts- (E. Augier, O. Feuillet, H. Ibsen, P. Lindau, G. Ohnet, G. Sand, V. Sardou) und des naturalistischen Dramas (A. Schnitzler, H. Sudermann) sowie in einigen Volksstücken (F. Kaimund, L. Anzengruber). Schmal blieb v. a. ihr klassisches Repertoire mit Kleists Käthchen (1883, 1891) und Shakespeares Katharina (1884, 1890) als wichtigsten Rollen. 1888 wurde sie als heitere Muse auf dem Hauptvorhang des neuen Burgtheaters verewigt.

    Der starke Eindruck, den sie von Anfang an auf Ks. Franz Joseph (1830–1916) machte, führte seit 1886 zu einer persönlichen Verbindung, die mit der offiziellen Funktion als Vorleserin der Ksn. Elisabeth (1837–98) bemäntelt wurde. Dank dieser Beziehung hatte sie Anteil am Zustandekommen der Direktion Max Burckhards (1890–98), die ihr eine privilegierte Stellung mit weitreichender Einflußnahme sicherte. Dies änderte sich 1898 mit der Direktion Paul Schlenthers (1854–1916), gegen den sie erfolglos intrigierte. Ihre – zu rein taktischen Zwecken beantragte – Pensionierung führte aber auch zum Bruch mit dem Kaiser; gleichwohl blieb der Kontakt, zum erheblichen finanziellen Nutzen der politisch uninteressierten S., auch danach noch bestehen. Erste Auftritte nach ihrem Abgang vom Burgtheater absolvierte S. 1901 auf Gastspielen in Stuttgart und München, im Okt. auch in Wien. Einen letzten, ob seiner Pikanterie als gewagt empfundenen Triumph feierte sie im Okt. 1903 am Wiener Dt. Volkstheater in der Titelrolle des Lustspiels „Maria Theresia“ (Franz v. Schönthan). Über ihr – von Ksn. Elisabeth geschütztes – Verhältnis zum Kaiser bewahrte sie bis zuletzt absolute Diskretion: für die Behauptung einer Ehe fehlen beweiskräftige Quellen.

  • Werke

    Wertere Rollen u. a. klass. Repertoire: Elise, in: Der Geizige v. Molière, 1885;
    Porzia, in: Der Kaufmann v. Venedig v. W. Shakespeare, 1886;
    Elisabeth, in: Don Karlos v. F. Schiller, 1890;
    Franziska, in: Minna v. Barnhelm v. G. E. Lessing, 1894;
    Dorine, in: Der Tartüff v. Molière, 1900.

  • Literatur

    H. Laube. Das Wiener Stadt-Theater, 1875;
    N. Fürstin Fugger. Im Glanz d. Ks.zeit, 1932, 21980;
    H. Mailler, Frau S., Ein Lb., 1947;
    J. de Bourgoing (Hg.), Briefe Ks. Franz Josephs an Frau K. S., 1949, veränderte Neuausg, 1964 (P);
    J. v. Kürenberg, Kaiserin ohne Krone, „K. S.“, Der Roman e. Wienerin, 1950;
    Hugo Thimig erzählt v. seinem Leben u. d. Theater seiner Zeit, Briefe u. Tageb.notizen ausgew. u. eingel. v. F. Hadamowsky, 1962;
    H. Holub, K. S., Diss. Wien 1967 (ungedr.; P)
    ;
    Meine liebe, gute Freundin!. Die Briefe Ks. Franz Josephs an K. S. aus d. Bes. d. Österr. Nat.bibl., hg. u. kommentiert v. B. Hamann, 1992, 1996 (P);
    G. Markus. K. S., Die heiml. Frau d. Ks., 1982, 41998 u. d. T. K. S., Die zweite Frau d. Ks. (P);
    J. Haslip, Die Freundin d. Ks., Franz Joseph v. Österr. u. d. Schausp. K. S., 1991, 21998, engl. Orig.ausg. 1982 (P);
    Wurzbach;
    Eisenberg;
    Kosch, Theater-Lex.: P. S. Ulrich, Theater, Tanz u. Musik im Dt. Bühnenjb., 1985;
    ÖBL;
    Hist. Lex. Wien.

  • Portraits

    Porträtphutogrr., Rollenporträts, Gem., Abb. in: J. de Bourgoing (s. L), nach S. 64, 96, 160, 208, 256 u. 416;
    K. S. als heitere Muse, v. J. Fux. Detail aus d. Vorhang d. Burgtheaters. Abb. ebd., nach S. 320;
    K. S. als Frau Wahrheit in H. Sachs' „Frau Wahrheit will niemand beherbergen“, Ölgem. v. F. Matsch. Abt. in: E. Haeussermann, Die Burg, 1964, S. 57;
    Photogrr., u. a. Ks. Franz Joseph u. K. S. beim Spaziergang (Bildarchiv d. Österr. Nat.bibl., Wien).

  • Autor/in

    Ralph-Günther Patocka
  • Empfohlene Zitierweise

    Patocka, Ralph-Günther, "Schratt, Katharina" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 519-520 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118759280.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA